Erneuerbare Energien

Neue AGEE-Stat-Daten: Wärmepumpen-Umweltwärme plus 19, Verkehrsenergie plus 13 Prozent

Neue AGEE-Stat-Daten zeigen mehr Umweltwärme aus Wärmepumpen und mehr erneuerbare Verkehrsenergie. Was die Werte messen – und was nicht.

Von Wolfgang

16. Juli 20266 Min. Lesezeit

Neue AGEE-Stat-Daten: Wärmepumpen-Umweltwärme plus 19, Verkehrsenergie plus 13 Prozent

Neue AGEE-Stat-Daten zeigen mehr Umweltwärme aus Wärmepumpen und mehr erneuerbare Verkehrsenergie. Was die Werte messen – und was nicht.

Die neuen Halbjahreswerte zeigen Bewegung abseits des Stromnetzes: In Deutschland nahm die mit Wärmepumpen nutzbar gemachte Umweltwärme deutlich zu, und im Verkehr wurde mehr erneuerbare Energie eingesetzt. Die beiden Prozentwerte messen allerdings unterschiedliche Dinge.

Das Wichtigste in 30 Sekunden

  • Die erneuerbare Wärmebereitstellung erreichte im ersten Halbjahr 2026 rund 121 TWh, drei Prozent mehr als im Vorjahreszeitraum.
  • Mehr als 19 Prozent Wachstum betreffen ausschließlich Umweltwärme und oberflächennahe Geothermie, die durch Wärmepumpen nutzbar gemacht wird.
  • Im Verkehr stieg der erneuerbare Endenergieverbrauch auf rund 27 TWh, etwa 13 Prozent mehr als ein Jahr zuvor.
  • Die Verkehrsgröße umfasst Biokraftstoffe, die höhere THG-Minderungsquote und rechnerisch ermittelten erneuerbaren Strom; sie ist nicht mit reinem E-Auto-Strom gleichzusetzen.

Neue Halbjahresdaten, zwei verschiedene Entwicklungen

Die Arbeitsgruppe Erneuerbare Energien-Statistik, kurz AGEE-Stat, hat für das zweite Quartal 2026 aktualisierte unterjährige Daten vorgelegt. Das Umweltbundesamt fasst die Halbjahreslage so zusammen: Die erneuerbare Wärmebereitstellung lag bei rund 121 TWh und damit drei Prozent über dem Vorjahreszeitraum. Im Verkehr wurden rund 27 TWh erneuerbare Energie eingesetzt, ein Plus von rund 13 Prozent.

Die auffällige Zahl von mehr als 19 Prozent gehört nicht zur gesamten Wärmebilanz. Sie beschreibt ein engeres Teilsegment: Wärme aus Umweltwärme und oberflächennaher Geothermie, die Wärmepumpen nutzbar machen. Wer beides vermischt, macht aus einer sektoralen Detailentwicklung schnell eine falsche Aussage über den gesamten Wärmemarkt.

Was die 121 TWh Wärme tatsächlich aussagen

Die 121 TWh stehen für die gesamte erneuerbare Wärmebereitstellung im ersten Halbjahr. Ihr Plus von drei Prozent ist deshalb die passende Größe, wenn es um die breite Wärmebilanz geht. Das Wachstum von mehr als 19 Prozent misst dagegen nur den Beitrag der durch Wärmepumpen erschlossenen Umweltwärme und oberflächennahen Geothermie.

Der Quartalsbericht nennt Neuinstallationen von Wärmepumpen als maßgeblichen Treiber dieses Teilsegments. Gleichzeitig war die Witterung etwas kälter, der Heizwärmebedarf damit höher. Beides hilft, die Energiemenge einzuordnen. Es belegt aber weder 19 Prozent mehr Geräte noch niedrigere Heizkosten, eine höhere Effizienz oder eine bestimmte Emissionswirkung.

Eine Fachkraft betrachtet in einem Wohnhof die Außenverkleidung und Leitungen einer unmarkierten Wärmepumpen-Außeneinheit.
Symbolfoto: Der Zuwachs von mehr als 19 Prozent beschreibt nur die mit Wärmepumpen nutzbar gemachte Umweltwärme und oberflächennahe Geothermie – nicht den gesamten Wärmemarkt.

Warum Wärme und Verkehr nicht dieselbe Bilanzlogik haben

Bereich Neue Zahl Was sie misst Wichtige Grenze
Erneuerbare Wärme insgesamt rund 121 TWh, +3 % die gesamte erneuerbare Wärmebereitstellung nicht gleichbedeutend mit dem Wachstum einzelner Technologien
Umweltwärme und oberflächennahe Geothermie mehr als +19 % durch Wärmepumpen nutzbar gemachte Wärme kein Absatz-, Kosten- oder Effizienzwert für Wärmepumpen
Erneuerbare Energie im Verkehr rund 27 TWh, +13 % erneuerbarer Endenergieverbrauch im Verkehr nicht nur Strom für Elektroautos

Der Kern der Meldung liegt genau hier: Wärme und Verkehr gehören beide zur Energiewende, werden aber anders erfasst. Bei Wärme spielen unter anderem Nutzwärme, Witterung und der Wärmepumpenbestand eine Rolle. Im Verkehr fließen Kraftstoffe, regulatorische Vorgaben und eine rechnerische Stromgröße zusammen.

