Wenn dein WLAN in der Wohnung trotz schnellem Anschluss schwankt, liegt das oft nicht am Internet, sondern an Funkstau in 2,4 und 5 GHz. Mit neuen Frequenzen im 6‑GHz‑Band (5945–6425 MHz) dürfen in der EU zusätzliche WLAN‑Kanäle genutzt werden. Diese WLAN-Funkregeln setzen dabei vor allem auf „Low Power Indoor“ (niedrige Sendeleistung in Innenräumen) und „Very Low Power“ (sehr niedrige Leistung) nach der EU‑Entscheidung 2021/1067 und der ETSI‑Norm EN 303 687. Das kann zu weniger Störungen, stabileren Verbindungen und mehr Tempo führen, solange Router und Geräte 6 GHz unterstützen.
Einleitung
Du streamst einen Film, das Bild wird matschig. Oder du sitzt im Video-Call, und genau beim wichtigen Satz friert die Verbindung ein. Solche WLAN‑Probleme entstehen häufig, weil sich viele Geräte und Nachbarn dieselben Funkkanäle teilen. Besonders in Mehrfamilienhäusern ist das 2,4‑ und 5‑GHz‑Band oft dicht belegt.
Genau hier setzt das 6‑GHz‑Band an: In der EU ist der Bereich 5945–6425 MHz für WLAN‑ähnliche Funknetze (WAS/RLAN) harmonisiert worden. Der praktische Effekt: Es gibt mehr Platz für schnelle Verbindungen, vor allem für breite Kanäle, die hohe Datenraten ermöglichen. Gleichzeitig sind die Regeln so ausgelegt, dass andere Funkdienste geschützt werden, etwa durch Leistungsgrenzen und feste Verfahren zur Kanalbelegung.
Wichtig ist die Erwartungshaltung: Das 6‑GHz‑Band ist nicht automatisch „stärker“, sondern eher „freier“. In Innenräumen kann das eine große Hilfe sein, weil weniger Kollisionen und weniger „Warteschlangen“ in der Luft entstehen. Draußen oder über sehr viele Wände hinweg bringen die EU‑Vorgaben dagegen bewusst Grenzen mit. Dieser Artikel ordnet ein, was sich technisch ändert und worauf du bei Router, Endgeräten und Platzierung achten solltest.
Was im 6‑GHz‑Band neu möglich ist
Die zentrale Änderung ist die Freigabe eines zusätzlichen Frequenzbereichs für WLAN‑Geräte in der EU: 5945–6425 MHz. Die Grundlage dafür ist die Commission Implementing Decision (EU) 2021/1067. Diese Quelle ist von 2021 und damit älter als zwei Jahre. Die technisch messbaren Anforderungen, nach denen Geräte entwickelt und geprüft werden, sind in der ETSI‑Norm EN 303 687 ausgearbeitet.
Damit du ein Gefühl für das „Warum“ bekommst, hilft ein Vergleich mit einer Straße: In 2,4 GHz und 5 GHz fahren sehr viele „Autos“ auf relativ wenigen Spuren. Im 6‑GHz‑Band kommen zusätzliche Spuren dazu. Das bedeutet nicht, dass jedes Auto schneller fährt, aber es gibt weniger Stau, weniger Ausweichmanöver und weniger Stop‑and‑Go. Gerade für moderne WLAN‑Standards wie Wi‑Fi 6E und Wi‑Fi 7 ist das attraktiv, weil sie hohe Datenraten besonders dann ausspielen, wenn sie breit und sauber funken können.
6‑GHz‑WLAN ist in der EU vor allem als Indoor‑Technik mit klaren Leistungsgrenzen gedacht.
Der EU‑Ansatz unterscheidet dabei Geräteklassen. Die ETSI‑Norm beschreibt unter anderem „Low Power Indoor“ (LPI) und „Very Low Power“ (VLP). Vereinfacht: LPI ist für leistungsbegrenztes WLAN in Innenräumen gedacht, VLP für sehr niedrige Leistungen, die in mehr Gerätekategorien passen können. Beide Klassen sind so definiert, dass sie Schutzmechanismen wie Listen‑Before‑Talk (vor dem Senden prüfen, ob der Kanal frei ist) nutzen und zudem Grenzen bei Sendeleistung und Leistungsdichte einhalten.
