Am Brenner soll für Fahrgäste ab Mitte 2027 ein lästiger Umstieg wegfallen. Sechs neue ÖBB-Züge nehmen dafür in Italien Gestalt an. Bis Menschen tatsächlich sitzen bleiben können, müssen aber noch Zulassungen, Schulungen und betriebliche Abläufe passen.
Das Wichtigste in 30 Sekunden
- Sechs für die ÖBB bestimmte Coradia-Stream-Mehrsystemzüge werden im Alstom-Werk Savigliano fertiggestellt.
- Geplant ist ab Mitte 2027 ein stündlicher Regionalverkehr von Innsbruck über Bozen weiter nach Meran oder Mals – ohne Fahrgast-Umstieg am Brenner.
- Der Zug soll am Brenner trotzdem kurz halten: Das Personal muss dort nach den geltenden Vorgaben wechseln.
- Vor dem Fahrgastbetrieb stehen noch Zulassungen in Österreich und Italien sowie Schulungen für Fahr-, Zugbegleit- und Werkstattpersonal an.

Was sich für Reisende ändern soll
Am Brenner treffen bis heute nicht nur zwei Länder aufeinander, sondern auch unterschiedliche Abläufe im Bahnverkehr. Wer von Innsbruck nach Bozen weiterreist, kennt den Wechsel: Gepäck greifen, Bahnsteig suchen, auf Anschluss und Wetter hoffen. Genau diese Unterbrechung soll im Regionalverkehr entfallen. Fahrgäste sollen im Zug bleiben können, während die Verbindung über die Grenze weiterläuft.
Das ist der praktische Kern eines Projekts, das Land Tirol am 4. August mit einem Besuch im Alstom-Werk in Savigliano sichtbar gemacht hat. Dort werden sechs Coradia-Stream-Mehrsystemzüge für die ÖBB fertiggestellt. Die Auslieferung ist ab 2027 vorgesehen. Ab Mitte 2027 soll dann stündlich ein Regionalzug von Innsbruck über Bozen weiter nach Meran oder Mals fahren. Ein fest zugesagter Betriebsbeginn ist das noch nicht: Die Angabe beschreibt den Planungsstand.
Für Reisende aus Deutschland ist das keine neue Direktverbindung. Relevant kann es dennoch sein, wenn eine Reise über Innsbruck nach Südtirol führt. Dann würde eine Reisekette an einer heute spürbaren Stelle einfacher: Der Umstieg am Brenner fiele weg, sofern die noch offenen Schritte bis zum geplanten Start abgeschlossen werden.
Technik, Zulassung und Betrieb: drei verschiedene Fragen
Der Ausdruck „umstiegsfrei“ klingt zunächst nach einer reinen Fahrzeugeigenschaft. Tatsächlich greifen drei Ebenen ineinander. Die neue Technik kann eine Grenze für Fahrgäste weniger sichtbar machen. Sie ersetzt weder die Zulassung noch die Regeln des täglichen Bahnbetriebs.
- Fahrzeugtechnik
- Die Coradia-Stream-Züge sind als Mehrsystemfahrzeuge für den Einsatz in Österreich und Italien ausgelegt. Erst dadurch ist eine Durchbindung über den Brenner technisch vorgesehen.
- Zulassung und Vorbereitung
- Vor dem Fahrgastbetrieb müssen die Fahrzeuge in beiden Ländern zugelassen werden. Außerdem brauchen Fahrpersonal, Zugbegleitung und Werkstätten die nötigen Schulungen.
- Betrieb am Brenner
- Fahrgäste sollen sitzen bleiben. Ein kurzer Halt bleibt dennoch nötig, weil das Zugpersonal am Brenner nach den geltenden Vorgaben wechselt.
Gerade die letzte Ebene verhindert eine falsche Erwartung. Der Zugwechsel für Fahrgäste kann entfallen, der Halt selbst aber nicht. Mehrsystemtechnik beseitigt also nicht jede Grenze, sondern verschiebt den Aufwand von der Reisekette in Technik, Organisation und Betrieb.
Einordnung: Mehrsystemtechnik ist damit nicht die fertige Durchbindung, sondern ihre technische Voraussetzung. Sie macht den Einsatz auf beiden Seiten der Grenze möglich. Ob die Verbindung für Fahrgäste tatsächlich ohne Umstieg funktioniert, hängt trotzdem von getrennten Zulassungen, den Schulungen der beteiligten Teams und dem vorgesehenen Personalwechsel ab. Diese Punkte liegen außerhalb des Fahrzeugs, entscheiden aber mit darüber, ob aus den fertiggestellten Zügen ein verlässlicher Regionalverkehr wird. Die Technik nimmt also eine Hürde, sie ersetzt die Arbeit vor dem Start nicht.

