Erneuerbare Energien

KfW-Barometer: 66 Prozent sind handlungsbereit, doch der Zugang bleibt ungleich

Die KfW meldet mehr Bereitschaft zur Energiewende. Warum Wohnform, Einkommen und Kosten darüber entscheiden, ob Haushalte wirklich investieren können.

Von Wolfgang

28. Aug. 20265 Min. Lesezeit

KfW-Barometer: 66 Prozent sind handlungsbereit, doch der Zugang bleibt ungleich

Die KfW meldet mehr Bereitschaft zur Energiewende. Warum Wohnform, Einkommen und Kosten darüber entscheiden, ob Haushalte wirklich investieren können.

66 Prozent der Haushalte sagen, sie wollten selbst zur Energiewende beitragen. Zugleich zeigt das neue KfW-Energiewendebarometer, wie weit der Weg zwischen dieser Bereitschaft und einer tatsächlichen Investition sein kann. Wer zur Miete wohnt, kann oft nicht über Dach oder Heizung entscheiden. Wer stark unter Stromkosten leidet, hat womöglich gerade weniger Geld für eine Wärmepumpe, Photovoltaik oder ein Elektroauto.

Das ist der zentrale Befund hinter den neuen Zahlen: Die Zustimmung zur Energiewende und ihre praktische Umsetzung laufen nicht im selben Tempo. KfW Research meldete am 27. August für die Befragung 66 Prozent bekundete eigene Handlungsbereitschaft. Im Vorjahr waren es 59 Prozent. Die Differenz beträgt sieben Prozentpunkte. Sie ist ein Signal, aber keine Bestellung, keine Förderzusage und keine Rechnung darüber, was sich für einen einzelnen Haushalt rechnet.

Mehr Nutzung, aber unter klaren Bedingungen

In der KfW-Abgrenzung nutzen 34 Prozent der Haushalte mindestens eine von sechs Technologien: Wärmepumpe, Aufdach-Photovoltaik, Solarthermie, Batteriespeicher, Holzpelletheizung oder Elektroauto. Das entspricht rund 14 Millionen Haushalten. Gegenüber dem Vorjahr kamen nach KfW-Angaben rund 1,1 Millionen Haushalte hinzu.

Die Zahl ist nur innerhalb dieser Abgrenzung sauber vergleichbar. Für die Ausgabe 2026 wurden Kraft-Wärme-Kopplungsanlagen und vollhybride Fahrzeuge nicht mehr mitgezählt; die Vorjahreswerte hat KfW angepasst. Auch die viel zitierten 34 Prozent sagen daher nicht, wie viele Haushalte insgesamt klimafreundlich leben. Sie beschreiben die Nutzung mindestens einer klar definierten Technikgruppe.

Ein Blick auf einzelne Bereiche erklärt, warum die Entwicklung im Alltag sichtbar wird. KfW berichtet 18 Prozent Haushalte mit Aufdach-PV und 10 Prozent mit Elektroauto oder Plug-in-Hybrid. 55 Prozent der erfassten PV-Anlagen werden laut Report zusammen mit einem Batteriespeicher betrieben. Gleichzeitig heizen 63 Prozent der befragten Haushalte weiter direkt mit Gas oder Öl; 9 Prozent nutzen eine Wärmepumpe. Das sind Bestandsangaben aus einer Befragung. Sie entscheiden nicht darüber, ob eine bestimmte Wohnung oder ein bestimmtes Haus technisch geeignet ist.

Wo die Teilhabe auseinanderläuft

Die großen Unterschiede liegen bei Wohnform und Einkommen. In selbstbewohnten Ein- und Zweifamilienhäusern nutzt laut KfW knapp drei Fünftel der Haushalte mindestens eine der erfassten Technologien, in Mietwohnungen sind es 15 Prozent. Das sind 44 Prozentpunkte Abstand. Zwischen dem obersten und dem untersten Einkommensquartil liegen die Werte bei 51 und 20 Prozent, also 31 Prozentpunkte auseinander.

Diese Gruppenwerte beweisen nicht, dass Wohnform oder Einkommen allein über die Nutzung entscheiden. Gebäudealter, Region, Wohnfläche, Autobesitz und die jeweilige Entscheidungssituation spielen ebenfalls hinein. Trotzdem beschreiben die Zahlen einen sehr praktischen Unterschied: Für eine eigene PV-Anlage braucht es eine geeignete Dachfläche und eine Entscheidungsmacht über das Gebäude. Für eine Wärmepumpe kommen Umbau, Anschluss und Finanzierung hinzu. Für ein Elektroauto braucht es nicht nur ein Fahrzeug, sondern häufig auch einen passenden Stellplatz und eine Lademöglichkeit.

