Erneuerbare Energien

LONGi meldet 35,5 Prozent für Tandem-Solarzelle – Modulreife bleibt offen

LONGi meldet 35,5 Prozent für eine Tandem-Solarzelle. Entscheidend ist die Trennung: Der Wert betrifft eine Laborzelle, nicht ein Serienmodul.

Von Wolfgang

20. Juli 20266 Min. Lesezeit

LONGi meldet 35,5 Prozent für Tandem-Solarzelle – Modulreife bleibt offen

LONGi meldet 35,5 Prozent für eine Tandem-Solarzelle. Entscheidend ist die Trennung: Der Wert betrifft eine Laborzelle, nicht ein Serienmodul.

35,5 Prozent wirken zunächst wie ein großer Sprung für die Solarbranche. Der Wert, den LONGi für eine kristalline Silizium-Perowskit-Tandemzelle meldet, beschreibt jedoch eine Laborzelle – kein Serienmodul für Dächer oder Solarparks. LONGi teilte am 14. Juli 2026 mit, die Zelle habe eine Umwandlungseffizienz von 35,5 Prozent erreicht. Der Hersteller ordnet das Ergebnis einer Zertifizierung durch die European Solar Test Installation (ESTI) zu. Im öffentlichen Dossier fehlen für die konkrete Rekordzelle Messblatt, aktive Fläche und vollständige Prüfbedingungen.

Das Wichtigste in 30 Sekunden

  • LONGi meldet 35,5 Prozent für eine kristalline Silizium-Perowskit-Tandemzelle.
  • Der Wert betrifft eine Laborzelle statt eines Modulwirkungsgrads oder Serienprodukts.
  • Im öffentlichen Dossier fehlt ein Zertifikat oder Messblatt für genau diese Zelle; die ESTI-Zertifizierung bleibt eine LONGi-Angabe.
  • Für größere Zellen und Module nennt LONGi andere, niedrigere Werte.

LONGi meldet 35,5 Prozent für eine Tandem-Laborzelle

Bei Tandemzellen arbeiten zwei Halbleiterschichten zusammen: eine kristalline Siliziumzelle und eine Perowskit-Schicht. Sie verwerten unterschiedliche Bereiche des Sonnenlichts. Deshalb können Tandemkonzepte über die Grenzen einer einzelnen Siliziumzelle hinausgehen.

Die Meldung vom 14. Juli bezieht sich nach LONGis Beschreibung auf eine kristalline Silizium-Perowskit-Tandemzelle mit 35,5 Prozent Umwandlungseffizienz. LONGi verweist dabei auf ESTI. Als Laborfortschritt ist das Ergebnis relevant. Das Verhalten derselben Technologie in einem großen, dauerhaft betriebenen Modul liegt außerhalb der Aussage dieser Messung.

Was die Rekordzelle vom Solarmodul unterscheidet

Bei Wirkungsgrad denken viele sofort an ein Modul auf dem Hausdach. Diese Übertragung wäre hier falsch. Eine einzelne Laborzelle, eine größere Zelle und ein verschaltetes Modul sind unterschiedliche technische Objekte. Mit wachsender Fläche und zusätzlichen Schichten im Modul verändern sich unter anderem Materialeinsatz, Verarbeitung und elektrische Verluste.

Der 35,5-Prozent-Wert ist deshalb weder ein Wirkungsgrad für Hausdächer noch ein Leistungswert für Freiflächenanlagen. Die Meldung liefert dazu keine Angaben über Serienfertigung, Marktstart, Kosten oder einen zusätzlichen Stromertrag. Sie markiert eine Laborleistung; ein Produktnachweis wäre etwas anderes.

Ingenieurin betrachtet auf einer Werkbank ein kleines Solarzellen-Muster und ein größeres unmarkiertes Panelteil.
Laborzelle, größere Zelle und verschaltetes Modul sind unterschiedliche technische Formate – ihre Ergebnisse lassen sich nicht gleichsetzen.

Belegt, gemeldet, noch offen

Belegt im Dossier
LONGi veröffentlichte die Meldung, nannte 35,5 Prozent für eine kristalline Silizium-Perowskit-Tandemzelle und verwies auf ESTI.
Als Herstellerangabe
Die Zuordnung der Zertifizierung durch ESTI zu genau diesem Rekordwert.
Noch nicht öffentlich nachvollziehbar
Ein ESTI-Zertifikat oder Messblatt, die aktive Fläche und die vollständigen Prüfbedingungen der 35,5-Prozent-Zelle.

Diese Unterscheidung ist zentral. Ohne aktive Fläche und detaillierte Messbedingungen lässt sich nicht beurteilen, wie nah der Rekord an größeren Formaten liegt. Das ist kein Vorwurf an die Meldung. Es beschreibt, was öffentlich dokumentiert ist – und was bislang fehlt.