| Merkmal | Beschreibung | Wert |
|---|---|---|
| Frequenzbereich | Harmonisierter EU‑Block für WAS/RLAN | 5945–6425 MHz |
| LPI (Low Power Indoor) | Leistungsbegrenztes WLAN für Innenräume | 23 dBm mittlere EIRP; 10 dBm/MHz mittlere PSD |
| VLP (Very Low Power) | Sehr niedrige Leistung für kurze Distanzen | 14 dBm mittlere EIRP; 1 dBm/MHz mittlere PSD |
| VLP NB‑Modus | Schmalband‑Betrieb mit Zusatzauflagen | bis 10 dBm/MHz PSD; Duty‑Cycle ≤ 1/15; ≥ 15 Hop‑Frequenzen |
Wie die WLAN-Funkregeln im 6‑GHz‑Band funktionieren
Regeln wie „23 dBm EIRP“ wirken abstrakt, sind aber der Hebel dafür, dass neue WLAN‑Flächen entstehen können, ohne andere Funknutzer zu stören. EIRP (Equivalent Isotropically Radiated Power) ist die effektiv abgestrahlte Leistung inklusive Antennenwirkung. PSD (Power Spectral Density) beschreibt, wie viel Leistung pro Megahertz Bandbreite abgestrahlt wird. In der Praxis verhindern diese Grenzen, dass ein einzelner Sender „zu laut“ ist oder breitbandig zu viel Energie in die Umgebung drückt.
Mindestens genauso wichtig ist die Zugriffsregel auf den Kanal. ETSI EN 303 687 beschreibt Listen‑Before‑Talk‑Verfahren, also ein „erst hören, dann senden“. Dafür wird ein Schwellenwert genutzt, der Energy‑Detect‑Threshold (EDT). Die Norm gibt eine Formel vor, wie dieser Schwellenwert vom konfigurierten Leistungsmaximum abhängt: Für Pmax ≤ 14 dBm gilt EDT = −75 dBm/MHz; für 14 dBm < Pmax ≤ 24 dBm gilt EDT = −85 dBm/MHz + (24 dBm − Pmax); und für Pmax ≥ 24 dBm gilt EDT = −85 dBm/MHz. Das Ziel ist ein konsistentes Verhalten: Geräte sollen zuverlässig erkennen, dass ein Kanal belegt ist, und dann warten.
Die Norm unterscheidet außerdem zwischen zwei Zugriffsarten, die du dir wie zwei „Ampelsysteme“ vorstellen kannst. Frame‑Based Equipment (FBE) arbeitet in festen Zeitrahmen und darf nur innerhalb definierter Fenster senden, wenn der Kanal frei ist. Load‑Based Equipment (LBE) nutzt einen Backoff‑Mechanismus mit Prioritätsklassen, bei dem ein Gerät zufällig wartet und bei belegtem Kanal zurückstellt. Das klingt nach Overkill, ist aber genau der Grund, warum viele Geräte überhaupt nebeneinander funken können, ohne dass alles zusammenbricht.
Zusätzlich gibt es Vorgaben zu unerwünschten Aussendungen, also zu spektralen Masken und Störabständen. Hier geht es um die „Sauberkeit“ des Signals: Ein Gerät soll im eigenen Kanal stark sein, daneben aber schnell leiser werden. Diese Anforderungen sind nicht nur Papier: ETSI beschreibt dazu konkrete Mess- und Testverfahren, die Hersteller im Zulassungsprozess nachweisen müssen. Für dich als Nutzer ist das indirekt wichtig, weil es die Wahrscheinlichkeit senkt, dass ein einzelnes schlecht konstruiertes Gerät das gesamte Band „verschmutzt“.
Was das für dein Zuhause konkret bedeutet
Mehr Spektrum klingt wie ein Gratis‑Upgrade, aber im Alltag hängt der Nutzen an drei Punkten: Unterstützung durch deine Geräte, sinnvoller Standort des Routers und realistische Reichweiten-Erwartung. 6‑GHz‑WLAN setzt kompatible Hardware voraus. In der Praxis bedeutet das: Ein Router oder Mesh‑System muss Wi‑Fi 6E oder Wi‑Fi 7 beherrschen, und auch Smartphone, Tablet oder Laptop brauchen ein entsprechendes Funkmodul. Ohne passende Endgeräte bleibt 6 GHz „leer“, selbst wenn dein Router es anbietet.
Dann die Funkphysik: Höhere Frequenzen werden durch Wände stärker gedämpft als niedrigere. Das ist nicht als Zahl im Bericht belegt, aber es ist der Grund, warum 6 GHz im selben Raum oft sehr gut funktioniert und über mehrere massive Wände weniger. Der EU‑Ansatz unterstützt das indirekt, weil LPI ausdrücklich auf Innenräume zielt. Für dich ist das eine klare Empfehlung: Stell den Router so, dass die wichtigsten Geräte möglichst wenige dicke Hindernisse dazwischen haben. In vielen Wohnungen hilft ein zentraler Standort, nicht der Keller oder die Ecke hinter dem TV‑Board.
