AKW-Studie USA: Wie hoch ist das Krebsrisiko wirklich?

Eine neue AKW-Studie USA Krebsrisiko sorgt für Diskussionen: Sie findet einen statistischen Zusammenhang zwischen der Nähe zu Kernkraftwerken und höherer Krebssterblichkeit bei älteren Menschen. Doch was bedeuten die gemessenen Zusatzfälle konkret in absoluten Zahlen? Wie groß ist das Risiko pro 100.000 Einwohner tatsächlich – und hat das spürbare Folgen für Immobilienwerte, Versicherungen oder Vorsorge? Dieser Artikel ordnet die Daten ein, trennt Korrelation von Kausalität und schaut, was das für Anwohner in den USA und in Deutschland praktisch heißt.

Einleitung

Wer in der Nähe eines Kernkraftwerks wohnt, stellt sich früher oder später eine einfache Frage: Ist das gesundheitlich riskanter als anderswo? Spätestens wenn eine neue Studie Schlagzeilen macht, wird aus dieser abstrakten Sorge ein sehr konkretes Kopfkino.

Eine 2026 veröffentlichte US-Analyse hat genau das untersucht. Sie wertete Krebssterblichkeit in Landkreisen aus, die im Umkreis von bis zu 200 Kilometern um Atomkraftwerke liegen. Das Ergebnis: Für Menschen ab 65 Jahren zeigt sich ein statistischer Zusammenhang zwischen größerer Nähe zu Anlagen und höherer Krebssterblichkeit.

Doch Statistik allein beantwortet noch keine Alltagsfragen. Wie viele zusätzliche Fälle sind das wirklich? Sind es einzelne Promille oder relevante Größenordnungen? Und hat so ein Befund messbare Folgen für Immobilienpreise oder Versicherungen? Genau darum geht es hier.

Was die US-Studie konkret gemessen hat

Die Studie von Alwadi und Kollegen, veröffentlicht in Nature Communications im Jahr 2026, analysierte Krebssterblichkeit in US-Landkreisen zwischen 2000 und 2018. Berücksichtigt wurden Regionen innerhalb eines 200-Kilometer-Radius um in Betrieb befindliche Kernkraftwerke.

Wichtig ist: Die Forscher haben keine individuelle Strahlenbelastung gemessen. Stattdessen nutzten sie ein sogenanntes Näherungsmaß. Vereinfacht gesagt wurde berechnet, wie nah der geografische Mittelpunkt eines Landkreises an einem oder mehreren Kraftwerken liegt. Je näher, desto höher der rechnerische “Expositionswert”.

Für die Altersgruppe 65+ schätzte das Team, dass im Zeitraum 2000 bis 2018 durchschnittlich rund 4.266 zusätzliche Krebstodesfälle pro Jahr mit dieser Nähe statistisch verbunden waren. Die Unsicherheits­spanne liegt zwischen 3.000 und 9.122 Fällen pro Jahr.

Die Autoren betonen selbst, dass es sich um eine ökologische Analyse handelt und keine individuellen Strahlendosen berücksichtigt wurden.

Das heißt: Die Studie zeigt einen Zusammenhang auf Landkreisebene. Sie beweist nicht, dass einzelne Personen durch Strahlung aus einem Kraftwerk erkrankt sind.

Zentrale Kennzahlen der US-Analyse
Aspekt Beschreibung Wert
Untersuchungszeitraum Auswertung von Krebssterblichkeit 2000–2018
Zusätzliche Todesfälle 65+ Statistisch mit Nähe assoziiert, pro Jahr 4.266 (95%-KI: 3.000–9.122)

Wie groß ist das Zusatzrisiko in absoluten Zahlen?

Große absolute Zahlen klingen dramatisch. Entscheidend ist jedoch, wie sie sich auf die Bevölkerung verteilen. Die 4.266 zusätzlichen Krebstodesfälle pro Jahr beziehen sich auf die US-Bevölkerung ab 65 Jahren in den betrachteten Regionen.

Rechnet man diese Zahl grob auf rund 52 Millionen Menschen in dieser Altersgruppe um, ergibt sich ein Zusatzrisiko von etwa 8,2 zusätzlichen Krebstodesfällen pro 100.000 Personen und Jahr. Die Unsicherheits­spanne liegt ungefähr zwischen 5,8 und 17,5 pro 100.000.

Zum Vergleich: Krebs ist insgesamt eine häufige Todesursache im höheren Alter. Vor diesem Hintergrund liegt das statistisch zugeschriebene Plus im einstelligen bis niedrigen zweistelligen Bereich pro 100.000 Menschen und Jahr. Das ist messbar, aber es verändert nicht die Größenordnung des Gesamtrisikos.

