Erneuerbare Energien

Deutschlands Netzplan setzt auf 100 Gigawatt Batteriespeicher – der Betrieb ist die offene Frage

Deutschlands Netzplan rechnet für 2040 mit bis zu 102,4 Gigawatt Großbatteriespeichern. Was die Szenariozahl bedeutet – und was sie nicht beweist.

Von Wolfgang

04. Sep. 20265 Min. Lesezeit

Deutschlands Netzplan setzt auf 100 Gigawatt Batteriespeicher – der Betrieb ist die offene Frage

Deutschlands Netzplan rechnet für 2040 mit bis zu 102,4 Gigawatt Großbatteriespeichern. Was die Szenariozahl bedeutet – und was sie nicht beweist.

Im neuen deutschen Netzplan taucht für 2040 eine Batterieflotte auf, die größer ist als alles, was heute im Betrieb sichtbar ist: 84,1 bis 102,4 Gigawatt Großbatteriespeicher. Die Zahl beschreibt keine Bestellung und kein Bauprogramm. Sie ist eine Annahme im noch nicht genehmigten Szenariorahmen der Übertragungsnetzbetreiber. Gerade deshalb ist sie interessant: Sie zeigt, wie zentral Speicher inzwischen für ein Stromsystem mit mehr Wind, Solarstrom und neuen Verbrauchern gedacht werden.

Die Batterie selbst ist dabei nur ein Teil der Geschichte. Entscheidend wird, ob Projekte einen Anschluss bekommen, finanziert und gebaut werden, welche Rolle sie im Markt übernehmen und ob sie im Betrieb dann auch dort helfen, wo das System Flexibilität braucht. Aus einer großen Zahl im Szenariorahmen folgt weder eine bestimmte Stromrechnung noch ein stabilerer Netzbetrieb. Sie verschiebt aber die Frage, was bei Netzen, Marktregeln und Standorten künftig mitgedacht werden muss.

Eine Planungszahl, kein Batteriepark

Die Bundesnetzagentur hat am 31. August die Konsultation zum Szenariorahmen 2027–2040/2045 eröffnet. Stellungnahmen sind bis zum 28. September möglich; sie fließen in die weitere Prüfung und die anschließende Genehmigung durch die Bundesnetzagentur ein. Die vier Übertragungsnetzbetreiber 50Hertz, Amprion, TenneT Germany und TransnetBW liefern mit ihm die Annahmen für die späteren Markt- und Netzberechnungen des Netzentwicklungsplans.

Für Großbatterien setzt der Entwurf im Jahr 2040 je nach Pfad 84,1 bis 102,4 Gigawatt Leistung und 168,2 bis 204,8 Gigawattstunden Kapazität an. Hinter den beiden Zahlen steckt im Modell ein Energie-zu-Leistungs-Verhältnis von zwei. Vereinfacht heißt das: Bei konstanter Maximalleistung entspräche die Kapazität rechnerisch zwei Stunden. Das sagt noch nichts darüber, wie eine einzelne Anlage im Alltag fährt, wie oft sie voll geladen wird oder wie verfügbar sie nach Jahren noch ist.

Gegenüber dem vorherigen Planungsstand ist vor allem die Untergrenze deutlich angehoben worden: Dort standen 41,1 bis 94,1 Gigawatt im Raum. Wegen anderer Zieljahre, Datenstände und Modellannahmen ist das kein sauberer Marktvergleich. Als Richtungsanzeige ist die Verschiebung dennoch klar: Große Batteriespeicher werden in der deutschen Netzplanung nicht mehr als Randgröße behandelt.

Originalgrafik trennt Szenariowert, Anschlussanfragen, Anschlusszusagen und betriebenen Bestand mit unterschiedlichen Definitionen und Stichtagen
Vier getrennte Karten stellen Szenario 2040, Anfragen 2025, Anschlusszusagen 2025 und den MaStR-Bestandswert vom 15. Oktober 2025 mit ihren jeweiligen Angaben gegenüber; sie bilden keine Fortschrittskurve – durch KI erzeugt

Warum die Anschlussdaten den Maßstab erden

Wie weit Szenario und Umsetzung auseinanderliegen können, zeigen die aktuellen SMARD-Daten der Bundesnetzagentur. Für 2025 wurden 18.158 Netzanschlussanfragen für Batteriespeicher mit zusammen 573,5 Gigawatt beantragter Leistung registriert. Gleichzeitig gab es insgesamt 1.937 Anschlusszusagen über 54,2 Gigawatt und 142,4 Gigawattstunden.

