Wirtschaft

Bargeld bleibt im Euroraum breit akzeptiert: Was 92 Prozent der Unternehmen wirklich zeigen

Die EZB meldet 92 Prozent Bargeldakzeptanz bei befragten Unternehmen. Was die Zahl über Karten, mobile Zahlungen und Deutschland wirklich aussagt.

Von Wolfgang

14. Aug. 20266 Min. Lesezeit

Bargeld bleibt im Euroraum breit akzeptiert: Was 92 Prozent der Unternehmen wirklich zeigen

Die EZB meldet 92 Prozent Bargeldakzeptanz bei befragten Unternehmen. Was die Zahl über Karten, mobile Zahlungen und Deutschland wirklich aussagt.

Bargeld bleibt an physischen Verkaufsstellen im Euroraum die am weitesten akzeptierte Zahlungsart. In der neuen EZB-Befragung melden 92 Prozent der befragten Unternehmen mit physischer Verkaufsstelle Bargeldakzeptanz. Gleichzeitig ist die Akzeptanz mobiler Zahlungen seit 2024 deutlich gewachsen. Die Zahlen beschreiben deshalb keine Rückkehr in eine rein analoge Zahlungswelt, sondern das Nebeneinander mehrerer Zahlungswege.

Das Wichtigste in 30 Sekunden

  • 92 Prozent der befragten Unternehmen mit physischer Verkaufsstelle akzeptierten 2026 Bargeld.
  • Physische Karten kamen auf 88 Prozent, mobile Zahlungen auf 68 Prozent.
  • Die mobile Zahlungsakzeptanz stieg im vergleichbaren Befund von 36 auf 68 Prozent.
  • Die EZB misst Unternehmensakzeptanz – nicht Zahlungsvolumen, Verbraucherpräferenzen oder eine allgemeine Händlerpflicht.

92 Prozent – aber nicht 92 Prozent aller Geschäfte

Die Zahl bezieht sich auf Unternehmen, die an private Kundinnen und Kunden verkaufen und Zahlungen an einem physischen Ort entgegennehmen. Erfasst wurden Einzelhandel, Beherbergung und Gastronomie sowie Kunst, Unterhaltung und Erholung in allen 21 Euro-Ländern. Die EZB hat dafür 8.205 Unternehmen befragen lassen. Die Telefoninterviews liefen vom 23. Februar bis zum 10. April 2026 und dauerten im Durchschnitt etwa 20 Minuten.

Das Ergebnis ist eine gemeldete Akzeptanzquote aus einer Quotenstichprobe, keine Zählung jeder Kasse und jedes Geschäfts. Für den Euroraum hat die EZB die Ergebnisse nach Beschäftigung gewichtet. Größere Unternehmen beeinflussen den Gesamtwert damit stärker als ein einzelnes Kleinstunternehmen. Länder- und Sektorwerte sind außerdem überwiegend auf kleine und mittlere Unternehmen bezogen.

Zahlungsart an physischen Verkaufsstellen 2024 2026 Was der Wert beschreibt
Bargeld 90 % 92 % gemeldete Unternehmensakzeptanz
Physische Karten 87 % 88 % gemeldete Unternehmensakzeptanz
Mobile Zahlungen 36 % 68 % gemeldete Unternehmensakzeptanz

Die Gegenüberstellung verwendet nur Indikatoren, die der EZB-Bericht als vergleichbar ausweist. Sie zeigt Akzeptanz an der Verkaufsstelle, nicht die Häufigkeit der Zahlungen.

Der große Sprung beim mobilen Bezahlen

Auf den ersten Blick wirkt der Abstand zwischen Bargeld und mobilen Zahlungen weiterhin groß: 92 zu 68 Prozent. Der zeitliche Vergleich erzählt aber eine zweite Geschichte. Bargeldakzeptanz stieg von 90 auf 92 Prozent, physische Karten von 87 auf 88 Prozent. Bei mobilen Zahlungen wuchs der vergleichbare Wert von 36 auf 68 Prozent.

