BESS-Preise: Was 0,4 RMB/Wh bei Zellen für €/kWh bedeuten

Die Diskussion um sinkende BESS-Preise bekommt neuen Schub durch Meldungen über Zellpreise von rund 0,4 RMB/Wh aus China. Umgerechnet entspricht das ungefähr 400 RMB pro kWh und liegt – je nach Wechselkurs – grob bei etwa 45 bis 55 Euro pro kWh für die Batterie‑Zelle allein. Doch ein Batteriespeicher besteht aus weit mehr als Zellen. Dieser Artikel zeigt, wie aus einem Zellpreis ein realistischer BESS-Systempreis in €/kWh entsteht, welche Annahmen hinter solchen Rechnungen stecken und warum Projektentwickler genau auf diese Umrechnung schauen.

Einleitung

Wer Batteriespeicher plant oder finanziert, schaut derzeit besonders genau auf eine Kennzahl: den Zellpreis pro Wattstunde. Denn genau hier entscheidet sich oft, ob ein Speicherprojekt wirtschaftlich funktioniert oder nicht. Meldungen über Preise um 0,4 RMB pro Wh sorgen deshalb in der Branche für Aufmerksamkeit. Der Wert klingt zunächst technisch, hat aber direkte Folgen für Angebote in Euro pro Kilowattstunde.

Für Betreiber von Batteriespeichern oder Projektentwickler ist die entscheidende Frage nicht der Zellpreis selbst. Entscheidend ist der Preis des gesamten Systems. Erst dieser Wert zeigt, was ein Speicherpark tatsächlich kostet und ob sich das Projekt am Strommarkt rechnet.

Die Umrechnung vom Zellpreis zum BESS-Systempreis folgt jedoch keiner einfachen Formel. Zwischen der einzelnen Batteriezelle und einem betriebsfertigen Speicherpark liegen mehrere technische Ebenen: Module, Batteriecontainer, Wechselrichter, Netzanschluss und Baukosten. Wer verstehen will, was 0,4 RMB/Wh wirklich bedeuten, muss genau diese Schritte nachvollziehen.

Vom Zellpreis zum Systempreis

Eine Batterieanlage besteht aus mehreren technischen Schichten. Am Anfang steht die Zelle. Sie speichert Energie chemisch und wird meist in großen Fabriken produziert. Mehrere Zellen werden anschließend zu Modulen und Batteriepacks zusammengebaut. Erst danach entstehen komplette Speicherschränke oder Container.

Auf dieser Ebene kommen zusätzliche Komponenten hinzu. Dazu gehören Batterie-Management-Systeme, Kühlung, Gehäuse und Sicherheitstechnik. Diese Bauteile sorgen dafür, dass tausende Zellen stabil und sicher zusammenarbeiten.

In vielen Projekten machen Batteriezellen den größten einzelnen Kostenblock aus, aber sie sind nur ein Teil der Gesamtrechnung eines Speichersystems.

Danach folgt die Integration in das eigentliche Energiesystem. Wechselrichter wandeln Gleichstrom in netzfähigen Strom um. Hinzu kommen Transformatoren, Schutztechnik, Verkabelung, Fundamentarbeiten und der Anschluss an das Stromnetz. Diese sogenannte Balance-of-System-Komponenten können einen großen Anteil der Kosten ausmachen.

Typische Kostenstufen eines Batteriespeichers
Merkmal Beschreibung Wert
Batteriezelle Elektrochemischer Energiespeicher ca. 45–55 €/kWh bei 0,4 RMB/Wh
Batteriepack Zellen mit Mechanik, BMS und Kühlung oft über 60–100 €/kWh
Komplettes BESS Speichercontainer, Wechselrichter, Bau und Netzanschluss häufig mehrere hundert €/kWh installiert

Was 0,4 RMB/Wh konkret in Euro bedeutet

Ein Preis von 0,4 RMB pro Wattstunde entspricht rechnerisch 400 RMB pro Kilowattstunde. Bei typischen Wechselkursen der Jahre 2024 bis 2026 ergibt sich daraus ein Zellpreis von ungefähr 45 bis 55 Euro pro kWh.

Damit liegt der Wert deutlich unter vielen früheren Industriepreisen. Marktanalysen berichten bereits von sehr niedrigen Transaktionspreisen für Batteriezellen und Batteriepacks in großen Lieferverträgen. Einige Marktberichte nennen beispielsweise Zellpreise im Bereich von etwa 36 US‑Dollar pro kWh in besonders günstigen Fällen.