Was hinter den 27 TWh im Verkehr steckt

Nach den AGEE-Stat-Daten war die höhere Treibhausgasminderungsquote ein Faktor: Sie liegt 2026 bei 12 Prozent, im Vorjahr bei 10,6 Prozent. Hinzu kamen höhere Mengen an Biokraftstoffen, darunter Biodiesel und HVO, sowie mehr rechnerisch ermittelter erneuerbarer Strom. Die Quote erklärt das Plus nicht allein, und aus der Bilanz lässt sich keine vollständige Klimawirkung einzelner Kraftstoffe oder Antriebe ableiten.

Die 27 TWh dürfen deshalb nicht als Stromverbrauch von Elektroautos gelesen werden. Sie beschreiben den erneuerbaren Endenergieverbrauch des Verkehrs als Gesamtgröße. Gerade für die öffentliche Debatte ist diese Trennung wichtig: Eine Zahl kann sinnvoll sein, auch wenn sie nicht für jede einzelne Ladesäule oder jedes Fahrzeug dasselbe aussagt.

6,0 TWh Verkehrsstrom: gerechnet, nicht an der Ladesäule gemessen

Die Einordnung: Für den rechnerisch ermittelten erneuerbaren Strom im Verkehr weist der Quartalsbericht 6,0 TWh aus, rund 20 Prozent mehr als im Vorjahreszeitraum. Die Größe wird aus dem Bestand von Elektroautos und dem grünen Anteil im Strommix abgeleitet. Sie ist kein Herkunftsnachweis dafür, dass jedes einzelne Fahrzeug physisch mit erneuerbarem Strom geladen wurde.

Das ist keine Schwäche der Statistik, sondern eine Frage der Definition. Sie soll die erneuerbare Komponente im Verkehrssektor zeitnah abbilden. Für Aussagen über einzelne Ladevorgänge oder konkrete Ladeorte wäre sie die falsche Kennzahl.

Eine Person geht an einer unmarkierten Ladesäule und einem geparkten kompakten Auto vorbei; das Display der Säule bleibt dunkel.
Symbolfoto: Rechnerisch ermittelter erneuerbarer Verkehrsstrom ist eine Bilanzgröße. Er zeigt nicht, woher der Strom eines einzelnen Ladevorgangs stammt.

Warum die Werte später noch anders aussehen können

AGEE-Stat veröffentlicht Monats- und Quartalsdaten, damit Entwicklungen früh sichtbar werden. Dafür nutzt die Arbeitsgruppe bei Wärme unter anderem DESTATIS-Daten, Verbandsangaben, Wetterdaten und eigene Schätzverfahren. Für den Verkehr fließen BAFA-Mineralöldaten, eigene Schätzungen und Verbandsdaten ein.

Die Kehrseite der hohen Aktualität: Die Angaben sind vorläufig und können bei neuen Erkenntnissen rückwirkend korrigiert werden. Die Halbjahreswerte sind damit ein brauchbarer Indikator für die Richtung, aber keine endgültige Jahresbilanz.

Vier Fragen, bevor man Energiedaten vergleicht

  • Welche Bezugsgröße? Gesamtsektor, Teilsegment oder einzelne Technologie?
  • Welcher Zeitraum? Unterjährige Werte und Jahresbilanzen sind nicht direkt austauschbar.
  • Wie wurde gerechnet? Messwerte, Schätzungen und Verwaltungsdaten haben unterschiedliche Grenzen.
  • Physisch oder rechnerisch? Eine Bilanzgröße kann etwas anderes abbilden als die Energie an einem konkreten Ort.

Aus Sicht eines Ingenieurs werden Wachstumsraten erst vergleichbar, wenn ihre Bezugsgrößen offenliegen. Die aktuellen Werte zeigen ein höheres Tempo in beiden Sektoren. Sie sind aber kein Kauf-, Förder- oder Kostenratgeber für einzelne Haushalte oder Fahrzeughalter.

Was diese Halbjahreszahlen für die Energiewende zeigen

Der Datensatz macht sichtbar, dass die Energiewende neben dem Stromsektor auch bei Wärme und Verkehr vorankommt. Für die Wärmeentwicklung ist das Zusammenspiel aus Wärmepumpen, Umweltwärme und Heizbedarf relevant. Im Verkehr entsteht das Plus aus mehreren Bausteinen: Kraftstoffen, Quote und bilanziertem Strom.

Weil die Messlogiken so verschieden sind, wäre eine einfache Rangliste der Prozentwerte irreführend. Der nützlichere Blick lautet: Welche Größe wurde gemessen, was treibt sie – und welche Aussage lässt sich daraus ausdrücklich nicht ableiten?

FAQ: Die wichtigsten Abgrenzungen

Bedeuten mehr als 19 Prozent Wachstum auch 19 Prozent mehr Wärmepumpen?

Nein. Die Zahl bezieht sich auf die durch Wärmepumpen nutzbar gemachte Umweltwärme und oberflächennahe Geothermie. Neuinstallationen werden als Treiber genannt, die Zahl ist aber keine Installationsstatistik.

Sind die 27 TWh im Verkehr gleichbedeutend mit grünem Ladestrom?

Nein. Die Größe umfasst auch Biokraftstoffe sowie rechnerisch ermittelten erneuerbaren Strom. Die 6,0 TWh Verkehrsstrom sind eine Bilanzgröße und kein Nachweis für die physische Stromherkunft einzelner Ladevorgänge.

Quellen und weiterführende Informationen

Hinweis: Für diesen Artikel wurden KI-gestützte Recherche- und Editierwerkzeuge verwendet. Der Inhalt wurde redaktionell geprüft. Stand: 2026-07-16