Auf einen Blick
In der Schweiz rücken Solarfassaden stärker in den Fokus, weil neue Regeln die Umsetzung vereinfachen sollen. Branchenverband Swissolar kündigt ab 2026 ein Meldeverfahren für Fassaden-PV an. Das ist heute wichtig, weil Planung und Bewilligungen bisher je nach Kanton stark variieren und Projekte oft Zeit verlieren.
Das Wichtigste
- Swissolar rechnet ab 2026 mit einem vereinfachten Meldeverfahren für Photovoltaik an Fassaden.
- Der Photovoltaik-Ausbau in der Schweiz wächst stark, Fassaden sind statistisch aber noch ein kleiner Teil.
- Kantonale Regeln bleiben wichtig: Manche Kantone behandeln Fassadenanlagen weiterhin als bewilligungspflichtig.
- Solarfassaden liefern oft mehr Strom im Winter als flache Dächer, sind aber meist teurer und planungsintensiver.
Einleitung
Photovoltaik wird in der Schweiz schnell ausgebaut, vor allem auf Dächern. Gleichzeitig wächst das Interesse an Anlagen an Gebäudewänden, also an Solarfassaden. Der Grund: Fassaden können Strom in Zeiten liefern, in denen die Sonne tief steht. Nun kommt Bewegung in die Regeln, die solche Projekte bisher oft kompliziert machten.
Was neu ist
Der Branchenverband Swissolar kündigt an, dass in der Schweiz ab 2026 ein Meldeverfahren für Photovoltaik an Fassaden möglich werden soll. Für Bauherren wäre das ein spürbarer Unterschied: Ein Meldeverfahren ist in der Regel schneller als ein vollständiges Baubewilligungsverfahren. Gleichzeitig zeigt die amtlich beauftragte Statistik, dass Fassaden-PV bisher noch eine Nische ist: Für 2024 werden rund 6,4 MW neu installierte Fassadenanlagen ausgewiesen, während der gesamte Zubau bei rund 1 799 MW lag.
Wichtig ist der Zusatz „soll“: In der Praxis hängt viel vom Kanton und der Gemeinde ab. Eine Vollzugshilfe des Kantons Aargau (Ausgabe 2025) beschreibt Fassadenanlagen zum Beispiel grundsätzlich als bewilligungspflichtig. Genau diese Unterschiede sind ein Grund, warum die Branche jetzt auf klarere und einheitlichere Abläufe drängt.
Was das bedeutet
Für Eigentümerinnen und Eigentümer kann das geplante Meldeverfahren vor allem eines bringen: mehr Planbarkeit. Viele Entscheidungen fallen bei Solarfassaden nicht nur im Technikraum, sondern schon am Gebäude selbst. Das betrifft etwa die Optik, mögliche Blendung, die Leitungsführung und den Brandschutz. Wenn hier Standards klarer werden, sinkt das Risiko, dass ein Projekt spät umgeplant werden muss.
Solarfassaden haben außerdem einen praktischen Vorteil: Weil sie meist steiler montiert sind, kann ihre Stromproduktion im Winter relativ höher ausfallen als bei flachen Dächern. Das ist für das Stromsystem interessant, weil im Winter der Bedarf oft höher ist. Trotzdem bleibt es häufig teurer als eine klassische Dachanlage, weil die Montage aufwendiger ist und die Planung stärker mit der Gebäudehülle zusammenhängt.
Wie es weitergeht
Entscheidend wird, wie das angekündigte Meldeverfahren ab 2026 konkret umgesetzt wird und welche Ausnahmen gelten. Schon heute gelten in der Schweiz vereinfachte Regeln, wenn eine Solaranlage „genügend angepasst“ ist. Diese Grundidee steht seit Jahren im Raumplanungsrecht; eine wichtige Verordnungsänderung dazu stammt aus 2014 und ist damit deutlich älter als 24 Monate. Je nach Lage und Schutzstatus des Gebäudes kann aber weiterhin eine Bewilligung nötig sein.
Für alle, die ein Projekt planen, bleiben drei Schritte sinnvoll: Erstens früh bei der Gemeinde nachfragen, welches Verfahren gilt. Zweitens das Gebäude prüfen lassen, ob es in einer Schutzzone liegt oder spezielle Auflagen hat. Drittens Angebote so einholen, dass Brandschutz und Montageart von Anfang an mitgedacht werden. Parallel liefern das Bundesamt für Energie und die jährliche Solarstatistik weiterhin Zahlen, an denen sich der Trend bei Fassaden künftig besser ablesen lässt.
Fazit
Solarfassaden sind in der Schweiz noch kein Massenmarkt, aber die Hürden sollen sinken. Wenn Meldewege und technische Anforderungen klarer werden, lohnt sich der Blick auf die „zweite Fläche“ am Gebäude. Für viele Projekte bleibt trotzdem entscheidend, was Kanton und Gemeinde im Einzelfall erlauben.
Diskutieren Sie mit: Würden Sie Solarfassaden am eigenen Gebäude in Betracht ziehen – und welche Hürden sehen Sie?





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