PV-Wallbox richtig einstellen: was es für Stromkosten bedeutet

Wer sein E-Auto mit der eigenen Solaranlage lädt, will möglichst viel Sonnenstrom nutzen und wenig teuren Netzstrom zukaufen. Wie gut das klappt, hängt stark von der Einstellung der Wallbox ab. Aktuelle Untersuchungen von HTW Berlin, Fraunhofer ISE und ADAC zeigen messbare Unterschiede bei Effizienz, Reaktionszeit und Standby-Verbrauch. Dieser Artikel fasst die wichtigsten Ergebnisse zur PV-Wallbox Effizienz zusammen und erklärt, wie du Überschussladen richtig einstellst und welche Sicherheitsregeln du beachten musst.

Einleitung

Du hast eine Photovoltaikanlage auf dem Dach und eine Wallbox in der Garage. Eigentlich klingt es einfach: Auto anstecken, Sonne scheint, das E-Auto lädt mit eigenem Strom. In der Praxis entscheidet aber die Konfiguration darüber, ob wirklich viel Solarenergie im Akku landet oder ob unnötig Netzstrom dazukommt.

Eine gemeinsame Untersuchung von HTW Berlin, Fraunhofer ISE und ADAC hat 2025 genau das getestet. Im Labor und in 730 Haushalten wurde gemessen, wie gut verschiedene Wallboxen auf schwankenden Solarstrom reagieren. Die Ergebnisse zeigen klare Unterschiede bei Reaktionszeit, Mindestladeleistung, Phasenumschaltung und Standby-Verbrauch. Diese Faktoren beeinflussen direkt, wie hoch dein Solar-Anteil ist und wie stark sich das auf deine Stromkosten auswirkt.

Wie effizient lädt eine PV-Wallbox wirklich?

Die HTW-Studie “Solares Laden von Elektrofahrzeugen” wertete Daten von 730 Haushalten aus. Ein zentrales Ergebnis: Die Mindestladeleistung spielt eine größere Rolle, als viele erwarten. Bei einphasigem Laden liegt das technische Minimum meist bei 6 Ampere, also rund 1,4 Kilowatt. Bei dreiphasigem Laden sind es bei 6 Ampere etwa 4,1 Kilowatt.

Wird mit der niedrigen Mindestleistung von 1,4 Kilowatt geladen, lag der mittlere Solar-Anteil am Ladestrom bei etwa 76 Prozent. Bei höherer Ladeleistung, etwa 11 Kilowatt, stieg dieser Wert auf rund 90 Prozent. Das klingt zunächst widersprüchlich. Der Grund liegt unter anderem in Wirkungsgraden des Bordladers im Fahrzeug und im zeitlichen Zusammenspiel von Haushaltsverbrauch und PV-Erzeugung.

Im Labor untersuchten HTW Berlin, Fraunhofer ISE und ADAC fünf Wallboxen mit einem standardisierten Prüfverfahren. Die besten Geräte erreichten laut “Wallbox-Inspektion 2025” rund 94 bis 95 Prozent der theoretisch möglichen Einsparung im Vergleich zu einem ideal geregelten System. Andere lagen spürbar darunter. Unterschiede bei Reaktionszeit und Regelgenauigkeit führten zu zusätzlichem Netzbezug oder unnötiger Einspeisung.

Ein weiterer Punkt ist der Standby-Verbrauch. Die gemessenen Komplettsysteme aus Wallbox, Energiemeter und Steuerung lagen zwischen etwa 3,2 und 9,3 Watt. Auf ein Jahr gerechnet entspricht eine Differenz von 6 Watt rund 52 Kilowattstunden. Bei einem angenommenen Strompreis von 0,32 Euro pro Kilowattstunde sind das fast 17 Euro pro Jahr, die allein durch höhere Bereitschaftsverluste entstehen.

Fehlkonfigurationen, die kWh und Euro kosten

Die Studien zeigen typische Schwachstellen. Eine davon ist eine zu hohe feste Ladeleistung bei wenig PV-Überschuss. Wenn die Wallbox erst bei 11 Kilowatt startet, obwohl nur 3 oder 4 Kilowatt Solarstrom verfügbar sind, kommt der Rest zwangsläufig aus dem Netz. Das schmälert den Solar-Anteil deutlich.

Problematisch ist auch eine träge Regelung. In den Labortests lagen die mittleren Reaktionszeiten zwischen etwa 9 Sekunden bei schnellen Systemen und über 120 Sekunden bei langsameren. Wenn bei einer Wolke die PV-Leistung einbricht und die Wallbox erst spät reagiert, entsteht kurzfristig unnötiger Netzbezug. Umgekehrt wird bei steigender Sonne nicht sofort hochgeregelt, sodass Solarstrom ins Netz fließt statt ins Auto.

Ein weiterer Kostenfaktor ist häufiges An- und Abschalten. Manche Systeme schalten bei kleinsten Schwankungen ab und wieder ein. Das erhöht nicht nur den Verschleiß, sondern verschlechtert auch die Bilanz, weil Mindestleistungen und Verzögerungen immer wieder neu greifen. Sinnvolle Haltezeiten von einigen Sekunden bis wenigen Minuten können hier helfen.