Dieser Sprung bedeutet nicht, dass mobile Zahlungen inzwischen genauso häufig genutzt werden wie Bargeld. Er bedeutet zunächst, dass deutlich mehr Unternehmen diese Option anbieten. Der Schritt von der vorhandenen Infrastruktur zur tatsächlichen Nutzung hängt von Geräten, Gebühren, Netzverbindung, Gewohnheiten und der Zahlungsentscheidung der Kundschaft ab.

Auch der Fragebogen wurde weiterentwickelt. 2026 fragte die EZB Akzeptanz getrennt für physische Verkaufsstellen und Onlineverkauf ab, während die ältere Befragung diese Bereiche weniger stark trennte. Der Bericht begrenzt den Vergleich deshalb auf die Indikatoren, die methodisch zusammenpassen.

Vergleichsgrafik mit EZB-Werten zur Akzeptanz von Bargeld, physischen Karten und mobilen Zahlungen 2024 und 2026
Die EZB-Zahlen zeigen wachsende mobile Akzeptanz neben weiterhin breiter Bargeldakzeptanz. – durch KI erzeugt

Warum Bargeld und mobile Zahlungen gleichzeitig zulegen können

Unternehmen wählen nicht zwingend nur einen Zahlungsweg. In einer Kasse können Bargeld, Karte und Smartphone parallel funktionieren. Für die Auswahl eines Zahlungsmittels nannten die befragten Unternehmen vor allem die Präferenz ihrer Kundschaft mit 26 Prozent, Sicherheit mit 22 Prozent und einfache Handhabung mit 15 Prozent. Diese Kriterien sprechen für eine Infrastruktur, die mehrere Erwartungen abdeckt.

Die EZB-Befragung nennt zugleich unterschiedliche Stärken. Bargeld wird unter anderem mit Privatsphäre und Zuverlässigkeit verbunden. Digitale Zahlungen können Abläufe beschleunigen und sich leichter in Kassen- oder Buchhaltungssysteme einfügen. Welche Option im konkreten Geschäft dominiert, hängt deshalb nicht allein von Technikbegeisterung oder Gewohnheit ab.

Der Ausbau digitaler Verfahren ist trotzdem sichtbar: 25 Prozent der Unternehmen berichteten von Maßnahmen, mit denen sie digitale Zahlungen fördern. 13 Prozent hatten Self-Checkout-Terminals eingeführt. Daraus folgt aber keine Verdrängung des Bargelds. Es zeigt, dass Händler ihre Abläufe erweitern und teilweise automatisieren, während die bisher breiteste Akzeptanzform bestehen bleibt.

Was die Befragung über Grenzen und Gründe sagt

Bei den Unternehmen, die bereits Bargeld akzeptieren, rechnen 92 Prozent damit, dies auch in den nächsten fünf Jahren zu tun. Das ist eine bedingte Einschätzung der heutigen Bargeldakzeptierer. Eine Prognose über das künftige Zahlungsvolumen ist es nicht.

Unternehmen ohne Bargeldakzeptanz nannten als häufigste Gründe eine aus ihrer Sicht zu geringe Kundennutzung mit 36 Prozent, umständliche oder schwierige Ein- und Auszahlungen mit 35 Prozent sowie Sicherheitsrisiken mit 29 Prozent. Diese Angaben machen den Zielkonflikt sichtbar: Bargeld kann für Kundinnen und Kunden wichtig sein, verursacht auf Unternehmensseite aber Aufwand und Sicherheitsfragen.

Die EZB-Zahl sagt Die EZB-Zahl sagt nicht
Wie viele befragte Unternehmen eine Zahlungsart an physischen Verkaufsstellen akzeptieren. Wie oft Kundinnen und Kunden diese Zahlungsart tatsächlich verwenden.
Dass Bargeld im untersuchten Unternehmenssample am breitesten akzeptiert wird. Dass Bargeldnutzung oder Bargeldumsatz allgemein steigen.
Dass mobile Akzeptanz stark ausgebaut wurde. Dass mobile Zahlungen Bargeld bereits verdrängen.
Dass der Euroraum-Befund für europäische Zahlungsinfrastruktur relevant ist. Dass 92 Prozent als deutsche Händlerquote oder als gesetzliche Annahmepflicht gelten.
Dreiteilige Vergleichsgrafik zu EZB-Unternehmensakzeptanz, Bundesbank-Kaufanteil und beobachteten Testkäufen
Verschiedene Bezugsgrößen erklären, warum die Bargeldwerte nicht zu einer Quote verrechnet werden dürfen. – durch KI erzeugt

