Erneuerbare Energien

PJM-Auktion endet am Preisdeckel – 6,8 GW fehlen zum Zuverlässigkeitsziel

PJM erreicht in der Kapazitätsauktion den Preisdeckel und bleibt dennoch 6.831 MW unter dem eigenen Zuverlässigkeitsziel. Was die Zahlen aussagen – und was nicht.

Von Wolfgang

15. Juli 20267 Min. Lesezeit

PJM-Auktion endet am Preisdeckel – 6,8 GW fehlen zum Zuverlässigkeitsziel

PJM erreicht in der Kapazitätsauktion den Preisdeckel und bleibt dennoch 6.831 MW unter dem eigenen Zuverlässigkeitsziel. Was die Zahlen aussagen – und was nicht.

Ein Preisdeckel kann Ausschläge begrenzen. Zusätzliche gesicherte Leistung schafft er nicht. Genau das zeigt die jüngste Kapazitätsauktion des US-Netzbetreibers PJM für 2028/2029: Der Preis landete am Deckel, während zum eigenen Zuverlässigkeitsziel 6.831 Megawatt fehlten. Das ist kein Alarm für einen unmittelbar bevorstehenden Blackout, aber ein klarer Hinweis auf engere Reserven.

Das Wichtigste in 30 Sekunden

  • PJM veröffentlichte am 14. Juli 2026 die Ergebnisse seiner Base Residual Auction für das Lieferjahr 2028/2029.
  • In der Auktion wurden 138.318 MW UCAP beschafft; weitere 10.864 MW UCAP kamen separat aus Fixed Resource Requirement (FRR)-Regionen hinzu.
  • Zusammen ergeben beide Mengen 149.182 MW UCAP. Das liegt laut PJM 6.831 MW unter der eigenen Zuverlässigkeitsanforderung für ein Ereignis in zehn Jahren.
  • Der Kapazitätspreis erreichte 325 US-Dollar je MW-Tag, den von FERC genehmigten Deckel. Das ist weder ein Strompreis je MWh noch ein Endkundentarif.
  • Für Europa ist der Befund vor allem eine Marktdesign-Frage: Wie werden gesicherte Leistung, Reserven und flexible Lasten bewertet?

Was PJM am 14. Juli veröffentlicht hat

PJM Interconnection organisiert den Strommarkt und große Teile der Netzkoordination in einem Gebiet im Osten der USA. Die jetzt veröffentlichte Base Residual Auction betrifft das Lieferjahr 2028/2029. In dieser Auktion sicherte PJM 138.318 MW sogenannte unforced capacity, kurz UCAP, aus Erzeugungsanlagen und Demand Response. UCAP ist nicht einfach die installierte Nennleistung eines Kraftwerks. Die Kennzahl berücksichtigt, wie zuverlässig eine Ressource voraussichtlich gerade in Phasen mit besonders hohem Systemrisiko Leistung bereitstellen kann.

Neben der Auktionsmenge beschafften Regionen mit Fixed Resource Requirement separat 10.864 MW UCAP. Erst beide Werte zusammen ergeben 149.182 MW. Diese Trennung ist wichtig: Wer die FRR-Menge stillschweigend in die Auktion einrechnet, beschreibt das Ergebnis falsch.

Vier Größen, vier Bedeutungen

Größe Bedeutung Was sie nicht aussagt
138.318 MW In der Base Residual Auction beschaffte UCAP Keine installierte Gesamtnennleistung des Systems
10.864 MW Separat von FRR-Regionen beschaffte UCAP Keine zusätzliche Auktionsmenge
149.182 MW Summe aus Auction-UCAP und FRR-UCAP Kein Nachweis für eine vollständig risikofreie Versorgung
6.831 MW Abstand zur PJM-Anforderung für ein Ereignis in zehn Jahren Keine aktuell ausgefallene Strommenge und keine Blackout-Prognose

Warum die Lücke kein Blackout-Signal ist

PJM beschreibt die Differenz von 6.831 MW als Abstand zwischen zugesagter Leistung einschließlich FRR und der eigenen Zuverlässigkeitsanforderung. Der Maßstab bezieht sich auf ein Ereignis in zehn Jahren. Daraus folgt nicht, dass heute oder im Lieferjahr automatisch Strom ausfällt. PJM spricht vielmehr von schlankeren Reserven und einem höheren Risiko. Gleichzeitig nennt der Netzbetreiber für 2028/2029 eine Reservemarge von 14,7 Prozent.

