Ein Plug-in-Hybrid hat keinen festen elektrischen Fahranteil. Kälte, Innenraumheizung, Fahrprofil und Ladeverhalten entscheiden mit darüber, wie lange der Akku im Alltag trägt. Eine am 16. Juli 2026 veröffentlichte Empa-Synthese ordnet diese Bedingungen anhand von Laborversuchen und einer getrennten Modellstudie ein.
Das Wichtigste in 30 Sekunden
- Die direkt verifizierte Laborarbeit untersuchte acht Plug-in-Hybrid-Pkw auf dem Rollenprüfstand.
- Niedrige Temperaturen, Innenraumheizung, dynamischere Fahrweise und Nebenverbraucher können elektrische Reichweite und Energiebedarf verändern.
- Der Utility Factor beschreibt einen modellierten Anteil elektrisch zurückgelegter Strecke, keinen individuell gemessenen Kraftstoffverbrauch.
- Die Schweizer Mobilitätsdaten aus der zweiten Studie sind keine deutsche Flottenzahl.

Was Empa am 16. Juli neu veröffentlicht hat
Die Empa hat eine aktuelle Synthese zum Energieeinsatz von Plug-in-Hybriden veröffentlicht. Im Mittelpunkt steht keine neue pauschale Kosten- oder Verbrauchswarnung. Die Veröffentlichung verweist auf zwei Arbeiten, die verschiedene Fragen beantworten: Eine Laborstudie untersucht Bedingungen auf dem Rollenprüfstand, eine zweite modelliert den elektrischen Fahranteil mit Schweizer Mobilitätsdaten.
Diese Trennung verhindert voreilige Schlüsse. Ein Prüfstand zeigt, wie sich Temperatur, Fahrzyklus oder eingeschaltete Heizung unter kontrollierten Bedingungen auswirken. Alltags- und On-Board-Daten erfassen dagegen reale Nutzung über viele Fahrten. Ein Utility Factor ist wiederum eine Rechengröße für den Anteil einer Strecke, der elektrisch zurückgelegt wird.
Was der Prüfstand tatsächlich gemessen hat
Die direkt verifizierte, peer-reviewte Laborarbeit umfasst acht Plug-in-Hybrid-Pkw. Die Fahrzeuge wurden auf einem Rollenprüfstand unter unterschiedlichen Bedingungen betrachtet: bei 23 °C, bei −7 °C, bei −7 °C mit Innenraumheizung und bei dynamischeren Fahrbedingungen.
Die Laborwerte zeigen Zusammenhänge, keine Rangliste für alle Modelle. Niedrige Temperaturen und zusätzliche Verbraucher wie die Heizung beanspruchen Energie. Ein dynamischeres Fahrprofil kann elektrische Reichweite und Energiebedarf ebenfalls verändern. Wie stark das ausfällt, hängt unter anderem von Fahrzeugklasse, Gewicht, Batterie- und Antriebsauslegung sowie vom Ladeverhalten ab.
Aus acht Prüfstandfahrzeugen lässt sich keine deutsche Flottenkennzahl ableiten. Die Arbeit belegt auch keine allgemeine Mehrkosten- oder Verbrauchsregel. Sie zeigt vielmehr, warum ein einzelner Normwert den Alltag nicht vollständig beschreibt.

Warum Kälte und Heizung den elektrischen Anteil verschieben können
Bei niedrigen Temperaturen arbeitet ein Antriebssystem anders als bei mildem Wetter. Dazu kommt der Energiebedarf für den Innenraum. Wird zusätzlich zügiger gefahren, verändern sich Lastspitzen und Fahranteile. Bei einem Plug-in-Hybrid können sich dadurch verfügbare elektrische Reichweite und der Anteil elektrischer Kilometer verschieben.
Für ein bestimmtes Modell an einem bestimmten Tag ergibt sich daraus keine feste Zahl. Die Empa-Arbeit liefert keine Prozentangabe, die für jedes Fahrzeug gilt. Der Nutzen liegt in der kontrollierten Gegenüberstellung von Bedingungen, die im Alltag häufig zusammenkommen.
Utility Factor: Modellwert statt Messwert
Die zweite, getrennte Facharbeit behandelt Utility-Factor-Modelle. Der Utility Factor steht für den Anteil der Fahrstrecke, der elektrisch zurückgelegt wird. Er kommt in Typgenehmigungs- und Flottenbetrachtungen zum Einsatz, ersetzt aber keine Messung des individuellen Strom- oder Kraftstoffverbrauchs.
Die Studie nutzt Schweizer Mobilitätsdaten und vergleicht frühere europäische, revidierte 2025er sowie Schweizer und segmentbezogene Modellrahmen. Damit lassen sich Annahmen über Fahrprofile prüfen. Eine direkte Hochrechnung auf eine deutsche Fahrzeugflotte wäre trotzdem falsch, weil Fahrzeugmix, Wege und Ladeverhalten regional anders verteilt sein können.
Auch der EU-Kontext ist methodisch zu lesen: Die Europäische Kommission befasst sich mit realitätsnäheren Utility-Factor-Annahmen. Aus dem im Dossier vorliegenden Bericht folgt weder eine neue individuelle Verbraucherpflicht noch ein deutscher Vollzugstermin.