Das ist keine Fortschrittskurve, die man einfach ablesen könnte. Viele Vorhaben wurden laut SMARD an mehreren potenziellen Standorten beantragt. Eine Anfrage ist also kein eindeutiges Projekt, und eine Anschlusszusage ist noch kein gebauter Speicher. Nach der Zusage folgen Standortentscheidung, Finanzierung, Genehmigung, Bau, Netzanschluss und Inbetriebnahme. Erst dann lässt sich über verfügbar gemachte Leistung sprechen.

Auch die Bestandszahlen brauchen ihre Etiketten. Die Bundesnetzagentur nennt für den 15. Oktober 2025 rund 2,4 Gigawatt Bruttoleistung und 3,2 Gigawattstunden nutzbare Kapazität betriebener Großbatteriespeicher in einer MaStR-Auswertung. SMARD verweist in einer anderen Abgrenzung auf 3,6 Gigawatt Nettonennleistung und etwa 6 Gigawattstunden bei Speichern ab Mittelspannung. Beide Angaben sind nützlich, aber sie messen nicht dasselbe und sollten nicht zu einer glatten Erzählung zusammengerechnet werden.

Was Batterien im Modell leisten sollen

Im Szenario werden Großbatterien ausschließlich strommarktorientiert betrieben. Sie laden, wenn Strom günstig oder reichlich verfügbar ist, und geben ihn bei höherer Nachfrage oder knapper Erzeugung wieder ab. Das kann helfen, Wind- und Solarstrom zeitlich besser zu nutzen und Preisspitzen zu dämpfen. Es ist eine plausible Flexibilitätsfunktion, aber kein Automatismus für jeden lokalen Netzengpass.

Denn ein Speicher, der auf einen Preis reagiert, steht nicht zwangsläufig genau dort bereit, wo eine Leitung überlastet ist. Für eine nachweisbar netzdienliche Wirkung braucht es passende Signale, Koordination und Daten über tatsächliche Einsätze. Die Planungsannahme ersetzt diese Betriebsfrage nicht. Sie macht sie größer.

Für Betreiber kommen mehrere mögliche Erlösquellen zusammen: Day-Ahead- und Intraday-Handel, Systemdienstleistungen oder Kapazitätsmechanismen. Der Entwurf nennt aber auch die Kehrseite. Wenn viele Speicher auf dieselben Marktfenster setzen, können ihre Erlöse unter Druck geraten. Die Szenariozahl ist deshalb weder ein Renditeversprechen noch ein Beleg für wirtschaftlichen Betrieb jedes Projekts.

Wartungsperson prüft Kabeldurchführungen und Kühlkanäle an der geöffneten Serviceklappe eines Batteriecontainers
Eine Wartungsperson prüft Kabeldurchführungen und Kühlkanäle an der geöffneten Serviceklappe eines unbeschrifteten Batteriecontainers; das Motiv zeigt Arbeit am System, keine gemessene Leistung – durch KI erzeugt

Der Engpass ist nicht nur die Zelle

Für Haushalte, Unternehmen und Kommunen kann eine größere Speicherflotte relevant werden, weil sie Überschüsse aus Wind und Sonne besser verschieben könnte. Ob das die Kosten im System tatsächlich senkt, hängt jedoch von mehr ab als von installierter Leistung: Netzanschlüsse müssen verfügbar sein, Standorte müssen passen, Marktregeln müssen Investitionen und Systemnutzen zusammenbringen. Hinzu kommen Sicherheit, Wartung, Degradation und ein belastbarer Umgang mit Ersatzteilen und Recycling.

Der deutsche Szenariorahmen berücksichtigt auch den europäischen Strommarkt und Interkonnektoren. Er ist trotzdem kein europäisches Speicherziel. Die unmittelbare Aussage bleibt national: Die Planer testen ein Stromsystem, in dem Großbatterien viel stärker als bisher als Flexibilitätsoption mitlaufen.

Der nächste harte Prüfpunkt ist zunächst regulatorisch: Welche Annahmen genehmigt die Bundesnetzagentur nach der Konsultation? Danach beginnt die langsamere Bewährungsprobe im Projektalltag. Eine große Zahl gewinnt erst dann Bedeutung, wenn aus Anfragen eindeutige Vorhaben werden, aus Zusagen Anschlüsse, aus Anschlüssen verfügbare Anlagen – und aus deren Betrieb nachvollziehbare Daten über Leistung, Ausfälle, Sicherheit und tatsächliche Wirkung im System.

Quellen und weiterführende Informationen

Hinweis: Für diesen Artikel wurden KI-gestützte Recherche- und Editierwerkzeuge verwendet. Der Inhalt wurde redaktionell geprüft. Stand: 2026-09-04