Erneuerbare Energien

EU-Kommission schlägt 46 Prozent Stromanteil bis 2040 vor – Netze und Preise bleiben Hürden

Die EU-Kommission legt einen Elektrifizierungsplan vor. Der Pfad bis 2040 ist indikativ; Preise, Netze und Speicher entscheiden über die Umsetzung.

Von Wolfgang

18. Juli 20267 Min. Lesezeit

EU-Kommission schlägt 46 Prozent Stromanteil bis 2040 vor – Netze und Preise bleiben Hürden

Die EU-Kommission legt einen Elektrifizierungsplan vor. Der Pfad bis 2040 ist indikativ; Preise, Netze und Speicher entscheiden über die Umsetzung.

Die EU-Kommission will den Strom stärker zum Rückgrat von Heizen, Fahren und Produzieren machen. Ihr am 17. Juli 2026 veröffentlichter Electrification Action Plan beschreibt dafür einen Pfad von heute 23 Prozent Stromanteil am Endenergieverbrauch über 32 Prozent als Referenz für 2030 bis zu 46 Prozent im Jahr 2040. Das Ziel für 2040 ist ausdrücklich indikativ und soll noch einer Folgenabschätzung unterzogen werden. Für Deutschland entsteht daraus vorerst keine neue Kaufpflicht und keine garantierte Entlastung bei Strom oder Wärme.

Das Wichtigste in 30 Sekunden

  • Die Europäische Kommission hat am 17. Juli 2026 einen gemeinsamen Elektrifizierungsplan für Industrie, Verkehr und Gebäude vorgelegt.
  • Strom deckt nach Angaben der Kommission derzeit 23 Prozent des Endenergieverbrauchs ab. Für 2030 nennt sie 32 Prozent als Referenzgröße, für 2040 46 Prozent als indikatives Ziel.
  • Der Plan benennt hohe Strompreise, Netzkosten, Steuern und Abgaben, hohe Umstiegskosten sowie lange Netzanschlusszeiten als zentrale Hindernisse.
  • 200 Gigawatt Speicher bis 2030 und 500 Gigawatt bis 2040 beschreiben einen Systembedarf – keine bereits bewilligten oder gebauten Projekte.

Was die Kommission am 17. Juli vorgelegt hat

Der Plan fasst Industrie, Verkehr und Gebäude in einem Elektrifizierungsprogramm zusammen. Es geht nicht bloß um mehr Stromverbrauch. Die Kommission beschreibt einen Umbau, bei dem etwa Prozesse in Fabriken, Fahrzeuge und Heizsysteme stärker mit Strom arbeiten sollen. Damit würde Strom in Bereichen eingesetzt, die heute vielfach direkt mit fossilen Brennstoffen versorgt werden.

Neu ist vor allem der zusammenhängende Zielpfad. Die Kommission will Elektrifizierung nicht nur als Technikfrage behandeln, sondern mit Preisgestaltung, Netzanschlüssen, Flexibilität und Investitionen verbinden. Der Plan ist eine politische Mitteilung der Kommission. Er ist weder ein unmittelbar geltendes deutsches Ausbaugebot noch eine fertige gesetzliche Regelung für einzelne Haushalte oder Betriebe.

23, 32, 46: Drei Zahlen mit unterschiedlichem Status

Die drei Prozentwerte wirken auf den ersten Blick wie eine verbindliche Zielkette. Genau das sind sie nicht. Der Ausgangswert beschreibt den gegenwärtigen Stand, die Zahl für 2030 dient als Referenzgröße, und der Wert für 2040 ist ein Vorschlag mit Vorbehalt.

Der Pfad im Überblick

Wert Einordnung
23 Prozent Von der Kommission genannter aktueller Anteil von Strom am Endenergieverbrauch.
32 Prozent bis 2030 Referenzgröße beziehungsweise KPI; kein Synonym für das spätere 2040-Ziel.
46 Prozent bis 2040 Indikatives Ziel. Die Kommission will es im Energy Union Package für die Zeit nach 2030 noch einer Folgenabschätzung unterziehen.

Gerade diese Unterscheidung ist wichtig: Aus dem Papier folgt nicht, dass Deutschland schon heute eine verbindliche nationale Quote erfüllen müsste. Auch spätere Gesetzgebung und nationale Umsetzung sind damit nicht vorweggenommen.

Eine Energieanalystin ordnet drei unbeschriftete Karten mit Abstand auf einem Besprechungstisch an
Der Plan trennt Ausgangslage, 2030-Referenz und den indikativ formulierten 2040-Pfad. Das Bild macht diese unterschiedliche Rolle symbolisch sichtbar.

Warum Preise und Netze den Plan bremsen können

Die Kommission benennt das Problem auffallend deutlich: Elektrische Anwendungen können technisch sinnvoll sein und trotzdem an ihren laufenden Kosten oder am Anschluss scheitern. Für EU-Unternehmen liege der Strompreis im Durchschnitt fast beim Dreifachen des Gaspreises, für Haushalte beim 2,5-Fachen. Diese Werte sind EU-weite Durchschnittswerte. Sie erlauben keine Rechnung für einen einzelnen deutschen Tarif, zeigen aber das Grundproblem des Plans.

Hinzu kommen hohe Anfangsinvestitionen. Wer einen Produktionsprozess umstellt, ein Gebäude modernisiert oder eine Ladeinfrastruktur aufbaut, braucht Planungssicherheit, Kapital und oft einen leistungsfähigen Netzanschluss. Die Kommission nennt Netzkosten, Steuern und Abgaben ebenso wie lange Anschlusswarteschlangen und einen verzögerten Netzausbau. Ein elektrisch betriebenes System bringt wenig, wenn der Anschluss erst nach Jahren verfügbar ist.

