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Wirtschaft

12 GW mehr Windkraft: Wann das den Strompreis drückt

Deutschland will zusätzliche Ausschreibungen für Onshore-Wind anstoßen. Für dich ist das vor allem dann relevant, wenn du auf sinkende Stromkosten hoffst oder wissen willst, warum…

Von Wolfgang

26. März 20267 Min. Lesezeit

12 GW mehr Windkraft: Wann das den Strompreis drückt

Deutschland will zusätzliche Ausschreibungen für Onshore-Wind anstoßen. Für dich ist das vor allem dann relevant, wenn du auf sinkende Stromkosten hoffst oder wissen willst, warum mehr Windräder nicht sofort auf der Rechnung ankommen. Der…

Deutschland will zusätzliche Ausschreibungen für Onshore-Wind anstoßen. Für dich ist das vor allem dann relevant, wenn du auf sinkende Stromkosten hoffst oder wissen willst, warum mehr Windräder nicht sofort auf der Rechnung ankommen. Der Windkraft Ausbau Deutschland kann den Börsenstrompreis dämpfen, aber erst mit Verzögerung. Entscheidend sind nicht nur neue Anlagen, sondern auch Netze, Speicher und die Frage, wie schnell Projekte überhaupt gebaut werden. Der Artikel ordnet ein, wer vom Zusatzvolumen profitiert, wo es hakt und wann mehr Windkraft im Alltag wirklich spürbar werden kann.

Das Wichtigste in Kürze

  • Zusätzliche Onshore-Auktionen bedeuten noch keinen schnellen Preisrutsch. Neue Windparks brauchen meist Jahre, bis sie Strom liefern.
  • Mehr Wind senkt tendenziell den Großhandelspreis, aber Haushaltsstrom hängt auch an Netzentgelten, Steuern, Abgaben und regionalen Engpässen.
  • Projektierer und Regionen bekommen neue Chancen, doch ohne schnellere Genehmigungen, Netzanschlüsse und mehr Speicher verpufft ein Teil des Effekts.

Einleitung

Wenn über neue Windkraftziele gesprochen wird, landet die eigentliche Frage schnell bei deinem Strompreis. Genau dort wird es kompliziert. Mehr Windstrom kann den Preis an der Strombörse drücken, weil teure Kraftwerke seltener gebraucht werden. Auf der Rechnung zu Hause zeigt sich das aber oft viel später oder nur teilweise. Dazwischen liegen Netzkosten, Marktregeln und der schlichte Umstand, dass ein geplanter Windpark nicht in wenigen Monaten fertig ist.

Der aktuelle Aufhänger ist deshalb eher eine Einordnung als eine fertige Preisansage. Rund 12 Gigawatt zusätzliche Ausschreibungen für Onshore-Wind stehen im Raum. Das ist viel Volumen, aber noch kein Beleg dafür, dass Haushalte kurzfristig weniger zahlen. Wichtiger ist, was daraus real gebaut wird, wann die Anlagen ans Netz gehen und ob Netze und Speicher mitziehen. Genau davon hängt ab, ob aus mehr Windkraft ein echter Preis- und Versorgungseffekt wird.

Was die zusätzlichen Auktionen praktisch bedeuten

Bei Onshore-Wind in Deutschland läuft die Förderung für größere Projekte in der Regel über Ausschreibungen. Entwickler bieten also auf ein begrenztes Volumen. Wer einen Zuschlag bekommt, hat damit noch keinen fertigen Windpark, aber eine deutlich bessere Grundlage für Finanzierung und Bau. Für Projektierer ist zusätzliches Ausschreibungsvolumen deshalb vor allem Planungssicherheit.

Die Bundesnetzagentur meldete für mehrere Windrunden 2025 eine hohe Konkurrenz. In den Suchergebnissen zu den veröffentlichten Mitteilungen tauchen für 2025 Zuschlagswerte von etwa 6,06 bis 7,00 Cent pro Kilowattstunde auf. Gleichzeitig wurden in einer Runde Gebote über 8.155 Megawatt genannt. Das zeigt zwei Dinge. Erstens ist das Interesse hoch. Zweitens ist ein Zuschlag kein knappes Nischenereignis mehr, sondern Teil eines großen Marktes.

Für Regionen mit geeigneten Flächen kann das zusätzliche Volumen neue Projekte anstoßen. Für Kommunen heißt das mögliche Pachteinnahmen, Beteiligungsmodelle und mehr wirtschaftliche Aktivität vor Ort. Für Stromkunden ist der Effekt indirekter. Mehr Ausschreibungen vergrößern das künftige Angebot an Windstrom. Sie senken aber noch nicht automatisch den Endpreis, weil zwischen Zuschlag, Bau und Einspeisung mehrere Jahre liegen können.

Warum mehr Wind den Strompreis nicht sofort senkt

Der wichtigste Mechanismus heißt Merit-Order-Effekt. Vereinfacht gesagt drückt zusätzlicher Windstrom teurere Kraftwerke aus dem Markt. Das senkt den Preis an der Börse, vor allem in Stunden mit viel Wind. Eine ältere, aber in der Sache klare ifo-Analyse für Deutschland kam zu dem Ergebnis, dass mehr Wind die Großhandelspreise senkt, zugleich aber die Schwankungen erhöht. Die Studie ist älter als 24 Monate und bildet den heutigen Markt nicht komplett ab. Als Grundmechanismus bleibt sie trotzdem nützlich.

