Der weltweit größte CAES-Druckluftspeicher ist seit 2025/2026 in China in Betrieb. Die Anlage erreicht laut Branchenberichten 600 Megawatt Leistung und kann rund 2,4 Gigawattstunden Energie speichern. Das klingt abstrakt, hat aber eine klare Bedeutung für Stromnetze mit viel Wind- und Solarstrom. Solche Speicher können große Energiemengen über mehrere Stunden bereitstellen. Der Artikel erklärt verständlich, wie CAES-Druckluftspeicher funktionieren, warum der chinesische Rekord relevant ist und in welchen Situationen diese Technik Batterien oder Pumpspeicher ergänzen kann.
Einleitung
Wenn viel Wind weht oder Solaranlagen mittags mehr Strom liefern als gebraucht wird, entsteht ein Problem. Stromnetze müssen Energie genau in dem Moment bereitstellen, in dem sie gebraucht wird. Zu viel Produktion kann genauso schwierig sein wie zu wenig. Deshalb rücken große Energiespeicher immer stärker in den Fokus.
Ein Beispiel sorgt seit Ende 2025 für Aufmerksamkeit. In der chinesischen Provinz Jiangsu ging eine Anlage in Betrieb, die laut Branchenberichten rund 600 Megawatt Leistung und etwa 2,4 Gigawattstunden Speicherkapazität erreicht. Damit gilt sie derzeit als größter CAES-Druckluftspeicher der Welt. CAES steht für “Compressed Air Energy Storage”, also Energiespeicherung mit komprimierter Luft.
Warum ist das relevant? Stromsysteme mit vielen erneuerbaren Energien brauchen Speicher, die nicht nur Sekunden oder Minuten überbrücken. Sie müssen mehrere Stunden oder sogar Tage abdecken können. Genau in diesem Bereich versuchen Druckluftspeicher eine Lücke zwischen Batterien, Pumpspeichern und Wasserstoff zu schließen.
Wie ein CAES-Druckluftspeicher funktioniert
Die Grundidee eines CAES-Druckluftspeichers ist überraschend einfach. Wenn Strom im Netz im Überfluss vorhanden ist, treiben Elektromotoren große Kompressoren an. Diese pressen Luft unter hohem Druck in unterirdische Hohlräume. Häufig handelt es sich um ehemalige Salzlagerstätten, sogenannte Salzkavernen.
Wird später wieder Strom benötigt, strömt die Luft aus dem Speicher zurück. Sie treibt eine Turbine an, die wiederum einen Generator bewegt. So entsteht erneut elektrische Energie. Der Speicher wirkt damit ähnlich wie ein Wasserspeicherwerk, nur dass statt Wasser komprimierte Luft genutzt wird.
Ein CAES-System speichert elektrische Energie zunächst als Druck in Luft und wandelt sie später wieder über Turbinen in Strom zurück.
Entscheidend für die Effizienz ist das Temperaturmanagement. Beim Komprimieren erhitzt sich Luft stark. Moderne Anlagen versuchen diese Wärme zu speichern und später wieder zu nutzen. Fachleute sprechen von adiabatischen Systemen. Studien zeigen, dass solche Konzepte theoretisch Wirkungsgrade von etwa 55 bis 75 Prozent erreichen können. In Modellprojekten wurden sogar höhere Werte untersucht.
| Merkmal | Beschreibung | Wert |
|---|---|---|
| Leistung | Maximale elektrische Abgabe der Anlage | 600 MW |
| Speicherkapazität | Energie, die im Speicher abgelegt werden kann | 2,4 GWh |
| Jährliche Stromabgabe | Prognostizierte Produktion laut Branchenbericht | 792 GWh pro Jahr |
Der 600‑MW‑Rekord in China und was er bedeutet
Die Anlage in Huai’an in der Provinz Jiangsu gilt laut Branchenmedien als größter CAES-Druckluftspeicher weltweit. Zwei Turbinenblöcke mit jeweils etwa 300 Megawatt Leistung bilden zusammen die Gesamtleistung von rund 600 Megawatt. Die Speicherkapazität wird mit etwa 2,4 Gigawattstunden angegeben.
Praktisch bedeutet das Folgendes. Die Anlage könnte theoretisch 600 Megawatt Leistung für rund vier Stunden liefern. Das entspricht ungefähr der Stromnachfrage einer größeren Stadt während der Abendstunden. Gerade diese Zeit gilt als kritisch, weil Solarstrom nach Sonnenuntergang wegfällt.
