In Paks an der Donau steht eine Stromerzeugung von rund zwei Gigawatt still. Kühlung braucht die Anlage trotzdem weiter – allerdings in einer völlig anderen Größenordnung. Dieser Unterschied erklärt, warum der niedrige Pegel den Leistungsbetrieb stoppen kann, ohne die Stillstandskühlung zu beenden.
Das Wichtigste in 30 Sekunden
- Die vier bestehenden Blöcke des ungarischen Kernkraftwerks Paks mit zusammen rund 2.000 Megawatt sind nach einer stufenweisen Reduktion vollständig abgeschaltet worden; eine exakte offizielle Uhrzeit für den letzten Schritt liegt nicht vor.
- Nach Angaben des Betreibers MVM war nicht pauschal zu wenig Wasser in der Donau. Der Pegel lag vielmehr unter der Ansaughöhe der Pumpen, die für den Leistungsbetrieb nötig sind.
- Für vier abgestellte Blöcke nennt MVM höchstens 2,5 Kubikmeter Wasser je Sekunde. Im laufenden Betrieb waren es 100 Kubikmeter je Sekunde.
- Der Fall zeigt eine lokale technische Grenze an der Wasserentnahme. Für konkrete Folgen bei Preisen, Importen oder Lastmanagement in Ungarn enthalten die Quellen keine aktuellen Daten.

Ein Kraftwerk kann stillstehen – und braucht trotzdem Wasser
Wenn ein Reaktor keinen Strom mehr erzeugt, verschwindet die Kühlaufgabe nicht einfach. Die Wärmeentwicklung ist nach dem Abschalten viel geringer, sie muss aber weiter beherrscht werden. In Paks führt genau dieser technische Unterschied zu einem zunächst widersprüchlich klingenden Bild: Die Stromproduktion der vier bestehenden Blöcke steht, während die Anlage weiterhin Wasser für die Stillstandskühlung benötigt.
Die vier bestehenden Blöcke wurden nach einer stufenweisen Reduktion vollständig abgeschaltet. Eine exakte offizielle Uhrzeit für den letzten Schritt liegt nicht vor. Entscheidend für das Verständnis des Falls ist deshalb weniger die Minute der Abschaltung als der Unterschied zwischen dem hohen Wasserbedarf im Leistungsbetrieb und dem deutlich kleineren Bedarf danach.
Betroffen sind die vier bestehenden VVER-440-Blöcke von Paks, nicht das Ausbauprojekt Paks II. Zusammen stehen damit rund zwei Gigawatt Erzeugungsleistung still.
Nicht die ganze Donau ist das Problem, sondern die Ansaughöhe
„Kein Kühlwasser“ wäre für Paks eine zu grobe Beschreibung. MVM verweist auf eine konkrete technische Grenze: Bei dem extrem niedrigen Pegel können die Pumpen das Wasser für den Leistungsbetrieb nicht mehr zuverlässig an der vorgesehenen Ansaughöhe aufnehmen. Es geht also nicht nur darum, ob sich noch Wasser im Fluss befindet, sondern ob die Entnahmetechnik unter diesen Bedingungen funktioniert.
Damit kann eine einzelne Entnahmestelle zum Schwachpunkt werden. Wasserentnahme, Pumpen, Leitungen und die Lage des Flussbetts gehören zusammen. Sinkt der Pegel zu weit, hilft auch viel Wasser weiter flussauf- oder flussabwärts nicht, wenn es an der vorgesehenen Stelle nicht sicher erreichbar ist. MVM nennt vorbereitete Pumpen und Verfahren für einen längeren Niedrigwasserfall, ohne einen festen Termin für die Wiederinbetriebnahme zu nennen.

