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Europas Waldbrandfläche wächst bis 2100 sogar im 1,8-Grad-Szenario

Europa könnte bis 2100 deutlich mehr Brandfläche sehen. Die PIK-Studie erklärt, warum Klimaschutz und Waldbrandvorsorge zusammengehören.

Von Wolfgang

30. Aug. 20265 Min. Lesezeit

Europas Waldbrandfläche wächst bis 2100 sogar im 1,8-Grad-Szenario

Europa könnte bis 2100 deutlich mehr Brandfläche sehen. Die PIK-Studie erklärt, warum Klimaschutz und Waldbrandvorsorge zusammengehören.

Europas Waldbrandrisiko wird sich nicht an einem einzelnen heißen Sommer entscheiden. Die neue Studie von Billing und Kolleg:innen zeigt vielmehr, wie weit die langfristigen Brandflächen in zwei Emissionspfaden auseinanderlaufen können – und warum Vorsorge den Klimaschutz ergänzt, aber nicht ersetzt.

Für 2070 bis 2100 modelliert die Studie gegenüber dem Referenzzeitraum 2000 bis 2030 im europäischen Mittel rund 39 Prozent mehr Brandfläche im Pfad SSP1-2.6 und nahezu 192 Prozent mehr im Pfad SSP3-7.0. Das beschreibt eine mögliche Entwicklung unter unterschiedlichen Annahmen. Es ist keine Vorhersage für die nächste Saison, kein Wert für ein einzelnes Feuer und keine Prozentprognose für Deutschland.

Der Titel nennt ein 1,8-Grad-Szenario. Die Studie arbeitet methodisch mit den Pfaden SSP1-2.6 und SSP3-7.0; diese stehen für unterschiedliche gesellschaftliche und klimatische Entwicklungen. Die 1,8-Grad-Bezeichnung ist deshalb keine zweite, identische Modellkategorie. Für die praktische Frage ist der Abstand der beiden Modellpfade wichtiger: Weniger Emissionen verringern den langfristigen Feuerwetterdruck, während die Vorsorge mit dem verbleibenden Risiko umgehen muss.

Die Projektion zeigt eine Spanne, keine Karte der Zukunft

SSP1-2.6 und SSP3-7.0 sind Szenariopfade, keine Wetterberichte. Die Forschenden berechnen mit ihnen unterschiedliche langfristige Bedingungen für Feuerwetter, Vegetation und Landnutzung. Feuerwetter meint Konstellationen wie Hitze und Trockenheit, die Entzündung und Ausbreitung begünstigen können. Wie viel Fläche tatsächlich brennt, hängt zugleich von Vegetation, verfügbarer Biomasse, Landnutzung und menschlichen Einflüssen ab.

Dafür koppelt das Team die Feueransätze SPITFIRE und BASE an das Vegetations-, Wasser- und Landnutzungsmodell LPJmL und nutzt fünf Klimamodelle. SPITFIRE leitet Zündung, Ausbreitung und Brandfläche aus diesen Bedingungen ab. BASE ist ein zweiter Ansatz. Der Vergleich macht die Aussage belastbarer, ersetzt aber keine regionale Gewissheit: Beide Modelle zeigen nicht überall dasselbe Muster. Gerade für Mittel- und Osteuropa bleibt die regionale Einordnung daher begrenzt.

Originalgrafik ordnet Emissionspfad, Feuerwetter, Landschaft, Prävention, Einsatz und verbleibendes Waldbrandrisiko
Die Prüfkette zeigt, wie Klimabedingungen und Betriebsentscheidungen gemeinsam die Brandrisiken prägen. – durch KI erzeugt

Warum Management im Modell nur indirekt vorkommt

Der zweite Teil der Studie fragt, wie sich menschliches Handeln in der Modellwelt auswirkt. Dazu variieren die Forschenden im BASE-Ansatz Management-Proxies und vergleichen die Ergebnisse mit Läufen, in denen menschliche Treiber konstant bleiben. Proxies sind Ersatzgrößen. Hier bilden HDI und verwandte Faktoren Management- und Entwicklungskapazität nur indirekt ab.

Die Vergleichsläufe deuten darauf hin, dass steigende Management-Proxies die modellierte Brandfläche deutlich dämpfen können. Die vom PIK genannten 92 Prozent im niedrigen und 72 Prozent im höheren Erwärmungspfad sind aber Modellvergleiche. Sie messen weder die Leistung realer Feuerwehren noch vermiedene Schäden, Budgets, Ausrückzeiten, Löschwasser oder präventiv gepflegte Flächen. Unter SSP3-7.0 nimmt die simulierte Brandfläche im BASE-Ansatz auf etwa 55 Prozent der Fläche weiter zu. Starke Erwärmung lässt sich in diesem Modell also nicht einfach wegorganisieren.

