Automobil

E-Auto in der Werkstatt: Der Ölwechsel verschwindet, die Datenfrage bleibt

McKinsey sieht im E-Auto-Service bis 2035 großes Potenzial. Für Fahrer zählt künftig: Wer prüft Batterie, Software und Ladefunktionen?

Von Wolfgang

25. Juni 20268 Min. Lesezeit

E-Auto in der Werkstatt: Der Ölwechsel verschwindet, die Datenfrage bleibt

McKinsey sieht im E-Auto-Service bis 2035 großes Potenzial. Für Fahrer zählt künftig: Wer prüft Batterie, Software und Ladefunktionen?

E-Autos verändern nicht nur den Antrieb, sondern auch das Geschäft nach dem Kauf: weniger Ölwechsel, mehr Batterie-Diagnose, Software, Ladefunktionen und digitale Dienste.

Eine aktuelle McKinsey-Analyse sieht im Aftersales- und Servicebereich ein großes wirtschaftliches Potenzial für Europas Autoindustrie. Für Fahrerinnen und Fahrer wird damit eine praktische Frage wichtiger: Wer bekommt Zugriff auf Daten, Updates und Reparaturen?

  • Der Anlass: McKinsey beziffert das mögliche Potenzial von Aftersales, Support und Services rund um E-Autos in Europa bis 2035 auf 240 bis 300 Milliarden Dollar Bruttowertschöpfung.
  • Wichtig: Diese Zahl ist keine Umsatz- oder Gewinnprognose, sondern beschreibt mögliche wirtschaftliche Wertschöpfung nach Abzug von Vorleistungen.
  • Für Autofahrer: Klassische Wartungspunkte fallen weg, neue Fragen kommen dazu: Batteriegesundheit, Software-Support, Ladeintegration, Garantie und Werkstattzugang.
  • Für Werkstätten: Hochvolt-Know-how, Diagnosezugang und Softwareberechtigungen werden wichtiger als der alte Ölwechsel-Termin.
  • Für Europa: Die E-Auto-Wende entscheidet sich nicht nur in Batteriefabriken, sondern auch im Geschäft nach dem Kauf.
E-Auto in der Werkstatt: redaktionelle Fotoszene zum Artikel mit den wichtigsten Auswirkungen.
E-Auto in der Werkstatt: redaktionelle Fotoszene zum Artikel mit den wichtigsten Auswirkungen.

Was sich nach dem Kauf verändert

Beim Verbrenner war das Servicegeschäft leicht zu verstehen: Ölwechsel, Auspuff, Kupplung, Zündkerzen, Abgasuntersuchung, viele mechanische Teile. Beim E-Auto fällt ein Teil dieser Routine weg.

Der elektrische Antriebsstrang hat weniger bewegliche Teile, es gibt keinen klassischen Motorölwechsel, und durch Rekuperation werden Bremsen in vielen Fahrsituationen weniger stark beansprucht. Das kann Wartungsaufwand reduzieren.

Wartungsfrei wird das Auto dadurch aber nicht. Die Arbeit verlagert sich: Batterieprüfung, Hochvolt-Sicherheit, Thermomanagement, Leistungselektronik, Softwarediagnose, Fahrerassistenzfunktionen, Ladeplanung und digitale Dienste werden wichtiger.

Genau hier setzt die McKinsey-Analyse an. Sie betrachtet Europas wirtschaftliches Potenzial in der Verschiebung hin zu Elektrofahrzeugen und nennt Aftersales, Support und Services als einen großen Wertschöpfungsblock. Aftersales meint im Automarkt alles, was nach dem Fahrzeugkauf passiert: Wartung, Reparatur, Ersatzteile, Zubehör, digitale Funktionen, Serviceverträge, Updates und Kundenbindung.

Was die McKinsey-Zahl bedeutet

McKinsey schreibt, E-Autos könnten bis 2035 im Bereich Aftersales, Support und Services in Europa 240 bis 300 Milliarden Dollar an Bruttowertschöpfung schaffen. Diese Zahl klingt groß, ist aber kein einfacher Autoumsatz.

Bruttowertschöpfung, oft als GVA abgekürzt, beschreibt vereinfacht den wirtschaftlichen Mehrwert, der in einem Bereich entsteht, nachdem Vorleistungen abgezogen wurden. Sie ist nicht gleich Gewinn, nicht gleich staatliche Förderung und keine Garantie, dass dieses Potenzial automatisch bei europäischen Unternehmen landet.

Für die Autoindustrie ist die Aussage trotzdem wichtig: Der Wettbewerb um das E-Auto endet nicht an der Kasse des Autohauses. Wer nach dem Kauf Diagnose, Software, Batteriezertifikate, Ladefunktionen, Servicepakete und Kundenzugang kontrolliert, kann über Jahre am Fahrzeug verdienen.

