
Zugdurchsagen könnten künftig zusätzlich direkt im kompatiblen Hörgerät ankommen. cn-mobility will auf der InnoTrans eine Auracast-Nachrüstung vorführen, bei der die vorhandenen Lautsprecher weiterlaufen – laut Hersteller ohne Änderungen an der Fahrzeugsoftware.
Die Ansage bleibt dieselbe, bekommt aber einen zweiten Weg zu den Fahrgästen: Während die Lautsprecher den Wagen beschallen, soll ein angeschlossenes Gateway das Audiosignal zusätzlich drahtlos an passende persönliche Empfangsgeräte senden. Reisende mit kompatiblen Hörgeräten könnten Durchsagen so direkt empfangen, statt sie über die Beschallung des Fahrgastraums zu hören. Dafür müsste die vorhandene Lautsprecheranlage nicht ersetzt werden.
Diesen Ansatz verfolgt cn-mobility mit dem InnoCom ELA to Auracast Gateway. Auf der InnoTrans vom 22. bis 25. September 2026 will das Unternehmen die Nachrüstung live vorführen. Die Lösung selbst hatte es bereits am 22. Juli öffentlich beschrieben; die Supplier-Meldung bei Railway-News vom 2. September kündigt nun die praktische Demonstration an. Ob und wann Reisende sie in ihrem Zug nutzen können, ist damit noch offen.
Die Lautsprecher bleiben, der Funkweg kommt hinzu
Das Gateway setzt nach Herstellerbeschreibung direkt am Audiosignal der bestehenden Beschallungsanlage an. Zu den unterstützten Anlagen gehören auch 100-Volt-Systeme. Es nimmt die Durchsage also nicht über ein Mikrofon im Wagen auf, sondern nutzt das elektrische Signal der Anlage. Daraus entsteht die zusätzliche Auracast-Übertragung an kompatible Empfänger, während die Lautsprecher wie bisher versorgt werden.
Für Bestandsflotten ist vor allem dieser parallele Betrieb interessant. Die bisherige Audioausgabe bleibt erhalten und wird um einen persönlichen Empfangsweg ergänzt. Die Fahrzeugsoftware, die die Durchsagen bereitstellt, muss dafür laut cn-mobility nicht verändert werden. Die Nachrüstung greift somit an der Ausgabe der Ansage an, statt einen Umbau der gesamten Informationsanlage vorauszusetzen.
Ganz ohne Einbau geht es dennoch nicht: Das Gateway muss angeschlossen und mit Strom versorgt werden. Das von der Produktseite verlinkte VEG02-Datenblatt nennt dafür Power over Ethernet. Wie aufwendig die Integration im jeweiligen Fahrzeug ist und welche Prüfungen nötig sind, lässt sich aus der allgemeinen Produktbeschreibung nicht ableiten. Die Herstellerangabe „ohne Softwareänderung“ beschreibt also einen konkreten Vorteil, aber keine völlig aufwandsfreie Nachrüstung.
Was das eigene Hörgerät können muss
Auf der Empfangsseite kommt es auf mehr an als ein Bluetooth-Logo. Auracast basiert auf Bluetooth LE Audio und nutzt das Broadcast-Prinzip: Ein Sender stellt einen Audiostream bereit, den passende Geräte in Reichweite empfangen können. Er baut nicht für jeden Fahrgast eine eigene Eins-zu-eins-Verbindung auf. Wie gut das konkrete Gateway einen Wagen abdeckt, bleibt dabei offen; veröffentlichte Reichweitenmessungen enthalten die herangezogenen Quellen nicht.
Damit die gewünschte Ansage im Hörgerät ankommt, muss sich die passende Sendung auswählen lassen. Diese Aufgabe kann ein kompatibles Smartphone oder eine geeignete Hörgerätefernbedienung als Auracast-Assistent übernehmen. Nach der Auswahl übergibt der Assistent dem Empfangsgerät die nötigen Informationen für den Beitritt. Das Hörgerät kann den Audiostream anschließend direkt empfangen; das Telefon muss die Durchsage nicht als Zwischenstation weiterreichen.
So funktioniert das Prinzip. Eine automatische Anmeldung beim Einsteigen oder eine dafür erprobte InnoCom-App ist damit noch nicht belegt. Auch eine Bluetooth-Versionsnummer allein garantiert keinen Empfang: Gerät und Software müssen die erforderlichen LE-Audio-Funktionen sowie das Public Broadcast Profile tatsächlich unterstützen. Ob vorhandene Geräte durch ein Update geeignet werden können, hängt von ihrer technischen Ausstattung und vom Hersteller ab.
Für Fahrgäste lautet die praktische Frage deshalb nicht nur, ob ihr Hörgerät Bluetooth besitzt, sondern ob es die benötigten Auracast-Funktionen unterstützt. Wie sich derselbe Übertragungsansatz auch außerhalb der Bahn nutzen lässt, erklärt unser Beitrag Auracast im Alltag.
Was bis zur Nutzung im Zug noch offen ist
cn-mobility nennt auf seiner Produktseite eine erfolgreiche Validierung mit Kunden. Kundennamen, Messmethoden oder Betriebsergebnisse veröffentlicht das Unternehmen dort jedoch nicht. Auch einen benannten deutschen Betreiber-Rollout oder einen Nutzungstermin auf einer konkreten Linie belegen die ausgewerteten Quellen nicht. Die Messevorführung ist damit eine Gelegenheit, den angekündigten Nachrüstweg zu zeigen, noch kein Nachweis für einen verfügbaren Reiseservice.
Im Alltag müssen drei Dinge zusammenkommen: Der Zug muss tatsächlich senden, das eigene Gerät muss die Übertragung empfangen können und die passende Sendung muss auswählbar sein. Das Gateway soll die erste Voraussetzung schaffen, ohne die bisherigen Lautsprecher abzulösen. Erst wenn auch Empfang und Auswahl funktionieren, wird aus dem zusätzlichen Signalweg eine nutzbare Hörunterstützung für Fahrgäste.
Quellen und weiterführende Informationen
- Railway-News: Messeankündigung von cn-mobility, Supplier-Meldung vom 2. September 2026.
- cn-mobility: InnoTrans 2026, Termin und Messeauftritt.
- cn-mobility: InnoCom ELA to Auracast Gateway, Herstellerbeschreibung und Angaben zur Kundenvalidierung.
- cn-mobility: Why cn-mobility chooses Auracast, Produktbeschreibung vom 22. Juli 2026.
- Bluetooth SIG: Auracast FAQ, Broadcast-Prinzip, Assistenten und Geräteanforderungen.
- cn-mobility: VEG02-Datenblatt, Version 1.1, von der Produktseite verlinkte technische Dokumentation.
Für diesen Artikel wurden KI-gestützte Recherche- und Editierwerkzeuge verwendet. Der Inhalt wurde redaktionell geprüft.