Windräder liefern Strom, können Wetterradare aber mit bewegten Reflexionen irritieren. In Krummendeich läuft nun eine Messphase, die diesen Konflikt genauer vermessen soll: Der Deutsche Wetterdienst (DWD), das DLR und der Radarhersteller GAMIC bündeln im Projekt WICLEAN Wetterradar-, Wind- und Betriebsdaten. Das Ziel sind bessere Verfahren gegen Windturbinen-Clutter – nicht bereits bessere Warnungen oder neue Genehmigungsregeln.
Das Wichtigste in 30 Sekunden
- Der DWD meldete am 16. Juli 2026 einen aktuellen WICLEAN-Messauftakt am DLR-Forschungspark WiValdi in Krummendeich.
- Geplant sind sechs Monate kontinuierliche Messungen mit einem GAMIC-X-Band-Wetterradar, einem DLR-Lidar sowie den steuerbaren Anlagen OPUS1 und OPUS2.
- Windturbinen-Clutter kann Wetterradardaten beeinflussen. Die Fachliteratur beschreibt bislang keine Methode, die Störung in allen Fällen zuverlässig von Wetterinformation trennt.
- WICLEAN liefert zunächst Daten und Methoden. Produktionsreife Filter, präzisere Warnungen oder erleichterte Windpark-Genehmigungen folgen daraus noch nicht.

Eine aktuelle Messphase, kein Neubeginn des gesamten Projekts
Am 16. Juli veröffentlichte der DWD eine Meldung zu WICLEAN in Krummendeich. Dort untersucht das Team, wie sich die Signaturen von Windenergieanlagen in Wetterradardaten erkennen und künftig besser mindern lassen. DWD, Deutsches Zentrum für Luft- und Raumfahrt und GAMIC arbeiten dabei im BMWE-Förderkontext zusammen.
Bei der Zeitachse lohnt ein genauer Blick. Eine Facharbeit in Atmospheric Measurement Techniques ordnet WICLEAN bereits dem Jahr 2025 zu. Die DWD-Meldung sollte deshalb als aktueller Messauftakt beziehungsweise als nun dokumentierte Messphase verstanden werden – nicht als zweifelsfreier Start des gesamten Verbundvorhabens.
Warum ein drehender Rotor im Wetterradar stören kann
Wetterradar sendet elektromagnetische Impulse aus und wertet die zurückkehrenden Signale aus. Daraus lassen sich unter anderem Niederschlagsstrukturen ableiten. Türme und vor allem bewegte Rotorblätter reflektieren ebenfalls Signale. Diese unerwünschten Rückstreuungen werden als Windturbinen-Clutter bezeichnet.
Das verändert mehr als nur die Darstellung auf einer Karte. Wenn der Algorithmus nicht sicher unterscheiden kann, ob ein Signal von Regen oder von einer Anlage kommt, kann es Radarprodukte beeinflussen. Die AMT-Studie zum DWD-Netz mit 17 Radarsystemen zeigt genau diese Grenze: Bisher trennt keine Methode die Störung in allen Situationen zuverlässig von Wetterinformation.

