Ein leistungsfähiger Computer kann Energie effizient einsetzen und trotzdem mehr Strom benötigen als ein einfacheres Gerät. Für den Kauf ist dieser Unterschied wichtig: Wer vor allem Texte schreibt, braucht einen anderen Vergleich als jemand, der Videos bearbeitet oder aufwendige Spiele nutzt. Genau daran arbeitet die EU beim geplanten Energielabel für Computer. Neben dem Effizienzbuchstaben sollen Angaben zu Verbrauch und Rechenleistung helfen, passende Geräte miteinander zu vergleichen.
Die Europäische Kommission hat am 4. September auf eine Studie zur Verständlichkeit des künftigen Computerlabels hingewiesen. Der Bericht wurde am Vortag öffentlich bereitgestellt; sein Manuskript war bereits im August 2025 abgeschlossen. Es handelt sich um einen Test von Entwürfen, nicht um eine bereits eingeführte Kennzeichnung. Seine wichtigste Erkenntnis liegt im Vergleichsmaßstab: Ein Buchstabe wird erst dann nützlich, wenn klar ist, für welche Arbeit und welche Geräte er steht.
Die Rechenaufgabe gehört zum Verbrauch
Die aktuelle Produktinformation der Kommission beschreibt einen Wechsel gegenüber den bisherigen Ökodesign-Anforderungen. Diese berücksichtigen beim geschätzten Jahresverbrauch vor allem Zeiten im Leerlauf, Schlafmodus und ausgeschalteten Zustand. Der untersuchte neue Ansatz lässt Rechner kleine standardisierte Aufgaben ausführen. Solche Testaufgaben sollen typische Nutzung abbilden, etwa Büroarbeit, Surfen und Videos sowie anspruchsvollere Berechnungen oder Grafikarbeit.
Dabei entstehen unterschiedliche Informationen. Der Verbrauch beschreibt die eingesetzte Energie. Die Rechenleistung ordnet ein, wie viel das Gerät bei vergleichbaren Aufgaben schafft. Effizienz setzt die Leistung ins Verhältnis zum Energieeinsatz. Deshalb können zwei Computer mit unterschiedlicher Rechenleistung nicht allein anhand eines grünen Buchstabens sinnvoll gegeneinander antreten.
Für die Stromrechnung kommt die Nutzungsdauer hinzu. Ein sparsamer Betrieb über viele Stunden kann mehr Energie benötigen als ein kürzerer Betrieb mit höherem Verbrauch. Umgekehrt kann ein schneller Rechner eine konkrete Aufgabe früher beenden. Welche Konstellation günstiger ist, lässt sich aus der Effizienzklasse allein nicht ablesen. Der geplante Leistungswert soll deshalb beim Vergleich ähnlicher Geräte helfen; er ist kein Ersatz für die Frage, was der Computer tatsächlich erledigen soll.

Zwei Ansichten, dieselbe Trefferquote
Centerdata und Ipsos prüften die Entwürfe zunächst mit 16 Personen in Deutschland und Spanien. Die anschließende Onlinebefragung umfasste 4.229 Menschen zwischen 18 und 70 Jahren aus sieben EU-Ländern, darunter 601 aus Deutschland. Die Teilnehmenden wurden aus Ipsos-Panels nach Alter, Geschlecht, Bildung und Region ausgewählt. Die Ergebnisse beschreiben diese Untersuchung, keine Messung sämtlicher europäischer Käufer.
Der Originalbericht zeigt eine konkrete Stolperfalle. In der qualitativen Vorstudie ordneten einige Personen zwei Skalen falsch zu. Piktogramme für einfache und anspruchsvolle Nutzung sollten den Zusammenhang deutlicher machen. In der Hauptstudie standen schließlich zwei Varianten gegenüber: zwei getrennte Farbskalen oder eine Farbskala mit zwei Spalten. Beide zeigten weiterhin die unterschiedlichen Nutzungsarten.
Bei der Aufgabe, den effizienteren Computer für gewöhnliche Alltagsarbeiten auszuwählen, lagen in beiden Gruppen jeweils 69 Prozent richtig. Ein signifikanter Vorteil eines Layouts ließ sich nicht feststellen. Das spricht für den Nutzen beider Darstellungen innerhalb dieser Testaufgabe. Zugleich bleibt eine erkennbare Verständnislücke: Die korrekte Antwort gelang längst nicht allen, obwohl die Befragung die Aufmerksamkeit gezielt auf das Label lenkte.
