Solarparks mit Batteriespeicher: Warum der Doppel-Ausbau Standard wird

Ein Solarpark liefert viel Strom, aber nicht unbedingt dann, wenn er gebraucht wird. Genau deshalb wird der Solarpark mit Batteriespeicher in immer mehr Projekten zum Normalfall. Die Idee ist einfach. Mittags wird Energie zwischengespeichert, abends wird sie wieder abgegeben. Das entlastet Netze, kann Einspeisebegrenzungen verringern und macht Erlöse planbarer, was am Ende auch für Netzstabilität und Strompreise zählt. Was nach Großtechnik klingt, ist im Alltag sehr konkret, etwa wenn mehr E Autos gleichzeitig laden und das System trotzdem ruhig bleibt.

Einleitung

Wer sein Smartphone abends ansteckt oder ein E Auto nach der Schule, Ausbildung oder Arbeit lädt, denkt selten darüber nach, was im Stromnetz gerade los ist. Trotzdem merkt man indirekt, ob das System gut ausbalanciert ist, zum Beispiel an Preisschwankungen, an Diskussionen über Netzgebühren oder daran, ob neue Ladepunkte schnell ans Netz kommen.

Solarstrom ist dabei eine besondere Sorte Energie. Er ist oft günstig, aber er folgt dem Tag. Mittags liefern viele Anlagen gleichzeitig, abends fast keine. Und ausgerechnet dann, wenn viele Menschen zu Hause sind, kochen, Licht anmachen oder laden, steigt der Bedarf häufig an. Für Netzbetreiber und Energieunternehmen ist das eine tägliche Taktfrage.

In den letzten Jahren ist Solar sehr schnell gewachsen. In Deutschland lagen Ende 2024 rund 92,2 GWp Photovoltaikleistung am Netz, und Solar deckte 2024 etwa 14,5 Prozent der Netto Stromerzeugung. Je größer dieser Anteil wird, desto wichtiger wird Flexibilität. Genau an dieser Stelle kommen Batteriespeicher ins Spiel, nicht als Bonus, sondern als Teil des Designs.

Warum Solarstrom immer öfter ausgebremst wird

Ein Solarpark verhält sich wie ein sehr produktiver Betrieb, der jeden Tag ungefähr zur gleichen Zeit Spitzenproduktion hat. Das ist gut planbar, aber es passt nicht automatisch zur Nachfrage. Wenn viele Anlagen in einer Region gleichzeitig einspeisen, können Leitungen und Umspannwerke an ihre Grenzen kommen. Dann wird die Einspeisung manchmal begrenzt. In der Energiewirtschaft heißt das Curtailment. Gemeint ist, dass eigentlich verfügbarer Strom nicht genutzt wird, weil Netz oder Markt ihn in diesem Moment nicht aufnehmen können.

Je mehr Strom zur gleichen Zeit ankommt, desto mehr zählt nicht nur die Menge, sondern das Timing.

Das Timing wird zusätzlich durch Preise sichtbar. An sonnigen Tagen können die Börsenpreise in manchen Stunden stark fallen, teilweise sogar negativ. Für Betreiber ist das ein wirtschaftliches Problem, und für das System ist es ein Signal. Es fehlt Flexibilität, also die Fähigkeit, Strom zu verschieben, zu speichern oder den Verbrauch zeitlich anzupassen.

Damit man versteht, warum Batterien so oft mitgebaut werden, hilft ein kurzer Blick auf zwei Einheiten. Leistung sagt, wie schnell Energie fließt. Energie sagt, wie viel insgesamt gespeichert oder geliefert werden kann. Das wirkt abstrakt, ist aber wichtig für die Praxis.

Merkmal Beschreibung Wert
Leistung Wie schnell Strom geliefert oder geladen werden kann Gemessen in MW
Energieinhalt Wie lange ein Speicher liefern kann, bevor er leer ist Gemessen in MWh

Ohne Speicher muss ein Solarpark seine Produktion in dem Moment verkaufen oder einspeisen, in dem die Sonne scheint. Mit Speicher kann er einen Teil der Mittagsmenge in den Abend schieben. Genau das wird mit wachsendem Solaranteil wertvoll. Internationale Analysen zeigen zudem, dass der Druck in vielen Stromsystemen steigt. Die Internationale Energieagentur erwartet bis 2030 weltweit rund 5.500 GW neuen erneuerbaren Zubau, und Solar sowie Wind sollen etwa 95 Prozent dieses Wachstums tragen. Mehr volatile Erzeugung heißt, dass flexible Bausteine häufiger gebraucht werden.

