Rechenzentren und Strompreise: Was sie 2026 wirklich bedeuten

Steigende Rechenzentren Strompreise – viele fragen sich, ob der KI-Boom ihre Stromrechnung 2026 nach oben treibt. Dieser Artikel erklärt mit belastbaren Zahlen, wie groß der Stromverbrauch von Rechenzentren im Verhältnis zum gesamten deutschen Strombedarf ist, welchen Anteil Netzentgelte an der Rechnung haben und welche Kostentreiber tatsächlich ins Gewicht fallen. Du bekommst eine nüchterne Einordnung: Was ist messbar, was sind Szenarien – und wo liegt das reale Risiko für Haushalte und Mittelstand?

Einleitung

Wenn deine Stromrechnung steigt, suchst du nach einer greifbaren Ursache. Seit dem Boom von KI-Anwendungen stehen Rechenzentren schnell am Pranger. Sie brauchen viel Strom, sie entstehen oft geballt in bestimmten Regionen und sie hängen direkt am Netz. Die Frage liegt nahe: Zahlen Haushalte und Mittelstand am Ende die Zeche?

Ein Blick in die offiziellen Zahlen hilft, die Debatte zu sortieren. Laut Bundesnetzagentur lag die Stromerzeugung in Deutschland 2025 bei rund 437,6 Terawattstunden. Vor diesem Hintergrund lässt sich einordnen, welchen Anteil Rechenzentren überhaupt haben können. Gleichzeitig lohnt sich ein Blick auf die Struktur der Strompreise: Netzentgelte, Steuern, Beschaffungskosten. Erst wenn man diese Bausteine versteht, wird klar, wo Rechenzentren tatsächlich wirken – und wo andere Faktoren deutlich stärker durchschlagen.

Wie viel Strom verbrauchen Rechenzentren wirklich?

Eine einfache Zahl für 2025 veröffentlicht die Bundesnetzagentur nicht als eigene Kategorie. Sie liefert jedoch die nationale Gesamterzeugung von rund 437,6 TWh. Studien und Szenarien arbeiten deshalb mit sogenannten Bottom-up-Modellen. Dabei wird die installierte IT-Leistung von Rechenzentren erfasst, mit einer durchschnittlichen Auslastung und einem Effizienzfaktor multipliziert.

Ein zentraler Wert ist die PUE, die “Power Usage Effectiveness”. Sie beschreibt, wie viel zusätzliche Energie neben der reinen IT-Leistung für Kühlung, Stromversorgung und Gebäude anfällt. Eine PUE von 1,4 bedeutet: Für 1 Kilowatt IT-Leistung werden insgesamt 1,4 Kilowatt aus dem Netz benötigt.

Rechnet man mit 2.000 Megawatt installierter IT-Leistung, einer durchschnittlichen Auslastung von 35 Prozent und einer PUE von 1,4, ergibt sich ein jährlicher Strombedarf von rund 8,6 TWh. Bezogen auf 437,6 TWh wären das knapp 2 Prozent des gesamten Stromverbrauchs. Selbst ein deutlich höheres Szenario mit 3.500 Megawatt, 40 Prozent Auslastung und PUE 1,3 läge bei rund 15,9 TWh. Das entspräche etwa 3,6 Prozent.

Die Spanne zeigt: Rechenzentren sind relevant, aber sie dominieren den nationalen Stromverbrauch nicht. Lokal kann die Wirkung ganz anders aussehen, wenn mehrere große Anlagen an einem Netzabschnitt hängen. Für die bundesweite Stromrechnung zählt jedoch der Gesamtanteil.

Beispielhafte Szenarien für Strombedarf von Rechenzentren
Szenario Annahmen Ergebnis
Mittleres Szenario 2.000 MW, 35 % Auslastung, PUE 1,4 ca. 8,6 TWh bzw. rund 2 %
Hohes Szenario 3.500 MW, 40 % Auslastung, PUE 1,3 ca. 15,9 TWh bzw. rund 3,6 %

Was steckt in deiner Stromrechnung?

Der Strompreis für Haushalte setzt sich aus mehreren Blöcken zusammen. Neben den Kosten für Energieeinkauf und Vertrieb spielen Netzentgelte, Stromsteuer, Konzessionsabgabe und Mehrwertsteuer eine Rolle. Die Bundesnetzagentur und das Monitoring über SMARD stellen dafür detaillierte Daten bereit.