Tabelle: Was die Bedingungen zeigen – und was nicht
| Bedingung | Mögliche Wirkung | Was die Studie nicht beweist |
|---|---|---|
| Niedrige Außentemperatur | Elektrische Reichweite und Energiebedarf können sich verändern. | Eine einheitliche Reichweitenminderung für alle Plug-in-Hybride. |
| Innenraumheizung und andere Nebenverbraucher | Zusätzlicher Energiebedarf kann den elektrischen Fahranteil beeinflussen. | Eine feste Mehrkosten- oder Verbrauchsrechnung. |
| Dynamischere Fahrbedingungen | Fahrprofil und Last können die Messwerte gegenüber ruhiger Fahrt verschieben. | Eine allgemeine Aussage über jeden realen Arbeitsweg. |
| Schweizer Mobilitätsdaten im Utility-Factor-Modell | Sie helfen, Modellannahmen für elektrische Distanzanteile zu vergleichen. | Eine deutsche Realverbrauchs- oder Flottenzahl. |
Checkliste: PHEV-Verbrauchsangaben richtig lesen
- Steht bei einer Zahl, ob sie aus einem Prüfstand, aus On-Board-Daten oder aus einer Modellrechnung stammt?
- Werden Temperatur, Innenraumheizung, Fahrprofil und Nebenverbraucher genannt?
- Ist klar, ob es um elektrische Reichweite, Energiebedarf, Kraftstoffverbrauch oder den modellierten elektrischen Distanzanteil geht?
- Wird eine regionale Datengrundlage als regionale Annahme behandelt, statt sie auf Deutschland hochzurechnen?
- Fehlen Angaben zu den Bedingungen, sollte eine pauschale Schlussfolgerung vorsichtig bleiben.
Was davon für Deutschland und die EU relevant ist
Kälte, Heizung, Fahrstil und Laden wirken technisch nicht nur in der Schweiz. Nicht übertragbar ist dagegen, wie häufig diese Bedingungen in einer nationalen Mobilitätsstichprobe vorkommen und wie sie gewichtet werden. Für Deutschland und die EU ist die Methodenfrage deshalb aussagekräftiger als eine scheinbar präzise Schweizer Zahl.
Meine Einschätzung: Die Stärke dieser Empa-Synthese liegt in der Reihenfolge der Fragen. Zuerst müssen die Messbedingungen klar sein, dann die Modellannahmen. Erst danach lässt sich über Flottenwerte sprechen. Damit bleibt der Blick auf dem, was die Empa-Arbeiten tragen, statt einen alten Kostenwinkel mit neuen Quellen zu versehen.
FAQ
Hat Empa zwölf Plug-in-Hybride im Labor getestet?
Die frische Mitteilung nennt zwölf aktuelle Plug-in-Hybridfahrzeuge. Die direkt verifizierte peer-reviewte Laborarbeit nennt hingegen acht PHEV auf dem Rollenprüfstand. Der vorliegende Zugriff löst diesen Unterschied nicht auf. Für die Laborstichprobe wird deshalb ausschließlich die Zahl acht verwendet.
Ist der Utility Factor ein gemessener Verbrauchswert?
Nein. Er ist eine Modellgröße für den Anteil elektrisch zurückgelegter Strecke. Er ersetzt weder eine individuelle Verbrauchsmessung noch eine Aussage über ein einzelnes Fahrzeug.
Gilt die Schweizer Modellierung automatisch für Deutschland?
Nein. Die Methodik lässt sich einordnen, die Ergebnisse beruhen aber auf Schweizer Mobilitätsdaten und sind keine deutsche Flottenzahl.
TechZeitGeist-Fazit
Die neue Empa-Synthese liefert keine neue Alarmzahl zu Plug-in-Hybriden. Sie macht etwas Konkretes sichtbar: Elektrischer Fahranteil und Energiebedarf hängen an Bedingungen wie Temperatur, Heizung, Fahrprofil und Laden. Wer Laborwerte, Alltagsdaten und Utility-Factor-Modelle voneinander trennt, kann Verbrauchsangaben besser einordnen, ohne aus einer kleinen Stichprobe eine allgemeine Regel zu machen.
Quellen und weiterführende Informationen
- Empa: Warum der reale Verbrauch von Plug-in-Hybriden oft höher liegt
- Schweizer Bundeskanzlei: Warum der reale Verbrauch von Plug-in-Hybriden oft höher liegt
- Environmental performance of plug-in hybrid electric vehicles: Impacts of driving cycles, ambient temperature, and auxiliary loads
- Utility factor frameworks for plug-in hybrid electric vehicles: A comparative assessment
- Europäische Kommission: Revision of the utility factor for plug-in hybrid electric vehicles
Hinweis: Für diesen Artikel wurden KI-gestützte Recherche- und Editierwerkzeuge verwendet. Der Inhalt wurde redaktionell geprüft. Stand: 2026-07-16