Ein 1,9 Gigawatt Clean Energy Deal bringt 1.400 MW Wind, 200 MW Solar und eine 300 MW starke 100 Stunden Batterie zusammen. Hinter dem Projekt stehen Google und Xcel Energy. Entscheidend ist die Speicherdauer: Mit 100 Stunden und rund 30 GWh Kapazität zielt der Langzeitspeicher Stromnetz auf mehrere Tage Flaute statt nur auf wenige Abendstunden. Der Artikel ordnet ein, was technisch neu ist, wie sich das von klassischen 2–4‑Stunden‑Batterien unterscheidet und welche offenen Fragen bei Kosten, Effizienz und Skalierung bleiben.
Einleitung
Wenn du dich fragst, wie ein Stromnetz mit immer mehr Wind- und Solarstrom stabil bleiben soll, landest du schnell beim Thema Speicher. Ein paar Stunden überbrücken ist heute Standard. Doch was passiert, wenn mehrere Tage lang kaum Wind weht und die Sonne schwach bleibt? Genau hier setzt eine neue Größenordnung an: Ein 1,9 Gigawatt Clean Energy Deal kombiniert große Mengen erneuerbarer Erzeugung mit einer 100 Stunden Batterie.
Laut Xcel Energy umfasst das Paket 1.400 Megawatt Windkraft, 200 Megawatt Solarenergie und eine 300 Megawatt starke Langzeitbatterie. Bei 100 Stunden Speicherdauer ergibt das rechnerisch 30 Gigawattstunden Energie. Diese Zahl klingt abstrakt, ist aber im Vergleich zu bisherigen Großbatterien außergewöhnlich hoch. Die Frage ist also nicht nur, wie groß das Projekt ist, sondern was es im Alltag eines Stromnetzes verändert.
Was genau umfasst der 1,9‑GW‑Deal?
Nach Angaben von Xcel Energy soll der neue Vertrag die Versorgung eines Google‑Rechenzentrums in Minnesota absichern. Insgesamt geht es um 1.900 Megawatt neue saubere Erzeugung und Speicherleistung. Der größte Anteil entfällt auf Wind mit 1.400 MW, hinzu kommen 200 MW Solar. Der dritte Baustein ist die 300 MW starke Batterie von Form Energy.
Die Besonderheit liegt in der Kombination aus Leistung und Dauer. 300 MW geben an, wie viel Strom die Anlage gleichzeitig ins Netz einspeisen kann. Die 100 Stunden beschreiben, wie lange sie diese Leistung theoretisch durchhalten kann. Multipliziert man beides, kommt man auf 30.000 Megawattstunden, also 30 GWh. Diese Größenordnung wird auch in der Berichterstattung von TechCrunch bestätigt.
Zum Vergleich: Ein typischer Vier‑Stunden‑Speicher mit ebenfalls 300 MW Leistung käme auf 1.200 MWh oder 1,2 GWh. Die hier geplante Anlage speichert also ein Vielfaches an Energie. Form Energy setzt dabei auf eine sogenannte Eisen‑Luft‑Batterie. Das Grundprinzip nutzt die reversible Oxidation von Eisen, also vereinfacht gesagt Rostbildung und Rückverwandlung. Die Materialien gelten als günstig und gut verfügbar, was laut Unternehmen langfristig zu niedrigen Kosten pro Kilowattstunde führen soll.
| Merkmal | 100 Stunden Batterie | 4‑Stunden‑Batterie |
|---|---|---|
| Leistung | 300 MW | 300 MW |
| Speicherdauer | 100 Stunden | 4 Stunden |
| Energieinhalt | 30 GWh | 1,2 GWh |
100 Stunden Batterie vs. 4‑Stunden‑Speicher
Großbatterien mit zwei bis vier Stunden Laufzeit sind heute im Strommarkt etabliert. Sie reagieren schnell, gleichen kurzfristige Schwankungen aus und verschieben Solarstrom vom Mittag in die Abendstunden. Ihre typische Rundlaufwirkungsgrad liegt laut Branchenangaben bei etwa 85 bis 95 Prozent.
Bei der Eisen‑Luft‑Technologie von Form Energy wird in Berichten eine geringere Effizienz von rund 50 bis 70 Prozent genannt. Das bedeutet, ein Teil der eingespeicherten Energie geht beim Laden und Entladen verloren. Für kurze Zyklen wäre das ein klarer Nachteil. Bei mehrtägigen Engpässen verschiebt sich die Rechnung, weil hier vor allem die verfügbare Energiemenge zählt.
