Die Kohlenstoffform Diamondiyne bekommt eine genauere experimentelle Grundlage. Eine am 14. September in Angewandte Chemie veröffentlichte Studie ergänzt die bisherigen Strukturbelege durch weitere Messungen der chemischen Bindungen und der Herstellung. Dabei ziehen die Forschenden eine wichtige Grenze: Entstanden ist ein überwiegend ungeordneter Kohlenstofffilm mit kleinen Diamondiyne-Kristallen, kein durchgehend kristalliner Werkstoff. Das beschreibt die neue Fachpublikation von Yang und Kollegen.
Die Herstellung selbst war bereits in einer Vorabveröffentlichung vom 10. März 2025 beschrieben worden. Auch die räumliche Struktur und Hinweise auf ineinandergreifende Netzwerke standen dort schon. Der aktuelle Fortschritt liegt damit in der erweiterten Untersuchung, nicht in einer erstmals im September gelungenen Synthese.
Ein räumliches Gerüst mit Zwischenräumen
Diamant und Graphit bestehen beide aus Kohlenstoff. Wie die Atome miteinander verbunden sind, macht daraus unterschiedliche Materialien. Diamondiyne erweitert diese Familie um ein Gerüst, das dem Aufbau von Diamant ähnelt, aber größere Zwischenräume lässt. Seine Knoten sind über Kohlenstoffketten mit Dreifachbindungen verbunden.
Die Universität Göteborg erläutert den Laborversuch so: Der dünne Film wächst dort, wo zwei Flüssigkeiten aufeinandertreffen. Dafür benötigt das Team keinen hohen Druck. Das Team um Karl Börjesson berichtet von nachgewiesenen, regelmäßig aufgebauten Bereichen mit ungefähr zehn Nanometern Kantenlänge. Die geordneten Bereiche sind also winzig; ihre Ausdehnung darf nicht mit der Größe des gesamten Films verwechselt werden.

Zusätzliche Messungen prüfen die Bindungen
In der Fachpublikation verfolgt das Team mit Kernspinresonanz, kurz NMR, wie sich die Ausgangsbausteine während der Reaktion verändern. Eine weitere NMR-Messung am festen Material stützt den Nachweis der Kohlenstoffbindungen, die für die verbindenden Ketten charakteristisch sind. Die Methoden ergänzen die Elektronenmikroskopie, mit der das räumliche Muster untersucht wurde.
Für eine übliche quantitative Untersuchung der Gasaufnahme reicht die hergestellte Materialmenge noch nicht aus. Eine andere Messung liefert lediglich einen qualitativen Hinweis auf Porosität. Deshalb lässt sich aus den Hohlräumen bisher keine bestimmte Filterleistung oder Speicherkapazität ableiten. Als nächsten Schritt will das Team die Eigenschaften und mögliche Anwendungen genauer untersuchen.
Das Titelbild ist ein KI-generiertes Symbolbild des Herstellprinzips an einer Flüssigkeitsgrenze, keine Originalaufnahme des Experiments.
Quellen
- Yang et al., Angewandte Chemie International Edition: Diamondiyne: A 3D Carbon Allotrope With Mixed sp–sp3 Hybridization, 14. September 2026.
- Universität Göteborg: Researchers created new porous diamond, 17. September 2026.
- Yang et al., ChemRxiv, archiviert bei Chalmers: Diamondiyne: A 3D carbon allotrope with mixed valence hybridization, Vorabveröffentlichung vom 10. März 2025, damals nicht begutachtet.
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