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Ein Gehirn, zwei Ursprünge: Studie zeigt getrennte Wege der Entwicklung

Zwei frühe Zelllinien führen zu unterschiedlichen Gehirnregionen. Eine neue Fachveröffentlichung erklärt den Befund und hilft bei der Zucht bestimmter Nervenzellen.

Von Wolfgang

22. Sep. 20263 Min. Lesezeit

Ein Gehirn, zwei Ursprünge: Studie zeigt getrennte Wege der Entwicklung

Ein gemeinsames Organ muss nicht mit einem gemeinsamen Bauplan beginnen. Eine am 18. September in Nature Neuroscience veröffentlichte Studie stützt diese Vorstellung für das Gehirn: In Mäuseembryonen entstehen früh zwei getrennte Vorläufergruppen. Aus der einen entwickeln sich Vorder- und Mittelhirn, aus der anderen das Hinterhirn. Versuche mit menschlichen Stammzellen ergänzen den Befund. Gemeint sind unterschiedliche Entwicklungswege, keine zwei unabhängig denkenden Gehirne.

Die Frage dahinter ist einfach: Wann steht für eine Zelle fest, zu welchem Teil des Gehirns sie gehören wird? Wer Nervenzellen im Labor herstellen möchte, muss diesen Zeitpunkt kennen. Ein späteres Ziel lässt sich schwer erreichen, wenn die Zellen bereits einen anderen Weg eingeschlagen haben.

Die Weichen werden früh gestellt

Das Team um Rayyan Jokhai, Carolyn Dundes und Kyle Loh untersuchte die Herkunft der Zellgruppen und die Entwicklung menschlicher Stammzellen in Kultur. Dabei unterschieden sich auch die zugänglichen Bereiche ihres Erbguts. Man kann sich das wie zwei Bibliotheken mit denselben Büchern, aber unterschiedlich geöffneten Regalen vorstellen: Welche Abschnitte zugänglich sind, beeinflusst, welche Programme eine Zelle nutzen kann.

Die seit dem 3. Juli 2025 zugängliche Vorabfassung beschreibt, wie die Forschenden die Vorläufer in Zellkultur mit Signalen für jeweils andere Gehirnregionen konfrontierten. Die Zellen wechselten unter diesen Bedingungen nicht einfach die regionale Identität. Die neue Fachveröffentlichung baut somit auf einem bereits öffentlich vorgestellten Forschungsstand auf.

Zwei parallele Reihen zeigen unterschiedliche frühe Vorläufergruppen und ihre Ziele: Vorder- und Mittelhirn sowie Hinterhirn.
Zwei Entwicklungswege zu unterschiedlichen Gehirnregionen. KI-generiertes, vereinfachtes Schema; keine anatomische Darstellung oder vollständige Zellstammtafel.

Die Vorabfassung nennt zugleich eine wichtige Grenze: Eine sehr kurze gemeinsame Vorläuferphase noch vor der beobachteten Aufteilung lässt sich damit nicht ausschließen. Auch die dauerhafte Festlegung innerhalb eines lebenden Embryos ist eine andere Prüfaufgabe als ein Wechselversuch in der Kulturschale.

Was sich damit im Labor gewinnen lässt

Der konkrete Ertrag sind menschliche Motorneuronen bestimmter Hinterhirnabschnitte, die zuvor schwer herzustellen waren. Solche Nervenzellen steuern Muskeln. Nach der Mitteilung von Stanford Medicine zeigten die erzeugten Zellen elektrische Aktivität. Das Team möchte solche Modelle unter anderem nutzen, um Erkrankungen besser zu untersuchen, bei denen Hinterhirn-Nervenzellen geschädigt werden. Eine Behandlung für Patienten ist daraus noch nicht entstanden.

Es wäre allerdings falsch, daraus die erste erfolgreiche Zucht von Hinterhirn-Nervenzellen überhaupt zu machen. Eine frühere Arbeit von Jianfeng Lu und Kollegen beschrieb bereits menschliche serotoninbildende Nervenzellen aus diesem Bereich. Der neue Fortschritt betrifft bestimmte Motorneuronen und den frühen Entwicklungsweg dorthin.

Stanford fasst die Entdeckung in seiner Überschrift als „zwei separate Organe“ zusammen. Der Originalabstract spricht vorsichtiger von einem zusammengesetzten Organ. Der Unterschied ist wesentlich: Die Studie untersucht die Herkunft seiner Bausteine. Wie viele eigenständige Organe oder Bewusstseine wir im Kopf hätten, beantwortet sie damit nicht.

Zum Titelbild: KI-generiertes Symbolbild zur Gehirnentwicklung; keine medizinische Aufnahme.

Quellen

Für diesen Artikel wurden KI-gestützte Recherche- und Editierwerkzeuge verwendet. Der Inhalt wurde redaktionell geprüft.