KI

DeepSeek ist laut – im Betrieb fast unsichtbar

In der Debatte klingt DeepSeek nach dem neuen Standard. In deutschen Firmen, die schon KI nutzen, taucht es kaum auf.

Von Wolfgang

12. Sep. 20265 Min. Lesezeit

DeepSeek ist laut – im Betrieb fast unsichtbar

In der Debatte klingt DeepSeek nach dem neuen Standard. In deutschen Firmen, die schon KI nutzen, taucht es kaum auf.

Laptop auf Schreibtisch im Büroalltag, Symbol für KI-Werkzeuge am Arbeitsplatz

In der Debatte klingt DeepSeek nach dem neuen Standard. In deutschen Firmen, die schon KI nutzen, taucht es kaum auf. Der Digitalverband Bitkom misst zwei Prozent.

Kurz gesagt: Unter Unternehmen, die KI einsetzen, nutzen laut Bitkom nur 2 Prozent DeepSeek und 1 Prozent Qwen von Alibaba. ChatGPT liegt bei 76 Prozent. Die öffentliche China-KI-Debatte beschreibt damit nicht die Anschaffungsrealität in deutschen Betrieben.

Was Bitkom gemessen hat

Die Presseinformation vom 9. September 2026 stützt sich auf eine repräsentative Befragung von 603 Unternehmen ab 20 Beschäftigten. Bitkom Research hat sie im Auftrag des Verbands telefonisch zwischen Kalenderwoche 28 und 33 erhoben. Die Gesamtumfrage ist repräsentativ.

Wichtig für jede Prozentzahl in diesem Text: Die genannten Anteile beziehen sich nur auf Unternehmen, die bereits KI einsetzen. Wer daraus eine Quote für die gesamte Wirtschaft ableitet, liest die Erhebung falsch.

Gefragt wurde, welche KI-Anwendungen im Unternehmen genutzt werden. Mehrfachnennungen waren möglich. Ein Betrieb kann also mehrere Systeme gleichzeitig nennen. Bei Werten im niedrigen einstelligen Prozentbereich weist Bitkom auf die statistische Schwankungsbreite hin.

China laut, USA im Alltag

DeepSeek kommt auf 2 Prozent der KI-nutzenden Unternehmen, Qwen von Alibaba auf 1 Prozent. Damit liegen chinesische Anwendungen weit hinter den führenden US-Anbietern – obwohl sie in der Debatte seit Monaten mit Leistungssprüngen und niedrigen Kosten auftauchen. So bleibt die öffentliche Lautstärke ein schlechter Proxy für den tatsächlichen Werkzeugmix.

ChatGPT von OpenAI führt mit 76 Prozent, nach 70 Prozent im Vorjahr. Microsoft Copilot und Gemini von Google folgen mit Abstand, haben aber ebenfalls zugelegt. Dahinter werden die Anteile klein: Meta-Llama, SAP-Joule und Anthropic-Claude bleiben im einstelligen Bereich. Grok von xAI liegt unter einem Prozent. Kein befragtes Unternehmen nannte Perplexity oder den europäischen Anbieter Mistral.

Die Rangfolge erzählt eine Betriebsgeschichte. Was im Browser und in der Office-Suite schon liegt, wird genutzt. Was vor allem als Headline und Demo kursiert, landet seltener in der Freigabeliste.

Was das für den Einkauf heißt

Bitkom-Präsident Ralf Wintergerst fasst die Lage so: Die deutsche Wirtschaft setze bei Künstlicher Intelligenz derzeit fast ausschließlich auf Anwendungen aus den USA. Wer digitale Souveränität wolle, müsse europäischen Anbietern eine Chance geben.

Zugleich brauche nicht jede Aufgabe das größte und neueste Modell. Für viele Anwendungen genügten spezialisierte, kleinere Systeme. Genau dort liege eine Chance für europäische Anbieter. Das ist die Alltagsentscheidung hinter der Prozentliste: erst die Aufgabe klären, dann das Werkzeug wählen.