Auch die Präferenz muss präzise gelesen werden. 46 Prozent wünschten Angaben, die nach Nutzungsart unterscheiden. Das war die größte Gruppe, aber keine absolute Mehrheit. Aus dem Wunsch nach mehr Information folgt außerdem noch nicht, dass Menschen damit im Laden tatsächlich bessere Entscheidungen treffen. Die Studie prüft Verständnis und Vorlieben, keine späteren Käufe oder Stromersparnisse.
Vertraute Einheiten lösen nicht jedes Problem
Beim Zeitbezug war die Richtung deutlicher: 62 Prozent bevorzugten eine Verbrauchsangabe pro Nutzungsstunde. Die Autoren empfehlen dafür Wattstunden. Damit lässt sich der Wert auf eine konkrete Dauer beziehen, ohne einen pauschalen Jahresrhythmus vorauszusetzen.
Die Empfehlung beruht allerdings nicht auf einer eindeutigen Vorliebe für Wattstunden gegenüber Kilowattstunden. Die aus Stromrechnungen vertraute Einheit Kilowattstunde fand ebenfalls Zuspruch. Bei kleinen Verbrauchswerten entstehen damit mehrere Nachkommastellen. Die Autoren weisen darauf hin, dass Befragte die verlinkten Beispielansichten möglicherweise nicht geöffnet hatten. Vertrautheit mit einer Einheit und gute Lesbarkeit einer konkreten Darstellung sind verschiedene Dinge.
Denselben Unterschied gibt es beim Leistungswert. Viele Befragte hielten die Angaben für verständlich; das ist zunächst eine Selbsteinschätzung. Die Autoren empfehlen zusätzliche Erklärungen, damit Käufer erkennen, warum Computer mit ähnlicher Rechenleistung verglichen werden sollten. Ein Label kann Informationen verdichten. Den Zusammenhang muss seine Gestaltung trotzdem vermitteln.
Vergleichbarkeit bleibt eine begrenzte Hilfe
Dass die Nutzung beim Energiebedarf mitentscheidet, unterstützt auch eine unabhängige Forschungsarbeit aus Roskilde. Laut dem Originalabstract von „Power Assumptions Matter“ untersuchten die Forschenden zehn Personen bei acht Browserabläufen auf vier Laptopplattformen. Modelle, die die Art der Nutzung berücksichtigten, waren genauer als eine Unterscheidung allein nach Hardware. Das ist eine kleine Untersuchung von Webdiensten und ausdrücklich kein Test des EU-Labels. Sie verdeutlicht aber, weshalb ein einziger pauschaler Verbrauchswert den Alltag nur eingeschränkt beschreibt.
Der stärkste Einwand gegen zusätzliche Angaben bleibt ihre Komplexität. Mehr Symbole können Orientierung schaffen oder sie erschweren. Die EU-Studie liefert keinen Beleg, dass zwei Skalen grundsätzlich besser wären als eine. Sie zeigt vielmehr, dass beide geprüften Varianten mit klarer Nutzungszuordnung ähnlich funktionierten. Die Aufgabe besteht somit darin, den Vergleich verständlich zu machen, nicht möglichst viele Kennzahlen unterzubringen.
Für einen fairen Computerkauf wäre das ein Fortschritt: zuerst den eigenen Einsatz und eine passende Leistungsklasse bestimmen, danach den Energiebedarf vergleichbarer Geräte beurteilen. Solange das Label vorbereitet wird, ist das eine Richtung für bessere Produktinformationen. Auch ein späteres grünes A wird die persönliche Nutzung nicht kennen.
Quellen
- Europäische Kommission: Preparatory study for possible new energy label for computers, 4. September 2026.
- Europäische Kommission: Computers, Produkt- und Regulierungsinformationen, abgerufen am 17. September 2026.
- Centerdata und Ipsos: Study assessing consumer understanding of a draft energy label for computers, Manuskript August 2025, veröffentlicht am 3. September 2026, DOI 10.2833/7575200.
- Maja H. Kirkeby und Timmie M. R. Lagermann: Power Assumptions Matter, SANER-C 2026, S. 189–196; Originalabstract im Forschungsportal der Universität Roskilde, DOI 10.1109/SANER-C67878.2026.00031.
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