Originalgrafik zeigt die Schritte von Bereitschaft über Zugang, Entscheidung und Finanzierung bis zu Umsetzung und Regelbetrieb
Zwischen Handlungsbereitschaft und Alltagstechnik liegen Zugang, Entscheidung, Finanzierung und Betrieb. – durch KI erzeugt
Signal
Ein Haushalt hält die Energiewende für wichtig oder bekundet, selbst handeln zu wollen.
Zugang und Entscheidung
Dach, Heizung, Stellplatz, Tarif oder Ladeoption müssen vorhanden sein. Entscheiden können je nach Wohnsituation der Haushalt, ein Vermieter oder eine Eigentümergemeinschaft.
Finanzierung und Umsetzung
Anschaffung, Umbau, Anschluss und Wartung müssen finanzierbar sein; außerdem braucht es Fachbetriebe, gegebenenfalls Netzanschluss und Genehmigungen.
Regelbetrieb
Erst danach zeigt sich über Verbrauch, Preise, Wartung und Finanzierung, ob sich die erhoffte Kostenwirkung im Alltag tatsächlich einstellt.

Die KfW-Erhebung erfasst vor allem das Signal und Teile der Nutzung. Sie verfolgt nicht für jeden Haushalt diese ganze Kette. Genau deshalb lässt sich aus 66 Prozent Handlungsbereitschaft keine sichere Investitionsquote ableiten.

Hohe Stromkosten können Anreiz und Bremse zugleich sein

Der Report zeigt auch, warum der Blick auf Energiepreise allein zu kurz greift. Bei Haushalten mit hohem empfundenem Stromkosten-Druck liegt die bekundete Handlungsbereitschaft bei 44 Prozent, bei geringem Druck bei 75 Prozent. KfW deutet das als Zusammenspiel aus zwei Effekten: Teure Energie erhöht zwar den Anreiz, sparsamere oder erneuerbare Technik zu nutzen. Gleichzeitig kann sie das verfügbare Geld für eine Anfangsinvestition verringern.

Das ist eine plausible Studieninterpretation, keine Diagnose für jeden Haushalt. Der Bericht misst empfundenen Kostendruck, keine geprüften Haushaltsbudgets. Dennoch hilft die Gegenüberstellung, ein verbreitetes Missverständnis zu vermeiden: Hohe laufende Kosten schaffen nicht automatisch die Möglichkeit, in neue Technik zu investieren.

Die europäische Regelung erhöht den Druck zur fairen Umsetzung

Für Deutschland wird dieser Zugang in den nächsten Jahren auch politisch wichtiger. Das europäische Emissionshandelssystem ETS2 soll nach Angaben der Deutschen Emissionshandelsstelle ab 2028 voll operativ sein. Reguliert werden dabei nicht direkt Haushalte oder Autofahrer, sondern die Unternehmen, die Brennstoffe in Verkehr bringen. Eine mögliche Kostenwirkung für einzelne Haushalte hängt deshalb von Weitergabe, Verbrauch, Gebäude, Heizsystem und möglichen Entlastungen ab.

Die Europäische Kommission verweist daneben auf den Sozialen Klimafonds. Er soll Mitgliedstaaten helfen, besonders betroffene Haushalte und Kleinstunternehmen etwa bei Gebäudeeffizienz, sauberer Wärme oder emissionsärmerer Mobilität zu unterstützen. Der Rahmen ersetzt aber keine deutsche Förderzusage. Ob und wie Unterstützung bei einzelnen Menschen ankommt, hängt von nationalen Plänen und ihrer Umsetzung ab.

Originalgrafik vergleicht KfW-Werte zur Handlungsbereitschaft nach Wohnform, Einkommen und empfundenem Stromkosten-Druck
Die KfW-Gruppenwerte trennen steigende Bereitschaft von ungleichem Zugang und belegen keine einzelne Ursache. – durch KI erzeugt

Was die KfW-Zahlen noch nicht beantworten

Für das Energiewendebarometer wurden laut KfW und dpa 4.381 Haushalte vom 10. Dezember 2025 bis zum 1. April 2026 befragt. Die Ergebnisse sind damit eine Momentaufnahme aus Winter und Frühjahr. Der spätere Hitzesommer 2026 kann nicht als nachgewiesene Ursache für den Anstieg der Handlungsbereitschaft gelten.

Offen bleibt vor allem, wie viel aus den geäußerten Absichten wird: geplant, beauftragt, installiert und dauerhaft genutzt. Dafür wären Daten nötig, die Investitionsentscheidungen und Betrieb nach Eigentum, Einkommen, Gebäudealter, Region und Mobilität genauer nachzeichnen. Die KfW-Zahlen zeigen bereits eine reale Zugangsspreizung. Ob sie kleiner wird, entscheidet sich nicht an einer weiteren Zustimmungszahl, sondern bei den Bedingungen für Entscheidung, Finanzierung und Umsetzung.

Quellen und weiterführende Informationen

Hinweis: Für diesen Artikel wurden KI-gestützte Recherche- und Editierwerkzeuge verwendet. Der Inhalt wurde redaktionell geprüft. Stand: 2026-08-28.