Weniger Ölwechsel, mehr Diagnose

Für viele private Käufer klingt der Umstieg zunächst nach weniger Werkstatt. Kein Motorölwechsel. Kein klassischer Auspuff. Weniger mechanische Komplexität im Antrieb. Gleichzeitig entstehen neue Prüf- und Servicepunkte, die beim Verbrenner keine Rolle spielten.

E-Auto in der Werkstatt: Überblick über Akteure und Zusammenhänge.
E-Auto in der Werkstatt: Überblick über Akteure und Zusammenhänge.

Dazu gehören Hochvolt-Komponenten, Batterie- und Ladesysteme, Kühlung und Thermomanagement. Auch Software wird stärker zum Werkstatt-Thema: Fehlerdiagnose, Updates, Assistenzsysteme und digitale Freischaltungen hängen davon ab, welche Daten verfügbar sind und wer sie auslesen darf.

Wichtig ist die Abgrenzung: Batterie-Service bedeutet nicht automatisch Batterietausch. In der Praxis sind Diagnose, Zustandsermittlung, Garantieprüfung und Softwaremanagement häufiger relevante Themen als der komplette Austausch eines Akkupacks.

Wo neues Servicegeschäft entsteht

Die neuen Servicefelder liegen dort, wo Auto, Energie und Software zusammenlaufen. Ein E-Auto ist nicht nur ein Fahrzeug mit Akku, sondern ein System aus Batterie, Ladegerät, Leistungselektronik, App, Navigationsdaten, Assistenzsystemen und laufenden Softwarefunktionen.

Für Flotten, Leasingkunden und Gebrauchtwagenkäufer wird der Batteriezustand besonders wichtig. Der Akku beeinflusst Reichweite, Restwert und Vertrauen in das Fahrzeug. Ein nachvollziehbarer Batteriecheck kann deshalb beim Kauf oder Verkauf entscheidend sein – auch wenn die Quellenlage derzeit keine einheitliche europäische Standardpraxis belegt.

Hinzu kommt die Ladeintegration. Wer zu Hause lädt, muss Wallbox, Stromtarif, Fahrzeugsoftware und Ladezeiten zusammenbringen. Wer mehrere Fahrzeuge betreibt, braucht noch mehr Planung. Daraus können Services entstehen: Beratung, Installation, Diagnose, Tarif- und Lademanagement oder Softwarefunktionen für Flotten.

Was das für Fahrer kosten kann

Ein wachsender Servicemarkt bedeutet nicht automatisch, dass jedes E-Auto teurer im Unterhalt wird. Bestimmte klassische Wartungskosten können sinken, weil weniger Verbrennertechnik vorhanden ist.

Gleichzeitig kommen neue Kosten- und Abhängigkeitsfragen hinzu. Bleiben Softwareupdates kostenlos? Welche Funktionen sind beim Kauf enthalten, welche später an ein Paket gebunden? Wie lange bekommt das Auto Software-Support? Kann eine freie Werkstatt Fehlercodes auslesen? Ist der Batteriezustand beim Gebrauchtwagen nachvollziehbar?

Die von Arthur D. Little erwähnte Endkundensicht auf Elektromobilität, autonomes Fahren und Carsharing ist hier ein wichtiger Kontext: Technische Trends setzen sich nicht nur durch, weil sie möglich sind. Sie müssen im Alltag verständlich, bezahlbar und verlässlich wirken.

Was freie Werkstätten jetzt brauchen

Für Werkstätten verschiebt sich die Kompetenz. Wer E-Autos reparieren will, braucht Kenntnisse im Umgang mit Hochvolt-Systemen, passende Diagnosegeräte und Zugang zu Reparaturinformationen. Ohne diese Voraussetzungen wird aus einem vermeintlich einfachen Elektroantrieb schnell ein geschlossenes System.

E-Auto in der Werkstatt: Praxis-Checkliste mit Risiken und nächsten Schritten.
E-Auto in der Werkstatt: Praxis-Checkliste mit Risiken und nächsten Schritten.

Besonders heikel ist der Unterschied zwischen Vertragswerkstatt und freier Werkstatt. Wenn Fehlercodes, Softwareberechtigungen oder Reparaturfreigaben stark an Herstellerplattformen hängen, kann das die Werkstattwahl einschränken.

Für Fahrer bedeutet das: Nicht nur die Nähe zur Werkstatt zählt, sondern auch die Frage, ob sie das konkrete Modell tatsächlich prüfen und warten kann. Eine pauschale Untergangsgeschichte für freie Werkstätten wäre aber zu einfach. Die Quellen belegen vor allem die Verschiebung des wirtschaftlichen Potenzials, nicht das automatische Scheitern einzelner Betriebe.

Das Auto wird zur Serviceplattform

Software-defined Vehicles – also Fahrzeuge, deren Funktionen stark über Software gesteuert und erweitert werden – verändern die Logik des Geschäfts. Das Auto ist dann nicht mehr nur ein einmal verkauftes Produkt, sondern eine Plattform für Updates, Diagnosen, digitale Dienste und möglicherweise kostenpflichtige Funktionen.

