Freitag, 24. April 2026

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PV-CSP-Kraftwerke: Wenn Solarstrom abends tragen soll

PV-CSP kombiniert günstigen Solarstrom aus Photovoltaik mit steuerbarer Solarthermie samt Wärmespeicher. Das Ziel ist nicht mehr Erzeugung zur Mittagszeit, sondern verlässlicher Strom am Abend und…

Von Wolfgang

13. Apr. 20265 Min. Lesezeit

PV-CSP-Kraftwerke: Wenn Solarstrom abends tragen soll

PV-CSP kombiniert günstigen Solarstrom aus Photovoltaik mit steuerbarer Solarthermie samt Wärmespeicher. Das Ziel ist nicht mehr Erzeugung zur Mittagszeit, sondern verlässlicher Strom am Abend und in der Nacht. Genau das macht die Technik für…

PV-CSP kombiniert günstigen Solarstrom aus Photovoltaik mit steuerbarer Solarthermie samt Wärmespeicher. Das Ziel ist nicht mehr Erzeugung zur Mittagszeit, sondern verlässlicher Strom am Abend und in der Nacht. Genau das macht die Technik für Versorger, Projektentwickler und energieintensive Standorte interessant, die hohe Solaranteile ins System integrieren müssen. Der Artikel erklärt, warum PV und CSP zusammengebaut werden, wann ein PV-CSP-Kraftwerk gegenüber PV plus Batterie sinnvoll sein kann und wo Standort, Wasser, Komplexität und Kapitalkosten die Grenze ziehen.

Das Wichtigste in Kürze

  • PV-CSP verschiebt einen Teil der Solarenergie über Wärmespeicher in die Abend- und Nachtstunden und adressiert damit ein anderes Problem als ein reiner Solarpark.
  • Systemisch interessant wird die Kombination vor allem dort, wo lange Entladezeiten, hohe Abendlasten oder schwächere Netze den Wert planbarer Solarleistung erhöhen.
  • Die Technik bleibt standortabhängig: Sie braucht sehr gute direkte Sonneneinstrahlung, ist komplexer als PV und muss Wasser, Finanzierung und Betrieb sauber mitrechnen.

Warum PV-CSP gerade beim Abendbedarf relevant wird

Mit jedem neuen Solarpark wächst derselbe Zielkonflikt: Tagsüber sinken die Grenzkosten für Strom, nach Sonnenuntergang fehlt diese Erzeugung plötzlich. Genau an dieser Stelle setzt PV-CSP an. Die Kombination soll nicht bloß mehr Solarfläche ins Netz bringen, sondern Strom aus Sonnenenergie zeitlich verschieben. Das macht sie für Stromsysteme interessant, in denen viel Photovoltaik vorhanden ist, der Abendbedarf aber hoch bleibt.

Der aktuelle chinesische Großbau ist deshalb weniger wegen eines Rekords bemerkenswert als wegen seines Aufbaus. Branchenberichte beschreiben ein Projekt mit rund 1,5 Gigawatt Gesamtleistung und einem solarthermischen Teil von 150 Megawatt mit acht Stunden Salzspeicher. Der eigentliche Erkenntniswert liegt im Prinzip dahinter: billige PV für den Tag, solarthermische Speicherleistung für die Stunden danach.

So arbeitet die Kombination aus Photovoltaik und Solarthermie

Photovoltaik wandelt Sonnenlicht direkt in Strom um. Concentrated Solar Power, kurz CSP, nutzt Spiegel, um direkte Sonneneinstrahlung auf einen Receiver zu konzentrieren. Die entstehende Wärme kann in geschmolzenem Salz gespeichert und später über einen konventionelleren Kraftwerksblock wieder in Strom umgewandelt werden. Der große Unterschied zur PV ist damit nicht die Stromerzeugung an sich, sondern die eingebaute Zeitverschiebung.

In einem PV-CSP-Kraftwerk übernimmt PV typischerweise die günstige Mittagsproduktion. Der CSP-Teil kann dann später einspringen, wenn die Sonne tief steht oder bereits untergegangen ist. Aus Sicht des Stromsystems ist das wertvoll, weil nicht jede Kilowattstunde gleich viel zählt. Strom am frühen Abend, wenn Last und Preise häufig steigen, hat einen anderen Systemwert als zusätzliche Einspeisung zur Mittagszeit.

