Erneuerbare Energien

Lüner Wohnquartier nutzt Duschwasser für Toiletten und gewinnt Wärme zurück

Duschwasser kann im Haus weiterarbeiten. Ein Pilotquartier in Lünen zeigt, wie Wasserrecycling funktioniert und weshalb der zuverlässige Betrieb zählt.

Von Wolfgang

13. Sep. 20264 Min. Lesezeit

Lüner Wohnquartier nutzt Duschwasser für Toiletten und gewinnt Wärme zurück

Duschwasser kann im Haus weiterarbeiten. Ein Pilotquartier in Lünen zeigt, wie Wasserrecycling funktioniert und weshalb der zuverlässige Betrieb zählt.

Nach dem Duschen verschwinden Wasser und Wärme gewöhnlich im Abfluss. Im Preußenquartier in Lünen bekommen sie eine weitere Aufgabe: Ein Haus bereitet Duschwasser für die Toilettenspülung auf, ein anderes gewinnt daraus Wärme zurück. Fraunhofer ISI hat die Ergebnisse des Pilotprojekts am 18. August 2026 vorgestellt. Sie zeigen einen praktikablen Ansatz, aber auch die Arbeit, die zwischen einer guten Idee und einem verlässlichen Anlagenbetrieb liegt.

Das Konzept heißt i.WET und verbindet Gebäudetechnik mit der Wasserbewirtschaftung im Freien. Es wurde gemeinsam mit dem Bauverein und dem Stadtbetrieb Abwasserbeseitigung in ein Quartier mit sieben Mehrfamilienhäusern integriert. Für die Bewohner entsteht dadurch ein zweiter Nutzungsweg für Wasser, das sonst direkt abgeleitet würde.

Aus Duschwasser wird Spülwasser

Leicht verschmutztes Wasser aus Duschen wird als Grauwasser bezeichnet. Im Lüner Demonstrationsvorhaben wird es in einem Gebäude getrennt gesammelt, biologisch behandelt, durch eine Membran gefiltert und anschließend mit UV-Licht desinfiziert. Danach dient es als Betriebswasser für Toiletten. Trinkwasser wird daraus nicht.

Die Wassermengen sind beachtlich: Von Januar bis September 2024 deckte die Anlage laut Abschlussbericht, Seite 129 rund 87 Prozent des Spülwasserbedarfs dieses Hauses. Die Zahl bezieht sich auf die Toiletten, nicht auf den gesamten Wasserverbrauch. Für das vollständige Zusammenspiel von Grau- und Regenwassernutzung nennt Fraunhofer dagegen ein berechnetes Potenzial von 30 bis 40 Prozent weniger häuslichem Trinkwasserbedarf. Das ist eine Modellrechnung für einen umfassenderen Ausbau.

Schema mit zwei getrennten Wegen: Duschwasser wird für Toiletten aufbereitet oder liefert Wärme an eine Wärmepumpe.
KI-generierte Prinzipgrafik: Im Lüner Pilotquartier werden Wasseraufbereitung und Wärmerückgewinnung in unterschiedlichen Häusern erprobt.

Der Betrieb entscheidet über den Nutzen

Der hohe Deckungsanteil bedeutete keinen störungsfreien Dauerlauf. Wie der Bericht auf den Seiten 133 und 134 beschreibt, konnte über fehlerhaft ausgeführte Überläufe unbehandeltes Wasser in den Betriebswasserspeicher gelangen. Die Anlage wurde zeitweise abgeschaltet. Nach baulichen Korrekturen und weiteren Reparaturen ging sie Ende Februar 2026 wieder in Betrieb. Bis zum Abschlussbericht im April meldeten die Forschenden keine weiteren Störungen.

Das Beispiel macht deutlich, weshalb Reinigungstechnik allein nicht genügt. Auch die Leitungsführung muss verhindern, dass Wasser die Behandlung umgeht. Für Regenwassernutzung im Haushalt betont das Umweltbundesamt ebenfalls fachkundige Installation, regelmäßige Wartung und die sichere Trennung vom Trinkwasser. Solche Systeme brauchen einen dauerhaft geregelten Betrieb.

Auch finanziell lohnt der genaue Blick: Die im Abschlussbericht untersuchte Grauwasseranlage für ein einzelnes Zehn-Wohnungen-Haus war unter den damaligen Annahmen nur grenzwertig wirtschaftlich. Größere Einsparungen beim Wasserbezug sind also noch kein Nachweis, dass sich jede kleine Anlage schnell bezahlt macht.

Wärme nutzen und Regen zurückhalten

Im zweiten Haus erschließt eine Wärmepumpe die Energie des gesammelten Duschwassers. Nach Fraunhofers Auswertung lieferte sie rund sechs Prozent des gesamten Wärmebedarfs für Heizung und Warmwasser. Die Steuerung war noch nicht optimal auf das verfügbare warme Grauwasser abgestimmt. Eine Wärmepumpe sollte hier dann arbeiten, wenn ihre Wärmequelle ausreichend Energie liefert.

Draußen übernehmen Zisternen und ein bepflanzter Bodenfilter weitere Aufgaben. Gespeichertes Regenwasser versorgt Grünflächen; Rückhalt und gedrosselte Ableitung bremsen den Abfluss. Diese Bausteine ergänzen das Recycling im Haus, weil sie Wasser zu unterschiedlichen Zeiten auffangen und nutzbar machen.

Für andere Quartiere ergibt sich daraus kein fertiges Standardpaket. Welche Kombination passt, hängt von Gebäuden, Wasseranfall, Platz und Betriebskosten ab. Das Umweltbundesamt weist bei Regenwassernutzung ausdrücklich auf solche örtlichen Unterschiede hin. In Lünen lässt sich nun an realen Anlagen prüfen, welche Teile gemeinsam sinnvoll arbeiten. Der nächste Schritt ist, diese Erfahrungen schon in die Planung weiterer Gebäude einzubringen.

Quellen

Für diesen Artikel wurden KI-gestützte Recherche- und Editierwerkzeuge verwendet. Der Inhalt wurde redaktionell geprüft.