Bot-Traffic: Wie er Hostingkosten in Deutschland treibt

Bot-Traffic ist längst kein Randphänomen mehr. Aktuelle Sicherheits- und CDN-Berichte zeigen, dass ein erheblicher Teil des weltweiten Webtraffics automatisiert ist. Für deutsche KMU, Publisher und Online-Shops bedeutet das messbare Folgen: steigende Hostingkosten, höhere CDN-Rechnungen, verfälschte Conversion-Daten und Risiken im Zusammenspiel mit DDoS-Schutz und DSGVO. Dieser Artikel erklärt, wie du Bot-Traffic in Server-Logs erkennen kannst, welche Typen besonders relevant sind und wann du blocken, zulassen oder bewusst bezahlen solltest.

Einleitung

Du analysierst deine Webstatistiken, freust dich über steigende Besucherzahlen und wunderst dich gleichzeitig über eine wachsende Hosting-Rechnung. Mehr Traffic sollte gut sein. Doch wenn ein großer Teil davon automatisiert ist, kippt die Rechnung schnell ins Negative.

Laut dem Imperva Bad Bot Report 2024 entfielen im Jahr 2023 rund 32 % des weltweiten Webtraffics auf sogenannte „Bad Bots“. Weitere 17,6 % waren „Good Bots“ wie Suchmaschinen-Crawler. Das bedeutet: Etwa die Hälfte des gesamten Traffics war nicht menschlich. Cloudflare berichtet in seinem Radar 2024 zudem, dass 6,5 % des globalen Traffics aktiv als potenziell bösartig mitigiert wurden. Das sind unterschiedliche Messgrößen, sie zeigen jedoch in dieselbe Richtung.

Für deutsche Betreiber kommt ein weiterer Aspekt hinzu. Das Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik beschreibt in seinem Lagebericht 2024 eine anhaltend hohe Aktivität von Botnetzen und DDoS-Angriffen in Deutschland. Bot-Traffic ist damit nicht nur ein technisches Detail, sondern ein wirtschaftlicher Faktor.

Wie groß das Problem wirklich ist

Die Zahl von rund 32 % schädlichem Bot-Traffic aus dem Jahr 2023 stammt aus der Analyse eines globalen Sicherheitsanbieters mit sehr großer Datengrundlage. Rechnet man „gute“ Bots hinzu, kommt man auf etwa 49,6 % nicht-menschlichen Traffic. Diese Quelle ist von 2024 und damit aktueller als zwei Jahre.

Etwa die Hälfte des gesamten Webtraffics besteht laut aktueller Branchendaten aus automatisierten Anfragen.

Cloudflare weist für 2024 aus, dass 6,5 % des weltweiten Traffics aktiv als potenziell bösartig blockiert oder herausgefordert wurden. Diese Kennzahl ist nicht identisch mit dem gesamten Bot-Anteil. Sie beschreibt nur den Teil, der tatsächlich mitigiert wurde. Dennoch unterstreicht sie die operative Relevanz.

Das BSI dokumentiert für Deutschland unter anderem zehntausende täglich kontaktierende, infizierte Systeme in eigenen Sinkhole-Infrastrukturen. Zudem berichtet die Behörde über eine Zunahme hochvolumiger DDoS-Angriffe. Für Hosting- und CDN-Kosten sind solche Volumina unmittelbar relevant, da viele Anbieter nach übertragenen Gigabyte oder Anfragen abrechnen.

Ausgewählte Kennzahlen aus Berichten 2024
Merkmal Beschreibung Wert
Bad Bot Anteil Globaler Anteil schädlicher Bots am Webtraffic (2023) 32 %
Good Bot Anteil Suchmaschinen und legitime Crawler 17,6 %
Mitigierter Traffic Global aktiv geblockter Traffic 2024 6,5 %

Bot-Traffic in Server-Logs erkennen

Bot-Traffic in Server-Logs erkennen ist kein Hexenwerk, erfordert aber Disziplin. Zunächst solltest du Anfragen nach User-Agent, IP-Adresse, Anfragerate und angeforderter Ressource clustern. Auffällig sind extrem hohe Request-Raten pro IP oder identische Muster in sehr kurzen Zeitabständen.

Typische Indikatoren sind User-Agents mit Begriffen wie bot, crawler oder headless. Allerdings können moderne Bots solche Kennungen verschleiern. Deshalb ist die Kombination entscheidend: ungewöhnliche Zugriffsmuster, hohe Fehlerraten, viele nicht gecachte URLs mit zufälligen Parametern.

