Auf einen Blick
Satelliten-Rechenzentren rücken als Idee wieder in den Fokus: Laut Reuters sucht SpaceX bei der US-Regulierungsbehörde FCC eine Genehmigung für solarbetriebene „satellite data centers“ für KI. Parallel legen neue Systemstudien von Google und Whitepaper aus der Branche dar, welche Bausteine technisch schon plausibel sind – und wo die großen Hürden bleiben.
Das Wichtigste
- Reuters berichtet am 31. Januar 2026 über einen FCC-Antrag von SpaceX für solarbetriebene Satelliten-Rechenzentren für KI.
- Google Research beschreibt ein Konzept für skalierbare KI-Infrastruktur im Orbit und nennt unter anderem eine Labor-Demo mit 800 Gbps über optische Freiraumstrecken.
- Eine Google-nahe arXiv-Arbeit berichtet Strahlungstests an TPU-Hardware und hebt die Empfindlichkeit von HBM-Speicher (High Bandwidth Memory) hervor.
- Ein Branchen-Whitepaper rechnet beispielhaft vor, dass Radiatoren bei 20 °C netto rund 633 W/m² Wärme abstrahlen könnten – was große Flächen nötig macht.
Einleitung
Rechenzentren im All klangen lange nach Science-Fiction, bekommen aber 2026 neuen News-Drive. Auslöser ist ein Bericht von Reuters über einen regulatorischen Schritt: SpaceX beantragt bei der FCC die Erlaubnis für solarbetriebene „satellite data centers“ für KI. Gleichzeitig zeigen aktuelle technische Analysen, welche Gründe hinter der Idee stehen – und warum die Umsetzung trotzdem eine Wette bleibt.
Was neu ist
Der konkrete Anlass ist der Reuters-Bericht vom 31. Januar 2026: SpaceX sucht demnach eine FCC-Genehmigung für solarbetriebene Satelliten-Rechenzentren, die KI-Workloads unterstützen sollen. Das ist vor allem deshalb relevant, weil es die Idee aus Whitepapern und Laboren in den Bereich der Regulierung und Planung verschiebt. Parallel dazu veröffentlichten Google Research und eine zugehörige arXiv-Studie ein Systemdesign für „space-based“ KI-Infrastruktur. Darin werden zentrale Teilprobleme (Energieversorgung, Vernetzung, Strahlung) nicht nur beschrieben, sondern mit Zahlen, Modellen und Messdaten unterlegt – ein Schritt in Richtung belastbarer Machbarkeit statt reiner Vision.
Was das bedeutet
Warum will man Rechenzentren ins All bringen? Befürworter verweisen auf viel Sonnenenergie und die Möglichkeit, Wärme im Vakuum über Radiatoren abzustrahlen. Das klingt einfach, ist aber ein Flächen- und Massenthema: Ein Branchen-Whitepaper nennt als Beispiel für Radiatoren bei 20 °C eine Netto-Abstrahlung von rund 633 W/m². Bei Megawatt-Klassen wären damit sehr große Radiatorflächen nötig. Dazu kommt Strahlung: Die arXiv-Studie berichtet Strahlungstests an TPU-Systemen und beschreibt HBM-Speicher (sehr schneller GPU/TPU-Speicher) als besonders empfindlich. Für KI-Training, das viel Speicher schreibt, bedeutet das: Fehlerschutz, Redundanz und Abschirmung werden zum Pflichtprogramm – und kosten Gewicht sowie Geld.
Wie es weitergeht
Nach dem Reuters-Bericht ist der nächste sichtbare Schritt der regulatorische Prozess rund um den FCC-Antrag. Technisch bleiben Demonstratoren entscheidend: Google Research berichtet über eine Labor-Demo, die 800 Gbps über optische Freiraumstrecken erreicht hat – solche optischen Links sind wichtig, damit viele Satelliten als Cluster zusammenarbeiten können. Die arXiv-Studie modelliert außerdem Formationsflüge, weil kurze Abstände die optische Vernetzung erleichtern, aber das Betriebsrisiko erhöhen. Ob Satelliten-Rechenzentren wirtschaftlich werden, hängt laut der Google-Analyse stark von künftigen Startkosten ab; als Schwelle wird in den Modellen unter anderem ein Bereich von unter 200 US-Dollar pro Kilogramm diskutiert (als Projektion eher für die mittleren 2030er Jahre). Kurzfristig wirkt daher ein Szenario realistischer, in dem zuerst spezialisierte, kleinere KI-Infrastruktur im Orbit entsteht – nicht sofort ein vollwertiges „Cloud-Rechenzentrum“.
Fazit
Satelliten-Rechenzentren sind 2026 nicht mehr nur ein Gedankenspiel: Der Reuters-Bericht zum FCC-Antrag zeigt, dass Akteure regulatorisch vorfühlen. Ob daraus eine tragfähige KI-Infrastruktur wird, entscheidet sich an sehr konkreten Punkten wie Radiatorflächen, Strahlungsresistenz von Speicher und der realen Startkostenkurve.
Welche Anwendungen wären für Rechenzentren im All sinnvoll – und welche eher nicht? Teilen Sie Ihre Einschätzung und diskutieren Sie mit.





Schreibe einen Kommentar