Der neue Milence Ladepark am Volvo‑Werk in Gent bringt zusätzliche Schnellladeplätze für elektrische Lkw in Belgien. Für Speditionen stellt sich sofort eine praktische Frage: Lässt sich ein Ladehalt hier zuverlässig in die Tourenplanung einbauen? Der Standort startet mit vier CCS‑Schnellladepunkten mit jeweils bis zu 400 kW Leistung. Entscheidend für die Praxis sind jedoch nicht nur diese Zahlen, sondern auch Zugang, Bezahlung und die Frage, wie viel Energie in einem typischen Fahrer‑Pausenfenster realistisch nachgeladen werden kann.
Einleitung
Elektrische Lkw verändern die Tourenplanung. Anders als beim Diesel entscheidet nicht nur die Strecke über den Zeitplan, sondern auch die verfügbare Ladeleistung entlang der Route. Für Fahrer und Disponenten bedeutet das eine neue Frage im Alltag: Gibt es unterwegs genügend Leistung und freie Ladeplätze, damit eine Pause tatsächlich zum Laden genutzt werden kann?
Genau hier setzt der neue Milence Ladepark am Volvo‑Werk im belgischen Gent an. Der Standort wurde am 4. März 2026 eröffnet und erweitert das wachsende Netz an Ladehubs für schwere Nutzfahrzeuge in Europa. Hinter Milence steht ein Joint Venture der Lkw‑Hersteller Daimler Truck, Volvo Group und TRATON.
Für die Praxis zählt jedoch weniger die Ankündigung als die Nutzbarkeit. Wie viele Ladeplätze gibt es wirklich? Wie funktioniert der Zugang? Und lässt sich der Standort so zuverlässig einplanen, dass ein Lkw dort während einer Pause genügend Energie nachlädt?
Der neue Milence Ladepark am Volvo‑Werk
Der Milence Ladepark befindet sich direkt in der Nähe des Volvo‑Werks im belgischen Gent. Die erste Ausbaustufe wurde Anfang März 2026 eröffnet. Sie umfasst vier Schnellladeplätze für elektrische Lkw.
Die erste Phase des Standorts in Gent umfasst vier CCS‑Ladeplätze mit jeweils bis zu 400 Kilowatt Ladeleistung.
Damit liegt die installierte Spitzenleistung der ersten Ausbaustufe bei rund 1,6 Megawatt. Jeder Ladepunkt kann theoretisch bis zu 400 kW liefern. In der Praxis hängt die tatsächlich abgegebene Leistung jedoch vom Fahrzeug, dem Ladezustand der Batterie und dem Energiemanagement des Standorts ab.
| Merkmal | Beschreibung | Wert |
|---|---|---|
| Standort | Ladehub nahe Volvo‑Werk | Gent, Belgien |
| Eröffnung | Start der ersten Ausbauphase | 04.03.2026 |
| Ladeplätze | CCS‑Schnellladepunkte für schwere Lkw | 4 |
| Leistung pro Ladepunkt | Maximale Ladeleistung laut Betreiber | bis zu 400 kW |
Milence setzt bei neuen Standorten zunächst auf CCS‑Schnellladung. Gleichzeitig planen die Betreiber eine spätere Umstellung auf den Megawatt Charging Standard. Dieses System soll Ladeleistungen über einem Megawatt ermöglichen und damit kürzere Ladezeiten für schwere Fernverkehrs‑Lkw erreichen.
Technik und Zugang: Was der Standort konkret bietet
Für Fahrer ist der Zugang zum Ladepark entscheidend. Laut Betreiber können Lkw den Standort direkt anfahren und an sogenannten Drive‑Through‑Ladepunkten laden. Das bedeutet, dass Zugmaschinen mit Auflieger ohne Rangieren an die Säule fahren können.
Beim Bezahlen setzt Milence auf mehrere Optionen. Fahrer können den Ladevorgang über die Milence‑App starten oder eine Milence‑Ladekarte nutzen. Zusätzlich unterstützt der Standort kontaktloses Bezahlen sowie Roaming‑Partnerschaften mit anderen Ladeanbietern.
Diese Vielfalt ist für den Alltag relevant. Speditionen arbeiten oft mit unterschiedlichen Ladeverträgen. Wenn ein Standort mehrere Zugangswege akzeptiert, sinkt das Risiko, dass ein Fahrer zwar ankommt, aber den Ladevorgang nicht starten kann.
Der Ladepark ist außerdem als gesicherter Bereich ausgelegt. Beleuchtung, Kameras und eingezäunte Parkflächen gehören laut Betreiber zur Ausstattung. Ergänzend gibt es sanitäre Anlagen und einfache Versorgungsangebote für Fahrer.