Beide Aussagen gehören zusammen. Eine Reserve ist kein Freifahrtschein, doch auch eine Lücke zum Planungsziel ist keine Vorhersage eines Ausfalls. Für Leserinnen und Leser ist genau diese Unterscheidung hilfreicher als jede zugespitzte Schlagzeile.

Zwei unmarkierte Netzfachkräfte prüfen an einem intakten Umspannwerk technische Komponenten.
Symbolfoto: Engere Reserven sind eine Planungs- und Betriebsfrage, keine Bildvorlage für einen unmittelbar bevorstehenden Ausfall.

325 US-Dollar je MW-Tag: Kapazität ist nicht Energie

Der Clearingpreis lag im gesamten PJM-Gebiet bei 325 US-Dollar je MW-Tag UCAP. Das war der von der US-Energieregulierungsbehörde FERC genehmigte Deckel für diese Auktion. Ein Kapazitätspreis vergütet die Zusage, in einer späteren Lieferperiode zuverlässig verfügbar zu sein. Er ist kein Preis für eine tatsächlich verbrauchte Kilowattstunde und kein Tarif, den Haushalte unmittelbar auf der Stromrechnung sehen.

Wichtig zur Einordnung: PJM beziffert den Bruttowert der Auktionsmenge mit 16,4 Milliarden US-Dollar. Der Netzbetreiber weist ausdrücklich darauf hin, dass daraus nicht die gesamten Kosten für die Lastseite abgeleitet werden können. Eine Rechnung für Haushaltskosten lässt sich aus dieser Zahl deshalb nicht seriös machen.

Der Preisdeckel soll Volatilität begrenzen. Nach PJMs eigener Darstellung beseitigt er jedoch nicht das zugrundeliegende Ungleichgewicht von schnell wachsender Nachfrage und verfügbarem Angebot. Der Mechanismus dämpft den Preisausschlag; er baut keine Anlage, erschließt keinen Netzanschluss und ersetzt keine verlässliche Flexibilität.

Backstop geplant, aber noch nicht beschafft

PJM will nach eigenen Angaben im September eine FERC-Genehmigung für eine gesonderte Backstop-Beschaffung beantragen. Das ist ein möglicher nächster Schritt, keine bereits gesicherte Zusatzleistung. Bis zu einer Genehmigung und einer tatsächlichen Beschaffung bleibt offen, welche Ressourcen darüber hinaus verfügbar wären und zu welchen Bedingungen.

Auch die Nachfrageentwicklung gehört in diesen Zusammenhang. PJM verweist auf große neue Lasten und auf einen um rund 2.000 MW höheren prognostizierten Spitzenbedarf als in der vorherigen Auktion. Datenzentren tauchen in den breiteren Reformüberlegungen des Netzbetreibers auf. Das Dossier erlaubt aber keine Prozentrechnung dazu, welcher Anteil der konkreten 6.831-MW-Differenz auf Rechenzentren, KI-Anwendungen oder andere Faktoren entfällt.

Was der Auktionsbefund sagt – und was nicht

Der Befund sagt: PJM sieht für 2028/2029 engere Reserven, erreicht beim Kapazitätspreis den Deckel und plant einen zusätzlichen regulatorischen Schritt.

Der Befund sagt nicht: Dass 6.831 MW Strom aktuell fehlen, ein Blackout bevorsteht, 325 US-Dollar je MW-Tag ein Energiepreis sind oder deutsche Haushalte daraus eine bestimmte Mehrbelastung ableiten müssen.

