Erneuerbare Energien

Greater Changhua: 920 MW sind gebaut, Regelbetrieb steht aus

Ørsteds 920-MW-Windpark Greater Changhua ist gebaut. Warum bis zum kommerziellen Betrieb Inbetriebnahme und Freigaben entscheidend bleiben.

Von Wolfgang

05. Sep. 20264 Min. Lesezeit

Greater Changhua: 920 MW sind gebaut, Regelbetrieb steht aus

Ørsteds 920-MW-Windpark Greater Changhua ist gebaut. Warum bis zum kommerziellen Betrieb Inbetriebnahme und Freigaben entscheidend bleiben.

Ein Offshore-Windpark kann fertig gebaut sein, bereits Strom erzeugen – und trotzdem noch nicht vollständig als kommerzieller Stromlieferant gelten. Das zeigt Ørsteds Projekt Greater Changhua 2b und 4 vor Taiwans Westküste. Am 1. September 2026 erklärte das Unternehmen die großen Bauarbeiten für die 920-Megawatt-Anlage für abgeschlossen. Der vollständige kommerzielle Betrieb soll jedoch erst im späten dritten Quartal 2026 folgen, nachdem verbliebene Inbetriebnahmearbeiten sowie vertragliche und regulatorische Anforderungen erfüllt sind.

Bei Meldungen über neue Windleistung lohnt es sich deshalb, genau hinzusehen. Vier Zustände werden oft verkürzt als derselbe Fortschritt dargestellt, bezeichnen aber Unterschiedliches: Bauabschluss, technische Inbetriebnahme, regulatorische Freigabe und kommerzieller Betrieb.

Gebaut heißt: Die Infrastruktur steht

Mit dem Bauabschluss ist die wesentliche physische Anlage errichtet: Turbinen, Fundamente, Umspann- und Kabelinfrastruktur. Für Greater Changhua 2b und 4 sind das 66 Windturbinen mit einer installierten Leistung von 920 Megawatt. Die Abschlusszeremonie veranstaltete Ørsted im eigenen Betriebs- und Wartungszentrum im Hafen von Taichung.

Doch die Bauabnahme ist nicht gleichbedeutend mit einem vollständig betriebsbereiten Kraftwerk. Sie bestätigt zunächst, dass die zentralen Bauarbeiten erledigt sind. Daraus folgt noch nicht, dass alle Komponenten im Zusammenspiel abschließend erprobt, sämtliche Schnittstellen zum Netz abgenommen und die Voraussetzungen für den vertraglichen Regelbetrieb erfüllt sind.

Mit Greater Changhua 2b und 4 wächst Ørsteds installierte Kapazität im Cluster auf 1,82 Gigawatt. Das ist eine Kapazitätsangabe: Sie beschreibt die Nennleistung der installierten Anlagen, nicht die Strommenge, die jederzeit tatsächlich ins Netz fließt.

Inbetriebnahme läuft schrittweise – und beginnt lange vor dem Schlussakt

Dass ein Park schon vor seinem Bauabschluss Strom liefern kann, ist kein Widerspruch. Bei Greater Changhua 2b und 4 speiste die erste Turbine bereits im Juli 2025 Strom in das taiwanische Netz ein. Im Januar 2026 waren alle 66 Turbinen installiert. Zu diesem Zeitpunkt liefen laut Ørsted weiter die Inbetriebnahme der Anlagen, elektrische Tests und Arbeiten an Offshore-Kabeln.

Im Mai meldete die Branchenpresse den nächsten sichtbaren Fortschritt: Die Inter-Array-Kabel waren energisiert; 42 Turbinen von Greater Changhua 4 waren mit dem Netzbetreiber Taipower verbunden und erzeugten Strom.

Genau darin liegt der Unterschied zwischen einer ersten Einspeisung und einem vollständig abgeschlossenen Projekt. Einzelne Turbinen oder ganze Teilbereiche können bereits erzeugen, während an anderer Stelle noch geprüft, angeschlossen oder abgestimmt wird. Technische Inbetriebnahme ist daher kein einzelner Knopfdruck, sondern eine Abfolge von Tests für Turbinen, Verkabelung, Umspanntechnik und Netzanschluss.

Horizontale Originalgrafik mit den vier Stufen Bauabschluss, technische Inbetriebnahme, regulatorische Freigabe und kommerzieller Betrieb sowie geprüften Zwischenständen.
Die Grafik ordnet vier Betriebsstufen und nennt 920 MW installierte Kapazität, 42 netzverbundene Turbinen im Mai 2026 sowie die Ørsted-Prognose für den vollständigen Betrieb im späten dritten Quartal 2026. – durch KI erzeugt

Freigaben verbinden Technik mit den Regeln des Stromsystems

Ørsted knüpft den vollständigen kommerziellen Betrieb ausdrücklich auch an verbleibende regulatorische Anforderungen. Welche konkreten Schritte noch ausstehen, veröffentlicht das Unternehmen in seiner Mitteilung nicht. Aus dem Zeitplan lässt sich deshalb weder auf eine bestimmte behördliche Verzögerung noch auf ein spezifisches technisches Problem schließen.

Die grundsätzliche Einordnung bleibt trotzdem wichtig: Neue Erzeugungskapazität muss nicht nur gebaut und technisch geprüft werden, sondern auch in die Abläufe und Regeln des Stromsystems passen. Die Internationale Energieagentur und die Europäische Kommission verweisen im allgemeinen Kontext des Erneuerbaren-Ausbaus auf Netze, Anschlüsse, Flexibilität, Speicher und Investitionen. Das ist allerdings keine Diagnose für den konkreten Fall in Taiwan.

Kommerzieller Betrieb ist der letzte Status

Als Zielmarke nennt Ørsted den vollständigen kommerziellen Betrieb im späten dritten Quartal 2026. Das ist eine Prognose des Unternehmens, keine bereits bestätigte Vollzugsmeldung.

Erst mit diesem Status lässt sich das 920-Megawatt-Projekt als vollständig in den vorgesehenen kommerziellen Betrieb überführt beschreiben. Auch dann ist installierte Leistung nicht mit einer garantierten Dauerleistung zu verwechseln: Wie viel Strom tatsächlich eingespeist wird, hängt unter anderem vom Wind, von Wartungen und von der Verfügbarkeit des Stromsystems ab.

Für künftige Schlagzeilen über neue Windkraft hilft daher eine einfache Frage: Wurde die Anlage gebaut, technisch in Betrieb genommen, regulatorisch freigegeben oder läuft sie bereits kommerziell? Im Fall von Greater Changhua 2b und 4 liegen diese Schritte nur wenige Monate auseinander. Inhaltlich machen sie jedoch einen entscheidenden Unterschied.

Schematische Querschnittsgrafik mit Offshore-Windturbine, Inter-Array-Kabel, Offshore-Elektrotechnik, Exportkabel und Landnetz.
Schematische Darstellung der im Quellen-Dossier beschriebenen Kette aus Turbinen, internen Kabeln, Offshore-Elektrotechnik, Exportkabel und Landnetz; sie bildet keine vollständige Abnahme des Gesamtprojekts ab. – durch KI erzeugt

Quellen und weiterführende Informationen

Für diesen Artikel wurden KI-gestützte Recherche- und Editierwerkzeuge verwendet. Der Inhalt wurde redaktionell geprüft.