Zudem gilt: Diese Berechnung nutzt die Gesamtzahl der älteren Bevölkerung als Näherung. Die tatsächlich in der Studie berücksichtigte Bevölkerung innerhalb des 200-Kilometer-Radius ist kleiner. Je nach genauer Abgrenzung kann das Risiko pro 100.000 also höher ausfallen. Exakte Werte hängen von der zugrunde gelegten Bevölkerungszahl ab.

Korrelation oder Ursache – was die Zahlen nicht zeigen

Der zentrale Punkt ist die Unterscheidung zwischen Korrelation und Kausalität. Die Studie zeigt, dass Landkreise mit größerer rechnerischer Nähe zu Kernkraftwerken eine höhere Krebssterblichkeit aufweisen. Sie zeigt nicht, dass Emissionen der Anlagen diese Fälle verursacht haben.

Es wurden keine individuellen Strahlendosen berechnet. Auch Umweltmessungen oder Ausbreitungsmodelle für radioaktive Stoffe flossen nicht ein. Die Nähe dient als statistischer Stellvertreter für mögliche Exposition.

Die US-Umweltbehörde EPA veröffentlicht eigene Risikomodelle für ionisierende Strahlung. Dort werden Krebsrisiken pro absorbierter Strahlendosis in Gray angegeben. Diese Modelle basieren auf umfangreichen epidemiologischen Daten. Sie lassen sich jedoch nicht direkt mit einer bloßen Distanzangabe verknüpfen.

Ohne belastbare Dosisabschätzung bleibt offen, ob die beobachteten Unterschiede tatsächlich durch Strahlung erklärbar sind oder ob andere Faktoren eine Rolle spielen. Denkbar sind etwa regionale Unterschiede in Industrie, sozioökonomischen Bedingungen oder medizinischer Versorgung. Genau hier liegt die wissenschaftliche Debatte.

Folgen für Immobilien, Vorsorge und Deutschland

Was heißt das nun für dich als Anwohner? Die Studie selbst trifft keine Aussagen zu Immobilienwerten oder Versicherungsprämien. Sie untersucht ausschließlich Krebssterblichkeit.

Ein statistischer Zusammenhang in der genannten Größenordnung führt nicht automatisch zu regulatorischen Konsequenzen. In den USA wie auch in Deutschland gelten feste Grenzwerte für Strahlenexposition der Bevölkerung. Diese basieren auf Dosisberechnungen und kontinuierlichem Monitoring, nicht auf bloßer geografischer Nähe.

Für Deutschland existieren eigene Strahlenschutz- und Überwachungsprogramme. Nach dem Atomausstieg sind keine kommerziellen Kernkraftwerke mehr am Netz. Für bestehende Zwischenlager und ehemalige Standorte gelten weiterhin Mess- und Berichtspflichten.

Konkrete Entschädigungs- oder Sonderregelungen für Immobilien in AKW-Nähe ergeben sich aus der US-Studie nicht. Auch für Vorsorgeuntersuchungen gibt es keine Empfehlung, allein aufgrund der Wohnlage zusätzliche Screenings durchführen zu lassen. Medizinische Leitlinien orientieren sich an individuellen Risikofaktoren wie Alter, Vorerkrankungen und Lebensstil.

Fazit

Die AKW-Studie USA Krebsrisiko liefert einen statistisch signifikanten Befund: Für Menschen ab 65 Jahren sind im Umfeld von Kernkraftwerken rechnerisch mehrere tausend zusätzliche Krebstodesfälle pro Jahr mit größerer Nähe assoziiert. Umgerechnet entspricht das grob einem einstelligen bis niedrigen zweistelligen Zusatzwert pro 100.000 Personen und Jahr.

Gleichzeitig fehlt eine direkte Dosisabschätzung. Ohne sie bleibt offen, ob und in welchem Ausmaß Strahlung tatsächlich die Ursache ist. Für einzelne Haushalte bedeutet das: Das gemessene Zusatzrisiko ist statistisch nachweisbar, aber in Relation zum allgemeinen Krebsrisiko begrenzt. Konkrete Auswirkungen auf Immobilienpreise oder Versicherungen lassen sich aus der Studie allein nicht ableiten.

Wenn du in der Nähe eines Standorts wohnst, lohnt sich ein Blick in die offiziellen Messberichte deiner Region – und eine nüchterne Einordnung der Zahlen statt reiner Schlagzeilen.

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