Auf einen Blick
Perowskit-Solarzellen erreichen im Labor inzwischen Wirkungsgrade um die Marke von 31 %. Das klingt nach einem großen Sprung, heißt aber noch nicht, dass solche Module sofort aufs Hausdach kommen. Entscheidend sind Haltbarkeit, sichere Produktion und unabhängige Modul-Tests, bevor Hersteller lange Garantien geben können.
Das Wichtigste
- Die 31 %-Marke bezieht sich typischerweise auf einzelne Solarzellen im Labor, nicht auf fertige Dachmodule.
- Für den Alltag zählen neben dem Wirkungsgrad vor allem Stabilität, Sicherheit und standardisierte Modulprüfungen.
- Der Weg vom Rekord zur Massenfertigung ist aufwendig: Beschichtung, Versiegelung und gleichbleibende Qualität sind kritisch.
- Erste Produkte werden eher schrittweise in Spezialmärkten starten, bevor der breite Dachmarkt folgt.
Einleitung
Rund 31 % Wirkungsgrad: Diese Zahl macht gerade in der Photovoltaik-Szene die Runde und steht für einen neuen Spitzenwert bei sogenannten Tandemzellen. Dabei wird eine Perowskit-Schicht mit Silizium kombiniert, um mehr Sonnenlicht zu nutzen. Heute ist das vor allem eine Forschungsnachricht – und eine Erinnerung daran, warum Perowskit-Solarzellen trotz Rekorden noch nicht überall auf Dächern liegen.
Was neu ist
Die Marke von etwa 31 % wird derzeit als Rekord für Perowskit-Silizium-Tandemzellen diskutiert. Eine Tandem-Solarzelle ist vereinfacht gesagt „zwei Solarzellen übereinander“: Oben sitzt eine Perowskit-Schicht, unten eine Siliziumzelle. So kann das System Lichtanteile aufnehmen, die eine einzelne Schicht sonst liegen lässt – ähnlich wie zwei unterschiedlich getönte Sonnenbrillen, die zusammen mehr Blendeffekte abfangen.
Wichtig ist die Einordnung: Solche Rekorde beziehen sich häufig auf einzelne, kleine Forschungszellen. Unabhängige Übersichten wie die „Best Research-Cell Efficiencies“-Tabelle des US-Forschungsinstituts NREL führen solche Bestwerte als Forschungsstände. Für ein Dachmodul gelten danach zusätzliche Anforderungen, zum Beispiel Tests nach etablierten Normen, bevor ein Produkt als robust und sicher gilt.
Was das bedeutet
Für Haushalte wäre ein höherer Wirkungsgrad vor allem ein Platzvorteil: Auf derselben Dachfläche könnte mehr Strom entstehen. Das ist besonders attraktiv, wenn das Dach klein ist oder zusätzlich ein E-Auto geladen werden soll. Trotzdem sollte man Laborrekorde nicht mit fertigen Solarmodulen gleichsetzen. Zwischen einer Rekordzelle und einem Modul liegen viele Schritte, bei denen Leistung verloren gehen kann, etwa durch Verkapselung, elektrische Verschaltung und Schutzglas.
Der größte Bremsklotz ist meist die Haltbarkeit. Perowskit-Materialien reagieren empfindlicher auf Feuchtigkeit, Hitze und UV-Licht als klassische Siliziummodule. Für den Dachmarkt sind aber lange Laufzeiten und stabile Erträge entscheidend, weil Kauf, Montage und Finanzierung auf viele Jahre gerechnet werden. Ohne überzeugende Langzeitdaten und standardisierte Modulprüfungen bleibt ein Rekord deshalb vor allem ein Signal: Das Potenzial ist hoch, die Alltagstauglichkeit muss es noch beweisen.
Wie es weitergeht
Als nächster Schritt zählt weniger die nächste Prozentzahl, sondern reproduzierbare Serienqualität. Das heißt: Jede Zelle muss ähnlich gut funktionieren, und jedes Modul muss in großen Stückzahlen gleich dicht, gleich stabil und elektrisch zuverlässig sein. Dazu kommen Sicherheits- und Belastungstests, die bei Photovoltaik üblich sind, etwa für Temperaturwechsel, Feuchtigkeit und mechanische Lasten. Erst wenn solche Prüfungen bestanden sind, lassen sich seriöse Garantien und Bankfinanzierungen aufsetzen.
Parallel bauen Unternehmen und Institute Pilotproduktionen aus, um Prozesse zu stabilisieren. Ein realistischer Weg in den Markt ist ein stufenweiser Start: zunächst kleinere Stückzahlen oder Anwendungen mit besonderen Anforderungen, später breitere Verfügbarkeit für Dachanlagen. Firmen wie Oxford PV arbeiten seit Jahren an Perowskit-Silizium-Tandemprodukten und kommunizieren entsprechende Entwicklungsfortschritte. Ob und wann die Technik „auf jedem Dach“ ankommt, hängt am Ende von drei Punkten: stabile Leistung über Jahre, verlässliche Lieferketten und ein Preis, der zum Massenmarkt passt.
Fazit
Die 31 %-Marke zeigt: Perowskit-Solarzellen sind technologisch sehr weit gekommen. Für den Sprung aufs Hausdach müssen sie aber vor allem langlebig, sicher und in großer Stückzahl stabil herstellbar sein.
Teilen Sie gern Ihre Einschätzung: Würden Sie für mehr Leistung pro Fläche auf eine neue Modultechnik warten?




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