Solarpark mit Batteriespeicher als planbarer Stromlieferant

In der Praxis entsteht durch die Kombination aus PV Anlage und Batterie etwas, das sich für Außenstehende fast wie ein kleines Kraftwerk anfühlt. Nur eben ohne Brennstofflieferung. Der Solarpark produziert, die Batterie glättet. Technisch läuft das über ein Energiemanagementsystem, also eine Software, die entscheidet, wann geladen und wann entladen wird. Sie bezieht Wetterprognosen, Strompreise und Netzvorgaben ein.

Viele Projekte setzen auf eine direkte Nachbarschaft von Solar und Speicher. Das hat einen simplen Grund. Netzanschlüsse sind knapp und teuer. Wenn PV und Batterie sich einen Anschluss teilen, kann die vorhandene Leitung besser ausgelastet werden. Für das Netz bedeutet das oft weniger Spitzen in der Einspeisung. Für Betreiber bedeutet es, dass sie Energie in teuren Stunden verkaufen können, statt sie in billigen Stunden verschenken zu müssen.

Ein weiterer Punkt, der im Alltag sofort einleuchtet, ist die Abendspitze. In vielen Regionen steigt der Verbrauch am frühen Abend. Genau dann sinkt die Solarproduktion. Ein Speicher kann diese Lücke teilweise füllen. Er kann auch schnelle Schwankungen abfangen. Das ist wichtig für die Netzstabilität, also für die Fähigkeit, Frequenz und Spannung innerhalb enger Grenzen zu halten. Manche Batteriespeicher verdienen zusätzlich Geld, indem sie Regelleistung anbieten. Regelleistung ist Strom, der sehr kurzfristig bereitsteht, um das Netz zu stabilisieren.

Warum bauen Solarparks heute fast immer Speicher dazu. Weil sich die Rolle von Solar verändert hat. Früher ging es vor allem darum, möglichst viele Kilowattstunden zu erzeugen. Heute geht es stärker darum, den Strom zur richtigen Zeit und in der richtigen Form bereitzustellen. Diese Verschiebung ist eine Folge des Ausbaus selbst.

Auch die Kostenentwicklung spielt mit. Für Lithium Ionen Batterien meldete BloombergNEF für 2023 durchschnittliche Packpreise von rund 139 US Dollar pro kWh, eine Angabe, die inzwischen älter als zwei Jahre ist, aber die Richtung gut zeigt. IRENA nennt für 2024 installierte Systemkosten von etwa 192 US Dollar pro kWh. Zwischen Pack und System liegt mehr als die Batterie selbst, etwa Wechselrichter, Containertechnik, Sicherheitssysteme und Bau. Genau diese Unterscheidung erklärt, warum Zahlen manchmal unterschiedlich wirken und trotzdem beide stimmen.

Was Speicher können und wo die Grenzen liegen

Ein Batteriespeicher kann drei Dinge besonders gut. Er reagiert schnell, er lässt sich präzise steuern, und er kann Strom innerhalb eines Tages verschieben. Das hilft, wenn Netze lokal eng sind oder wenn Preise stark schwanken. Gleichzeitig ist ein Batteriespeicher kein Zauberkasten. Er speichert Energie nicht kostenlos, sondern mit Verlusten. Außerdem altern Batterien durch Nutzung und Zeit, was Betreiber in der Planung berücksichtigen müssen.

Oft wird über den Nutzen für Strompreise gesprochen. Der Effekt ist nicht in jeder Region gleich, aber das Prinzip ist leicht. Wenn mittags sehr viel Solarstrom anliegt, sinken die Preise. Ein Speicher kann in dieser Phase laden. Wenn abends der Bedarf steigt, kann er entladen. Dadurch wird das Preisgefälle etwas kleiner. Auf Systemebene kann das helfen, teure Spitzen zu dämpfen, sofern genügend Speicher vorhanden ist und die Marktregeln die Flexibilität auch belohnen.

Ein praktischer Vorteil ist die Verringerung von Einspeisebegrenzungen. In einer Analyse zu Curtailment wurden für 2022 in einem nationalen Beispiel rund 1,4 TWh abgeregelte Solarenergie genannt, diese Zahl ist älter als zwei Jahre und zeigt vor allem das Muster. Wenn solche Situationen häufiger werden, wird es für Betreiber wirtschaftlich attraktiv, Energie abzufangen und später zu verkaufen. Speicher können das nicht überall vollständig lösen, aber sie machen einen Teil der verlorenen Energie wieder nutzbar.

Zu den Grenzen gehören Rohstoffe, Lieferketten und Recycling. Eine Energiewende, die viele Batterien baut, muss auch daran denken, wie Materialien zurückgewonnen werden. Hinzu kommen Genehmigungen, Brandschutz und Standortfragen. Seriöse Projekte planen mit klaren Sicherheitskonzepten, etwa Abständen, Sensorik und automatischen Löschsystemen. Für die Gesellschaft ist außerdem wichtig, wie die Kosten verteilt werden, damit Akzeptanz entsteht.