All diese Details wirken zunächst unscheinbar. In der Praxis entscheiden sie jedoch darüber, ob ein Ladehub tatsächlich in eine tägliche Route eingebaut werden kann. Infrastruktur, Zugang und Bezahlung müssen funktionieren, bevor Leistung und Ladezeit überhaupt eine Rolle spielen.
Praxischeck: Wie viel Ladezeit passt in eine Pause?
Die Planbarkeit eines Ladehalts lässt sich mit einer einfachen Logik betrachten. Entscheidend sind das verfügbare Pausenfenster, die Ladeleistung und die Anzahl der Ladeplätze. Hinzu kommen Zugang und mögliche Wartezeiten.
Ein Beispiel aus der Praxis: Ein Fahrer erreicht den Standort während einer vorgeschriebenen Pause. Der Lkw steht an einem Ladepunkt mit einer maximalen Leistung von bis zu 400 kW. Wenn das Fahrzeug diese Leistung aufnehmen kann, wird in kurzer Zeit viel Energie übertragen.
Gleichzeitig gilt eine Einschränkung. Batterien laden nicht konstant mit maximaler Leistung. Je voller der Akku wird, desto stärker reduziert das Fahrzeug die Ladeleistung. Deshalb lassen sich pauschale Aussagen zur geladenen Energiemenge kaum seriös treffen.
Für die Disposition bedeutet das eine pragmatische Rechnung. Vier Ladeplätze reduzieren zwar das Risiko einer Warteschlange, garantieren aber keine sofortige Verfügbarkeit. Entscheidend ist daher nicht nur die Ladeleistung, sondern auch der Zeitpunkt der Ankunft und die Auslastung des Standorts.
In der Praxis wird der Ladepark vor allem für Zwischenladungen interessant. Ein Fahrer kann während einer Pause zusätzliche Reichweite aufnehmen und so die nächste Etappe der Tour absichern. Genau diese Flexibilität entscheidet darüber, ob elektrische Lkw im Fernverkehr wirtschaftlich eingesetzt werden können.
Checkliste für Disponenten und Fahrer
Für eine Spedition stellt sich letztlich eine einfache Frage: Lässt sich der Standort zuverlässig in eine Route integrieren? Vier Punkte helfen bei dieser Entscheidung.
Erstens die technische Kompatibilität. Fahrzeuge müssen CCS‑Schnellladung unterstützen und eine hohe Ladeleistung aufnehmen können. Nur dann wird das Potenzial eines 400‑kW‑Ladepunkts tatsächlich genutzt.
Zweitens die Verfügbarkeit. Vier Ladeplätze können im Alltag ausreichen, bei mehreren gleichzeitig eintreffenden Fahrzeugen entsteht jedoch schnell Wartezeit. Für Disponenten lohnt sich deshalb ein Blick auf alternative Ladepunkte entlang derselben Route.
Drittens die Kostenlogik. Milence veröffentlicht einen Tarif pro Kilowattstunde, der als Basispreis für das Laden gilt. Für Flotten entscheidet jedoch meist der Vertrag mit einem Ladeanbieter über den endgültigen Preis.
Viertens ein Plan B. Selbst moderne Ladehubs können durch Wartung, Netzprobleme oder hohe Auslastung eingeschränkt sein. Eine zweite Ladeoption in erreichbarer Entfernung bleibt deshalb ein wichtiger Teil jeder elektrischen Tourenplanung.
Fazit
Der Milence Ladepark am Volvo‑Werk in Gent zeigt, wie sich die Ladeinfrastruktur für elektrische Lkw Schritt für Schritt entwickelt. Vier Schnellladepunkte mit bis zu 400 kW Leistung schaffen einen zusätzlichen Anlaufpunkt im europäischen Fernverkehrsnetz.
Für Fahrer und Disponenten zählt vor allem die Planbarkeit. Leistung, Zugang und Bezahloptionen sind vorhanden. Gleichzeitig bleibt die Realität des elektrischen Fernverkehrs sichtbar. Die Zahl der Ladeplätze ist begrenzt, und die tatsächlich geladene Energiemenge hängt stark vom Fahrzeug und vom Ladezustand der Batterie ab.
Genau deshalb gewinnen neue Ladehubs wie dieser an Bedeutung. Jeder zusätzliche Standort erweitert den Handlungsspielraum in der Tourenplanung. Für Speditionen entsteht so ein Netz aus Zwischenladungen, das elektrische Lkw zunehmend auch auf längeren Strecken nutzbar macht.
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