35,5 Prozent, größere Zellen und Module: drei verschiedene Ergebnisse

Neben dem neuen Rekord nennt LONGi weitere Resultate. Sie gehören nicht zur gleichen Messprobe und dürfen daher nicht zusammengezogen werden.

Ergebnis Bezugsgröße Was sich daraus ableiten lässt
35,5 Prozent Kristalline Silizium-Perowskit-Tandemzelle; aktive Fläche nicht veröffentlicht Gemeldeter Laborzellwert, kein Modulwert
34,3 Prozent auf 261 cm² Separates LONGi-Zellergebnis Größeres Zellformat, aber nicht die Fläche der 35,5-Prozent-Zelle
32,2 Prozent auf 274 cm² Separates LONGi-Zellergebnis Weiteres Zellresultat mit eigener Bezugsgröße
31,4 und 29,4 Prozent Separate Tandemmodule Modulresultate, nicht gleichzusetzen mit 35,5 Prozent

Die Modulwerte zeigen, weshalb der Abstand zwischen Zellrekord und Anwendung wichtig bleibt. Sie belegen nicht, dass die 35,5-Prozent-Zelle bereits auf Modulgröße übertragen wurde. Sie zeigen nur, dass LONGi für Module eigene Werte ausweist.

Wirkungsgrad, Stabilität und Fertigung sind getrennte Aufgaben

Die wissenschaftliche Einordnung bleibt nüchtern. Eine begutachtete Übersichtsarbeit in Nature Photonics behandelt Wirkungsgrad, Langzeit-Betriebsstabilität und skalierbare Fertigung als getrennte Aufgaben für Perowskit-Silizium-Tandemzellen. Ein hoher Zellwert beantwortet diese Fragen nicht automatisch.

Für die konkrete LONGi-Zelle folgt daraus keine Diagnose. Es wäre unbelegt, ihr mangelnde Haltbarkeit, hohe Kosten oder Probleme in der Produktion zuzuschreiben. Genauso wenig lässt sich aus dem Rekord eine stabile Serienfertigung ableiten. Offen ist die öffentliche Evidenz – nicht eine pauschale Aussage über das Produkt.

Fachkraft schiebt einen unbeschrifteten Probenträger in einen geschlossenen Laborprüfschrank.
Hoher Wirkungsgrad beantwortet Fragen zu Langzeitstabilität und skalierbarer Fertigung noch nicht automatisch.

Warum der Rekord auch in Europa aufmerksam verfolgt wird

ESTI ist eine europäische Prüfeinrichtung. Für Forschung und Industrie in Europa ist der Wert daher vor allem ein Signal aus der Zellforschung: Ein höherer Wirkungsgrad könnte langfristig helfen, auf derselben verfügbaren Fläche mehr Leistung unterzubringen. Ob und wann das bei großen Modulen gelingt, ist eine eigene Frage.

Aus der Meldung lassen sich weder europäische Fertigung noch eine Einführung in Deutschland ableiten. Aussagekräftiger wären öffentliche Messdetails und Resultate auf größeren Flächen. Erst sie würden zeigen, ob ein Laborfortschritt in ein belastbareres technisches Format übergeht.

Welche Nachweise bis zur Modulreife fehlen

  • ein öffentlich einsehbares Messblatt oder Zertifikat für genau den 35,5-Prozent-Wert,
  • die aktive Fläche und vollständige Prüfbedingungen der Rekordzelle,
  • weitere Ergebnisse auf größeren Zellflächen,
  • nachvollziehbare Modulresultate unter klar benannten Bedingungen,
  • separat dokumentierte Daten zu Langzeitstabilität und skalierbarer Fertigung.

Diese Punkte richten sich nicht gegen den Rekord. Sie beschreiben den Weg von einer auffälligen Zellmessung zu einem belastbaren Produktnachweis. Erst wenn die Ebenen getrennt dokumentiert sind, lässt sich die praktische Bedeutung eines neuen Laborwerts nüchtern beurteilen.

Fazit: ein relevanter Zellwert mit klarer Grenze

LONGis Meldung über 35,5 Prozent ist ein bemerkenswerter Laborwert für eine kristalline Silizium-Perowskit-Tandemzelle. Die vorhandenen Quellen tragen die Meldung und ihre Einordnung als Herstellerangabe mit ESTI-Bezug. Offen bleiben jedoch die aktive Fläche, ein öffentliches Messblatt und die vollständigen Prüfbedingungen für genau diese Zelle.

Für Leserinnen und Leser ist deshalb die Trennung wichtiger als die Rekordzahl allein: 35,5 Prozent stehen für eine Laborzelle. Größere Zellen und Module folgen eigenen Messwerten. Ob daraus ein serienreifes Modul wird, zeigen erst weitere öffentlich nachvollziehbare Daten zu Größe, Stabilität und Fertigung.

Quellen und weiterführende Informationen

Hinweis: Für diesen Artikel wurden KI-gestützte Recherche- und Editierwerkzeuge verwendet. Der Inhalt wurde redaktionell geprüft. Stand: 2026-07-20