Für IT-Einkauf und Fachbereiche heißt das zwei Prüfungen. Steht das Tool schon in Verträgen, Lizenzen und Schatten-IT – oder nur in der Nachrichtenlage? Und reicht für die Aufgabe ein begrenztes, besser steuerbares System, statt das lauteste Modell der Woche freizugeben?

Was die Zahl nicht sagt

Die 2 Prozent DeepSeek bedeuten nicht, dass chinesische Modelle für die Debatte irrelevant wären. Sie bedeuten, dass sie in den befragten KI-nutzenden Betrieben kaum als eingesetzte Anwendung auftauchen.

Die Erhebung beantwortet auch nicht, ob einzelne Teams in Pilotprojekten experimentieren, ohne dass die Antwort in die Bitkom-Liste wandert. Sie misst genannte Anwendungen auf Unternehmensebene – nicht jeden privaten Account und nicht jedes Shadow-IT-Experiment.

Bitkom kündigt für Montag, den 14. September 2026, um 9:30 Uhr eine Online-Pressekonferenz zur vollständigen Studie zum KI-Einsatz an. Weitere Kennzahlen zu Ausgaben, Beschäftigung und Hürden gehören dorthin. Dieser Text nimmt sie nicht vorweg.

Zwei Prüfungen vor der nächsten Freigabe

Erstens: Läuft das Tool bereits in der Organisation, oder nur in der Headline? Die Bitkom-Messung trennt Debatte und Einsatz. Wer Freigaben nur aus dem Nachrichtenzyklus ableitet, kauft das falsche Problem.

Zweitens: Braucht die konkrete Aufgabe das größte Modell – oder reicht ein spezialisiertes, kleineres System, das sich steuern, protokollieren und budgetieren lässt? Wintergerst legt diese Unterscheidung ausdrücklich nahe und knüpft sie an die Chance europäischer Anbieter.

Wer digitale Souveränität ernst meint, braucht deshalb nicht nur eine Flaggen-Diskussion. Er braucht eine Tool-Politik, die Aufgabe, Risiko und Anbieterherkunft gemeinsam prüft. Und er sollte die US-Default-Lage der Bitkom-Zahlen nicht mit einer bereits gelösten europäischen Alternative verwechseln.

Für den Alltag der Freigabe zählt weniger, welches Modell gerade die meisten Schlagzeilen erzeugt. Es zählt, welches System dokumentiert, vertraglich klar und zur Aufgabe passend im Betrieb landet – und ob die Organisation bewusst vom US-Default abweichen will.

Für Entscheider: Prüfen Sie Tool-Listen gegen die tatsächliche Nutzung in Fachbereichen. Halten Sie China-Hype und US-Default auseinander. Dokumentieren Sie, warum ein Modell zur Aufgabe passt – nicht nur, warum es gerade diskutiert wird. Warten Sie auf die vollständige Bitkom-Studie vom 14. September, bevor Sie aus diesem Teaser weitere Kennzahlen ableiten.

Abgrenzung

Die Bitkom-Liste ist vor allem ein Spiegel der Betriebsrealität: Sichtbarkeit in der Debatte und Sichtbarkeit in der Anwendungsliste fallen auseinander. Für Entscheider ist genau diese Lücke die Nachricht.

Dieser Text stützt sich auf die Bitkom-Presseinformation vom 9. September 2026. Er ersetzt keine Auswertung der vollständigen Studie vom 14. September und kein Feature-Duell einzelner Modelle.

Quellen

  • Bitkom: „KI aus China? Für die deutsche Wirtschaft praktisch kein Thema“, Presseinformation, 09.09.2026 – bitkom.org

Für diesen Artikel wurden KI-gestützte Recherche- und Editierwerkzeuge verwendet. Der Inhalt wurde redaktionell geprüft.