Ein grüner Wald ist nicht unbedingt ein aktiver Wald. Seine Blätter können noch grün sein, während die Photosynthese bereits nachlässt. An der Farbe allein lässt sich deshalb nicht zuverlässig ablesen, wie aktiv die Pflanzen gerade sind. Die NASA beschreibt einen genaueren Zugang: Pflanzen geben ein schwaches Lichtsignal ab, das Hinweise auf die Vorgänge im Blatt liefert. NASA: Hintergrund zur Pflanzenfluoreszenz
Dieses Signal soll der europäische Satellit FLEX erfassen. Die ESA hat am 9. September angekündigt, ihn zusammen mit Copernicus Sentinel-3C ins All zu bringen. Geplant ist der Start für den 15. September 2026 um 03:21 Uhr MESZ auf einer Vega-C von Französisch-Guayana aus. Zum Redaktionsstand am 13. September steht er noch bevor. ESA: Startankündigung
Was das Leuchten der Pflanzen verrät
Pflanzen nutzen die Energie des Sonnenlichts für ihre Photosynthese. Einen Teil der aufgenommenen Energie geben sie als Licht wieder ab: als Fluoreszenz. Für unsere Augen ist dieses Leuchten zu schwach, geeignete Instrumente können es aber sogar aus dem All messen. Es verrät etwas über die Vorgänge im Blatt, die sich an dessen Farbe allein nicht zuverlässig ablesen lassen. NASA: Messprinzip und Grenzen der Grünbeobachtung
FLEX soll dafür ein Fluoreszenzspektrometer einsetzen. Vorgesehen sind Karten mit einer Auflösung von 300 mal 300 Metern. Nach Angaben der ESA könnten sie helfen, Pflanzenstress und den Austausch von Kohlenstoff und Wasser in Ökosystemen zu untersuchen. ESA: Instrument und Auflösung
Schon diese Auflösung macht deutlich, wo die Grenze liegt: Einzelne Pflanzen lassen sich nicht getrennt beurteilen. Innerhalb eines Messfelds kann Unterschiedliches wachsen. Wer das Signal auswertet, muss deshalb auch berücksichtigen, welche Vegetation die erfasste Fläche bedeckt.
FLEX braucht einen Partner im Orbit
Bei den Messungen soll FLEX mit einem Satelliten der Sentinel-3-Reihe zusammenarbeiten. Der Partner liefert Informationen über Wolken, Aerosole und Wasserdampf sowie über die Landoberfläche. Dabei gibt es ein leicht zu übersehendes Detail: Obwohl FLEX und Sentinel-3C gemeinsam starten sollen, wird Sentinel-3C laut ESA zunächst nicht dieser Partner sein. ESA: Geplanter Tandembetrieb
Bis aus dem empfangenen Licht brauchbare Aussagen über Pflanzen werden, sind mehrere Schritte nötig. Das FLEX-Projektbüro nennt unter anderem Messwerte, bei denen der Einfluss der Atmosphäre korrigiert wurde, Fluoreszenzdaten und daraus abgeleitete Größen zur Vegetation. Messungen anderer Instrumente sollen helfen, die Ergebnisse einzuordnen. Das Lichtsignal allein liefert noch keine vollständige Diagnose. FLEX-Projektbüro: Mission und Datenprodukte
Starkes Leuchten kann einer Dürre vorausgehen
Warum es auf diesen Zusammenhang ankommt, zeigt eine Untersuchung mit anderen Satelliten. NASA-Forschende berichteten 2024 über ihre rückblickende Auswertung rasch einsetzender Dürren in den USA. Vor solchen Ereignissen hatten die Pflanzen ungewöhnlich stark geleuchtet. Sie waren zunächst besonders aktiv und verbrauchten dabei Wasser aus dem Boden. Zusammen mit Daten zur Bodenfeuchte wurde ein Muster erkennbar, das der späteren Austrocknung vorausging. NASA: Forschung zur Dürrefrüherkennung
Starkes Leuchten bedeutet also nicht, dass die Bedingungen auf Dauer günstig bleiben. Der NASA-Befund zeigt, wie Fluoreszenz bei der Früherkennung helfen könnte: Man muss verfolgen, wie sich das Signal über die Zeit verändert, und zusätzliche Wasserdaten heranziehen. Was FLEX selbst leisten wird, ist damit noch nicht nachgewiesen.
An der Nutzung seiner Daten wird auch in Deutschland gearbeitet. Das Forschungszentrum Jülich betreut gemeinsam mit der Deutschen Raumfahrtagentur im DLR das FLEX-Projektbüro. Es soll Nutzer zusammenbringen und Konzepte für wissenschaftliche und kommerzielle Anwendungen entwickeln. Dazu gehören Messkampagnen zur Kalibrierung und zur Überprüfung der Ergebnisse. FLEX-Projektbüro: Aufgaben
Wenn sich die Daten zuverlässig auswerten und in Beobachtungsverfahren einbinden lassen, könnten sie helfen, Veränderungen der Vegetation früher einzuordnen. Daraus belastbare Warnungen oder Entscheidungen zur Bewässerung abzuleiten, wäre der nächste Schritt. Ob das in der Praxis gelingt, muss dort geprüft werden. Der geplante Start eröffnet diese Arbeit; ob sie zum gewünschten Ergebnis führt, bleibt offen.
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