Ein Navigationsgerät kann eine plausible Position anzeigen und trotzdem getäuscht worden sein. Bei einem Galileo-Test am 16. September gelang es entsprechend ausgerüsteten Empfängern, ihre Position mithilfe verschlüsselter Satellitensignale zu bestimmen. Nach Angaben der EU-Weltraumagentur EUSPA hielt ein Testempfänger auch unter ausgesendeten Täuschsignalen an der richtigen Position fest, während herkömmliche Empfänger falsche Standorte meldeten.
Der Versuch fand unter anderem beim Jammertest auf der norwegischen Insel Andøya statt. Dort werden Navigationsgeräte gezielt Störungen ausgesetzt. Die Veranstaltung vom 14. bis 18. September wird von mehreren norwegischen Behörden mitorganisiert. Das Ergebnis ist ein Schritt zur Einführung eines neuen Galileo-Dienstes, noch keine Freigabe für den allgemeinen Betrieb.
Eine echte Nachricht genügt nicht
Für die Positionsbestimmung braucht ein Empfänger zwei Arten von Informationen: die Navigationsdaten der Satelliten und Messungen der Signallaufzeit, aus denen sich Entfernungen ableiten lassen. Werden nur die übertragenen Daten auf Echtheit geprüft, ist damit noch nicht die gesamte Grundlage der Positionsberechnung abgesichert.
Hier setzt der neue Signal Authentication Service, kurz SAS, an. Er ergänzt den seit 2025 verfügbaren Dienst OSNMA. Dieser prüft, ob die Navigationsnachricht tatsächlich von Galileo stammt. SAS soll zusätzlich die für die Entfernungsmessung verwendeten Signale überprüfen. Die ESA beschreibt beide Prüfungen als Ergänzung: Erst zusammen schützen sie beide Informationsquellen, die der Empfänger für seine Position benötigt.

Technisch speichert ein SAS-Empfänger Ausschnitte des verschlüsselten Signals. Später verfügbare Schlüssel und zuvor beschaffte Authentifizierungsinformationen erlauben den Abgleich. Die EUSPA-Dienstebeschreibung erläutert dieses Verfahren: Nutzer müssen dafür keine eigenen geheimen Schlüssel verwalten. Die Prüfung braucht aber passende Empfängerfunktionen und zusätzliche Authentifizierungsdaten. Dass ein Gerät Galileo grundsätzlich empfängt, belegt diese Fähigkeiten noch nicht.
Fünf Satelliten, zwei Stunden Test
Nach dem ESA-Bericht strahlten fünf betriebsfähige Galileo-Satelliten am Nachmittag des 16. September zwei Stunden lang verschlüsselte Testsignale über Europa aus. Empfänger auf Andøya und im ESA-Navigationslabor ESTEC in den Niederlanden bestimmten damit ihren Standort. Die Mitteilungen von ESA und EUSPA erschienen am folgenden Tag.
Beide Organisationen sind am Galileo-Programm beteiligt. Ihre Berichte belegen den gemeldeten Versuchserfolg, liefern aber keine unabhängige Erfolgsquote für sämtliche denkbaren Angriffe. Der Test macht einen technischen Fortschritt sichtbar; eine Garantie gegen jede Manipulation lässt sich daraus nicht ableiten.
Täuschung und blockierter Empfang bleiben verschiedene Probleme
Beim sogenannten Spoofing senden Angreifer falsche Satellitensignale, die einen Empfänger über seinen Standort oder die Zeit täuschen sollen. Beim Jamming wird dagegen der Empfang gestört. Die europäische Luftfahrtbehörde EASA unterscheidet diese Störungsarten und beschreibt ihre Folgen für den Flugbetrieb. Dazu gehören falsche Positionsangaben und fehlerhafte Warnungen.
Eine Echtheitsprüfung ersetzt deshalb keinen verlässlichen Funkempfang. Auch der jetzt erprobte Schutz gegen Täuschsignale bedeutet nicht, dass Navigation unter jeder Störung verfügbar bleibt.
EUSPA plant den Anfangsbetrieb von SAS für 2027. Zuvor sollen weitere Satelliten einbezogen und der Dienst weiter geprüft werden. Für Nutzer ist damit die nächste Frage konkret: Welche Empfänger unterstützen die neue Prüfung tatsächlich? Einen automatischen Schutz bestehender Smartphones oder Navigationsgeräte kündigen die Testberichte nicht an.
Vertiefend: Warum bessere Empfänger allein den Umgang mit GPS-Störungen im Flugverkehr nicht lösen.
Quellen
- ESA: Galileo’s first civil authenticated position fix under spoofing conditions, 17.09.2026.
- EUSPA: Galileo achieves first-ever civil authenticated GNSS position using SAS, 17.09.2026.
- EUSPA: Galileo Signal Authentication Service, Dienstebeschreibung, abgerufen am 19.09.2026.
- Jammertest 2026: Veranstaltung und Organisatoren, abgerufen am 19.09.2026.
- EASA: GNSS Outages and Alterations, abgerufen am 19.09.2026.
Titelbild: KI-generiertes Symbolbild, keine Originalaufnahme des Tests.
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