Es gibt auch eine Systemgrenze. Kurze Speicher helfen über Stunden. Für längere Flauten, also mehrere Tage mit wenig Sonne und Wind, braucht es zusätzliche Bausteine. Dazu zählen Netzausbau, flexible Verbraucher, europäischer Stromhandel und je nach Region auch andere Speichertechnologien. Batterien sind damit eher das schnelle Werkzeug für den täglichen Rhythmus, nicht die einzige Antwort auf jede Wetterlage.

Wie das Zusammenspiel aus Solar, Speicher und E Mobilität wächst

Mit mehr E Autos wird Stromverbrauch stärker zeitlich steuerbar. Das klingt zunächst nach zusätzlicher Last, ist aber auch eine Chance. Laden kann oft verschoben werden, ohne dass man es merkt. Wenn ein Fahrzeug über Nacht mehrere Stunden steht, ist nicht jede Minute Laden entscheidend. Genau hier trifft E Mobilität auf das Thema Speicher. Beides sind Flexibilitätsbausteine, einmal auf der Erzeugungsseite und einmal auf der Verbrauchsseite.

In Zukunft werden viele Netze deshalb an zwei Stellen gleichzeitig intelligenter. Erstens bei der Erzeugung, indem Solarparks häufiger Speicherkapazität direkt mitplanen. Zweitens beim Verbrauch, indem Tarife und Steuerung die Ladezeiten glätten. In der Praxis kann das bedeuten, dass Ladeparks neben Autobahnen lokale Pufferspeicher nutzen, um kurze Leistungsspitzen zu bedienen, ohne den Netzanschluss riesig zu machen. Für die Umgebung kann das weniger Baumaßnahmen bedeuten und für Betreiber geringere Kosten.

Auch internationale Daten deuten darauf hin, dass hybride Anlagen zunehmen. In einer Auswertung zu Hybridkraftwerken wurden für Ende 2023 in einem Marktsegment rund 24,2 GWh Batteriespeicher in PV plus Speicher Anlagen berichtet. Solche Zahlen sind nicht eins zu eins auf Europa übertragbar, aber sie zeigen, dass die Kombination nicht mehr experimentell ist. Sie wird in vielen Regionen als Standardkonfiguration geplant.

Wichtig wird dabei die digitale Schicht. Damit ein Speicher nicht nur Energie verschiebt, sondern dem Netz wirklich hilft, braucht er klare Signale. Dazu gehören dynamische Preise, Netzzustandsdaten und Regeln, die Flexibilität belohnen, ohne sie unnötig kompliziert zu machen. Je besser diese Spielregeln sind, desto eher lohnt sich eine Dimensionierung, die nicht nur Rendite optimiert, sondern auch Netzstabilität erhöht.

Langfristig wird sich die Frage verschieben. Nicht mehr ob Solar und Speicher zusammengehören, sondern wie groß der Speicher sein sollte und welche Aufgaben er übernimmt. Für Leser ist das ein guter Kompass, um Energie Debatten einzuordnen. Wer über Netzausbau, Strompreise oder Ladeinfrastruktur liest, sieht schneller, welche Rolle die tägliche Verschiebung von Solarenergie dabei spielt.

Fazit

Solarstrom ist günstig und sauber, aber er folgt der Sonne. Je mehr Solar in einem Stromsystem steckt, desto stärker fällt auf, dass Timing fast so wichtig ist wie die Menge. Batteriespeicher werden deshalb zum Partner von Solarparks, weil sie Überschüsse aufnehmen und später abgeben können. Das reduziert in vielen Fällen Einspeisespitzen, macht Erträge planbarer und unterstützt die Netzstabilität, etwa über schnelle Regelenergie.

Gleichzeitig bleiben Batterien ein Baustein unter mehreren. Sie helfen vor allem im Tagesverlauf, nicht über lange Wetterphasen. Damit der Nutzen im Alltag ankommt, braucht es passende Netze, sinnvolle Marktregeln und einen Blick auf Recycling und Sicherheit. Im Zusammenspiel mit E Mobilität entsteht ein System, das mehr Last tragen kann, ohne ständig an Grenzen zu stoßen. Genau deshalb wird der Doppel Ausbau aus Solar und Speicher so oft zur neuen Normalität.

Wie siehst du das. Werden Batteriespeicher eher Strompreise glätten oder vor allem Netze entlasten. Teile den Artikel gern und diskutiere mit.

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