Großspeicher fürs Stromnetz: Warum Cyberabwehr wichtiger wird

Großspeicher sind ein zentraler Baustein der Energiewende. Doch je stärker Batteriespeicher ins Stromnetz eingebunden werden, desto wichtiger wird ihre IT-Sicherheit. Am Beispiel von Tesvolt und ähnlichen Systemen zeigt dieser Artikel, warum Großspeicher Cybersecurity heute strategisch mitdenken müssen, welche Risiken für Netzstabilität und Betrieb bestehen und was die NIS2-Richtlinie für Betreiber in Deutschland und Europa praktisch bedeutet.

Einleitung

Wenn in deiner Region der Strom aus Wind und Sonne schwankt, sorgen große Batteriespeicher im Hintergrund für Stabilität. Sie puffern Überschüsse, gleichen Lastspitzen aus und reagieren in Sekunden auf Netzanforderungen. Was viele nicht sehen: Diese Anlagen sind längst digital vernetzt. Sie kommunizieren mit Netzbetreibern, Leitsystemen und teils mit Cloud-Plattformen der Hersteller.

Damit werden Großspeicher Teil der kritischen Energieinfrastruktur. Ein erfolgreicher Cyberangriff könnte nicht nur einzelne Anlagen stoppen, sondern im Extremfall die Netzstabilität beeinträchtigen. Spätestens mit der EU-Richtlinie NIS2, verabschiedet 2022, rückt deshalb die IT-Sicherheit von Energieanlagen stärker in den Fokus. Betreiber müssen Risiken systematisch bewerten und absichern.

Am Beispiel von Tesvolt und vergleichbaren Batteriespeichern wird deutlich, warum technische Schutzmaßnahmen, organisatorische Prozesse und regulatorische Vorgaben heute untrennbar zusammengehören.

Warum Großspeicher neue Angriffsflächen schaffen

Moderne Batteriespeicher bestehen aus mehreren digitalen Komponenten. Dazu gehören das Battery Management System zur Überwachung einzelner Zellen, Wechselrichter für die Netzanbindung sowie ein übergeordnetes Energie- oder Leitsystem. Diese Einheiten kommunizieren über industrielle Protokolle und häufig über IP-basierte Netzwerke.

Je stärker Energieanlagen vernetzt sind, desto wichtiger wird ein konsequentes Sicherheitskonzept über alle Ebenen hinweg.

Typische Schnittstellen sind Web-Oberflächen für Wartung, Fernzugriffe per VPN oder Telemetrieverbindungen in Hersteller-Clouds. Jede dieser Verbindungen kann bei unzureichender Absicherung ein Einfallstor darstellen. Besonders kritisch sind Steuerbefehle, die Lade- und Entladevorgänge beeinflussen.

Typische Komponenten eines Großspeichers und ihre IT-Relevanz
Komponente Funktion IT-Risiko
Battery Management System Überwachung von Spannung, Temperatur und Ladezustand Manipulation von Messwerten oder Parametern
Wechselrichter Umwandlung zwischen Gleich- und Wechselstrom Fehlsteuerung der Einspeisung ins Netz
Leit- oder Energiemanagementsystem Koordination von Betrieb und Marktteilnahme Fernzugriff, Datenabfluss oder Sabotage
Fernwartungszugang Service und Updates durch Hersteller Unbefugter Zugriff bei schwacher Authentifizierung

Hinzu kommt die Abhängigkeit von Drittkomponenten. Industrielle Steuerungen und Kommunikationsmodule können eigene Schwachstellen aufweisen, die in Datenbanken wie der NVD dokumentiert werden. Selbst wenn der Speicherhersteller hohe Standards anlegt, bleibt die Lieferkette ein Risikofaktor.

Großspeicher Cybersecurity im Kontext von NIS2

Die Richtlinie (EU) 2022/2555, bekannt als NIS2, erweitert die Anforderungen an die Cybersicherheit in kritischen Sektoren. Dazu zählt ausdrücklich der Energiesektor. Unternehmen, die wesentliche Dienste für die Energieversorgung erbringen, müssen umfassende Risikomanagementmaßnahmen einführen.

Dazu gehören laut Richtlinientext unter anderem Maßnahmen zur Risikoanalyse, Incident-Response-Prozesse, Business-Continuity-Konzepte und die Absicherung der Lieferkette. Auch Meldepflichten bei erheblichen Sicherheitsvorfällen sind vorgesehen. Für Betreiber von Großspeichern bedeutet das, IT-Sicherheit nicht nur technisch, sondern auch organisatorisch zu verankern.

