
Mieles angekündigter G8 Diamond soll erkennen, wie voll die Spülmaschine ist und ob etwa Töpfe, Flaschen oder Kunststoff darin stehen. Eine integrierte Kamera liefert dafür die Bilder. Aus der erkannten Beladung soll das Gerät passende Einstellungen für Reinigung und Trocknung ableiten. Hinzu kommen persönliche Vorgaben, die man einmal hinterlegt, statt sie bei jedem Spülgang neu auszuwählen. Der mögliche Nutzen liegt also weniger im Kamerabild als in den wiederkehrenden Entscheidungen, die daraus folgen.
Vom erkannten Geschirr zur passenden Einstellung
Automatik beim Spülen ist nicht neu. Mieles KI-basierte Bilderkennung AutoVision soll sie um Informationen über den Inhalt des Spülraums ergänzen: Wie viel Geschirr steht darin, und welche Arten sind es? Dabei geht es laut Ankündigung um passende Einstellungen für den Spülprozess, nicht um eine völlig freie Auswahl sämtlicher Grundprogramme. Die Kamera soll helfen, die Behandlung an die jeweilige Beladung anzupassen.
Die Beispiele des Herstellers machen das greifbar. Erkennt das System Töpfe, soll es die Reinigungsintensität erhöhen. Bei Flaschen soll es die Innenreinigung optimieren, bei Kunststoff die passende Trocknung berücksichtigen. Wer sonst beim gewohnten Programm bleibt oder über eine Zusatzoption nachdenkt, könnte damit einen Handgriff sparen. Welche Anforderungen bei einer gemischten Beladung Vorrang haben, erläutert Miele bislang nicht.
Die eigene Vorliebe bleibt Teil der Automatik. Das neue Heißluftsystem ExcellentDry soll erwärmte Luft durch den Innenraum führen. Nutzer wählen zwischen drei Trocknungsstufen; anschließend berücksichtigt das Gerät die gespeicherte Einstellung automatisch. Hier werden zwei Aufgaben getrennt: Die Maschine erkennt das Spülgut, der Mensch legt fest, welche Trocknungsstufe er bevorzugt. Diese Entscheidung muss dann nicht bei jedem Durchgang erneut getroffen werden.
Ergänzt wird das durch AutoDos mit PowerDisk. Das bereits 2018 vorgestellte System gibt während des Programms Reinigungsgranulat dosiert frei. Die automatische Dosierung ist also keine neue Erfindung des G8 Diamond, sondern ergänzt die angekündigte Beladungserkennung.
Wann gespült wird, bestimmt eine eigene Regel
Auch beim Startzeitpunkt soll die Kamera eine Entscheidung vorbereiten. In der Miele App lassen sich laut Hersteller Bedingungen hinterlegen. Sein Beispiel verbindet mindestens 80 Prozent Beladung mit einem Start nicht vor 22 Uhr. Der erkannte Füllgrad allein löst damit noch keinen Spülgang aus: Zusätzlich muss die selbst gewählte zeitliche Bedingung erfüllt sein.
Das könnte die wiederkehrende Abwägung abnehmen, ob schon genug Geschirr zusammengekommen ist und ob die Maschine jetzt laufen soll. Die beiden Werte sind weder Standard noch Empfehlung für jeden Haushalt, sondern ein Beispiel für eine veränderbare Regel. Wann sauberes Geschirr wieder gebraucht wird, muss weiterhin der Mensch berücksichtigen. Die Erkennung kann den Füllgrad liefern, aber nicht die persönliche Tagesplanung ersetzen.
Für solche Funktionen bleiben die Bedingungen der digitalen Dienste relevant. Miele weist darauf hin, dass App-Funktionen je nach Modell und Land variieren können und die Zustimmung zu Bedingungen und Datenschutzhinweisen voraussetzen. Welche grundsätzlichen Fragen sich daraus ergeben, erläutert unser Käufercheck zu App und Cloud im Smart Home. Wo die Kamerabilder des G8 Diamond gespeichert werden und ob das Gerät diese Funktionen auch offline bietet, geht aus den hier vorliegenden Angaben nicht hervor.
Richtiges Einräumen bleibt nötig
Damit aus der Erkennung eine wirksame Reinigung werden kann, muss das Geschirr weiterhin sinnvoll stehen. Im IFA-Bericht von Appliance Retailer räumt Miele ein, dass das Beladungsproblem mit der neuen Technik nicht gelöst sei. Yanko Design berichtet vom Hinweis des Miele-Teams, Flaschen ungefähr mittig und Töpfe unten zu platzieren. Ein erkanntes Gefäß muss also weiterhin so stehen, dass es sich wirksam reinigen lässt.
Für Deutschland, Österreich und die Schweiz kündigt Miele den Marktstart für April 2027 an. Einen Preis nennt die deutsche Pressemitteilung vom 2. September 2026 nicht. Unabhängige Reinigungs-, Verbrauchs- oder Alltagstests liegen in den gelesenen Quellen ebenfalls noch nicht vor. Wie zuverlässig die Erkennung unter Alltagsbedingungen arbeitet und ob sich damit Verbrauch sparen lässt, bleibt deshalb offen.
Der mögliche Komfortgewinn ist konkreter: Die Maschine soll passende Spülextras berücksichtigen und auf gespeicherte Wünsche zurückgreifen. Wer sie einmal passend eingestellt hat, müsste sich dann seltener mit denselben Optionen beschäftigen. Ob die Automatik diesen Aufwand tatsächlich verringert, wird sich daran zeigen, wie oft man im Alltag noch eingreifen muss.
Quellen und weiterführende Informationen
- Miele: Weltpremiere G8 Diamond – Herstellerankündigung vom 2. September 2026 (PDF)
- Appliance Retailer: IFA 2026 – Miele launches new dishwasher with integrated camera
- Yanko Design: Miele’s G8 Dishwasher – Hands-on at IFA 2026
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