Strom kann pro Kilowattstunde deutlich teurer sein als Gas – und eine Wärmepumpe trotzdem günstiger heizen. Entscheidend ist, wie viel Wärme beide Anlagen aus der eingekauften Energie bereitstellen. Eine Modellrechnung zeigt, wann daraus eine Ersparnis wird und welche Angaben Haushalte für ihren eigenen Vergleich brauchen.

36 Cent für Strom, 10 Cent für Gas: Wer nur diese beiden Preise vergleicht, könnte die Wärmepumpe vorschnell abschreiben. Doch sie gewinnt einen erheblichen Teil der Heizwärme aus der Umgebung. Bezahlt wird der Strom, den sie dafür benötigt. Ein Gaskessel muss seine Wärme dagegen aus dem eingekauften Brennstoff erzeugen – und verliert dabei einen Teil der Energie.
Die entscheidende Frage lautet deshalb: Was kostet es, mit beiden Heizungen dieselbe Wärmemenge bereitzustellen? In unserem hypothetischen Beispiel ist die Wärmepumpe bei einem Strompreis von 36 Cent knapp günstiger als Gas, wenn sie eine Jahresarbeitszahl von 3,4 erreicht. Bei einer Jahresarbeitszahl von 3 ist sie teurer. Schon dieser kleine Unterschied kann die Rechnung also drehen. Für eine Kaufentscheidung reicht das allein noch nicht, für einen ersten Kostenvergleich ist es der richtige Ausgangspunkt.
Wie aus teurem Strom günstigere Wärme wird
Eine Wärmepumpe nimmt über ein Kältemittel Umweltwärme auf, etwa aus der Außenluft. Ein elektrisch angetriebener Verdichter hebt das Temperaturniveau so weit an, dass sich damit Heizwasser erwärmen lässt. Der Strom wird also nicht einfach wie in einem Heizlüfter in Wärme umgewandelt. Er ermöglicht vor allem, zusätzliche Wärme aus der Umgebung nutzbar zu machen.

Wie gut das über ein Jahr gelingt, beschreibt die Jahresarbeitszahl, kurz JAZ. Eine JAZ von 3 bedeutet: Je Kilowattstunde eingesetzten Stroms gibt die Anlage an der betrachteten Messgrenze drei Kilowattstunden Wärme ab. Die zusätzliche Energie stammt aus der Umwelt. Anders als ein Laborwert für einen einzelnen Betriebspunkt bildet die JAZ den Jahresbetrieb ab. Was diese Werte unterscheidet, erklärt unsere Vertiefung zu Jahresarbeitszahl, COP und SCOP.
Auch beim Gaskessel zählt, wie viel Wärme tatsächlich abgegeben wird. Bei einem angenommenen Jahresnutzungsgrad von 90 Prozent werden aus einer Kilowattstunde abgerechnetem Gas 0,9 Kilowattstunden Wärme. Der Nutzungsgrad muss dabei zur Brennstoffbasis der Gasrechnung passen. Die 90 Prozent sind hier eine Rechenannahme, kein zugesicherter Wert jedes Brennwertkessels.
Damit der Vergleich fair bleibt, betrachten wir bei beiden Anlagen die Wärmeabgabe an dasselbe Heiz- und Warmwassersystem vor nachgeschalteten Speichern. Das ist noch nicht die Wärme, die in den Zimmern oder an den Zapfstellen ankommt. Wer das gesamte Heizsystem vergleichen will, muss Speicher- und Verteilverluste sowie weitere Pumpen auf beiden Seiten entsprechend berücksichtigen. Sonst erscheint womöglich eine Heizung nur deshalb günstiger, weil bei ihr weniger Verluste mitgerechnet wurden.
Welche Jahresarbeitszahl für günstigere Wärme nötig ist
Die Rechnung ist überschaubar: Bei der Wärmepumpe wird der Stromarbeitspreis durch die JAZ geteilt, beim Gaskessel der Gasarbeitspreis durch den Jahresnutzungsgrad. Das Ergebnis sind jeweils die verbrauchsabhängigen Energiekosten je Kilowattstunde abgegebener Wärme. Der Arbeitspreis ist der Preis je verbrauchter Kilowattstunde, ohne feste Grundgebühren. Für einen Haushaltsvergleich sollten beide Preise einschließlich Steuern und Abgaben eingesetzt werden.
