EuroHPC hat Bull mit LUMI-AI beauftragt. Der Vertrag über 387,8 Millionen Euro umfasst Beschaffung, Lieferung, Installation und Wartung. Der Supercomputer soll im CSC-Rechenzentrum im finnischen Kajaani stehen und ab der zweiten Hälfte 2027 verfügbar werden.

EuroHPC bleibt Eigentümer. Das LUMI-AI-Konsortium aus Finnland, Tschechien, Dänemark, Estland, Norwegen und Polen trägt laut Projektmeldungen die andere Hälfte der Finanzierung. Der Auftrag ist damit ein konkreter Beschaffungs- und Finanzierungsmeilenstein, keine bereits verfügbare Rechenleistung.
Der Vertrag definiert Standort und Lieferauftrag
Bull soll ein BullSequana-XH3500-System mit AMD-Instinct-MI430X-GPUs und AMD-EPYC-Prozessoren der sechsten Generation mit 256 Kernen liefern. IBM ist für Storage Scale vorgesehen, Nokia für das Rechenzentrumsnetzwerk, Bull für den BXI-Interconnect. Geplant sind zudem Multi-Tenant-Betrieb und API-Zugang.
Damit mehrere Projekte dieselbe Plattform nutzen können, müssen Beschleuniger, CPUs, Speicher, Netzwerk, Dateisystem, Scheduler und Software zusammenarbeiten. Ein GPU-Name allein sagt noch nichts über den Durchsatz eines Trainings- oder Inferenzjobs aus.
Die Kapazitätszahl ist noch kein Benchmark
EuroHPC erwartet eine zehnfach höhere KI-Kapazität als beim heutigen LUMI und nahezu die doppelte HPC-Kapazität. Vorgesehen sind KI-Training, Inferenz und wissenschaftliche Simulationen. Die zentrale Unsicherheit: Die Benchmarkdefinition der angekündigten zehnfachen KI-Kapazität ist nicht veröffentlicht.
Für das bestehende LUMI gibt es einen getrennten Vergleichswert. In der TOP500-Liste vom Juni 2026 lag es auf Rang 11 mit 379,70 PFlop/s Rmax, 531,51 PFlop/s Rpeak, 2.752.704 Kernen und 7.107 kW. Das sind HPL-Werte für Hochleistungsrechnen, keine direkte Messung von KI-Training oder Inferenz und keine Prognose für LUMI-AI.
Dass LUMI reale KI-Arbeit getragen hat, zeigt das TildeOpen-Projekt. Die Fallstudie nennt zwei Millionen GPU-Stunden für ein mehrsprachiges Open-Source-Modell mit mehr als 30 Milliarden Parametern. Daraus folgt jedoch weder ein LUMI-AI-Benchmark noch ein späteres Kontingent für einzelne Nutzer.

Zugang und Datenbetrieb entscheiden über den Nutzen
Die bestehende LUMI-AI-Factory-Zugangslogik kennt Playground, Fast Lane und Large Scale. Für Fast Lane sind bis zu 50.000 GPU-Stunden genannt; geeignete KI-Start-ups und KMU können für Innovation kostenlos Zugang erhalten. Ob diese Wege bei LUMI-AI mit welchen Kontingenten, Wartezeiten, Preisen und Supportregeln gelten, entscheidet sich erst im späteren Betrieb.
Die EuroHPC-Ausschreibung verlangte neben Leistung auch ein gutes Verhältnis von Leistung zu Gesamtkosten, Nutzbarkeit für Entwicklung, Test und Deployment, Anpassbarkeit, Secure Processing Environments, Zuverlässigkeit für Industrie-Workloads und Energieeffizienz. Das sind Anforderungen, keine veröffentlichten Abnahmewerte.
Bei vertraulichen Daten zählen außerdem Verschlüsselung, Backups, Projektberechtigungen, Administratorzugriff, Protokollierung und der Umgang mit Sicherheitsvorfällen. Die FAQ der bestehenden LUMI-Umgebung beschreibt dazu Betriebsregeln, darunter keine automatische Verschlüsselung ruhender Daten und Nutzerverantwortung für Backups. Sie ist keine Sicherheitszusage für LUMI-AI.
Kühlung und Betrieb müssen messbar werden
CSC verweist für Kajaani auf erneuerbaren Strom und Abwärmenutzung im Fernwärmenetz. Für LUMI-AI sind Flüssigkühlung, Wärmerückgewinnung und vollständige Versorgung mit erneuerbarem Strom geplant. Veröffentlicht sind bislang keine LUMI-AI-Werte zu Strombedarf, Kühlleistung, PUE, Wärmemenge, Wartungsfenstern oder Verfügbarkeit.
Reuters berichtete unter Berufung auf EuroHPC, dass Anträge wegen knapper Kapazitäten abgelehnt werden. LUMI-AI kann diese Lücke nur dann praktisch verkleinern, wenn europäische Nutzer verlässlich Rechenzeit, Datenpfade, Software und Support erhalten.

Der nächste belastbare Nachweis ist deshalb kein weiterer Vertrag, sondern ein Betriebsdatensatz: installierte Konfiguration, nachvollziehbare KI- und HPC-Messungen, Zugangsregeln, Sicherheitsnachweise sowie Energie-, Kühl- und Verfügbarkeitswerte. Erst reale europäische Nutzerjobs zeigen, was LUMI-AI im Alltag leistet.
Quellen und weiterführende Informationen
- EuroHPC JU: Vertrag für LUMI-AI
- LUMI: Projekt- und Architekturmeldung
- EuroHPC: Ausschreibung für LUMI-AI
- CSC: Rechenzentrumsstandort Kajaani
- Reuters via AOL: Europas KI-Rechennetzwerk
- Reuters: Originalmeldung
- TOP500: Liste Juni 2026
- LUMI: frühere TOP500-Einordnung
- LUMI: TildeOpen-Fallstudie
- LUMI: Zugangswege für AI Factories
- LUMI AI Factory: FAQ
- EuroHPC: AI Factories
- TechZeitGeist: EU-AI-Factories
- TechZeitGeist: KI-Gigafactory-Ausschreibung
- TechZeitGeist: KI-Rechenleistung in Estland
- Schema.org
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Hinweis: Für diesen Artikel wurden KI-gestützte Recherche- und Editierwerkzeuge verwendet. Der Inhalt wurde redaktionell geprüft. Stand: 2026-09-01.