Wo das 6‑GHz‑Band besonders auffällt, ist Stabilität unter Last. Eine Messstudie zu dichten Indoor‑Wi‑Fi‑6E‑Setups berichtet, dass unter den LPI‑Rahmenbedingungen eine schädliche Störung von festen Outdoor‑Diensten unwahrscheinlich ist, betont aber auch, dass Aggregationseffekte (viele Geräte zusammen) und Worst‑Case‑Szenarien weiter untersucht werden sollten. Für dein Zuhause ist das eine gute Nachricht: Das Band ist so gedacht, dass viele Geräte gleichzeitig funken können, ohne dass jeder einzelne extrem „laut“ sein muss.
Praktisch kannst du profitieren, wenn du typische Engpässe angehst: Nutze, wenn möglich, 6 GHz für zeitkritische Geräte (Arbeitslaptop, Spielkonsole, TV‑Streaming) und lass weniger wichtige Smart‑Home‑Sensoren auf 2,4 GHz. Achte außerdem auf aktuelle Router‑Firmware. Die ETSI‑Vorgaben enthalten detaillierte Zugriffsregeln; in der Realität entscheidet Firmware mit darüber, wie sauber ein Gerät diese Regeln umsetzt. Das ist kein Garant für „mehr Speed“, aber oft ein echter Stabilitätshebel.
Chancen, Grenzen und die nächste Ausbaustufe
Die spannendste Chance der 6‑GHz‑Freigabe ist nicht ein einzelner Maximalwert, sondern die Entlastung der alten Bänder. Mehr freie Kanäle bedeuten weniger Überlappung, weniger gegenseitiges „Anschreien“ und oft eine bessere Planbarkeit für Mesh‑Systeme. Genau das kann sich als „schneller und stabiler“ anfühlen, obwohl die Sendeleistung nicht steigt.
Gleichzeitig ist die EU‑Variante bewusst konservativ. Der Bericht stellt heraus, dass Europa beim Start auf LPI/VLP setzt und keinen AFC‑Mechanismus (Automated Frequency Coordination, also eine Datenbank‑Freigabe für höhere Leistung) als Voraussetzung gewählt hat. Das vereinfacht die Nutzung in Innenräumen, begrenzt aber Reichweite und Outdoor‑Szenarien. Wer also hofft, mit 6 GHz den Garten oder das gesamte Mehrparteienhaus besser zu versorgen, wird eher an Physik und Regeln scheitern als an der Internetleitung.
Ein weiterer Punkt ist Qualitätssicherung: ETSI beschreibt umfangreiche Konformitätstests, unter anderem für spektrale Masken, Leistungsdichten und Kanalzugriffsverhalten. Das ist wichtig, weil 6 GHz auch Dienste berührt, die sehr empfindlich sind. Eine ESF‑CRAF‑Übersicht (2023) betont beispielsweise, dass bei Schutzfragen nicht nur einzelne Geräte, sondern auch die Summe vieler Geräte betrachtet werden muss. Für dich übersetzt: Seriöse Hersteller investieren in sauberes Funkdesign, und Updates sind nicht nur Komfort, sondern Teil der Regel‑Wirklichkeit.
Was ist „die nächste Stufe“? Technisch ist klar, dass höhere Leistung in manchen Ländern über AFC‑Modelle diskutiert wird. Ob und wann solche Modelle in Europa kommen, lässt sich aus den hier vorliegenden Quellen nicht belastbar ableiten. Greifbar ist dagegen, was schon jetzt möglich ist: In gut geplanten Indoor‑Netzen kann 6 GHz ein Weg sein, die „Stau‑Probleme“ zu reduzieren. Und: Je mehr neue Geräte 6 GHz nutzen, desto mehr Luft bleibt im 5‑GHz‑Band für ältere Hardware.
Fazit
Die EU hat mit der Harmonisierung des 6‑GHz‑Bands (5945–6425 MHz) einen zusätzlichen Funkraum für moderne WLAN‑Technik geschaffen. Die dazugehörigen Vorgaben in ETSI EN 303 687 setzen auf klare Leistungsgrenzen (LPI/VLP) und auf verbindliche Verfahren, die vor dem Senden prüfen, ob der Kanal frei ist. Für dein Zuhause heißt das vor allem: weniger Gedränge in der Luft, oft stabilere Verbindungen und mehr Reserven für schnelle Streams oder Video‑Calls. Der Preis ist eine eher auf Innenräume optimierte Reichweite. Wenn du Router und Endgeräte mit 6 GHz hast und den Standort sinnvoll wählst, ist der Nutzen am größten.






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