Was über die neuen Züge bekannt ist
Land Tirol nennt für jedes Fahrzeug 128 Meter Länge, 381 Sitzplätze, eine Höchstgeschwindigkeit von 160 km/h, WLAN, Steckdosen und ein vergrößertes Fahrradabteil. Das beschreibt die Ausstattung eines einzelnen Zuges. Daraus lässt sich weder eine konkrete Fahrzeit noch eine garantierte Kapazitätssteigerung für den gesamten Korridor ableiten.
| Merkmal | Angabe aus der aktuellen Tiroler Information |
|---|---|
| ÖBB-Garnituren in Produktion | sechs |
| Länge je Zug | 128 Meter |
| Sitzplätze je Zug | 381 |
| Höchstgeschwindigkeit | 160 km/h |
| Ausstattung | WLAN, Steckdosen, vergrößertes Fahrradabteil |
Die sechs Züge sind die Zahl, die in den aktuellen Unterlagen konfliktfrei belegt ist. Bei der Größe der gesamten gemeinsamen Flotte widersprechen sich die vorliegenden Quellen. Land Tirol nennt 22 gemeinsam angekaufte Züge, während Railway Gazette von 21 Einheiten berichtet und der historische Beschaffungskontext auf 15 Südtiroler plus sechs ÖBB-Züge verweist. Ohne eine belastbare Auflösung dieser unterschiedlichen Bezugsgrößen wäre jede glatte Gesamtzahl irreführend.
Was bis Mitte 2027 noch offen ist
Ein fertiger Zug ist noch kein fertiger Fahrplan. Die Auslieferung ist ab 2027 vorgesehen, doch die Zulassungen in Österreich und Italien stehen laut Land Tirol ebenso aus wie die Schulungen für die beteiligten Teams. Auch der geplante Stundentakt muss in den Betrieb überführt werden. Erst wenn diese Schritte zusammenpassen, wird aus einem Produktionsfortschritt ein Angebot, das Reisende verlässlich nutzen können.
Der stärkste Einwand gegen vorschnelle Euphorie ist deshalb berechtigt: Ein Werksbesuch beweist nicht, dass der Verkehr im Sommer 2027 wie geplant startet. Umgekehrt ist der Fortschritt mehr als ein Symbolbild. Er zeigt, dass die dafür vorgesehenen ÖBB-Fahrzeuge in Produktion sind und das Projekt nicht bei einer Absichtserklärung steht.
Meine Einschätzung: Interessant ist an diesem Vorhaben weniger die Zahl auf dem Datenblatt als die Konsequenz für die Reisekette. Grenzüberschreitender Bahnverkehr wird nicht automatisch einfacher, nur weil ein Zug mehrere Systeme beherrscht. Er wird dann einfacher, wenn Fahrzeug, Zulassung, Personal und Fahrplan zusammenspielen. Am Brenner soll genau das für Fahrgäste sichtbar werden: nicht ein schnellerer, sondern ein unterbrechungsärmerer Weg nach Südtirol.

Fazit
Der geplante Wegfall des Fahrgast-Umstiegs am Brenner wäre eine konkrete Erleichterung, keine abstrakte Technikmeldung. Sechs ÖBB-Mehrsystemzüge entstehen bereits in Savigliano. Ob sie ab Mitte 2027 im angekündigten Takt durchfahren, entscheidet sich aber erst mit Zulassungen, Ausbildung und dem abgestimmten Betrieb auf beiden Seiten der Grenze.
Quellen und weiterführende Informationen
- Land Tirol: Neue Züge über den Brenner nehmen Formen an (4. August 2026).
- Railway Gazette International: ÖBB’s Brenner cross-border regional trainsets take shape (5. August 2026).
- Autonome Provinz Bozen – Südtirol: Durchfahren statt umsteigen: Neue Züge über den Brenner nehmen Form an.
- Autonome Provinz Bozen – Südtirol: Gemeinsame Mehrsystemfahrzeuge für grenzüberschreitenden Zugverkehr (5. Juni 2023).
- LOK Report: Italien/Österreich: Neue Züge über den Brenner nehmen Formen an (4. August 2026).
Hinweis: Für diesen Artikel wurden KI-gestützte Recherche- und Editierwerkzeuge verwendet. Der Inhalt wurde redaktionell geprüft. Stand: 2026-08-06