In der Praxis reicht die Kette von Landschaft und Brennstoffmanagement über Früherkennung bis zum Einsatz. Die Europäische Kommission ordnet Prävention, Vorbereitung, Reaktion und Wiederherstellung als zusammenhängendes Risikomanagement ein. Die EEA nennt naturnahe Waldpflege, Beweidung, Agroforst und Totholzmanagement als mögliche Ansätze. Welche Maßnahme an einem Ort hilft, hängt jedoch von Ökosystem, Eigentum, Nutzung und Lage ab. Eine allgemeine Wirkungsquote gibt es dafür nicht.

Originalgrafik trennt europäische Modellprojektionen von EFFIS-Messstand und EU-Bereitschaftskapazität 2026
Die Grafik stellt rund +39 und nahezu +192 Prozent als Modellwerte, 632.169 Hektar und 1.831 Feuer als EFFIS-Messstand sowie 22 Löschflugzeuge, 5 Hubschrauber und 777 Feuerwehrleute als EU-Bereitschaftskapazität gegenüber. – durch KI erzeugt

EFFIS misst die laufende Saison, die Studie rechnet Jahrzehnte

Der aktuelle Stand des europäischen Waldbrand-Informationssystems EFFIS beantwortet eine andere Frage. Das Joint Research Centre meldete für die EU zum 26. August 2026 632.169 Hektar verbrannte Fläche und 1.831 Feuer. EFFIS kartiert Feuer ungefähr ab 30 Hektar mit Satellitendaten, menschlicher Prüfung und nachträglicher Verfeinerung der Brandperimeter. Der Wert ist ein datierter Zwischenstand, kein Saisonendwert.

Damit lässt sich der EFFIS-Stand weder gegen die 2070- bis 2100-Mittelwerte verrechnen noch als schneller Test der Studie verwenden. Eine laufende Saison enthält die konkreten Wetter-, Vegetations-, Zündungs- und Einsatzbedingungen dieses Jahres. Die Studie untersucht langfristige Szenarien. Auch die abgeschlossene EFFIS-Bilanz für 2025 mit 1.079.538 kartierten Hektar bleibt eine getrennte Beobachtung.

Die dritte sichtbare Größe ist Einsatzbereitschaft. Für 2026 nennt der EU-Katastrophenschutz 22 Löschflugzeuge, fünf Hubschrauber und 777 Feuerwehrleute aus 14 Ländern. Das beschreibt vorbereitete europäische Kapazität und Koordination. Daraus folgt keine nachgewiesene Zahl vermiedener Hektar; dafür wären vergleichbare Einsatz- und Wirkungsdaten nötig.

Für Mitteleuropa wird die Projektion zur Vorsorgeaufgabe

Aus den europäischen Modellwerten folgt keine deutsche Punktprognose. Für Deutschland und Mitteleuropa wird die Studie dennoch praktisch, weil die Vorsorge nicht erst bei einem Großbrand beginnt. Kommunen, Forst und Katastrophenschutz müssen lokale Risikokarten, verständliche Warnketten, erreichbare Wege, Löschwasser und Evakuierungsplanung zusammen denken. Bei großen Lagen kommt die grenzüberschreitende Unterstützung hinzu.

Ein einzelnes Feuer lässt sich damit nicht pauschal dem Klimawandel zuschreiben. Zündungen, Vegetation, Landnutzung und Einsatzbedingungen bleiben für das konkrete Ereignis entscheidend. Der langfristige Befund verändert aber den Planungsrahmen: Emissionsminderung begrenzt den Druck auf das Feuerwetter, während Landschaftspflege, Warnung und verfügbare Hilfe die Ausbreitung unter realen Bedingungen begrenzen sollen.

Weiter kommt die Bewertung mit einer abgeschlossenen EFFIS-Saisonbilanz, einem regionalen Modell- und Ensemblevergleich für Deutschland oder dokumentierten Daten zur Wirkung lokaler Vorsorge. Bis dahin ist die europäische Szenariospanne kein Fahrplan für jede Gemeinde. Sie ist ein belastbarer Grund, die regionalen Voraussetzungen vor der nächsten großen Lage prüfbar zu machen.

Quellen und weiterführende Informationen

Hinweis: Für diesen Artikel wurden KI-gestützte Recherche- und Editierwerkzeuge verwendet. Der Inhalt wurde redaktionell geprüft. Stand: 2026-08-30.