Laut Branchenberichten liegt der erwartete jährliche Energieoutput der Anlage bei rund 792 Gigawattstunden. Das deutet darauf hin, dass der Speicher fast täglich geladen und entladen werden könnte. Solche Betriebsprofile sind typisch für Netze mit stark schwankender erneuerbarer Stromproduktion.
Für Netzbetreiber zählt vor allem die Leistung. 600 Megawatt sind groß genug, um Netzschwankungen auszugleichen oder kurzfristige Stromlücken zu überbrücken. Gleichzeitig liefert eine Speicherdauer von mehreren Stunden eine wichtige Reserve für Abendspitzen.
CAES vs. Batteriespeicher im Stromnetz
Batteriespeicher dominieren heute viele neue Speicherprojekte. Sie reagieren extrem schnell und erreichen häufig Wirkungsgrade zwischen etwa 85 und 95 Prozent. Das macht sie ideal für Netzstabilisierung, Frequenzregelung und kurzfristige Schwankungen.
Druckluftspeicher verfolgen ein anderes Ziel. Sie setzen auf große Energiemengen statt maximale Effizienz. Während Lithium-Batterien oft für vier Stunden ausgelegt sind, lassen sich CAES-Systeme theoretisch deutlich länger betreiben, wenn die Kavernen groß genug sind.
Pumpspeicherwerke erfüllen eine ähnliche Rolle, gelten aber als stark standortabhängig. Sie benötigen große Höhenunterschiede und geeignete Wasserreservoirs. Druckluftspeicher wiederum brauchen geeignete geologische Formationen wie Salzlagerstätten.
In der Praxis entscheidet daher meist der Standort. Wo eine passende Kaverne existiert, kann CAES eine interessante Alternative zu sehr großen Batteriesystemen werden. Wo diese geologischen Voraussetzungen fehlen, bleiben Batterien oder Pumpspeicher oft die realistischere Lösung.
Welche Rolle Druckluftspeicher künftig spielen könnten
Der Energiemix verändert sich weltweit. Mit jedem zusätzlichen Windpark und jeder neuen Solaranlage wächst der Bedarf an Flexibilität im Stromsystem. Speicher werden damit zu einer zentralen Infrastruktur.
CAES-Druckluftspeicher könnten besonders für mehrstündige Stromverschiebung interessant sein. Typische Einsatzfälle sind die Abendspitze nach einem sonnigen Tag oder die Überbrückung windarmer Phasen in der Nacht.
Gleichzeitig bringt die Technologie Herausforderungen mit sich. Geeignete Kavernen müssen vorhanden sein, Genehmigungen können komplex sein und die technische Integration großer Turbinenanlagen ist aufwendig. Außerdem liegen viele Leistungsdaten bislang vor allem aus Modellrechnungen oder Projektberichten vor.
Projekte wie das chinesische 600‑MW‑System zeigen jedoch, dass die Technik zunehmend in industriellen Größenordnungen umgesetzt wird. Für Energiesysteme mit hohem Anteil erneuerbarer Energien entsteht damit eine weitere Option im Werkzeugkasten der Netzbetreiber.
Fazit
Der neue 600‑MW‑CAES-Druckluftspeicher in China zeigt, wie schnell sich große Energiespeicher entwickeln. Mit einer Kapazität von etwa 2,4 Gigawattstunden gehört die Anlage zu den größten Projekten ihrer Art. Solche Dimensionen sind relevant für Stromsysteme, in denen Wind- und Solarenergie eine immer größere Rolle spielen.
Druckluftspeicher werden Batterien nicht ersetzen. Dafür reagieren Batterien zu schnell und arbeiten effizienter. Doch für mehrere Stunden Speicherdauer und große Energiemengen kann CAES eine Ergänzung sein, besonders an Standorten mit geeigneten geologischen Formationen.
Ob diese Technologie weltweit stärker verbreitet wird, hängt von drei Faktoren ab: geeigneten Standorten, verlässlichen Betriebsdaten aus großen Anlagen und den Kosten im Vergleich zu anderen Speicherlösungen. Projekte im Gigawattmaßstab liefern dafür erstmals reale Erfahrungswerte.
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