Die Wärmepumpe hat niedrigere variable Energiekosten, wenn gilt: JAZ > Kesselnutzungsgrad × Strompreis ÷ Gaspreis. Diese Kostenschwelle lässt sich aus den beiden Rechnungen herleiten; sie ist keine allgemeine Effizienzvorgabe. Bei 36 Cent Strom, 10 Cent Gas und 90 Prozent Kesselnutzungsgrad liegt sie bei 3,24. Genau dort kosten die Energieträger für dieselbe Wärmeabgabe gleich viel. Oberhalb davon ist die Wärmepumpe günstiger.
„Ab JAZ 3 lohnt es sich“ ist deshalb keine verlässliche finanzielle Faustregel. Die nötige JAZ verändert sich mit den Tarifen und der Vergleichsheizung. Auch die Internationale Energieagentur hebt im Heat Pump Monitor 2026 das Strom-Gas-Preisverhältnis als zentralen Einfluss auf die Wettbewerbsfähigkeit hervor. Der Bericht erschien am 28. Juli 2026; die entsprechende Ländergrafik beruht allerdings auf Jahresdurchschnitten von 2024, nicht auf aktuellen Vertragsangeboten.
Vier Varianten zeigen, wie schnell die Rechnung kippt
Für unser Modell sollen beide Heizungen jährlich 18.000 Kilowattstunden Wärme abgeben. Bei 90 Prozent Nutzungsgrad benötigt der Gaskessel dafür 20.000 Kilowattstunden Gas. Mit angenommenen 10 Cent je Kilowattstunde kostet das 2.000 Euro. Alle folgenden Preise und Effizienzwerte sind bewusst gesetzte Modellannahmen, weder Septemberangebote noch Messwerte eines bestimmten Hauses. Photovoltaik und Hybridbetrieb sind nicht enthalten.
| Strompreis | JAZ | WP-Energiekosten | Gegenüber Gas |
|---|---|---|---|
| 36 ct/kWh | 3,0 | 2.160 €/Jahr | 160 € teurer |
| 36 ct/kWh | 3,4 | 1.906 €/Jahr | 94 € günstiger |
| 36 ct/kWh | 4,0 | 1.620 €/Jahr | 380 € günstiger |
| 28 ct/kWh | 3,4 | 1.482 €/Jahr | 518 € günstiger |
Bei JAZ 3 braucht die Wärmepumpe 6.000 Kilowattstunden Strom. Steigt die JAZ auf 3,4, sinkt der Bedarf auf rund 5.294 Kilowattstunden. Beim angenommenen 36-Cent-Tarif reicht das für einen knappen Vorteil. Rund 94 Euro im Jahr lassen jedoch wenig Spielraum: Zusätzliche jährliche Fixkosten können diese Ersparnis aufzehren. Mit einer JAZ von 4 wächst der Energiekostenvorteil auf 380 Euro.
Ein günstigerer Tarif verbessert die Rechnung auch ohne technische Veränderung. Bei hypothetischen 28 Cent und unveränderter JAZ 3,4 liegt der Vorteil gegenüber Gas bei rund 518 Euro. Die Kostenschwelle sinkt auf JAZ 2,52. Effizienz und Tarifwahl sind also zwei unterschiedliche Möglichkeiten, Kosten zu senken. Welche mehr bringt, hängt vom Ausgangspunkt ab; in diesem Modell macht allein der Tarifwechsel rund 424 Euro jährlich aus.
Welche Jahresarbeitszahl das eigene Haus erwarten lässt
Eine JAZ von 3,4 ist eine plausible Größenordnung, aber keine Zusage für die eigene Anlage. Im Fraunhofer-ISE-Feldprojekt „WP-QS im Bestand“ erreichten 49 ausgewertete Luft/Wasser-Wärmepumpen für 2024 im Mittel gerundet diesen Wert. Die Spanne reichte von 2,6 bis 4,9. Das Gesamtprojekt umfasste 77 Anlagen, jedoch nicht 77 identische Effizienzdatensätze. Die Auswahl war nicht repräsentativ, der Messzeitraum mild. Der Mittelwert ist deshalb kein deutscher Haushaltsdurchschnitt.
Die Forschenden ermittelten die Erzeuger-JAZ vor den Speichern, einschließlich Heizstab und Wärmequellenantrieb, aber nicht sämtlicher Heizungspumpen. Die weiter gefasste Systemarbeitszahl lag in der untersuchten Stichprobe durchschnittlich etwa 15 Prozent niedriger. Daraus lässt sich kein pauschaler Abschlag für jedes Haus ableiten. Der Unterschied zeigt aber, wie wichtig dieselbe Messgrenze ist: Eine vor den Speichern gemessene Wärmepumpe darf nicht unbemerkt mit einer umfassenderen Gasbilanz verglichen werden.