Diese Grenzen sind keine sprachliche Vorsicht, sondern Teil der Sache. Kapazitätsmärkte verbinden langfristige Verfügbarkeitszusagen, technische Risikoannahmen und Marktregeln. Wer daraus einen einzelnen „Strompreis“ macht, verliert genau den Zusammenhang, den die Auktion sichtbar macht.

Meine Einschätzung: Ein Deckel macht Knappheit sichtbar, aber nicht kleiner

Der Preisdeckel verhindert extreme Ausschläge, aber er erzeugt keine zusätzliche gesicherte Leistung. PJMs Ergebnis zeigt deshalb vor allem, dass Marktregeln Knappheit sichtbar und beherrschbarer machen können – beseitigen können sie sie allein nicht. Die Arbeit liegt bei Ressourcen, Netzen, Anschlussprozessen und der Frage, wie flexibel Last reagieren kann.

Deshalb sollte die Debatte nicht auf Datenzentren verkürzt werden. Hohe neue Lasten können ein relevanter Kontext sein. Für die konkrete Auktionslücke liegt jedoch keine freigegebene, belastbare Aufteilung nach Ursachen vor. Wer hier eine einfache Schuldzuweisung liefert, geht über die Quellen hinaus.

Textfreie Grafik mit getrennten Ebenen für Preisbegrenzung, verfügbare Leistung und flexible Stromnachfrage.
Einordnung: Ein Preisdeckel, gesicherte Leistung und flexible Lasten erfüllen unterschiedliche Aufgaben im Stromsystem.

Was Europa sinnvoll vergleichen kann

Europa kann aus PJMs Zahlen keinen Dollarpreis, keine Reservequote und kein Ausfallrisiko übernehmen. Vergleichbar ist die Fragestellung. Die europäische Resource Adequacy Assessment, kurz ERAA, bewertet nach Angaben der EU-Agentur ACER die Angemessenheit der Versorgung für das kommende Jahrzehnt gegen nationale Zuverlässigkeitsstandards. Sie kann damit auch die Beurteilung unterstützen, ob nationale Kapazitätsmechanismen erforderlich sind.

Für die europäische Debatte relevant

  • Wie werden gesicherte Leistung und erwartete Verfügbarkeit bewertet?
  • Welche Rolle spielen flexible Lasten, Speicher und Reservebeschaffung?
  • Wo liegen Engpässe bei Netzen und Anschlüssen?
  • Welche Regeln begrenzen Preisspitzen, ohne den Investitionsbedarf zu verdecken?

Der Vergleich endet dort, wo konkrete Regeln und Werte beginnen. PJMs Marktmodell, die FERC-Vorgaben und die US-Dollarbeträge gelten nicht für Deutschland oder die EU. Der Nutzen der Nachricht liegt daher nicht in einer Übertragung, sondern in der klaren Frage nach dem Zusammenspiel von Markt, Reserve und real verfügbarer Leistung.

FAQ zur PJM-Auktion

Was bedeutet UCAP?

UCAP steht für unforced capacity. Die Kennzahl bildet nicht nur die installierte Leistung ab, sondern berücksichtigt die erwartete Fähigkeit einer Ressource, in Zeiten hohen Systemrisikos zuverlässig zu leisten.

Ist die 6.831-MW-Differenz ein Beleg für einen bevorstehenden Stromausfall?

Nein. Sie beschreibt den Abstand zu PJMs Zuverlässigkeitsanforderung für ein Ereignis in zehn Jahren. PJM leitet daraus schlankere Reserven und ein höheres Risiko ab, nicht die sichere Vorhersage eines Ausfalls.

Warum ist der Kapazitätspreis kein Strompreis?

Der Preis von 325 US-Dollar je MW-Tag vergütet Kapazitätsverfügbarkeit. Er ist weder ein Energiepreis pro MWh noch ein unmittelbar übertragbarer Endkundentarif.

Quellen und weiterführende Informationen

Hinweis: Für diesen Artikel wurden KI-gestützte Recherche- und Editierwerkzeuge verwendet. Der Inhalt wurde redaktionell geprüft. Stand: 2026-07-15