Eine Anzeige im Feed kann wie eine Empfehlung aussehen. Der Konflikt zwischen Polen und Meta zeigt, warum ein Plattformfilter, eine Löschzahl und das Recht auf Beschwerde nicht dasselbe leisten.
Wer Geld überweisen oder Daten eingeben soll, sollte Anbieter und Zieladresse außerhalb des Anzeigenlinks prüfen. Werbung bleibt Werbung, auch wenn sie mit einem bekannten Gesicht oder einem Markenlogo arbeitet.

Polen fordert eine Reaktion, keine verhängte Strafe
Reuters berichtete am 27. August über ein auf den 26. August datiertes Schreiben des polnischen Digitalministers und Vizepremiers Krzysztof Gawkowski an die Europäische Kommission. Polen forderte ein Vorgehen gegen Meta und eine mögliche Geldbuße von 250 Millionen Euro.
Das ist ein politischer Vorgang, kein abgeschlossener DSA-Bescheid. Die Kommission muss erst entscheiden, wie sie das Material in ihre Aufsicht einordnet.
Der CERT-Befund stammt aus 2024
Die Zahl von 122 Anzeigen wird im aktuellen Streit häufig genannt. CERT Polska veröffentlichte ihren Bericht am 3. Dezember 2024; der Test lief von Januar bis November 2024. Die Stelle meldete von einem Standard-Facebook-Account aus 122 Anzeigen, die sie als betrügerisch bewertete.
106 dieser Anzeigen wurden nicht entfernt, zehn wurden entfernt und in sechs Fällen kam keine Antwort. Das beschreibt eine begrenzte Meldekette, keine repräsentative Quote für sämtliche Anzeigen und keinen neuen Test aus dem August 2026.

Metas Zahlen beantworten eine andere Frage
Meta kündigte am 28. August für Polen ein verbessertes KI-System gegen Betrug und Identitätsvortäuschung an. Das Unternehmen will zudem die Identität von Finanzdienstleistungs-Werbetreibenden prüfen, die nach Polen ausspielen. Meta nennt außerdem 137.000 entfernte betrugsbezogene Anzeigen für Juli 2025 bis Juni 2026 sowie einen Rückgang der Meldungen um 83 Prozent in einem anderen Zeitraum.
Das sind Anbieterangaben mit eigenen Definitionen und Bezugsgrößen. Sie lassen sich nicht zu einer Erfolgsquote mit dem CERT-Test verrechnen. Ob Metas neue Maßnahmen in Polen Erkennung, schnelle Entscheidungen und wirksame Korrekturen unabhängig verbessern, ist noch nicht durch einen zeitnahen Wiederholungstest belegt.

Der DSA hilft beim Melden, nicht beim Blindvertrauen
Der Digital Services Act sieht zugängliche Meldewege, Begründungen für Moderationsentscheidungen und Beschwerdemöglichkeiten vor. Das kann helfen, wenn eine Anzeige mutmaßlich illegal ist. Es ist aber keine Echtheitsgarantie und holt verlorenes Geld nicht automatisch zurück.
Vor dem Klick sollten Werbetreibender, Domain und Kontaktmöglichkeit mit einem unabhängigen Auftritt abgeglichen werden. Bei Verdacht helfen Screenshot, sichtbare Zieladresse und Zeitpunkt. Bei bereits überwiesenem Geld oder preisgegebenen Zahlungsdaten sind Bank beziehungsweise Zahlungsdienstleister und Polizei der erste Weg. Plattformschutz wird erst dann überzeugend, wenn unabhängige Fälle die ganze Kette sichtbar machen: Erkennung, Antwortzeit, Entscheidung, Entfernung und Rückmeldung.
Quellen und weiterführende Informationen
- Reuters: Polands Forderung an die EU
- CERT Polska: Ad fraud on large online platforms
- Meta Newsroom: Maßnahmen in Polen
- Ministerstwo Cyfryzacji: Korrespondenz mit Meta
- Europäische Kommission: The Digital Services Act
- BSI / ProPK: KI-Betrug im Netz
Hinweis: Für diesen Artikel wurden KI-gestützte Recherche- und Editierwerkzeuge verwendet. Der Inhalt wurde redaktionell geprüft. Stand: 2026-09-01.