Für die Planung im eigenen Haus sagen die nötigen Heizwassertemperaturen mehr aus als das Baujahr allein. Je geringer der erforderliche Temperaturhub, desto günstiger sind grundsätzlich die Bedingungen für die Wärmepumpe. Auch ausreichend große Heizkörper können mit niedrigen Temperaturen arbeiten; eine Fußbodenheizung ist keine allgemeine Voraussetzung. Auslegung, Regelung und Warmwasserbedarf beeinflussen das Ergebnis ebenfalls. Eine belastbare Prognose braucht daher eine Gebäudeprüfung, nicht nur eine aus einem Feldtest übernommene JAZ.
Was Haushalte für ihren eigenen Vergleich brauchen
Am Anfang stehen die tatsächlichen Vertragswerte: Strom- und Gasarbeitspreis brutto, die jeweiligen Grundpreise und der Jahresverbrauch. Für eine neue Wärmepumpe kommt eine nachvollziehbar prognostizierte JAZ hinzu, am besten ergänzt um eine vorsichtigere Variante. Bei bestehenden Anlagen lässt sich die tatsächliche JAZ aus passend abgegrenzten Wärme- und Strommessungen bestimmen. Der bisherige Gasbezug ist dagegen nicht automatisch der Wärmebedarf des Hauses: Die Kesselverluste müssen erst herausgerechnet werden.
Für einen Wärmepumpentarif lohnt sich ein konkretes Angebot für die eigene Adresse. Laut Verbraucherzentrale können zusätzliche Zähler- und Grundkosten anfallen; ein separater Zähler ist jedoch nicht bei jedem Wärmestromangebot zwingend. Vor Vertragsabschluss sollte außerdem geklärt sein, ob reduzierte Netzentgelte bereits im Preis stecken. Ein eingerechneter Rabatt darf nicht nochmals abgezogen werden. Bei dynamischen Tarifen zählt der verbrauchsgewichtete Preis: also der Preis zu den Zeiten, in denen die Anlage tatsächlich Strom bezieht, nicht ein ungewichteter Börsenjahresdurchschnitt. Mehr dazu erklärt unser Artikel über Wärmepumpentarife, zeitvariable Preise und Lastverschiebung.
In die jährliche Betriebsrechnung gehören anschließend die tatsächlich zusätzlichen oder entfallenden Kosten für Messung, Hilfsstrom, Wartung und gegebenenfalls Schornsteinfeger. Der Gasgrundpreis verschwindet nur, wenn Anschluss beziehungsweise Vertrag wirklich entfallen. Umgekehrt ist ein ohnehin gezahlter Haushaltsstromgrundpreis nicht vollständig der Wärmepumpe anzulasten. Auch ein bereits im Gasarbeitspreis enthaltener CO₂-Preis darf nicht ein zweites Mal aufgeschlagen werden.
Für die Investitionsentscheidung kommen Anschaffung, nötige Umbauten, Förderung, Finanzierung und Lebensdauer hinzu, verglichen über einen gemeinsamen Zeitraum. Günstigere Heizenergie allein beweist noch keine günstige Gesamtinvestition. Die Kostenschwelle beantwortet aber eine wichtige Frage schon vorher: Welche Effizienz muss die Wärmepumpe beim eigenen Tarif erreichen? Liegt die realistisch erwartbare JAZ nur knapp darüber, verdienen Zusatzkosten besondere Aufmerksamkeit. Ein größerer Abstand lässt mehr Spielraum – und macht den Vergleich weniger empfindlich.
Quellen und weiterführende Informationen
- International Energy Agency: Heat Pump Monitor 2026, Berichtsübersicht und Veröffentlichungsdatum; Originalbericht, insbesondere Seite 17.
- Fraunhofer ISE: Abschlussbericht „WP-QS im Bestand“, zweite Fassung vom 25. November 2025, insbesondere Bilanzgrenzen und Effizienzergebnisse; Projektseite und Ergebnisse.
- Verbraucherzentrale: Wärmepumpe: Alles, was Sie wissen müssen.
- Verbraucherzentrale: Wärmepumpenstrom: So heizen Sie günstiger mit der Wärmepumpe.
Für diesen Artikel wurden KI-gestützte Recherche- und Editierwerkzeuge verwendet. Der Inhalt wurde redaktionell geprüft.