Genau hier liegt der Unterschied zwischen Börsenpreis und Haushaltsstrom. Deine Rechnung besteht nicht nur aus dem eigentlichen Energiepreis. Netzentgelte, staatliche Preisbestandteile, Beschaffungskosten der Versorger und regionale Unterschiede spielen weiter mit. Selbst wenn Wind den Großhandel entlastet, kommt das also nicht eins zu eins im Tarif an.

Hinzu kommt, dass mehr Wind ab einem gewissen Punkt neue Bremsen mitbringt. Wenn in einer Region sehr viel Strom gleichzeitig anfällt, aber Leitungen oder Speicher fehlen, sinkt zwar lokal der Marktwert des Windstroms. Bundesweit kann der Nutzen dann trotzdem kleiner ausfallen als er auf dem Papier aussieht. Mehr Angebot allein reicht nicht. Es muss auch zur richtigen Zeit am richtigen Ort ankommen.

Wann neue Windparks realistisch Strom liefern

Der zeitliche Faktor wird oft unterschätzt. Zwischen Ausschreibung und Stromproduktion liegen nicht nur Bauarbeiten, sondern Genehmigungen, Flächensicherung, Netzanschluss und oft auch Rechtsstreitigkeiten. Gerade an diesen Punkten entstehen die bekannten Verzögerungen. Das Problem ist also weniger die Turbine selbst als der Weg dorthin.

Fraunhofer ISE beziffert die Onshore-Stromerzeugung für 2025 auf rund 106 Terawattstunden. Beim Zubau wurden etwa 4,5 Gigawatt genannt. Gleichzeitig verweist das Institut darauf, dass die installierte Leistung mit 68,1 Gigawatt noch unter dem Planwert von 76,5 Gigawatt lag. Das ist ein ziemlich nüchterner Hinweis darauf, wie schwer selbst politisch gewollter Ausbau in der Praxis vorankommt.

Für dich als Leser ist das der entscheidende Realitätscheck. Selbst wenn zusätzliche 12 Gigawatt ausgeschrieben werden, entsteht daraus kein schneller Mengenhebel innerhalb weniger Monate. Realistisch ist eher ein mehrjähriger Effekt. Je nach Genehmigungslage, Netzanschluss und lokaler Akzeptanz kann sich der Beitrag neuer Projekte deutlich nach hinten verschieben.

Woran sich der Preiseffekt von mehr Windkraft entscheidet
Aspekt Einordnung Wert
Onshore-Erzeugung 2025 Strom aus Wind an Land in Deutschland 106 TWh
Onshore-Zubau 2025 Neu installierte Leistung 4,5 GW
Installierte Leistung Stand laut Fraunhofer ISE 68,1 GW
Planwert 2025 Zum Vergleich genannter Zielwert 76,5 GW

Wer profitiert und was den Effekt noch ausbremsen kann

Projektierer profitieren zuerst, weil zusätzliche Runden mehr Chancen auf Zuschläge schaffen. Regionen mit ausgewiesenen Flächen profitieren dann, wenn Projekte tatsächlich genehmigt und gebaut werden. Industrieunternehmen mit hohem Stromverbrauch schauen besonders auf den Großhandelspreis, weil dort jeder Rückgang direkt wichtiger ist als für Privathaushalte. Für Haushalte zählt am Ende, ob Versorger sinkende Beschaffungskosten weitergeben und wie sich Netzkosten entwickeln.

Der größte Bremsklotz ist nicht der Wind selbst, sondern die Systemintegration. Fraunhofer ISE berichtet für 2025 von einem durchschnittlichen Day-Ahead-Preis von 86,55 Euro je Megawattstunde und zugleich von stark wachsenden Batteriespeichern. Große Batteriespeicher kamen auf 3,7 Gigawattstunden, insgesamt wurden rund 25 Gigawattstunden Speicher genannt. Der geschätzte Bedarf bis 2030 liegt mit 100 bis 170 Gigawattstunden deutlich höher. Diese Lücke zeigt, warum mehr Wind nicht automatisch in stabile, günstige Strompreise übersetzt wird.

Ein schnelles Szenario wäre möglich, wenn Genehmigungen zügiger laufen, Netzanschlüsse rechtzeitig kommen und Speicher stark zulegen. Dann würde mehr Wind häufiger genau dann wirken, wenn der Markt teuer ist. Das langsamere Szenario kennst du bereits aus vielen Infrastrukturprojekten. Zuschläge werden erteilt, der Bau zieht sich, Leitungen fehlen, und der gewünschte Preiseffekt bleibt kleiner oder kommt später.

Fazit

Die zusätzlichen 12 Gigawatt Onshore-Wind sind wichtig, weil sie den Ausbaupfad verbreitern und mehr künftigen Windstrom in Aussicht stellen. Für den Strompreis bedeutet das aber keine schnelle, sichere Entlastung mit Datum. Mehr Wind kann den Großhandelspreis drücken, doch bis daraus bei dir zu Hause ein spürbarer Effekt wird, müssen Projekte gebaut, Netze ausgebaut und Speicher ergänzt werden. Genau dort entscheidet sich, ob das Zusatzvolumen mehr ist als ein politisches Signal.

Unterm Strich ist die Richtung klar. Mehr Wind verbessert die Versorgung und kann Kosten im System dämpfen. Die offene Frage ist das Tempo. Wer auf sinkende Preise schaut, sollte deshalb weniger auf die Ankündigung selbst achten und mehr auf die nächsten Jahre bei Genehmigungen, Netzanschlüssen und Speichern.

Beobachte nicht nur neue Ausschreibungen, sondern auch, wie viele Projekte wirklich gebaut werden. Erst daran misst sich der Effekt auf den Strommarkt.