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Eigene Roboterbewegungen trainieren – Microduck setzt auf Simulation und offenen Code

Microduck von Pollen und Hugging Face verbindet offene Trainingssoftware mit kleiner Roboterhardware. Was belegt ist – und was vor dem Kauf offen bleibt.

Von Wolfgang

29. Aug. 20265 Min. Lesezeit

Eigene Roboterbewegungen trainieren – Microduck setzt auf Simulation und offenen Code

Microduck von Pollen und Hugging Face verbindet offene Trainingssoftware mit kleiner Roboterhardware. Was belegt ist – und was vor dem Kauf offen bleibt.

Ein kleiner Roboter wird nicht dadurch zum Einstieg in Physical AI, dass er niedlich aussieht oder auf Rollschuhen fahren kann. Entscheidend ist, ob sich seine Bewegungen tatsächlich trainieren, auf die Hardware übertragen und anschließend verbessern lassen. Genau diesen Weg stellt Pollen Robotics mit dem Microduck unter dem Dach von Hugging Face in den Mittelpunkt.

Der etwa 25 Zentimeter große Biped ist seit dem 27. August 2026 für 399 US-Dollar vor Steuern und Versand vorbestellbar. Pollen zielt auf erste Lieferungen vor Weihnachten 2026 in Nordamerika, Europa und dem Vereinigten Königreich. Belegt ist damit eine vorbestellbare Lern- und Entwicklungsplattform. Ein fertiger autonomer Haushaltshelfer ist der Microduck nach dem bisherigen Stand nicht.

Der Produktkern ist die Lernschleife

Microduck soll nicht nur vorinstallierte Bewegungen abspielen. Die öffentlichen Unterlagen beschreiben eine Sim-to-Real-Schleife: Ein Verhalten wird zunächst in einer Physiksimulation trainiert, als Policy exportiert und auf dem Roboter ausgeführt. Reagiert die reale Hardware anders als erwartet, sollen Entwickler das Modell anpassen, erneut trainieren und die überarbeitete Policy wieder aufspielen.

Die beiden öffentlichen Repositories von Pollen machen diese Idee konkreter. Das RL-Repository nennt MuJoCo beziehungsweise MuJoCo Warp, PPO und den Export nach ONNX. Das Runtime-Repository beschreibt einen 50-Hz-Regelkreis, der die Motoren ansteuert. Der technische Ablauf lautet vereinfacht: Simulation, Policy-Export, Sensoren und Motoren auf dem Gerät, Beobachtung von Abweichungen, erneutes Training. Das ist eine nachvollziehbare Entwicklungslogik. Eine unabhängige Erfolgsquote für diesen Ablauf gibt es bislang nicht.

Für Entwickler und Schulen liegt der Reiz darin, dass die Kette sichtbar bleibt. Bei vielen KI-Produkten endet der Einblick am Modell-API. Hier soll sich nachvollziehen lassen, wie aus einer Policy eine reale Bewegung wird und warum sie im Raum anders aussehen kann als in der Simulation. Das ersetzt allerdings weder eine passende Trainingsumgebung noch Erfahrung mit Hardware und Fehlern im Betrieb.

Originalgrafik erklaert Simulation, Policy-Export, 50-Hz-Runtime, Sensoren und Motoren, Abweichung und Retraining
Die quellengebundene Lernschleife fuehrt von Simulation und Policy-Export ueber die Runtime zur erneuten Anpassung – durch KI erzeugt

Offener Code bedeutet nicht offene Hardware

Pollen stellt den Software- und Trainingsstack samt SDK, Robotersoftware, Simulation und Reinforcement-Learning-Werkzeugen öffentlich bereit. Das ist für eine Lernplattform relevant: Code kann geprüft, verändert und als Ausgangspunkt für eigene Policies genutzt werden.

Die Grenze ist ebenso wichtig. Nach dem Press Kit bezieht sich die Offenheit auf die Software; mechanische und elektronische Design-Dateien sind nicht als Open Source freigegeben. Microduck ist damit kein frei nachbaubarer Roboter. Wer an Reparierbarkeit, Ersatzteilen oder Erweiterungen interessiert ist, muss die Hardware- und Servicefrage getrennt von der Softwareoffenheit betrachten.