Laufbetrieb und Stillstand: zwei verschiedene Kühlaufgaben
| Frage | Laufender Betrieb | Abgeschaltete Blöcke |
|---|---|---|
| Stromerzeugung | läuft | steht |
| Kühlaufgabe | Wärme aus dem Leistungsbetrieb abführen | Stillstandskühlung weiter sicherstellen |
| MVM-Angabe zum Wasserbedarf | 100 m³ pro Sekunde | höchstens 2,5 m³ pro Sekunde für vier Blöcke |
Die Mengen stammen aus der MVM-Mitteilung vom 30. Juli. Sie zeigen den Unterschied zwischen Leistungsbetrieb und Stillstand; eine unabhängige Sicherheitsbewertung der Anlage ersetzen sie nicht.
Warum weniger Wasser nicht „keine Kühlung“ bedeutet
Die Zahlendifferenz macht die Logik greifbar. MVM beziffert den Bedarf der vier abgestellten Blöcke auf höchstens 2,5 Kubikmeter pro Sekunde; für die laufenden Blöcke nennt der Betreiber 100 Kubikmeter pro Sekunde. Der Stopp der Erzeugung senkt den Kühlbedarf damit drastisch, ersetzt die Kühlung aber nicht.
Für Paks müssen drei Fragen getrennt bleiben. Kann die Anlage unter diesen Pegelbedingungen Strom erzeugen? Zuletzt nicht. Kann die Stillstandskühlung weiterlaufen? MVM beschreibt dafür vorbereitete Pumpen und Verfahren. Und was bedeutet der Produktionsausfall für das Netz? Dazu enthält das Dossier keine aktuellen Daten aus dem ungarischen Systembetrieb oder den Märkten.
Rund zwei Gigawatt Erzeugung stehen damit nicht bloß auf dem Papier still. Der Fall macht sichtbar, wie weit Leistungsbetrieb und die Kühlung nach dem Abschalten technisch auseinanderliegen.
Was belegt ist – und was offenbleibt
- Belegt
- Der niedrige Donaupegel begrenzte nach MVM den Zugriff der für den Leistungsbetrieb nötigen Pumpen. Die Erzeugung wurde stufenweise reduziert; aktuelle Folgeberichte beschreiben die vollständige Abschaltung.
- Belegt
- Für die Stillstandskühlung der vier abgeschalteten Blöcke nennt MVM einen deutlich kleineren Wasserbedarf als für den laufenden Betrieb.
- Offen
- Die exakte Uhrzeit der Vollabschaltung, ihre Dauer und der Zeitpunkt einer stufenweisen Wiederinbetriebnahme.
- Nicht aus den Quellen ableitbar
- Konkrete Aussagen zu Strompreisen, Importmengen, Lastabwürfen oder einer direkten Auswirkung auf Deutschland.
Die Chronologie: von der Warnung zum vollständigen Stillstand
Am 30. Juli erklärte MVM, dass bei weiter sinkendem Donaupegel binnen 24 bis 72 Stunden eine vollständige Abschaltung nötig werden könne. Am 31. Juli liefen die Einschränkungen bereits, mindestens eine Einheit war geschlossen. Am 2. August blieben noch 240 Megawatt Restleistung; danach stand die Anlage am Sonntag vollständig still.
Die Betreiberinformation erklärt den Pumpenmechanismus und die Wasserwerte. Mehrere unabhängige Folgeberichte bestätigen den vollständigen Stillstand, eine spätere MVM-Mitteilung mit genauer Uhrzeit liegt im Dossier jedoch nicht vor.

Was Paks für Europa sichtbar macht
Der Summer Outlook 2026 von ENTSO-E ist ein saisonaler Ausblick vom Mai, keine Echtzeitbilanz des Ausfalls in Paks. Er ordnet den konkreten Vorfall daher nicht nach Preisen, Importen oder lokalen Engpässen ein.
Als technisches Beispiel bleibt Paks trotzdem relevant. Wasserabhängige thermische Erzeugung ist nicht allein eine Frage der installierten Leistung. Sie hängt auch an der Entnahmetechnik vor Ort und daran, wie ein Verbundsystem kurzfristige Veränderungen über Koordination und grenzüberschreitende Austauschkapazitäten abfedert.
Die greifbare Lehre liegt bei der Infrastruktur: Niedrigwasser kann an Pumpen und Ansaugstellen eine physische Grenze sichtbar machen, lange bevor ein Fluss als Ganzes „leer“ wirkt. Deshalb müssen Stromproduktion, Stillstandskühlung und die Lage im Netz getrennt betrachtet werden.
FAQ
Ist Paks II ebenfalls betroffen?
Nein. Die Meldung bezieht sich auf die vier bestehenden Blöcke von Paks. Das Ausbauprojekt Paks II ist davon zu trennen.
Warum braucht ein abgeschaltetes Kernkraftwerk noch Kühlwasser?
Nach dem Ende der Stromproduktion muss weiterhin Restwärme abgeführt werden. MVM beschreibt dafür bei Paks einen deutlich geringeren Wasserbedarf als im Leistungsbetrieb.
Wann fährt Paks wieder hoch?
Ein verlässlicher Termin liegt nicht vor. MVM knüpft eine stufenweise Wiederinbetriebnahme an einen ausreichenden Wasserstand.
Quellen und weiterführende Informationen
- MVM Paksi Atomerőmű: Szükségessé válik a Paksi Atomerőmű teljes leállítása
- Associated Press: Hungary braces for a full shutdown of the Paks nuclear plant as the Danube River hits record lows
- Deutsche Welle: Hungary to shut sole nuclear plant for first time on Sunday
- The Brussels Times: Hungary shuts down its nuclear plant due to heat wave
- World Nuclear News: Danube record low leads to Hungary, Romania nuclear shutdowns
- ENTSO-E: Summer Outlook 2026
Hinweis: Für diesen Artikel wurden KI-gestützte Recherche- und Editierwerkzeuge verwendet. Der Inhalt wurde redaktionell geprüft. Stand: 2026-08-03