Erneuerbare Energien

Strompreise im August: Was der Modellanstieg für Haushalte bedeutet

SMARD modelliert im August höhere Neukundenpreise, während der Bestandswert fast stabil bleibt. Was das bedeutet und worauf es beim Tarifvergleich ankommt.

Von Wolfgang

08. Sep. 20264 Min. Lesezeit

Strompreise im August: Was der Modellanstieg für Haushalte bedeutet

SMARD modelliert im August höhere Neukundenpreise, während der Bestandswert fast stabil bleibt. Was das bedeutet und worauf es beim Tarifvergleich ankommt.

Höhere modellierte Strompreise für Neukunden, kaum Bewegung bei Bestandskunden: Diesen Unterschied zeigt die Augustauswertung von SMARD, der Strommarktplattform der Bundesnetzagentur. Der Neukundenwert steigt von 36,20 Cent je Kilowattstunde im Juli auf 37,63 Cent im August. Der Bestandskundenwert bleibt mit 35,64 nach zuvor 35,61 Cent nahezu unverändert. Eine Ankündigung für die eigene Stromrechnung ist beides nicht.

Die am 7. September 2026 veröffentlichte Auswertung beschreibt den August, nicht die Preisentwicklung im September. Sie stellt auch keine konkreten Tarifangebote gegenüber und meldet keine allgemeine Erhöhung laufender Verträge. Die Zahlen zeigen vielmehr, wie sich Haushaltsstrompreise unter den Annahmen des SMARD-Modells entwickeln. Um den Unterschied zwischen Neu- und Bestandskunden zu verstehen, lohnt sich deshalb ein Blick auf die Berechnung.

Auch der Neukundenpreis enthält langfristigen Einkauf

Der modellierte Neukundenpreis folgt nicht einfach dem täglichen Börsenpreis. Für die Beschaffungskosten kombiniert SMARD durchschnittliche Preise verschiedener Stromprodukte: den Day-Ahead-Handel für den folgenden Tag, Monats- und Quartalsprodukte sowie Jahresprodukte mit einem Horizont von einem, zwei und drei Jahren. Im Modell stehen kurzfristiger Einkauf und längerfristige Beschaffung also nebeneinander.

Wie stark die einzelnen Produkte in die Rechnung eingehen, richtet sich nach den durchschnittlichen Beschaffungsanteilen der Stromlieferanten. Diese werden im Monitoring erhoben. Der daraus gebildete Mix steht nicht für den Einkaufsplan jedes einzelnen Anbieters. Entsprechend lässt sich der Augustanstieg nicht schlicht als Weitergabe höherer Tagesbörsenpreise erklären. Welche Marktursache ihn ausgelöst hat, lässt die Monatsmeldung offen.

Zur Beschaffung kommen weitere Bestandteile des Haushaltsstrompreises: Netzentgelte, Steuern und Abgaben sowie Vertriebskosten und Marge. Die beiden letzten Positionen werden jährlich erhoben und für das jeweilige Jahr als konstant angenommen. SMARD berechnet damit einen Gesamtwert auf Modellbasis. Er ist nicht mit dem vertraglichen Arbeitspreis gleichzusetzen, den ein Haushalt auf seiner Rechnung findet.

Eine tatsächliche Bindung an Börsenpreise ist dagegen ein Merkmal dynamischer Tarife. Wer diese erwägt, findet in unserem Beitrag zu den Voraussetzungen und Risiken dynamischer Stromtarife eine Vertiefung. Aus den Augustwerten allein lässt sich keine Sparchance durch diese Tarifart ableiten.

Der Bestandswert mittelt frühere Modellpreise

Beim Bestandskundenwert kommt ein weiterer Rückblick hinzu. SMARD berechnet ihn als rollierenden Durchschnitt modellierter Neukundenpreise aus Vormonaten. Wie viele Monate einfließen, orientiert sich daran, wie lange Haushalte in ihren Energieverträgen bleiben. Auch diese Verweildauer wird im Monitoring erfragt. Eine konkrete Zahl der berücksichtigten Monate nennt der herangezogene Methodiktext nicht.

Der Bestandswert bildet somit nicht nur den jüngsten Modellpreis ab, sondern bezieht eine Reihe früherer Werte ein. Das glättet Veränderungen und lässt sie zeitversetzt sichtbar werden. So kann der Neukundenwert merklich steigen, während sich der Bestandswert kaum bewegt. Das ist eine Eigenschaft der Berechnung – keine Zusage, dass der Preis eines bestehenden Vertrags dauerhaft stabil bleibt.

Für einen Wechsel zählen die eigenen Jahreskosten

Für die eigene Rechnung sind der vereinbarte Tarif und der Verbrauch entscheidend. Der tatsächliche Arbeitspreis wird mit dem Jahresverbrauch multipliziert; hinzu kommt der verbrauchsunabhängige Grundpreis. Ist dieser als Monatsbetrag angegeben, muss er für den Jahresvergleich auf zwölf Monate umgerechnet werden. Wer stattdessen den SMARD-Gesamtwert als Arbeitspreis einsetzt, vermischt die Modellrechnung mit dem eigenen Vertrag.

Der höhere Neukundenmodellwert bedeutet daher auch nicht, dass ein Wechsel grundsätzlich ungünstig wäre. Entscheidend ist, wie die Jahreskosten des bestehenden Vertrags gegenüber tatsächlich verfügbaren Angeboten ausfallen. Für beide Seiten des Vergleichs muss derselbe eigene Jahresverbrauch angesetzt werden. Erst dann lässt sich beurteilen, welches Angebot günstiger ist. Den Abstand zwischen den beiden Modellwerten braucht es für diese Rechnung nicht.

Die Verbraucherzentralen empfehlen, Boni beim ersten Vergleich außen vor zu lassen. So wird sichtbar, was ein Tarif ohne einmalige Vergünstigungen kostet. Ein günstiges erstes Bonusjahr sagt wenig über die Kosten im zweiten Vertragsjahr aus. Vor dem Abschluss sollten außerdem Preise und Konditionen mit den Angaben auf der Internetseite des Anbieters abgeglichen werden. Auf dieser Grundlage lässt sich über einen Wechsel entscheiden: anhand nachvollziehbarer Jahreskosten und Vertragsbedingungen, nicht anhand einer einzelnen Strompreiszahl.

Quellen und weiterführende Informationen

Für diesen Artikel wurden KI-gestützte Recherche- und Editierwerkzeuge verwendet. Der Inhalt wurde redaktionell geprüft.