Ergänzend bieten Standards wie IEC 62443 einen Rahmen für industrielle Kommunikationsnetze. Das Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik stellt Leitfäden zur Absicherung von Operational Technology bereit. Diese Dokumente helfen, Sicherheitszonen zu definieren und Verantwortlichkeiten klar zuzuordnen.

Wichtig ist: NIS2 richtet sich an Betreiber, nicht primär an Hersteller. Dennoch müssen Betreiber vertraglich sicherstellen, dass auch ihre Lieferanten angemessene Sicherheitsmaßnahmen umsetzen. Das betrifft Updates, Supportzeiten und transparente Informationen über Schwachstellen.

Praxis: Mindestmaßnahmen für Betreiber

In der Praxis beginnt Großspeicher Cybersecurity mit einer sauberen Netzsegmentierung. Steuerungssysteme sollten in getrennten Zonen laufen, die nur über klar definierte Übergänge erreichbar sind. Offene Industrieprotokolle dürfen nicht ungeschützt ins Unternehmensnetz oder gar ins Internet reichen.

Ebenso wichtig ist ein kontrollierter Fernzugriff. Mehrstufige Authentifizierung, rollenbasierte Rechte und verschlüsselte Verbindungen sind Mindestanforderungen. Standardpasswörter oder dauerhafte Wartungstunnel ohne Überwachung sind mit den heutigen Bedrohungslagen nicht vereinbar.

Ein weiterer Baustein ist das Patch- und Schwachstellenmanagement. Betreiber müssen wissen, welche Softwareversionen in ihren Anlagen laufen. Sicherheitsupdates sollten zeitnah geprüft und, sofern möglich, eingespielt werden. Dazu gehört eine enge Abstimmung mit dem Hersteller, um Betriebsrisiken zu vermeiden.

Schließlich braucht es Monitoring. Protokolle über Zugriffe, Konfigurationsänderungen und Systemmeldungen sollten zentral ausgewertet werden. Nur so lassen sich Auffälligkeiten frühzeitig erkennen. Technisch anspruchsvolle Lösungen sind hilfreich, entscheidend ist jedoch ein klar definierter Prozess mit Verantwortlichen.

Beschaffung, Wartung und Verantwortung

IT-Sicherheit beginnt nicht erst im laufenden Betrieb. Bereits bei der Beschaffung eines Großspeichers sollten Sicherheitsanforderungen Teil der Ausschreibung sein. Dazu zählen transparente Update-Mechanismen, dokumentierte Schnittstellen und klare Supportzusagen.

Verträge können festlegen, wie schnell Hersteller über bekannte Schwachstellen informieren müssen und wie lange Sicherheitsupdates bereitgestellt werden. Auch Fragen zur Datenhaltung, etwa bei Cloud-Anbindungen, sollten vorab geklärt sein.

Im Wartungsalltag ist die Zusammenarbeit zwischen Technik- und IT-Teams entscheidend. Energieanlagen waren lange primär elektrotechnisch geprägt. Mit zunehmender Digitalisierung verschiebt sich der Schwerpunkt. Verantwortlichkeiten müssen klar definiert sein, damit Sicherheitsfragen nicht zwischen Abteilungen verloren gehen.

Langfristig wird die Integration von Großspeichern in digitale Netzplattformen weiter zunehmen. Damit steigen auch die Anforderungen an Resilienz. Wer heute strukturiert in Cyberabwehr investiert, reduziert nicht nur regulatorische Risiken, sondern stärkt die eigene Betriebssicherheit.

Fazit

Großspeicher sind ein unverzichtbarer Bestandteil einer stabilen und klimafreundlichen Energieversorgung. Gleichzeitig machen Vernetzung und Fernsteuerung sie zu potenziellen Zielen für Cyberangriffe. Mit NIS2 verschärft sich der regulatorische Rahmen für Betreiber deutlich. Wer Batteriespeicher ins Stromnetz integriert, muss deshalb Technik, Organisation und Vertragsgestaltung zusammendenken. IT-Sicherheit ist kein Zusatzmodul, sondern Grundvoraussetzung für einen sicheren Netzbetrieb.

Wie bewertest du die Rolle von Cybersecurity bei erneuerbaren Energien? Teile deine Einschätzung und diskutiere mit.

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