Erneuerbare Energien

IRENA-Daten: 49,5 Prozent erneuerbare Leistung, aber 31,7 Prozent Strom

Warum 49,5 Prozent erneuerbare Leistung nicht 49,5 Prozent Weltstrom bedeuten – und was die IRENA-Zahlen für Europa wirklich einordnen.

Von Wolfgang

19. Juli 20266 Min. Lesezeit

IRENA-Daten: 49,5 Prozent erneuerbare Leistung, aber 31,7 Prozent Strom

Warum 49,5 Prozent erneuerbare Leistung nicht 49,5 Prozent Weltstrom bedeuten – und was die IRENA-Zahlen für Europa wirklich einordnen.

Ende 2025 war fast die Hälfte der weltweit installierten Kraftwerksleistung erneuerbar. Beim tatsächlich erzeugten Strom lag ihr Anteil 2024 dagegen bei 31,7 Prozent. Der Abstand ist kein Fehler in der Statistik: Leistung, Jahresertrag und neuer Zubau messen unterschiedliche Dinge.

Das Wichtigste in 30 Sekunden

  • 31,7 Prozent stehen für den Anteil erneuerbarer Quellen an der globalen Stromerzeugung im Jahr 2024: 9.836 TWh nach einem Wachstum von 9,8 Prozent.
  • 49,5 Prozent beziehen sich auf den Anteil erneuerbarer installierter Leistung Ende 2025: 5,2 TW.
  • 85,7 Prozent beschreiben den Anteil der Erneuerbaren am gesamten Kapazitätszubau 2025, bei 693 GW Zubau.

Drei Werte, drei verschiedene Fragen

Die IRENA-Dateneinordnung vom 14. Juli 2026 bündelt Zahlen, die auf den ersten Blick dieselbe Geschichte zu erzählen scheinen. Tatsächlich beantworten sie drei verschiedene Fragen. Die 31,7 Prozent beschreiben, wie viel des weltweit erzeugten Stroms 2024 aus erneuerbaren Quellen kam. Die 49,5 Prozent zeigen den Anteil erneuerbarer Anlagen an der installierten globalen Kraftwerksleistung Ende 2025. Und die 85,7 Prozent beziehen sich ausschließlich auf den Kapazitätszubau des Jahres 2025.

Messgröße Zeitraum Wert Was sie aussagt
Erneuerbare Stromerzeugung 2024 9.836 TWh; 31,7 Prozent; +9,8 Prozent Wie viel Elektrizität erneuerbare Quellen über das Jahr tatsächlich geliefert haben.
Installierte erneuerbare Leistung Ende 2025 5,2 TW; 49,5 Prozent Wie viel Leistung erneuerbare Anlagen im Kraftwerkspark theoretisch bereitstellen können.
Erneuerbarer Kapazitätszubau 2025 693 GW; 85,7 Prozent Welchen Anteil Erneuerbare am gesamten Ausbau neuer Kapazität hatten.

Wenn diese Ebenen ineinanderfallen, wird aus einer Ausbauzahl schnell eine Strombilanz. Das passiert in der öffentlichen Debatte immer wieder. Die Daten selbst tragen diesen Schluss nicht.

Leistung ist nicht Jahresenergie

Installierte Leistung wird in Watt angegeben, etwa in Gigawatt oder Terawatt. Sie beschreibt, welche maximale Leistung Anlagen unter passenden Bedingungen bereitstellen können. Stromerzeugung wird dagegen als Energie über einen Zeitraum gemessen, etwa in Terawattstunden. Sie zeigt, wie viel Strom tatsächlich im Laufe eines Jahres erzeugt wurde.

Dazwischen liegen Wetter, Auslastung, Technologiemix und Systembetrieb. Eine Solaranlage produziert nicht in jeder Stunde des Jahres, Wasserkraft hängt von Wasserverfügbarkeit und Einsatz ab, und auch andere Anlagen werden je nach Netzsituation unterschiedlich genutzt. Daraus lässt sich qualitativ erklären, warum Kapazitätsanteil und Erzeugungsanteil auseinanderliegen. Konkrete Kapazitätsfaktoren oder Rechnungen zu einzelnen Technologien liefert das vorliegende Dossier jedoch nicht.

Zwei Technikerinnen prüfen einen Wechselrichterschrank neben Solarmodulen; im Hintergrund steht eine Windenergieanlage.
Anlagen lassen sich bauen und zählen. Wie viel Strom sie im Jahr liefern, hängt zusätzlich von Wetter, Auslastung und Systembetrieb ab.

Was das Erzeugungsplus von 2024 tatsächlich zeigt

Für 2024 weist die lesbare UNFCCC-Wiedergabe einer IRENA-Pressemitteilung 9.836 TWh erneuerbare Stromerzeugung aus. Gegenüber 2023 entspricht das einem Zuwachs von 9,8 Prozent. Der Anteil an der globalen Stromerzeugung lag bei 31,7 Prozent. Nicht erneuerbare Erzeugung stieg im selben Vergleich um 1,4 Prozent.

Das belegt ein kräftiges Wachstum erneuerbarer Strommengen. Es ist aber keine Aussage darüber, dass 2024 bereits fast die Hälfte des Weltstroms erneuerbar gewesen wäre. Die 49,5 Prozent gehören zum Kapazitätsstand Ende 2025 und damit in eine andere Messreihe, ein anderes Bezugsjahr und eine andere Frage.

