Erneuerbare Energien

Neue Vergleichsdaten für Europas Strommodelle

ACER öffnet EU-CONE-Daten für Strommodelle. Warum gemeinsame Kostenannahmen helfen und keine Strompreisprognose sind.

Von Wolfgang

01. Aug. 20266 Min. Lesezeit

Neue Vergleichsdaten für Europas Strommodelle

ACER öffnet EU-CONE-Daten für Strommodelle. Warum gemeinsame Kostenannahmen helfen und keine Strompreisprognose sind.

Wenn Strommodelle für dieselbe Frage mit unterschiedlichen Kostenannahmen rechnen, lassen sich ihre Ergebnisse kaum sauber nebeneinanderlegen. ACER stellt dafür nun erstmals frei zugängliche, EU-weit harmonisierte Referenzdaten bereit. Sie können Szenarien nachvollziehbarer machen – sie sagen aber weder den Preis eines konkreten Speichers noch die nächste Stromrechnung voraus.

Das Wichtigste in 30 Sekunden

  • ACER hat am 30. Juli 2026 den offenen EU-CONE-Datensatz für ausgewählte neue Stromressourcen und Nachfrageflexibilität veröffentlicht.
  • Der Datensatz trennt technoökonomische Parameter wie CAPEX, FOM und VOM von einem zusätzlichen modellierten Investitionspotenzial für 2030.
  • Gemeinsame Eingaben können länderübergreifende Stromsystem- und Angemessenheitsmodelle besser vergleichbar machen.
  • Die Werte sind keine Baupreise, keine Ausbauzusage und keine Prognose für Haushaltsstromtarife.

Warum unterschiedliche Annahmen ein Problem sind

Stromsysteme enden nicht an Landesgrenzen. Speicher, flexible Nachfrage, Kraftwerke und Leitungen wirken über Märkte und Verbindungen hinweg zusammen. Für langfristige Szenarien müssen Modelle deshalb festlegen, welche neuen Ressourcen sie abbilden und welche Kostenarten dafür angesetzt werden. Beschreibt jedes Land diese Annahmen anders, werden zwei Rechnungen selbst bei ähnlicher Ausgangsfrage nur schwer vergleichbar.

EU CONE setzt genau dort an. Die Abkürzung steht für Cost of New Entry: Gemeint sind Kostenannahmen für klar definierte neue Referenzressourcen. Das ist nicht dasselbe wie ein aktuelles Angebot eines Projektentwicklers, ein Zuschlag in einer Ausschreibung oder ein Preis auf der Stromrechnung.

Was ACER nun geöffnet hat

Die EU-Agentur für die Zusammenarbeit der Energieregulierungsbehörden, ACER, veröffentlichte am 30. Juli 2026 erstmals einen frei zugänglichen EU-weiten EU-CONE-Datensatz. Nach ACERs Beschreibung soll er langfristige Stromsystemmodelle, künftige Ausgaben der europäischen Angemessenheitsbewertung ERAA sowie nationale Analysen mit konsistenteren Eingaben unterstützen.

Der offizielle Katalog führt zwei getrennte Datenobjekte. Das eine enthält technoökonomische Parameter. Das andere beschreibt zusätzliches modelliertes Investitionspotenzial nach Land, Technologie und Zieljahr. Diese Trennung ist wichtig: Kostenwerte und Potenzialwerte beantworten unterschiedliche Fragen und dürfen nicht zu einer scheinbar exakten Gesamtzahl vermischt werden.

Wie CAPEX, FOM und VOM in ein Strommodell eingehen

Ein Modell beginnt nicht mit einem realen Bauprojekt, sondern mit einer Referenz. Für die jeweilige Technologie werden technische Eigenschaften und Kostenarten festgelegt. Daraus entstehen Eingaben für ein Szenario; erst danach berechnet das Modell unter weiteren Annahmen mögliche Entwicklungen des Stromsystems.

Parameter Bedeutung Typische Einheit im Datensatz
CAPEX Investitionsausgaben für die definierte Referenzressource €/kW
FOM Feste Betriebs- und Instandhaltungskosten €/kW/Jahr
VOM Variable Betriebs- und Instandhaltungskosten €/MWh

Die Einheiten zeigen bereits, warum eine einfache Addition keinen Sinn ergibt. CAPEX, FOM und VOM beschreiben unterschiedliche Kostenarten über unterschiedliche Bezugsgrößen und Zeiträume. Aus ihnen lässt sich ohne weitere Modellannahmen weder ein Endkundenpreis noch ein allgemeiner Baupreis ableiten.

Grafische Darstellung von Referenzressource, getrennten Kostenbausteinen und einem europäischen Stromsystem-Szenario.
Referenztechnologie, Kostenarten und Modell-Szenario bleiben drei unterschiedliche Ebenen – durch KI erzeugt

Welche Referenztechnologien erfasst sind

Der direkt lesbare Parameterdatensatz umfasst Batterien, Gas- und KWK-Gasmotoren, Gas-GuD-Kraftwerke, offene Gasturbinen sowie industrielle und nicht-industrielle Demand-Side Response. Er bildet damit ausgewählte neue Ressourcen und Flexibilitätsoptionen ab. Solar, Wind, Wasserstoff oder der Netzausbau sind nicht automatisch Teil dieses konkreten Datenobjekts.