Netzentgelte sind dabei die Gebühren für Bau, Betrieb und Ausbau der Stromnetze. Sie fallen regional unterschiedlich aus, weil Verteilnetzbetreiber unterschiedliche Strukturen und Investitionen haben. Wenn neue Großverbraucher wie Rechenzentren ans Netz gehen, können zusätzliche Leitungen, Umspannwerke oder Verstärkungen nötig werden.

Entscheidend ist aber: Die Netzentgelte hängen nicht allein an Rechenzentren. Auch der Ausbau erneuerbarer Energien, neue Stromleitungen zwischen Nord und Süd und Redispatch-Maßnahmen zur Stabilisierung des Netzes treiben die Kosten. Redispatch bedeutet, dass Kraftwerke hoch- oder heruntergefahren werden, um Engpässe zu vermeiden. Diese Eingriffe kosten Geld und schlagen sich ebenfalls im System nieder.

Wer also nur auf den KI-Boom zeigt, greift zu kurz. Rechenzentren sind ein zusätzlicher Lastfaktor, aber sie wirken in einem System, das ohnehin im Umbau ist.

Drei Szenarien für 2026 und 2027

Wie stark beeinflussen Rechenzentren die Strompreise konkret? Das hängt davon ab, wie schnell neue Kapazitäten ans Netz gehen und wie effizient sie betrieben werden.

In einem moderaten Szenario wächst der Anteil der Rechenzentren leicht über die genannten 2 Prozent hinaus. Der Effekt auf die bundesweiten Netzentgelte bleibt begrenzt, weil sich die Kosten auf viele Millionen Haushalte und Unternehmen verteilen.

In einem schnellen Ausbau-Szenario mit mehreren großen Campus-Projekten in einzelnen Regionen kann es lokal zu deutlich höheren Netzinvestitionen kommen. Dann steigen die Netzentgelte vor Ort stärker als im Bundesdurchschnitt. Für dich relevant ist also dein Netzgebiet.

Ein drittes Szenario setzt auf Effizienz. Sinkt die PUE großer Anlagen weiter, etwa durch bessere Kühlung oder Abwärmenutzung, bleibt der zusätzliche Strombedarf trotz steigender IT-Leistung begrenzt. Das dämpft den Druck auf Netze und damit indirekt auch auf die Entgelte.

Wo andere Kostentreiber stärker wirken

Der Umbau des Energiesystems ist teuer. Neue Hochspannungsleitungen, Offshore-Anbindungen und der Ausbau der Verteilnetze kosten Milliarden. Diese Investitionen betreffen das gesamte System und schlagen sich strukturell in den Netzentgelten nieder.

Hinzu kommen politische Entscheidungen wie Entlastungen oder Umlagen, die einzelne Verbrauchergruppen betreffen. Wenn energieintensive Industrien besondere Regelungen erhalten, verteilen sich bestimmte Kosten anders im System. Das kann Haushalte indirekt stärker belasten als der zusätzliche Strombedarf einzelner Rechenzentren.

Rechenzentren werden damit Teil einer größeren Rechnung. Sie erhöhen die Nachfrage, aber sie sind nicht der alleinige Hebel für steigende Strompreise. Wer die Stromrechnung 2026 verstehen will, muss das Gesamtbild sehen.

Fazit

Rechenzentren tragen messbar zum Stromverbrauch bei. Selbst ambitionierte Szenarien kommen jedoch auf wenige Prozent des nationalen Gesamtverbrauchs von rund 437,6 TWh im Jahr 2025. Für die bundesweiten Strompreise sind sie damit ein Faktor unter mehreren. Netzausbau, Systemstabilisierung und politische Verteilungsentscheidungen wirken mindestens ebenso stark.

Für dich heißt das: Beobachte die Entwicklung in deinem Netzgebiet und die Zusammensetzung deiner Stromrechnung. Der KI-Boom verändert die Nachfrage, aber er erklärt die Stromrechnung nicht allein.

Wie erlebst du die Entwicklung der Strompreise in deinem Alltag oder Betrieb? Teile deine Einschätzung und diskutiere mit.

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