Laut Projektbeispiel kann ein Pendler mit einer ideal geregelten Solar-Wallbox gegenüber reinem Netzladen rund 467 Euro pro Jahr sparen, basierend auf 2.062 Kilowattstunden jährlichem Ladebedarf, 0,32 Euro Strompreis und 0,08 Euro Einspeisevergütung. Unterschiede zwischen getesteten Geräten lagen bei mehreren Dutzend Euro pro Jahr. Über zehn Jahre summiert sich das auf mehrere Hundert Euro.

Überschussladen richtig einstellen im Alltag

Wenn du dein E-Auto mit Photovoltaik laden willst, solltest du zuerst prüfen, wie fein sich der Ladestrom einstellen lässt. Kleine Stromschritte, idealerweise deutlich unter 1 Ampere, erlauben eine genauere Anpassung an den aktuellen Überschuss. Grobe Schritte führen eher zu kleinen, aber dauerhaften Abweichungen vom Sollwert.

Wichtig ist auch die Phasenumschaltung zwischen ein- und dreiphasigem Laden. Einige Wallboxen wechseln automatisch, wenn genügend Solarleistung vorhanden ist. Die gemessenen Umschaltzeiten lagen je nach Gerät zwischen unter einer Minute und mehreren Minuten. Zu häufige Wechsel können zu Unterbrechungen führen und sind nicht mit jedem Fahrzeug kompatibel. Hier lohnt ein Test mit dem eigenen Auto.

Achte außerdem auf die Abtastrate des Energiemessers. In den Untersuchungen wurde mit schneller Messung im Sekundenbereich gearbeitet. Je langsamer die Messwerte kommen, desto gröber reagiert das System. Das kann die PV-Wallbox Effizienz im Alltag verschlechtern.

Praktisch hat sich bewährt, eine kurze Mindesthaltezeit für das Starten und Stoppen des Ladevorgangs zu setzen. So vermeidest du hektisches Ein- und Ausschalten bei kurzen Wolkenschwankungen. Ziel ist ein ruhiger, möglichst kontinuierlicher Ladeverlauf mit hohem Solar-Anteil.

Sicherheit: FI Typ A-EV, Typ B und VDE-Vorgaben

Neben Effizienz zählt die Sicherheit. Beim Laden eines E-Autos können Gleichfehlerströme auftreten. Viele moderne Wallboxen haben deshalb eine integrierte Gleichstrom-Fehlererkennung von 6 Milliampere. In solchen Fällen reicht häufig ein Fehlerstromschutzschalter vom Typ A in Kombination mit dieser DC-Überwachung.

In bestimmten Installationen kann jedoch ein FI Typ B erforderlich sein, etwa wenn keine integrierte 6-Milliampere-DC-Erkennung vorhanden ist oder besondere Anforderungen durch Wechselrichter und Netzform bestehen. Maßgeblich sind hier die Installationsanleitung der Wallbox und die geltenden VDE-Vorschriften.

Wichtig sind außerdem ein korrekt dimensionierter Leitungsschutzschalter, eine fachgerechte Erdung und gegebenenfalls ein Lastmanagement, wenn mehrere Ladepunkte oder hohe Anschlussleistungen im Gebäude vorhanden sind. Typische Fehler bei Eigeninstallationen sind falsch gewählte Schutzorgane oder unzureichende Leitungsquerschnitte. Das kann im Ernstfall zu gefährlichen Situationen führen.

Die Untersuchungen betonen, dass Sicherheitseinrichtungen nicht aus Kostengründen weggelassen werden sollten. Eine normgerechte Installation ist Voraussetzung dafür, dass die Anlage langfristig zuverlässig und ohne unnötige Abschaltungen arbeitet.

Fazit

Eine PV-Wallbox entfaltet ihr Potenzial erst mit der richtigen Einstellung. Mindestladeleistung, Reaktionszeit, Phasenumschaltung und Standby-Verbrauch entscheiden darüber, ob du eher bei 76 oder bei 90 Prozent Solar-Anteil landest. Laut den Untersuchungen von HTW, Fraunhofer und ADAC sind damit Einsparungen im Bereich mehrerer Hundert Euro über die Jahre realistisch.

Wer sein E-Auto mit Photovoltaik laden will, sollte deshalb nicht nur auf die maximale Ladeleistung achten, sondern auf Regelgüte und Sicherheitskonzept. Eine saubere Installation mit passendem FI Typ A-EV oder Typ B, abgestimmt auf Wallbox und Hausnetz, ist dabei ebenso wichtig wie eine klug gewählte Überschusslogik.

Wenn du bereits eine PV-Wallbox nutzt, prüfe deine Einstellungen und beobachte ein paar Wochen lang deinen Netzbezug. Oft steckt im Detail noch ungenutztes Sparpotenzial.

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