Erneuerbare Energien

Batterien sollen das Stromnetz selbst stabilisieren: Was der neue Fraunhofer-Test wirklich zeigt

Fraunhofer IWES prüft einen netzbildenden Batteriespeicher mit mehr als 2 MW. Was der Test zeigt – und welche Nachweise noch fehlen.

Von Wolfgang

24. Aug. 20264 Min. Lesezeit

Batterien sollen das Stromnetz selbst stabilisieren: Was der neue Fraunhofer-Test wirklich zeigt

Fraunhofer IWES prüft einen netzbildenden Batteriespeicher mit mehr als 2 MW. Was der Test zeigt – und welche Nachweise noch fehlen.

Wenn im Stromnetz kurzfristig viel Leistung fehlt oder zu viel eingespeist wird, muss sich die Frequenz trotzdem nahe 50 Hertz halten. Bisher liefern große rotierende Generatoren dafür physikalische Trägheit. Mit mehr Wind, Solar und leistungselektronisch angebundenen Anlagen wird die Frage wichtiger, ob Wechselrichter und Batteriespeicher einen Teil dieser Stabilisierung übernehmen können.

Fraunhofer IWES hat dafür einen Batteriespeicher mit mehr als 2 MW in einem Power-Hardware-in-the-Loop-Aufbau getestet. Das ist mehr als eine Produktvorführung: Reale Leistungshardware reagiert dabei auf eine virtuell nachgebildete Netzwelt. Ein Zertifikat oder ein Nachweis für den öffentlichen Regelbetrieb ist es allerdings noch nicht.

Was netzbildende Speicher anders machen

Ein netzfolgender Wechselrichter richtet sich nach einer vorhandenen Netzreferenz. Ein netzbildender Wechselrichter soll am Anschlusspunkt selbst Spannung, Frequenz und Phasenwinkel vorgeben. Vereinfacht gesagt: Er wartet nicht darauf, dass das Netz den Takt liefert, sondern kann unter definierten Bedingungen selbst eine stabile elektrische Referenz bereitstellen.

Das ist für schwache Netze und für Situationen mit weniger synchronen Kraftwerken relevant. Es bedeutet aber nicht, dass jeder Speicher mit dem Etikett „grid-forming“ dieselben Eigenschaften hat. Ein Fraunhofer-ISE-Benchmark mit sieben Speicherwechselrichtern zeigte gerade unter weiteren Betriebsbedingungen deutliche Unterschiede zwischen den Implementierungen und ihren Reifegraden.

Der Test lief mit realer Hardware, das Netz blieb simuliert

IWES beschreibt für die Kampagne einen Mobile-Grid-Emulator, der das öffentliche Netz vom Versuch isoliert. Der Speicher wurde mit kontrollierten Unter- und Überspannungen, Frequenzänderungen, Phasensprüngen und weiteren Fehlerfällen konfrontiert. Nach Angaben des Instituts wurden innerhalb weniger Wochen mehr als 1.000 Tests durchgeführt; rund 150 davon dienten Zertifizierungszwecken.

Auch ein Inselübergang gehörte dazu. Der Prüfling wechselte aus einem emulierten netzgekoppelten Zustand in eine simulierte Insel mit konstanter Last. IWES berichtet über eine nahezu sofortige Leistungsanpassung sowie stabile simulierte Spannung und Frequenz nach wenigen Sekunden.

Der entscheidende Begriff ist dabei „simuliert“. Der Aufbau prüft die Reaktion eines konkreten Systems reproduzierbar, ohne das öffentliche Netz als Versuchsfeld zu nutzen. Daraus lässt sich weder ein dauerhafter Inselbetrieb im deutschen Netz noch eine Schwarzstartfähigkeit ableiten.

Originalgrafik zeigt den Weg vom netzbildenden Wechselrichter über den Mobile-Grid-Emulator und reale BESS-Leistungshardware zur Messung von Stabilität und Grenzen
Der PHIL-Aufbau verbindet eine emulierte Netzwelt mit realer Speicherhardware und macht Reaktionsgrenzen messbar – durch KI erzeugt

Warum die Messkampagne noch nicht die letzte Stufe ist

Die VDE-FNN-Richtlinie 2.1 trennt mehrere Nachweise: Messungen, Simulationen und Modellgenauigkeit gehören ebenso dazu wie virtuelle Insel- oder synchroner Betrieb, die Anlagenzertifizierung und ein Statement of Compliance. Genau diese Trennung ist hier wichtiger als die Zahl der Tests.

Zum Zeitpunkt der Veröffentlichung bewerteten nach IWES-Angaben eine akkreditierte Zertifizierungsstelle und das VDE Testing and Certification Institute die Mess- und Simulationsergebnisse noch. Erst danach können für eine konkrete Anlage weitere Schritte folgen: Netzanschluss, Präqualifikation und gegebenenfalls ein Marktangebot. Ob dieser Speicher diese Stufen erreicht, geht aus den bisherigen Unterlagen nicht hervor.

Der Markt erklärt die Relevanz, nicht die Teilnahme dieses Speichers

Deutschland beschafft Momentanreserve seit dem 22. Januar 2026 marktgestützt. Sie soll sehr schnelle Leistungsungleichgewichte abfedern, bevor Primär- und Sekundärregelung wirken. Grid-forming-Umrichter und Speicher können dafür grundsätzlich eine technische Option sein.

Das ist der praktische Hintergrund des Tests. Es belegt aber weder eine Präqualifikation noch eine Offerte oder Einnahmen des bei IWES geprüften Systems. Auch beim Netzanschluss bestehen eigene Hürden: Die Übertragungsnetzbetreiber bewerten bei großen Speichern unter anderem technische Konzepte, Genehmigungsstand, wirtschaftliche Realisierbarkeit und Systemnutzen. Ein überzeugender Prüfstand ersetzt diese Schritte nicht.

Originalgrafik ordnet Multi-MW-Test, offene Zertifizierung, separate Anschluss- und Präqualifikationsnachweise, mögliches Marktangebot und fehlende längere Betriebsdaten
Zwischen abgeschlossener Messkampagne und Regelbetrieb liegen getrennte Nachweise und offene Bewährungsfragen – durch KI erzeugt

Was der Fraunhofer-Test tatsächlich verändert

Die redaktionelle Gegenprüfung über Testbericht, VDE-FNN-Nachweisweg, Momentanreserve-Markt und Vergleichsbenchmark ergibt ein klares Bild: Der Multi-MW-Test verschiebt netzbildende Speicher von einer bloßen Funktionsbeschreibung in eine nachvollziehbare Qualifikationsstufe. Das ist relevant, weil reale Leistungshardware unter definierten Fehlerfällen geprüft wurde und nicht nur ein Datenblatt vorliegt.

Die neue Bewährungsfrage beginnt erst danach. Für eine belastbarere Bewertung braucht es einen öffentlich nachvollziehbaren Zertifizierungsnachweis, Anschluss- und Präqualifikationsunterlagen sowie Betriebsdaten über längere Zeit. Erst dann lässt sich beurteilen, ob die im Prüfaufbau gezeigten Eigenschaften im Stromsystem verfügbar, zuverlässig und wirtschaftlich nutzbar sind.

Quellen und weiterführende Informationen

Hinweis: Für diesen Artikel wurden KI-gestützte Recherche- und Editierwerkzeuge verwendet. Der Inhalt wurde redaktionell geprüft. Stand: 2026-08-24.