Der Strombedarf von Rechenzentren steigt rasant. Laut IEA könnte sich der weltweite Verbrauch bis 2030 fast verdoppeln, in Deutschland rechnet die Bundesregierung bis 2037 ebenfalls mit einem deutlichen Anstieg. Was bedeutet das für Rechenzentren Stromverbrauch, Netzentgelte und deine Stromrechnung? Der Artikel ordnet die offiziellen Zahlen ein und klärt, ob Haushalte und Mittelstand in Deutschland in den kommenden Jahren mit spürbar höheren Strompreisen rechnen müssen.
Einleitung
Deine Stromrechnung ist ohnehin hoch, und dann liest du von KI-Boom und immer größeren Rechenzentren. Die Sorge liegt nahe, dass der zusätzliche Strombedarf am Ende bei Haushalten und Betrieben landet. Tatsächlich zeigen offizielle Prognosen, dass der Stromverbrauch von Rechenzentren deutlich steigt. Die entscheidende Frage ist jedoch nicht nur, wie viel mehr Strom gebraucht wird, sondern wie sich das auf Preise, Netzentgelte und die Versorgungssicherheit in Deutschland auswirkt.
Internationale Organisationen wie die Internationale Energieagentur und deutsche Behörden haben dazu konkrete Zahlen veröffentlicht. Sie zeigen ein starkes Wachstum, aber auch große Unterschiede je nach Region und Annahmen. Wer wissen will, ob 2026 und die folgenden Jahre automatisch teurer werden, muss diese Zahlen genau lesen. Genau das machen wir hier.
Wie stark der Strombedarf von Rechenzentren wächst
Die Internationale Energieagentur beziffert den weltweiten Stromverbrauch von Rechenzentren im Jahr 2024 auf rund 415 Terawattstunden. In ihrem Basisszenario steigt dieser Wert bis 2030 auf etwa 945 Terawattstunden. Das entspricht in etwa einer Verdopplung innerhalb von sechs Jahren.
Laut IEA steigt der globale Strombedarf von Rechenzentren von rund 415 TWh im Jahr 2024 auf etwa 945 TWh im Jahr 2030.
Ein Treiber sind sogenannte beschleunigte Server für KI-Anwendungen. Für diesen Bereich nimmt die IEA in ihrem Szenario ein jährliches Wachstum von rund 30 Prozent an. Klassische Server wachsen deutlich langsamer. Gleichzeitig verbessern sich Effizienzwerte wie die Auslastung der Hardware und die Kühlung, was den Anstieg dämpft, aber nicht aufhebt.
| Region oder Kennzahl | Zeitraum | Wert |
|---|---|---|
| Weltweit laut IEA | 2024 | ca. 415 TWh |
| Weltweit laut IEA | 2030 (Basisszenario) | ca. 945 TWh |
| Deutschland | heute | ca. 20 TWh |
| Deutschland | 2037 (Regierungsprognose) | ca. 39 TWh |
Für Europa nennt eine Auswertung im Rahmen der IEA-4E-Initiative für 2023 einen Bereich von etwa 55 bis 80 Terawattstunden. Die Spannweite zeigt, dass Prognosen stark von der Methode abhängen. Manche Studien rechnen mit sehr hohen Werten, andere bleiben deutlich darunter. Offizielle Stellen arbeiten meist mit konservativeren Annahmen.
Deutschland im Fokus: Zahlen und Projektionen
Für Deutschland nennt die Bundesregierung einen aktuellen Stromverbrauch der Rechenzentren von rund 20 Terawattstunden pro Jahr. Bis 2037 könnte dieser Wert auf etwa 39 Terawattstunden steigen. Das käme einer nahezu Verdopplung gleich, verteilt über mehr als ein Jahrzehnt.
Parallel dazu wächst die installierte IT-Leistung. Für 2024 werden rund 2.730 Megawatt genannt. Bis 2030 rechnen Fachleute im Umfeld des Bundeswirtschaftsministeriums mit etwa 4.800 Megawatt. Mehr Leistung bedeutet jedoch nicht automatisch denselben Anstieg beim Stromverbrauch, da Auslastung und Effizienz eine große Rolle spielen.
Wichtig ist auch die regionale Verteilung. Rechenzentren konzentrieren sich auf Ballungsräume wie Frankfurt am Main. Dort kann zusätzlicher Bedarf lokale Netze stärker belasten als die nationale Statistik vermuten lässt. Genau hier kommen Netzentgelte ins Spiel, also jene Gebühren, mit denen der Ausbau und Betrieb der Stromnetze finanziert wird.
Was das für Strompreise und Netzentgelte heißt
Ob der steigende Rechenzentren Stromverbrauch deine Stromrechnung direkt erhöht, hängt von mehreren Faktoren ab. Der Börsenstrompreis reagiert auf Angebot und Nachfrage im gesamten europäischen Markt. Wenn zusätzliche Nachfrage auf ausreichend erneuerbare Erzeugung trifft, muss das nicht automatisch zu höheren Preisen führen.
Anders sieht es bei den Netzentgelten aus. Werden in bestimmten Regionen neue Leitungen, Umspannwerke oder Verstärkungen nötig, entstehen Investitionskosten. Diese fließen über die Netzentgelte in die Stromrechnung ein. Die Bundesnetzagentur veröffentlicht regelmäßig Monitoringberichte, die zeigen, wie sich Netzkosten entwickeln.
Konkrete, ausschließlich auf Rechenzentren zurückzuführende Aufschläge nennt jedoch keine der offiziellen Quellen. Der Strompreis setzt sich aus vielen Bestandteilen zusammen, darunter Erzeugung, Netzentgelte, Umlagen und Steuern. Der wachsende Strombedarf von KI-Anwendungen ist ein Faktor unter mehreren.
Versorgungssicherheit und Szenarien bis 2030
Die IEA geht in ihrem Basisszenario davon aus, dass der starke Anstieg bis 2030 technisch beherrschbar bleibt. Entscheidend ist, wie schnell erneuerbare Energien und Netze ausgebaut werden. Wenn der Ausbau hinterherhinkt, können Engpässe entstehen, die sich regional auf Preise und Anschlüsse auswirken.
Für Deutschland bedeutet das: Der zusätzliche Bedarf durch Rechenzentren fällt in eine Phase, in der Industrie, Elektromobilität und Wärmepumpen ebenfalls mehr Strom nachfragen. Das System muss also mehrere Wachstumstreiber gleichzeitig verkraften.
Ein realistisches Szenario bis 2030 ist daher kein plötzlicher Preisschock allein wegen KI-Rechenzentren. Wahrscheinlicher ist ein schrittweiser Anpassungsprozess mit regional unterschiedlichen Effekten. In einzelnen Netzgebieten kann es teurer werden, während der bundesweite Durchschnitt moderater reagiert.
Fazit
Ja, der Stromverbrauch von Rechenzentren steigt deutlich. Weltweit rechnet die IEA bis 2030 mit nahezu einer Verdopplung, in Deutschland mit einem Anstieg von rund 20 auf 39 Terawattstunden bis 2037. Diese Entwicklung erhöht den Druck auf Netze und Erzeugungskapazitäten. Ein automatisch spürbarer, allein durch Rechenzentren ausgelöster Preissprung für alle Haushalte lässt sich aus den offiziellen Zahlen jedoch nicht ableiten.
Entscheidend wird sein, wie schnell Netze und erneuerbare Energien ausgebaut werden und wie stark Effizienzgewinne in der IT wirken. Für dich als Verbraucher heißt das: Die Strompreise bleiben ein bewegliches Ziel, aber KI-Rechenzentren sind nur ein Teil der Rechnung.