Wichtig ist jedoch der Unterschied zwischen Zelle und System. Selbst wenn eine Zelle rund 50 Euro pro kWh kostet, erhöht sich der Preis durch Montage, Gehäuse, Elektronik und Integration deutlich. Für Batteriepacks ergibt sich daraus schnell ein Wert über 80 Euro pro kWh.

Dieser Schritt ist entscheidend für Projektentwickler. Denn der Systempreis bestimmt letztlich die Investition pro Megawattstunde Speicherkapazität und damit auch die Erlöse, die ein Projekt erzielen muss.

Beispielrechnung für ein typisches BESS-Projekt

Ein vereinfachtes Rechenbeispiel zeigt, wie sich ein Zellpreis in einen Systempreis übersetzt. Angenommen eine Batterie-Zelle kostet 50 Euro pro kWh. Für die Montage zu einem Batteriepack fällt ein Aufschlag an, etwa durch Gehäuse, Verkabelung und Batterie‑Management. In vielen Kalkulationen liegt dieser Faktor ungefähr zwischen 1,1 und 1,4.

Wird ein Faktor von 1,25 angenommen, steigt der Zellanteil im Batteriepack auf rund 62 Euro pro kWh. Hinzu kommen zusätzliche Komponenten wie Kühlung und Gehäuse. Dadurch kann ein Batteriemodul etwa 80 bis 90 Euro pro kWh kosten.

Danach folgen Systemkomponenten wie Wechselrichter, Transformatoren und Baukosten. Je nach Projektgröße und Standort kann dieser Teil die Kosten deutlich erhöhen. Studien zu großen Speicheranlagen zeigen installierte Systemkosten von mehreren hundert Dollar pro kWh, bei vierstündigen Speichern häufig im Bereich von etwa 300 bis 450 Dollar pro kWh.

In solchen Rechnungen macht der Zellpreis häufig zwischen etwa 30 und 50 Prozent der gesamten Systemkosten aus. Genau deshalb reagiert der Markt so empfindlich auf Änderungen bei Zellpreisen.

Warum Projektverträge plötzlich neu verhandelt werden

Sinkende Zellpreise wirken direkt auf die Kalkulation vieler Speicherprojekte. Wenn Hersteller deutlich günstigere Zellen anbieten, geraten bestehende Angebote schnell unter Druck. Entwickler und Investoren versuchen dann, Preisvorteile in laufende Projekte zu übernehmen.

In der Praxis betrifft das vor allem drei Bereiche. Erstens Lieferverträge für Batteriemodule, zweitens EPC‑Verträge für den Bau der Anlage und drittens langfristige Wartungsvereinbarungen. Wenn sich Zellpreise stark verändern, prüfen viele Projektpartner ihre Kostenannahmen erneut.

Ein häufig genutztes Instrument sind Preisindexklauseln. Dabei wird ein Teil des Projektpreises an Rohstoff‑ oder Zellpreisindizes gekoppelt. Sinkt der Marktpreis, kann sich der Projektpreis entsprechend anpassen. Steigt er, schützt die Klausel Lieferanten vor Verlusten.

Ein weiterer Ansatz ist die zweite Lieferquelle. Projektentwickler sichern sich häufig Angebote von mehreren Zell- oder Batterieherstellern. Dadurch lässt sich das Risiko einzelner Preisbewegungen reduzieren und die Verhandlungsposition verbessern.

Fazit

Der Wert von 0,4 RMB pro Wh wirkt zunächst wie eine technische Kennzahl aus der Batterieproduktion. Tatsächlich ist er ein wichtiger Indikator für die Wirtschaftlichkeit großer Energiespeicher. Umgerechnet ergibt er einen Zellpreis von ungefähr 45 bis 55 Euro pro kWh. Bis daraus ein betriebsfertiger Speicher wird, kommen jedoch mehrere Kostenschichten hinzu.

In realen Projekten entscheidet deshalb nicht der Zellpreis allein, sondern der gesamte Systempreis. Wechselrichter, Baukosten und Netzanschlüsse können einen erheblichen Anteil ausmachen. Dennoch bleibt die Zelle der größte einzelne Kostenblock vieler Batteriespeicher.

Genau deshalb beobachten Entwickler, Investoren und Netzbetreiber diese Preisbewegungen so genau. Schon kleine Veränderungen beim Zellpreis können die Wirtschaftlichkeit eines Projekts deutlich verschieben.

Wie stark sich sinkende Zellpreise tatsächlich auf neue Speicherprojekte auswirken, wird eine der spannendsten Fragen der kommenden Ausschreibungen bleiben. Diskutiere gern mit.

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