Wasser nahe der Mooroberfläche begrenzt den Torfabbau. Eine neue Auswertung zeigt: Es kann auch den zusätzlichen CO2-Verlust bei Wärme dämpfen. Entscheidend ist das Zusammenspiel von Temperatur und Wasserstand – nicht ein überall gültiger Zielpegel.

Wie viel Kohlendioxid ein Moor verliert, hängt auch davon ab, wie viel seines Torfs mit Sauerstoff in Kontakt kommt. Sinkt der Wasserstand durch Entwässerung, wird eine mächtigere Torfschicht belüftet. Mikroorganismen können das gespeicherte organische Material stärker abbauen; dabei entsteht CO2. Wärme begünstigt diese Zersetzung. Ein hoher Wasserstand begrenzt dagegen den Zugang von Sauerstoff und damit eine wesentliche Voraussetzung des Abbaus.
Wasser schützt den Torf deshalb auf eine Weise, die auch unter wärmeren Bedingungen wichtig wird. Eine Auswertung unter Leitung der Universität Münster zeigt: Bei tiefen Wasserständen fällt der zusätzliche temperaturbedingte CO2-Verlust stärker aus. Steht das Wasser nahe der Oberfläche, wird dieser Wärmeeffekt gedämpft. Für entwässerte Moore geht es damit nicht allein darum, ihre heutigen Verluste zu verringern. Ihre Wasserverhältnisse beeinflussen auch, wie sie auf Erwärmung reagieren.
Warum derselbe Wärmereiz unterschiedlich wirkt
Temperatur und Wasserstand lassen sich bei der Bewertung eines Moors also nicht getrennt betrachten. Wärme trifft bei tiefem Wasserstand auf eine größere belüftete Torfschicht, in der sauerstoffabhängige Zersetzung möglich ist. Bei oberflächennahem Wasserstand bleibt dieser Abbau begrenzt. Der Wasserstand bestimmt damit eine wichtige Bedingung, unter der höhere Temperaturen wirken können.
Für die in Nature Communications veröffentlichte Untersuchung bündelte das Forschungsteam 276 Standort-Jahre aus 114 Moorstandorten in gemäßigten und borealen Regionen. Ein Standort-Jahr bezeichnet die Jahresbeobachtung eines Standorts. Die Daten stammen aus dem Zeitraum von 1999 bis 2023. Die Jahresauswertung berücksichtigt neben dem CO2-Austausch auch Kohlenstoff, der mit geernteter Biomasse abgeführt oder durch organische Düngung eingetragen wird – ein wichtiger Unterschied bei genutzten Flächen.
Besonders deutlich wurde das Zusammenspiel von Wärme und Wasserstand in der Tagesanalyse. Dafür nutzte das Team eine Teilmenge der Daten: 113 Standort-Jahre von 19 nicht beernteten Moorstandorten. Im Tagesmodell dämpften oberflächennahe Wasserstände bei warmen Bedingungen den temperaturbedingten CO2-Verlust, während tiefe Wasserstände ihn verstärkten.

Gemessen wird dabei der Netto-Austausch zwischen Moor und Atmosphäre. Er umfasst zwei gegenläufige Vorgänge: Pflanzen nehmen durch Photosynthese CO2 auf, während Atmung und Zersetzung CO2 freisetzen. Wärme kann saisonal auch die Aufnahme fördern. Ein zusätzlicher CO2-Verlust bedeutet daher nicht automatisch, dass ein Moor insgesamt mehr CO2 abgibt, als es aufnimmt. Der Befund beschreibt, wie Wasserstand und Temperatur diesen Austausch gemeinsam beeinflussen.
Die Auswertung beruht auf Beobachtungsdaten und statistischen Modellen, nicht auf einem kontrollierten Wiedervernässungsversuch. Sie liefert damit keinen universellen Kausalnachweis. Auch Vegetation, Strahlung und Eigenschaften des jeweiligen Standorts beeinflussen die täglichen Flüsse. Der bekannte Zusammenhang zwischen Wasser, Sauerstoff und Torfabbau hilft, die Ergebnisse zu verstehen; die gemessenen Nettoflüsse lassen sich aber nicht auf Zersetzung allein reduzieren.
Was daraus für die Wiedervernässung folgt
Für entwässerte Moore stützt die Untersuchung eine klare Richtung: Hohe, oberflächennahe Wasserstände können CO2-Verluste begrenzen und deren zusätzliche Verstärkung bei Wärme dämpfen. Einen überall passenden Zielpegel liefert sie nicht. Die Ergebnisse beschreiben Zusammenhänge über unterschiedliche Standorte hinweg. Welcher Wasserstand sich auf einer einzelnen Fläche erreichen und dauerhaft halten lässt, bleibt eine konkrete Planungsaufgabe.
Dafür muss zunächst ausreichend Wasser verfügbar sein. Das Umweltbundesamt nennt außerdem Gebäude, Straßen und bestehende wirtschaftliche Nutzungen als mögliche Hindernisse. Wiedervernässung betrifft deshalb nicht nur den Torfboden, sondern auch die Frage, wie eine Fläche künftig genutzt werden kann. Eine Option ist Paludikultur: Schilf, Rohrkolben oder Seggen wachsen auf nassen Böden und liefern Biomasse, etwa für Bau- und Dämmstoffe. Auch Moor-PV auf wiedervernässten Ackerböden wird diskutiert; technische Potenziale ersetzen jedoch keine Prüfung der Bedingungen vor Ort.
Für die vollständige Klimawirkung müssen neben CO2 auch Methan und Lachgas bilanziert werden. Diese Gesamtbilanz liefert die neue Studie nicht. Ihr Beitrag liegt darin, die Bedeutung der Wasserhaltung für die CO2-Reaktion auf Wärme genauer zu zeigen. Für die Planung zählt deshalb nicht allein der Moment der Wiedervernässung: Eine Fläche muss auch unter warmen Bedingungen dauerhaft nass gehalten werden können.
Quellen und weiterführende Informationen
- Nature Communications: Drivers of northern peatland CO2 fluxes revisited: interacting water level-temperature dependency – Originalstudie zu Jahresbilanzen und täglichen CO2-Flüssen.
- Universität Münster: Wasserstand bestimmt Reaktion in Mooren auf Wärme – Einordnung der beteiligten Hochschule.
- Umweltbundesamt: Paludikultur – Wiedervernässte Moore für mehr Klimaschutz – Hintergrund zu Wasserverfügbarkeit, Nutzung und praktischen Hindernissen.
Für diesen Artikel wurden KI-gestützte Recherche- und Editierwerkzeuge verwendet. Der Inhalt wurde redaktionell geprüft.