Die vier Umsetzungsbremsen

  • Preisabstand: Strom muss im Verhältnis zu fossilen Alternativen wirtschaftlich nutzbar sein.
  • Investitionskosten: Die Umstellung verlangt oft hohe Ausgaben, bevor sich ein Vorteil im Betrieb zeigen kann.
  • Netzanschluss: Kapazität und Bearbeitungszeit entscheiden mit darüber, ob Projekte starten können.
  • Abgaben und Netzkosten: Sie prägen die Rechnung für Verbraucher und Unternehmen, ohne dass der Plan konkrete deutsche Änderungen festlegt.

Warum Speicher und Flexibilität dazugehören

Elektrifizierung erhöht nicht automatisch zu jeder Stunde die Last im selben Maß. Sie verändert aber die Anforderungen an das System. Wenn mehr Wärme, Mobilität und Industrie elektrisch betrieben werden, müssen Netze und Erzeugung Schwankungen besser ausgleichen. Hier verortet die Kommission Speicher und andere flexible Kapazitäten.

Ausgehend von rund 55 Gigawatt Speicherkapazität im Jahr 2026 nennt der Plan einen Bedarf von 200 Gigawatt bis 2030 und 500 Gigawatt bis 2040. Das sind Bedarfswerte für das europäische Energiesystem. Sie bedeuten nicht, dass entsprechende Speicher bereits finanziert, genehmigt oder an bestimmten Orten geplant wären.

Ein Netztechniker steht neben drei unmarkierten Energiespeicherschränken in einer technischen Außenanlage
Speicher und Flexibilität gehören zum beschriebenen Systembedarf. Die genannten Ausbauwerte sind keine Liste bereits finanzierter oder gebauter Anlagen.

Was die möglichen Einsparungen aussagen – und was nicht

Die Kommission verbindet eine schnellere Elektrifizierung mit möglichen Effekten: bis zu 260 Milliarden Euro weniger fossile Importkosten pro Jahr bis 2040, rund 20 Prozent niedrigere Stromerzeugungskosten und bis zu 60 Prozent geringere durchschnittliche Heizkosten. Das sind Szenario- und Vergleichswerte unter den Annahmen der Kommission, keine Zusage für einzelne Haushalte, Firmen oder Mitgliedstaaten.

Das ist keine bloße Fußnote. Wer aus einem europäischen Modellwert eine sichere Rechnung für den eigenen Haushalt ableitet, übersieht Unterschiede bei Gebäuden, Verträgen, Netzentgelten, Steuern und Investitionskosten. Der Plan selbst legt diese nationalen Details nicht fest.

Was daraus für Deutschland folgt – und was nicht

Deutschland ist Teil des europäischen Rahmens. Der Plan rückt damit die praktischen Hindernisse der Elektrifizierung stärker in den politischen Fokus. Für Haushalte und Betriebe ist aber vor allem entscheidend, ob Strom, Anschluss und flexible Nutzung vor Ort tatsächlich bezahlbar und verfügbar werden.

Konkrete deutsche Regeln zu Stromsteuer, Netzentgelten, Förderung oder Ausbauentscheidungen enthält die vorliegende Mitteilung nicht. Sie begründet auch keine Pflicht, ein Elektroauto, eine Wärmepumpe oder einen Speicher anzuschaffen. Die offene Frage liegt bei der Umsetzung: Welche Instrumente Deutschland und die EU nach der angekündigten Folgenabschätzung tatsächlich wählen, ist noch nicht entschieden.

Meine Einschätzung: Der Plan trifft den echten Engpass

Die Kommission setzt nicht bei einem neuen Technikversprechen an, sondern bei einem bekannten Widerspruch: Elektrische Lösungen sollen fossile Anwendungen ersetzen, doch die Kosten- und Anschlusslogik belohnt das häufig noch nicht. Darin liegt die eigentliche Aussage des Papiers. Ein Zielwert für 2040 verändert den Alltag nicht, solange Strompreise, Netze und Investitionsrisiken gegeneinander arbeiten.

Auch die Speicherzahlen passen in diese Logik. Sie machen sichtbar, dass Elektrifizierung nicht nur mehr Erzeugung bedeutet. Sie verlangt ein System, das Lasten verschieben, Strom speichern und Anschlüsse rechtzeitig bereitstellen kann. Die 46 Prozent sind daher eher ein Prüfauftrag an die spätere Politik als eine fertige Anweisung an Bürgerinnen und Bürger.

Häufige Fragen zum Elektrifizierungsplan

Ist das 46-Prozent-Ziel bereits verbindlich?

Nein. Die Kommission bezeichnet 46 Prozent bis 2040 als indikatives Ziel und kündigt eine spätere Folgenabschätzung an. Eine verbindliche nationale Umsetzung ist damit nicht beschlossen.

Sinken dadurch deutsche Strompreise oder Heizkosten automatisch?

Nein. Die genannten Kostenwirkungen stammen aus Kommissionsszenarien. Der Plan enthält keine Garantie für einzelne deutsche Haushalte oder Unternehmen.

Plant die EU jetzt 500 Gigawatt Speicher?

Die 500 Gigawatt beschreiben den im Plan genannten Bedarfspfad bis 2040. Daraus folgt keine Liste finanzierter oder genehmigter Projekte.

Was sagt die Branche dazu?

WindEurope begrüßt den Fokus auf Elektrifizierung, fordert aber aus Sicht der Organisation unter anderem Änderungen bei ETS, Strombesteuerung und Netzanträgen. Das ist eine Branchenposition, keine bereits beschlossene EU-Politik.

Quellen und weiterführende Informationen

Hinweis: Für diesen Artikel wurden KI-gestützte Recherche- und Editierwerkzeuge verwendet. Der Inhalt wurde redaktionell geprüft. Stand: 2026-07-18