Form Energy nennt als langfristiges Ziel Kosten von etwa 20 US‑Dollar pro Kilowattstunde installierter Speicherkapazität. Eine 30‑GWh‑Anlage läge damit rechnerisch bei rund 600 Millionen US‑Dollar auf Basis dieser Zielgröße. Zum Vergleich: Bei 200 US‑Dollar pro Kilowattstunde, einem häufig genannten Richtwert für Lithium‑Ionen‑Systeme, käme man für die gleiche Energiemenge auf etwa 6 Milliarden US‑Dollar. Ob diese Zielwerte im realen Großprojekt erreicht werden, ist offen. Verlässliche Gesamtkosten für das konkrete 1,9‑GW‑Paket wurden bislang nicht veröffentlicht.
Warum Langzeitspeicher jetzt wichtig werden
Mit wachsendem Anteil von Wind und Solar steigen die Phasen, in denen sehr viel oder sehr wenig Strom erzeugt wird. Kurzfristige Schwankungen lassen sich mit bestehenden Batterien gut abfedern. Schwieriger sind mehrtägige Wetterlagen mit wenig Erzeugung. Hier braucht das Netz Reserven, die länger durchhalten als nur ein Abend.
Hinzu kommt der steigende Strombedarf durch große Rechenzentren. Gerade Anwendungen rund um künstliche Intelligenz treiben den Verbrauch. Ein einzelnes neues Rechenzentrum kann mehrere hundert Megawatt Anschlussleistung benötigen. Wenn solche Lasten planbar und klimafreundlich versorgt werden sollen, sind zusätzliche erneuerbare Kapazitäten und Speicher nötig.
Netzbetreiber profitieren, weil ein 100 Stunden Batterie‑System theoretisch mehrere Tage Dunkelflaute überbrücken kann. Industrie und Betreiber von Rechenzentren erhalten mehr Planungssicherheit. Für Verbraucher wirkt sich das indirekt aus: Wenn extreme Preisspitzen im Großhandel seltener werden, stabilisiert das langfristig auch Endkundenpreise. Garantien gibt es dafür nicht, aber das Instrumentarium im Netz wird breiter.
Offene Fragen zu Effizienz, Kosten und Rollout
So groß die Ankündigung ist, viele Details stehen noch aus. Das Projekt muss regulatorisch genehmigt werden. Öffentliche Unterlagen mit vollständigen Investitionssummen, Bauzeitplänen und technischen Spezifikationen liegen bislang nur in Grundzügen vor.
Technisch stellt sich die Frage nach Lebensdauer und Degradation. Pilotanlagen von Form Energy, etwa mit 1,5 MW Leistung und 150 MWh Kapazität, existieren bereits. Der Sprung auf 300 MW und 30 GWh ist jedoch eine andere Dimension. Skalierung, Flächenbedarf und Netzanbindung werden entscheidend sein.
Auch die geringere Effizienz bleibt ein Faktor. Wenn nur 50 bis 70 Prozent der eingespeicherten Energie wieder nutzbar sind, muss mehr erneuerbarer Strom produziert werden, um dieselbe nutzbare Menge bereitzustellen. Ob die niedrigeren Zielkosten pro Kilowattstunde diesen Nachteil ausgleichen, wird sich erst im Betrieb zeigen. Für Europa wäre ein breiter Rollout realistisch, wenn erste Großprojekte zuverlässig laufen und Investoren belastbare Zahlen sehen. Ohne diese Referenzen bleibt es ein ambitioniertes Einzelprojekt.
Fazit
Der 1,9 Gigawatt Clean Energy Deal kombiniert große Wind- und Solarkapazitäten mit einer 100 Stunden Batterie von 300 MW Leistung und rund 30 GWh Energieinhalt. Damit verschiebt sich der Fokus im Stromnetz von Stunden hin zu Tagen. Technisch ist das ein deutlicher Unterschied zu klassischen 2–4‑Stunden‑Speichern. Wirtschaftlich hängt viel davon ab, ob die genannten Zielkosten von etwa 20 US‑Dollar pro Kilowattstunde erreichbar sind und wie sich Effizienz und Lebensdauer im realen Betrieb bewähren.