Wirtschaftlich wird PV-CSP erst unter bestimmten Systembedingungen

Die Kombination ist keine pauschal billigere Form von Solarstrom. Ihr Nutzen entsteht erst dort, wo Lieferfähigkeit und Entladedauer zählen. Technische Vergleichsanalysen zeigen seit Jahren ein wiederkehrendes Muster: Für kurze Speicherfenster sind PV-Anlagen mit Batterien oft im Vorteil. Wenn jedoch mehrere Stunden verlässliche Lieferung nach Sonnenuntergang gefragt sind, kann CSP mit Wärmespeicher systemisch und wirtschaftlich interessanter werden.

Das gilt vor allem in drei Szenarien: erstens in sehr sonnigen Regionen mit hohem Abendbedarf, etwa durch Klimatisierung oder Industrie; zweitens in Netzen, die mit starken PV-Mittagsspitzen umgehen müssen, aber zu wenig flexible Kraftwerksleistung am Abend haben; drittens an Standorten, an denen nicht nur Strom, sondern auch regelbare Energieflüsse und längere Speicherzeiten einen hohen Wert besitzen. Ein reiner Solarpark liefert diese Eigenschaften nicht, und eine Batterie muss sie über die gewünschte Dauer erst wirtschaftlich abdecken.

Batterien bleiben der harte Maßstab für jede PV-CSP-Rechnung

Wer PV-CSP bewertet, muss die Technik fast immer gegen PV plus Batterie rechnen, nicht gegen Photovoltaik allein. Der Grund ist einfach: In vielen Märkten sind Batterien die naheliegende Antwort auf den Solarüberschuss am Mittag. Sie sind modular, schnell installierbar und im Betrieb deutlich einfacher. Für kurze bis mittlere Speicherzeiten haben sie deshalb einen starken Kostenvorteil.

PV-CSP bekommt seine Chance dort, wo Batterien an Grenzen stoßen oder sehr teuer werden: bei langen Entladefenstern, bei regelmäßig wiederkehrender Abend- und Nachtabdeckung oder dort, wo der thermische Kraftwerksblock zusätzliche Systemdienste erleichtert. Daraus folgt aber kein Automatismus. Wenn Batteriekosten weiter sinken und Netzengpässe anderweitig gelöst werden, kann das Einsatzfenster für PV-CSP klein bleiben. Die Technik ist damit eher eine Speziallösung mit klarem Profil als ein universeller Ersatz für Speicherbatterien.

Standort, Wasser und Kapitalkosten entscheiden über die Grenzen

Die größte Hürde ist der Standort. CSP braucht hohe direkte Sonneneinstrahlung und funktioniert damit vor allem in sehr sonnigen Regionen mit geeigneten Flächen. Für Deutschland ist das kein naheliegender Kraftwerkstyp. Relevanter ist er in Teilen Chinas, im Nahen Osten, in Nordafrika, Australien oder einzelnen Regionen Südeuropas. Für europäische Unternehmen und Politik ist PV-CSP deshalb eher eine Frage von Projektentwicklung in geeigneten Märkten als ein wahrscheinlicher Standard für Mitteleuropa.

Hinzu kommen technische und finanzielle Grenzen. CSP-Anlagen sind komplexer als PV-Parks, weil Spiegel, Wärmespeicher und Kraftwerksblock präzise zusammenspielen müssen. Das treibt die Kapitalkosten und erhöht die Anforderungen an Bau, Betrieb und Finanzierung. Beim Wasserbedarf helfen pauschale Aussagen wenig, weil Kühlung und Reinigung stark vom Design abhängen. Gerade in trockenen Regionen muss dieser Punkt deshalb früh geprüft werden. Wer nur auf den Strompreis pro Kilowattstunde schaut, blendet bei PV-CSP schnell die eigentlichen Projektrisiken aus.

PV-CSP bleibt eine Speziallösung mit klarem Einsatzprofil

Die Kombination aus PV und CSP beantwortet ein reales Problem: Solarstrom ist tagsüber reichlich vorhanden, aber am Abend oft knapp. Genau dafür kann ein PV-CSP-Kraftwerk sinnvoll sein. Wirtschaftlich und systemisch trägt die Technik jedoch nur unter passenden Bedingungen: sehr gute direkte Sonneneinstrahlung, regelmäßig wertvolle Abendstunden, ein echter Bedarf an längerer Speicherwirkung und die Fähigkeit, höhere Komplexität zu finanzieren und zu betreiben. Wo Batterien kurze bis mittlere Verschiebung günstiger leisten, bleibt PV-CSP in der Nische. Wo planbarer Solarstrom nach Sonnenuntergang zählt, kann die Nische groß genug sein.

Wer steuerbaren Solarstrom vergleicht, sollte nicht nur Erzeugungskosten, sondern die Lieferfähigkeit in den Abendstunden nebeneinanderlegen.