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Elsterbecken: Warum Leipzig den Schlamm nach Möckern leitet

Leipzig will Sedimente aus dem Elsterbecken nach Möckern leiten. Dort braucht der Schlamm Platz zum Trocknen – das begrenzt die Räumung.

Von Wolfgang

09. Sep. 20264 Min. Lesezeit

Elsterbecken: Warum Leipzig den Schlamm nach Möckern leitet

Leipzig will Sedimente aus dem Elsterbecken nach Möckern leiten. Dort braucht der Schlamm Platz zum Trocknen – das begrenzt die Räumung.

Der Schlamm aus dem Leipziger Elsterbecken braucht Platz an Land, bevor er entsorgt werden kann. Beim geplanten Absaugen entsteht ein Gemisch aus Sediment und Wasser, das zum rund zwei Kilometer entfernten Sedimentationsbecken in Möckern geleitet werden soll. Dessen begrenzte Kapazität bestimmt, wie viel im Elsterbecken auf einmal geräumt werden kann.

Seit dem 8. September 2026 laufen die Bauvorbereitungen. Die Landestalsperrenverwaltung Sachsen plant, rund 7.500 Kubikmeter Ablagerungen entlang des linken Ufers zwischen Zeppelinbrücke und Palmengartenwehr zu entfernen. Die Arbeiten sollen bis Ende Oktober dauern und rund 400.000 Euro kosten, finanziert aus Bundesmitteln. Wann die eigentliche Absaugung beginnt, geht aus der Ankündigung noch nicht hervor.

Warum der Schlamm nach Möckern muss

Für die Entnahme ist ein hydraulisches Saug-Spül-Verfahren vorgesehen. Dabei wird das Sediment-Wasser-Gemisch am Gewässerboden aufgenommen und durch eine Spülleitung nach Möckern transportiert. Die Leitung verbindet damit zwei Teile derselben Aufgabe: Im Elsterbecken werden Ablagerungen entfernt, im Sedimentationsbecken wird das aufgenommene Material für die spätere Entsorgung vorbereitet.

Das Wasser gehört zunächst zum transportierten Gemisch. Anschließend müssen Wasser und Feststoffe wieder getrennt werden. Wie das am Standort Möckern funktioniert, beschrieb die Landestalsperrenverwaltung bereits bei den Arbeiten 2024: Im Sedimentationsbecken setzen sich die festen Stoffe ab. Für die aktuelle Maßnahme nennt sie die Trocknung des Schlamms und ein Entwässerungssystem, über das Wasser abgeleitet wird.

Das Becken ist deshalb mehr als eine Zwischenstation. Hier braucht das aus dem Gewässer geholte Gemisch Platz zum Absetzen und Trocknen. Erst danach soll das Material fachgerecht entsorgt werden. Aufnehmen, transportieren, entwässern und entsorgen hängen unmittelbar zusammen; die Räumung lässt sich nicht allein nach der Arbeit am Gewässerboden bemessen.

Besonders wichtig ist der weitere Umgang mit dem Schlamm, weil die Sedimente laut Behörde teilweise stark mit Schadstoffen belastet sind. Ihre Entsorgung soll in Abstimmung mit der zuständigen Abfallbehörde erfolgen. Die Trocknung entzieht dem Material Wasser; eine Entgiftung ist damit nicht nachgewiesen. Welche Schadstoffe in welchen Konzentrationen vorliegen und welche Anlage das Material übernehmen soll, nennt die aktuelle Ankündigung nicht.

Begrenzter Platz, regelmäßige Räumung

Die Kapazität des Sedimentationsbeckens erlaubt nach Angaben der Landestalsperrenverwaltung nur eine abschnittsweise Räumung. Die geplanten 7.500 Kubikmeter gehören somit zu einem einzelnen Arbeitsabschnitt. Wie viel aus dem Elsterbecken entnommen werden kann, hängt nicht nur vom dortigen Arbeitsbereich ab, sondern auch davon, wie viel Gemisch in Möckern aufgenommen und entwässert werden kann.

Dass immer wieder geräumt werden muss, hat auch mit den Strömungsverhältnissen zu tun. Die geringe Fließgeschwindigkeit im Elsterbecken begünstigt Ablagerungen. Beim Hochwasser 2013 kam besonders viel Sediment hinzu. Seitdem werden nach Behördenangaben alle ein bis zwei Jahre verschiedene Bereiche geräumt. Die jüngsten Arbeiten fanden von Oktober bis Dezember 2024 statt; der nun geplante Abschnitt setzt diese regelmäßige Unterhaltung fort.

Der Transportweg berührt dabei auch den Alltag außerhalb des Elsterbeckens. Wo die Spülleitung den Radweg auf dem rechten Hochwasserschutzdeich der Neuen Luppe im Bereich Marienweg in Leipzig-Möckern quert, bittet die Landestalsperrenverwaltung Radfahrer abzusteigen.

Was die Räumung für das Gewässer leisten soll

Mit der regelmäßigen Sedimenträumung soll die hydraulische Leistungsfähigkeit des Elsterbeckens erhalten bleiben – also seine Fähigkeit, Wasser abzuführen. Die Landestalsperrenverwaltung nennt bessere Abflussverhältnisse bei Niedrig- und Hochwasser als Ziel. Die Entnahme der Ablagerungen ist damit eine wiederkehrende Aufgabe, um die Funktion des Beckens zu bewahren.

Darüber hinaus sollen sich die Lebensbedingungen für Wasserlebewesen verbessern und ihre Wanderkorridore reaktiviert werden. Eine ökologische Baubegleitung und der Anglerverband betreuen die Arbeiten. Diese Begleitung und die genannten Ziele sind jedoch noch kein Nachweis einer gemessenen ökologischen Verbesserung. Die Entsorgung belasteten Schlamms und der Erhalt der Abflussfähigkeit sind von einer vollständigen ökologischen Sanierung zu unterscheiden.

Ein weiterer Ansatz setzt schon vor der Ablagerung an: Er soll verhindern, dass Bodenmaterial überhaupt ins Gewässer gelangt. Unser Beitrag darüber, wie Gewässerrandstreifen Bodeneinträge verringern können, erläutert das am Beispiel des Kraichbachs. Solche vorbeugenden Maßnahmen betreffen neue Einträge; die Leipziger Arbeiten kümmern sich um Material, das bereits am Gewässerboden liegt.

Für das Elsterbecken bleibt die Räumung deshalb eine Unterhaltungsaufgabe in begrenzten Abschnitten. Der aktuelle Plan sieht vor, einen weiteren Bereich von Ablagerungen zu befreien und belastetes Material zu entsorgen. Wie sich die angestrebten Verbesserungen für Wasserlebewesen tatsächlich entwickeln, lässt sich aus der Bauankündigung noch nicht ablesen.

Quellen und weiterführende Informationen

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