Warum der Zubau 2025 den Abstand sichtbar macht

Für 2025 nennt die Dateneinordnung 693 GW erneuerbaren Kapazitätszubau. Der Anteil der Erneuerbaren am gesamten Kapazitätszubau lag bei 85,7 Prozent. Diese Zahl zeigt, wie stark neue Kraftwerkskapazität in Richtung Erneuerbare verschoben war.

Sie sagt nicht, dass 85,7 Prozent der globalen Kraftwerksleistung erneuerbar sind. Ebenso wenig sagt sie etwas über den Strommix eines einzelnen Landes aus. Zubau wirkt über Jahre in den Anlagenpark hinein; die erzeugte Jahresenergie bleibt dennoch eine eigene Messgröße.

Die entscheidende Lesart

31,7 Prozent beantworten die Frage nach dem Weltstrom 2024. 49,5 Prozent beschreiben den Kraftwerkspark Ende 2025. 85,7 Prozent zeigen die Richtung des Zubaus im Jahr 2025. Erst mit dieser Zuordnung werden die Zahlen vergleichbar.

Europa ist nicht automatisch die EU-27

IRENA nennt für seine Region Europa 1.758 TWh erneuerbare Stromerzeugung im Jahr 2024 und ein Plus von 7,2 Prozent gegenüber 2023. Im sichtbaren Meldungstext ist diese Region jedoch nicht als EU-27 definiert. Die Angabe darf deshalb weder in eine EU-Quote umgerechnet noch als Deutschlandwert gelesen werden.

Für die EU-27 gibt es einen getrennten offiziellen Vergleichsrahmen: Eurostat weist für 2024 einen Anteil erneuerbarer Quellen von 47,2 Prozent an der erzeugten Elektrizität aus, für 2025 47,3 Prozent. Der Wert hilft bei der Einordnung der europäischen Entwicklung, ist aber kein Gegenstück zu IRENAs regionalen 1.758 TWh. Unterschiedliche Grundgesamtheiten bleiben unterschiedliche Grundgesamtheiten.

Was die Daten über das Stromsystem offenlassen

Die drei IRENA-Kennzahlen erklären keine konkrete deutsche Strompreis-, Speicher- oder Netzfrage. Sie erlauben auch keine belastbare Aussage zu Abregelung oder Engpässen. Dafür wären andere Daten nötig: zum zeitlichen Verlauf der Erzeugung, zu regionalen Netzen, Speichern, Lasten und dem Betrieb einzelner Systeme.

Der Wert der Veröffentlichung liegt deshalb an anderer Stelle. Sie hilft dabei, sauber zu unterscheiden: Geht es um vorhandene Anlagen, um den Strommix eines Jahres oder um neuen Zubau? Das klingt nach einer technischen Feinheit, verhindert aber falsche Schlussfolgerungen in Politik und Wirtschaft.

Luftbild eines Küstenhinterlands mit Windpark, Solardächern und Hochspannungsleitung.
Regionale Energieinfrastruktur kann unterschiedlich aussehen – IRENA-Region Europa und EU-27 bleiben in der Dateneinordnung getrennte Bezugsräume.

78 Prozent bis 2035: Kontext statt Vorhersage

Die UNFCCC-Wiedergabe ordnet einen erneuerbaren Stromanteil von 78 Prozent bis 2035 als erforderliche Größenordnung im Kontext einer IRENA-Roadmap und eines globalen Elektrifizierungsziels ein. Daraus folgt keine sichere Prognose. Es handelt sich ebenso wenig um eine automatisch geltende EU- oder Deutschlandpflicht.

Die Zahl ist dennoch relevant, weil sie den Abstand zwischen dem globalen Erzeugungsanteil von 31,7 Prozent im Jahr 2024 und einem langfristigen Transformationspfad sichtbar macht. Sie ersetzt keine Analyse der Voraussetzungen, mit denen einzelne Regionen oder Staaten diesen Weg gehen könnten.

Vier Fragen vor dem Vergleich von Prozentwerten

  1. Welche Größe ist gemeint? Stromerzeugung, installierte Leistung oder Zubau sind keine austauschbaren Werte.
  2. Auf welches Jahr bezieht sich die Zahl? In diesem Fall stehen 2024er Erzeugung und 2025er Kapazitätswerte nebeneinander.
  3. Welche Region wird erfasst? IRENAs Europa-Angabe ist nicht mit EU-27 gleichzusetzen.
  4. Welche Folgerung trägt die Quelle wirklich? Globale Anteile ersetzen keine lokale Netz-, Speicher- oder Preisrechnung.

Meine Einordnung: Erst die Messgröße, dann die Debatte

Die neuen IRENA-Angaben zeigen einen klaren Trend: Erneuerbare Quellen wachsen in der Stromerzeugung, prägen den Ausbau neuer Kapazität und stellen einen immer größeren Teil des weltweiten Kraftwerksparks. Für eine belastbare Einordnung reicht es aber nicht, die höchste Prozentzahl herauszugreifen.

Bei Ausbau, Versorgung oder wirtschaftlichen Folgen sollte daher zuerst klar sein, welche Messgröße gemeint ist und welchen Zeitraum sie abbildet. So bleibt die Debatte näher an dem, was die Daten tatsächlich aussagen. Zugleich wird sichtbar, welche Fragen sie noch nicht beantworten.

Quellen und weiterführende Informationen

Hinweis: Für diesen Artikel wurden KI-gestützte Recherche- und Editierwerkzeuge verwendet. Der Inhalt wurde redaktionell geprüft. Stand: 2026-07-19