Infobox: So ist der WICLEAN-Messaufbau angelegt
- Ort: DLR-Forschungspark WiValdi in Krummendeich.
- Radar: Ein GAMIC-X-Band-Wetterradar steht laut DLR rund fünf Kilometer nordöstlich des Forschungsparks.
- Anlagen: OPUS1 und OPUS2 erlauben gezielte Tests mit steuerbaren Windenergieanlagen.
- Zusatzmessung: Ein DLR-Lidar erfasst die Windströmung.
- Zeitraum: Der DWD plant kontinuierliche Messungen über sechs Monate.
Der Abstand von rund fünf Kilometern beschreibt ausschließlich diesen Versuchsaufbau. Er ist keine allgemeine Vorgabe für Mindestabstände und kein Signal dafür, dass bestehende Schutzregeln nun wegfallen.
Was Radar, Lidar und Betriebsdaten gemeinsam sichtbar machen sollen
WICLEAN setzt nicht auf ein einzelnes Messgerät. Das Radar zeigt, welche Reflexionen im Sichtfeld ankommen. Das Lidar ergänzt Informationen über die Windströmung; über die Anlagen lassen sich gezielte Betriebszustände testen. Zusammen können diese Daten Muster sichtbar machen, die sich in einem gewöhnlichen Radarbild nur schwer auseinanderhalten lassen.
Zunächst entsteht damit eine bessere Datengrundlage. Statt pauschal darüber zu streiten, ob Windkraft und Wetterradar an einem Standort zusammenpassen, lassen sich konkrete Situationen untersuchen: Wetterlage, Rotordrehzahl, Blickrichtung und Betrieb der Anlage. Ob daraus ein Filter für den Regelbetrieb entsteht, muss die Forschung erst zeigen.
Belegt, angestrebt, offen: Der Status von WICLEAN
| Heute belegt | Forschungsziel | Noch offen |
|---|---|---|
| Aktuelle DWD-Meldung, Messungen über sechs Monate und die beteiligten Akteure. | Clutter-Muster besser erfassen und Verfahren zur Minderung entwickeln. | Ob ein Verfahren unter verschiedenen Wetterlagen und Standorten zuverlässig arbeitet. |
| X-Band-Radar, Lidar sowie OPUS1 und OPUS2 im konkreten Messaufbau. | Mögliche Beiträge zu Böen- und Extremwetterprognosen untersuchen. | Ob Wetterwarnungen dadurch messbar präziser werden. |
| Windturbinen-Clutter kann Radarprodukte beeinflussen. | Technische Koexistenz von Windenergie und Wetterradar besser bewertbar machen. | Folgen für Genehmigungen, Schutzabstände oder den Ausbau einzelner Projekte. |
Warum das für die Windenergieplanung relevant ist
Windenergieanlagen und Wetterradare konkurrieren nicht automatisch um jeden Standort. Wo ihre Signale sich überlagern, entsteht aber ein echter technischer Konflikt. Für Betreiber, Planungsbehörden und den Wetterdienst ist deshalb nicht nur die Distanz entscheidend, sondern auch, wie sich mögliche Störungen konkret nachweisen und bewerten lassen.
Ein robustes Verfahren könnte später dabei helfen, solche Konflikte präziser zu prüfen. Daraus folgt jedoch kein Freibrief für neue Windparks. Bevor Regeln oder Genehmigungspraxis verändert werden, müssten Messungen über unterschiedliche Wetterlagen, Drehzahlen und Standorte hinweg überzeugen. Außerdem müssten Behörden die Methode nachvollziehbar bewerten können.
Für die Planung wäre das vor allem ein Gewinn an Klarheit. Heute ist oft schwer zu sagen, ob eine beobachtete Abweichung tatsächlich von einer Anlage stammt, unter welchen Bedingungen sie auftritt und wie sie sich technisch behandeln lässt. WICLEAN kann diese Fragen strukturierter untersuchen. Die Antwort liefert das Projekt aber erst nach Auswertung der Messreihe.

Meine Einschätzung: Messdaten sind hilfreicher als pauschale Abstandsdebatten
WICLEAN verspricht keinen schnellen Durchbruch. Interessant ist der Weg: Das Projekt legt synchron erhobene Messdaten über einen Zielkonflikt. Das ist für die Energiewende nützlicher als ein Schlagwort über zu strenge oder zu lockere Abstände.
Praktische Zusagen lassen sich aus diesem Aufbau noch nicht ableiten. Ein Messversuch ist noch kein behördlich akzeptiertes Verfahren. Ein Werkzeug für den Alltag wird daraus erst, wenn die Methode auch unter schwierigen Bedingungen stabil arbeitet und unabhängige Prüfungen besteht.
Woran sich ein späteres Verfahren messen lassen müsste
- Es müsste Rotorstörungen und Wetterinformation unter unterschiedlichen Wetterlagen sauber auseinanderhalten.
- Die Ergebnisse müssten bei verschiedenen Drehzahlen und Standorten nachvollziehbar bleiben.
- Unabhängige Stellen müssten die Methode prüfen können, bevor sie in operative Abläufe einfließt.
FAQ zu WICLEAN und Wetterradar
Hat WICLEAN das Radarproblem bereits gelöst?
Nein. Das Projekt sammelt Daten und untersucht Verfahren zur Clutter-Minderung. Ein produktionsreifer Filter ist nicht belegt.
Gilt der Abstand von fünf Kilometern künftig als Regel?
Nein. Die Distanz gehört zum konkreten Messaufbau des DLR. Sie ist keine allgemeine Abstands- oder Genehmigungsregel.
Werden Unwetterwarnungen jetzt genauer?
Nein. Verbesserte Böen- und Extremwetterprognosen sind eine Forschungsrichtung. Ein nachgewiesener Effekt auf Warnungen liegt noch nicht vor.
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Quellen und weiterführende Informationen
- DWD: Windkraft und Wetterradar im Einklang – Forschungsprojekt WICLEAN startet in Krummendeich
- DLR: WiClEAn Quicklooks – GAMIC X-band Weather Radar
- Atmospheric Measurement Techniques: Monitoring and quantifying wind turbine clutter in DWD weather radar measurements (DOI)
- EnArgus: Verbundvorhaben WICLEAN
- DLR: Forschungspark Windenergie WiValdi
Hinweis: Für diesen Artikel wurden KI-gestützte Recherche- und Editierwerkzeuge verwendet. Der Inhalt wurde redaktionell geprüft. Stand: 2026-07-17