Deutschland braucht einen getrennten Blick

Für Deutschland liefert die Bundesbank hilfreichen Kontext, aber keinen direkten Umrechnungsfaktor für die EZB-Zahl. In ihrer Studie zum Zahlungsverhalten 2025 entfielen 45 Prozent der erfassten Käufe auf Bargeld. Mobile Zahlungen kamen auf 10 Prozent, Debitkarten auf 26 Prozent. Bargeld wurde bei 94 Prozent der Käufe an physischen Verkaufsstellen akzeptiert.

Diese Werte stammen aus einer Verbraucher- und Kaufsicht. Die EZB fragte dagegen Unternehmen nach ihrer Akzeptanz. Eine zweite Bundesbank-Studie mit rund 2.060 Testkäufen kam 2025 auf 99,4 Prozent der besuchten deutschen Verkaufsstellen, an denen Bargeld akzeptiert wurde; in 98,7 Prozent der Fälle funktionierte die Zahlung beim ersten Versuch. Auch das ist keine Schätzung aller deutschen Unternehmen, sondern ein beobachteter Wert aus ausgewählten Testfällen.

Die beiden Bundesbank-Perspektiven zeigen, warum einzelne Prozentzahlen nicht zu einer scheinbar präzisen Deutschlandquote addiert werden dürfen. Verbraucheranteil, beobachtete Verkaufsstelle und Unternehmensbefragung beantworten verschiedene Fragen.

Rechtslage und digitaler Euro sind eigene Baustellen

Aus einer Akzeptanzbefragung folgt keine konkrete Antwort darauf, ob ein bestimmter Händler Bargeld annehmen muss. Ebenso lässt sich daraus nicht ableiten, dass eine Ablehnung immer rechtswidrig ist oder dass eine europäische Regel bereits vollständig in deutsches Recht umgesetzt wäre. Für solche Aussagen sind die jeweils aktuelle EU- und nationale Rechtslage sowie der konkrete Geschäftsfall maßgeblich.

Der digitale Euro gehört ebenfalls in einen getrennten Abschnitt. Er betrifft ein geplantes digitales Zentralbankgeld und die dazugehörige politische und rechtliche Ausgestaltung. Die EZB-Befragung misst dagegen heutige Zahlungsangebote an physischen Verkaufsstellen. Sie zeigt weder, dass der digitale Euro Bargeld ersetzen wird, noch dass er die aktuelle Bargeldakzeptanz verändert.

Was im Alltag von der Studie bleibt

Für Haushalte und kleine Unternehmen ist die wichtigste Erkenntnis weniger spektakulär als manche Schlagzeile: Wahlmöglichkeiten können gleichzeitig bestehen. Ein Geschäft kann mobile Zahlungen ausbauen und Bargeld akzeptieren. Kundinnen und Kunden können je nach Situation, Datenschutzbedürfnis, technischer Ausstattung oder Budget anders entscheiden.

Die 92 Prozent sind deshalb ein Hinweis auf die Reichweite der bestehenden Bargeldinfrastruktur, nicht auf eine Bargeld-Renaissance. Der starke Anstieg bei mobilen Zahlungen zeigt im selben Datensatz, dass sich diese Infrastruktur weiter verändert. Wer aus der Studie eine praktische Frage ableiten will, sollte zuerst klären, ob es um das Angebot eines Geschäfts, die tatsächliche Zahlungswahl, die deutsche Alltagspraxis oder um eine rechtliche Verpflichtung geht.

Quellen und weiterführende Informationen

Hinweis: Für diesen Artikel wurden KI-gestützte Recherche- und Editierwerkzeuge verwendet. Der Inhalt wurde redaktionell geprüft. Stand: 2026-08-14