Ein zweiter wichtiger Punkt ist das Verhältnis von Requests zu übertragenen Bytes. Manche Bots erzeugen viele kleine API-Aufrufe und treiben so Request-basierte Abrechnungen. Andere laden große Mediendateien wiederholt herunter und erhöhen die Egress-Kosten in Gigabyte.

Vergleiche zudem Cache-Hit-Raten mit und ohne verdächtigen Traffic. Wenn Bots durch variierende Parameter systematisch am Cache vorbeigehen, steigt die Last auf deinem Origin-Server. Diese sogenannte Cache-Miss-Amplifikation kann die effektiven Hostingkosten deutlich erhöhen, auch ohne sichtbaren Mehrwert im Umsatz.

Drei Bot-Typen, drei Kostenfallen

KI-Scraper sind derzeit besonders präsent. Sie durchsuchen systematisch Inhalte, um Trainingsdaten zu sammeln. Für Publisher kann das bedeuten: hohe Egress-Kosten durch wiederholtes Abrufen von Artikeln oder Mediendateien. Maßnahmen: konsequente Rate-Limits auf Content-Endpunkte, gezielte Allow- und Deny-Listen sowie Bot-Management-Funktionen deines CDN.

Credential-Stuffing-Bots testen massenhaft Zugangsdaten. Sie erzeugen viele Login-Versuche und belasten Authentifizierungs-Server und Datenbanken. Hier helfen Multi-Faktor-Authentifizierung oder Passkeys, IP-basierte Rate-Limits und Monitoring von Login-Fehlerraten. Das reduziert nicht nur Risiko, sondern auch unnötige Rechenlast.

Ad-Fraud- oder Klick-Bots simulieren Interaktionen, um Werbeerlöse zu manipulieren. Für dich als Betreiber verfälschen sie Conversion-Raten und Kampagnenstatistiken. Das kann zu Fehlentscheidungen im Marketingbudget führen. Gegenmaßnahmen sind Anomalieerkennung in Analytics-Daten, serverseitige Validierung von Events und strenge Filterregeln im WAF.

Wichtig ist die klare Trennung der Ziele. Nicht jeder Bot ist schädlich. Suchmaschinen-Crawler sind geschäftskritisch. Andere Bots verursachen primär Kosten oder Sicherheitsrisiken. Deine Strategie sollte daher typenspezifisch sein.

Blocken, zulassen oder bezahlen

Ein pragmatischer Entscheidungsbaum hilft. Frage eins: Dient der Bot deinem Geschäftsmodell, etwa durch Sichtbarkeit in Suchmaschinen? Dann zulassen, aber überwachen. Frage zwei: Verursacht der Bot signifikante Mehrkosten oder Sicherheitsrisiken? Dann priorisiert blocken oder challengen.

Für deutsche KMU ist besonders relevant, ob Bot-Traffic personenbezogene Daten betrifft. Wenn Tracking-Skripte oder Consent-Mechanismen durch Bots ausgelöst werden, können verfälschte Daten in Reports landen. Das erschwert DSGVO-konforme Auswertungen, da Einwilligungsraten und Nutzerzahlen verzerrt erscheinen.

Auch automatisierte Schutzmechanismen können Nebenwirkungen haben. Wird legitimer Traffic fälschlich als Angriff gewertet, drohen Sperrungen durch DDoS-Schutz oder WAF-Regeln. Deshalb empfiehlt sich ein gestuftes Vorgehen: erst beobachten, dann challengen, schließlich blocken.

In manchen Fällen kann es wirtschaftlich sinnvoll sein, ausgewählten Bot-Traffic bewusst zu akzeptieren und die Kosten einzuplanen, etwa bei strategisch wichtigen Crawlern. Voraussetzung ist Transparenz. Nur wenn du weißt, welcher Anteil deiner Hostingkosten auf Bots entfällt, kannst du fundiert entscheiden.

Fazit

Bot-Traffic ist kein Randthema mehr, sondern ein struktureller Bestandteil des Netzes. Aktuelle Berichte zeigen, dass automatisierte Anfragen einen erheblichen Anteil am Gesamttraffic ausmachen. Für deutsche Betreiber wirken sich diese Volumina direkt auf Hostingkosten, CDN-Abrechnungen und Datenqualität aus. Wer Bot-Traffic in Server-Logs erkennen und sauber klassifizieren kann, gewinnt Kontrolle über Kosten, Sicherheit und Compliance. Entscheidend ist ein differenzierter Umgang: nicht pauschal blocken, sondern nach Typ, Risiko und wirtschaftlicher Relevanz entscheiden.

Analysiere deine Logs systematisch und teile deine Erfahrungen mit Bot-Traffic in der Community.

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