Die Startfunktionen sind keine Alltagsautonomie

Laut Pollen bringt der Microduck sieben trainierte Bewegungen mit. Genannt werden unter anderem Gehen, Sitzen und Aufstehen, Kicken, Aufheben, Rollschuhfahren und das Aufrichten nach vielen üblichen Stürzen. Auch Gamepad-Steuerung und das Folgen eines Laserpunkts gehören zum beschriebenen Startumfang.

Das sind brauchbare Demonstrationen für Bewegungssteuerung, aber kein Beleg für Navigation, SLAM, Sprachsteuerung, Personenerkennung oder verlässliche Haushaltsaufgaben. The Register ordnet zusätzliche autonome Fähigkeiten ausdrücklich als Entwicklungs- und Community-Aufgabe ein. Wer den Roboter kauft, bekommt nach aktueller Quellenlage eine Plattform zum Experimentieren, keine kleine Hilfe im Haushalt.

Originalgrafik trennt Microduck-Produktstand, Grenzen von Software und Hardware sowie die naechsten unabhaengigen Prueffragen
Vorbestellung und oeffentlicher Softwareweg sind belegt, waehrend Betrieb, Nutzlast, Datenschutz und Service offen bleiben – durch KI erzeugt

Die 800 Gramm sagen nichts über die Nutzlast

Bei kleinen Robotern werden Gewichtsangaben schnell missverstanden. Pollen nennt für den Microduck ein Gewicht unter 800 Gramm. Das ist die Masse des Roboters, nicht die Last, die sein beweglicher Schnabel heben kann.

Eine belastbare Nutzlast nennt das Dossier nicht. The Register berichtet nach einer Rückfrage lediglich die vorsichtige Schätzung eines Pollen-Vertreters, der Roboter könne vermutlich nicht viel mehr als 100 Gramm heben. Das ist kein unabhängiger Testwert und keine veröffentlichte Spezifikation. Für die Praxis ist genau diese Grenze wichtig: Ob ein Roboter einen leichten Gegenstand aufheben kann, sagt noch wenig darüber aus, wie zuverlässig er unterschiedliche Formen über viele Zyklen greift.

Europa ist Zielmarkt, die Kaufentscheidung bleibt offen

Europa steht in den offiziellen Angaben als Zielregion. Für Deutschland fehlen aber noch zentrale Angaben: ein Endpreis inklusive Steuern und Versand, ein verbindlicher Liefertermin, Service und Ersatzteile, finale Sensor- und SDK-Daten sowie Sicherheits- und Konformitätsunterlagen. Auch die Akkulaufzeit, die Robustheit und das Geräuschverhalten wurden nicht unabhängig geprüft.

Kamera, Mikrofone und Lautsprecher eröffnen zudem eine Datenschutzfrage. Öffentlicher Code kann spätere Anwendungen überprüfbarer machen. Er garantiert jedoch nicht, dass eine installierte App Kamera- oder Audiodaten lokal verarbeitet. Vor einem Einsatz in Schule, Werkstatt oder Familie müssten deshalb die App-, Cloud-, Einwilligungs- und Löschpfade klar sein.

Eine interessante Plattform, deren Alltagstauglichkeit erst noch belegt werden muss

Microduck macht eine sonst recht abstrakte Idee anschaulich: Roboterverhalten entsteht nicht allein aus einer Demo, sondern aus der Verbindung von Simulation, Training und realer Hardware. Pollen hat diesen Weg offen beschrieben und zu einem vergleichsweise niedrigen Einstiegspreis in ein kleines Gerät gepackt.

Das kann den Zugang zu Robotik erleichtern, wenn Käufer wirklich experimentieren und programmieren wollen. Der nächste belastbare Nachweis ist weniger eine weitere Vorführung als ein unabhängiger Test ausgelieferter Geräte: mit nachvollziehbarem Training, wiederholbaren Bewegungen, Daten- und Sicherheitsangaben sowie einem funktionierenden europäischen Serviceweg.

Quellen und weiterführende Informationen

Hinweis: Für diesen Artikel wurden KI-gestützte Recherche- und Editierwerkzeuge verwendet. Der Inhalt wurde redaktionell geprüft. Stand: 2026-08-29.