Für Hersteller ist das attraktiv, weil Kundenbindung nicht beim Kauf endet. Wer App, Fahrzeugdaten, Ladeplanung und Servicepakete kontrolliert, bleibt im Alltag sichtbar. Für Nutzer kann das bequem sein: Updates kommen einfacher, Diagnose kann schneller laufen, Dienste lassen sich nachträglich aktivieren.

Es kann aber auch neue Abhängigkeiten schaffen, wenn wichtige Funktionen an Konten, Apps oder laufenden Support gebunden sind.

Warum das für Europa kein Selbstläufer ist

McKinseys Potenzialzahl klingt nach Chance, ist aber keine automatische Erfolgsmeldung. Wertschöpfung bleibt nur dann in Europa, wenn Unternehmen hier nicht nur Fahrzeuge montieren, sondern auch bei Software, Services, Datenzugang, Reparaturprozessen und Ladeintegration eine Rolle spielen.

Dazu kommt ein unsicheres Marktumfeld. Reuters berichtete für Mai 2024 von einem Rückgang der Neuzulassungen batterieelektrischer Autos in der EU, mit besonders schwacher Nachfrage in Deutschland. Diese ältere Zahl beschreibt nicht die aktuelle Lage im Jahr 2026, zeigt aber: Absatzschwankungen können Investitions- und Servicepläne komplizierter machen.

Auch die fast 200 Milliarden Euro an europäischen EV-Investitionen, über die Reuters auf Basis von New-Automotive-Daten berichtete, lösen das Serviceproblem nicht allein. Fabriken, Batterien und Ladepunkte sind wichtig. Aber das Geschäft nach dem Kauf entscheidet mit darüber, wer dauerhaft an der Elektromobilität verdient.

Worauf Käufer jetzt achten sollten

Wer heute ein E-Auto kauft oder least, sollte nicht nur Reichweite und Ladeleistung vergleichen. Mindestens genauso wichtig ist die Frage, wie das Fahrzeug über Jahre betreut wird.

  • Batteriegarantie: Welche Bedingungen gelten, und wie wird der Zustand geprüft?
  • Software-Support: Wie lange sind Updates vorgesehen, und welche Funktionen hängen an der Hersteller-App?
  • Werkstattwahl: Gibt es in der Nähe Betriebe, die das konkrete Modell warten und diagnostizieren können?
  • Gebrauchtwagen: Ist ein nachvollziehbarer Batteriecheck verfügbar?
  • Laden zu Hause: Passt das Auto zur Wallbox, zum Stromtarif und zum eigenen Fahrprofil?
  • Digitale Dienste: Welche Funktionen sind inklusive, welche könnten später extra kosten?

Kurze Antworten auf wichtige Fragen

Sind E-Autos günstiger in der Wartung als Verbrenner?

Sie haben weniger klassische Wartungspunkte wie Ölwechsel und weniger bewegliche Teile im Antriebsstrang. Daraus können Vorteile entstehen. Auf Basis der vorliegenden Quellen lässt sich aber keine pauschale Kostenersparnis für jeden Fahrer beziffern.

Muss bei einem E-Auto irgendwann die ganze Batterie getauscht werden?

Ein kompletter Akkutausch ist nicht der Normalfall, der hinter jedem Batterie-Service steht. Häufiger relevant sind Zustandstests, Diagnose, Softwaremanagement und Garantiefragen.

Können freie Werkstätten E-Autos reparieren?

Grundsätzlich können sie E-Auto-Kompetenz aufbauen. Praktisch hängen viele Arbeiten aber von Hochvolt-Qualifikation, Diagnosegeräten, Reparaturinformationen und Datenzugang ab.

Fazit: Das E-Auto sortiert den Service neu

Die E-Auto-Wende macht den klassischen Ölwechsel weniger wichtig, schafft aber neue Abhängigkeiten rund um Batterie, Software und Daten. Genau deshalb ist die McKinsey-Zahl relevant: Das wirtschaftliche Potenzial liegt nicht nur im Bau neuer Elektroautos, sondern auch im Alltag danach.

Für Käufer heißt das: Nicht nur Reichweite, Preis und Ladeleistung vergleichen. Wer lange zufrieden fahren will, sollte Garantie, Updates, Batterieprüfung und Werkstattzugang mitdenken. Für Werkstätten und Hersteller heißt es: Der Service der Zukunft wird digitaler, elektrischer und stärker datengetrieben – muss aber für Kunden nachvollziehbar bleiben.

Quellen und weiterführende Informationen

Stand und Einordnung: Die zentrale Zahl stammt aus einer McKinsey-Analyse und ist als Potenzial beziehungsweise Prognose zu verstehen, nicht als gesicherter Umsatz oder Gewinn. Weitere Quellen liefern Kontext zu Kundensicht, Investitionen und Marktschwankungen.

Hinweis: Für diesen Artikel wurden KI-gestützte Recherche- und Editierwerkzeuge verwendet. Der Inhalt wurde redaktionell geprüft. Stand: 2026-06-25