Auch innerhalb einer Technologie legt der Datensatz die Referenz eng fest. Für Batterien ist etwa eine Lithium-Ionen-Anlage mit vier Stunden und 175 MW hinterlegt. Solche Angaben sind kein Detail am Rand: Ohne sie wäre ein einzelner Kostenwert kaum einzuordnen.

Ein deutsches Batterie-Beispiel – mit der nötigen Einschränkung

Für die deutsche Lithium-Ionen-Referenz mit vier Stunden, 175 MW und der ökonomischen Entscheidung New Entry weist der Datensatz 734,69 €/kW CAPEX, 20,50 €/kW/Jahr FOM und 0 €/MWh VOM aus. Diese Zahlengruppe ist ein gutes Beispiel dafür, wie genau die Daten gelesen werden müssen.

Sie beschreibt nicht den Preis jedes Batteriespeichers in Deutschland. Sie enthält weder eine Aussage über individuelle Finanzierung, Standort, Netzanschluss oder Bauvertrag, noch lässt sie sich in einen Tarif für Haushalte übersetzen. Für reale Projekte wären zusätzliche Markt-, Ausschreibungs- und Regulierungsdaten nötig.

Was das zusätzliche Potenzial für 2030 bedeutet

Das zweite Datenobjekt führt zusätzliches Investitionspotenzial getrennt von den Kostenparametern. Für sichtbare Reihen ist 2030 das Zieljahr, die Werte werden in MW angegeben. Für Deutschland erscheinen dort unter anderem 2.250 MW für KWK-Gasmotoren, 2.250 MW für Gasmotoren sowie 1.696 MW industrielle und 13.996 MW nicht-industrielle Demand-Side Response.

Das sind modellierte Eingaben, keine Bestandsaufnahme und keine Zusage. Aus den Werten folgt weder, dass diese Leistung heute installiert ist, noch dass sie gebaut, finanziert oder über einen Kapazitätsmechanismus beschafft wird. Die Unterscheidung ist für die Debatte über Versorgungssicherheit zentral.

Einheitliche Daten machen Modelle nicht automatisch richtig

Eine gemeinsame Eingabeschicht kann Vergleiche verbessern. Sie beseitigt aber nicht die Unsicherheit, die in jedem Langfristmodell steckt. Die ERAA-Methodik beschreibt das europäische Stromsystem ausdrücklich als vereinfachte Darstellung. Sie arbeitet mit vielen Annahmen, darunter kostengetriebenen Einsatzentscheidungen und perfekter Voraussicht.

Der stärkste Einwand gegen zu viel Euphorie liegt deshalb nahe: Wenn Referenztechnologien, Preisstand oder Modellannahmen vom späteren Markt abweichen, bleiben auch harmonisierte Ergebnisse begrenzt. Der frei zugängliche Katalog verweist zwar auf eine EU-CONE-Studie, doch ein vollständiger, frei auslesbarer Studienbericht mit Basisjahr, Preisstand und Konfidenzintervallen liegt im vorliegenden Dossier nicht vor. Diese Fragen bleiben offen.

Modellarbeitsplatz vor einer unscharfen Energielandschaft mit Strommasten und einem Batteriespeichercontainer.
Ein Modellwert hilft beim Vergleich, ersetzt aber keine Entscheidung über ein reales Energieprojekt – durch KI erzeugt

Was das für Deutschland und Europa praktisch verändert

Für Deutschland liegt der Nutzen zunächst in der Vergleichbarkeit. Wenn Szenarien dieselben klar beschriebenen Referenzwerte verwenden, lässt sich besser erkennen, ob Unterschiede aus der Modellfrage, aus nationalen Regeln oder aus abweichenden Eingaben entstehen. Das kann Diskussionen über Flexibilität und neue Kapazitäten nachvollziehbarer machen.

Mehr folgt daraus vorerst nicht. Entscheidungen über Speicher, Kraftwerke, Netze oder Strompreise brauchen weiterhin konkrete Markt- und Regulierungsdaten. EU CONE liefert dafür keinen Ersatz, aber eine offenere Grundlage für den Teil der Debatte, der in langfristigen Modellen beginnt.

FAQ

Ist EU CONE eine Preisliste für neue Energieprojekte?

Nein. Der Datensatz enthält Parameter für technisch definierte Referenzressourcen in Modellen. Er ersetzt keine individuellen Projektkalkulationen, Angebote oder Ausschreibungsergebnisse.

Warum sind CAPEX, FOM und VOM getrennt?

Sie beschreiben verschiedene Kostenarten mit unterschiedlichen Einheiten. Erst im Zusammenhang mit Technologie, Modellannahmen und Zeitbezug können sie sinnvoll verwendet werden.

Entscheidet ACER damit über neue Kraftwerke oder Speicher?

Nein. ACER nennt Stromsystemmodelle und Angemessenheitsanalysen als mögliche Anwendungen. Eine Nutzungspflicht oder konkrete Investitionsentscheidung folgt daraus nicht.

Quellen und weiterführende Informationen

Hinweis: Für diesen Artikel wurden KI-gestützte Recherche- und Editierwerkzeuge verwendet. Der Inhalt wurde redaktionell geprüft. Stand: 2026-08-01